Pilobolus crystallinus, im Deutschen gelegentlich als „Dungkanone“ oder „Hutschleuderpilz“ bezeichnet, gehört zur Ordnung der Mucorales innerhalb des Pilzstamms Mucoromycota. Seine Besonderheit liegt in einer ausgeklügelten Verbreitungsstrategie: Er klebt seine Sporenpakete gezielt auf Vegetation, damit weidende Tiere sie mit der Nahrung aufnehmen.
Diese Kombination aus winziger Größe und extremer physikalischer Leistung macht Pilobolus crystallinus zu einem der ungewöhnlichsten Beispiele biologischer Verbreitungsmechanismen im Pilzreich.
Fruchtkörper und Bestimmung
Das auffälligste Merkmal von Pilobolus crystallinus ist sein zweiteiliger Aufbau aus einem schlanken Sporangiophor und einem kugelförmigen, dunklen Sporangium an dessen Spitze, das über einer aufgeblähten, sogenannten subsporangialen Vesikel sitzt. Diese Vesikel ist der eigentliche „Abschussmechanismus“ des Pilzes.
Die Entwicklung verläuft in sechs klar unterscheidbaren Stadien: Zunächst streckt sich die Spitze des Sporangiophors, ohne sich zu drehen. Dann bildet sich das Sporangium aus, worauf eine kurze Wachstumspause folgt. Anschließend schwillt die subsporangiale Vesikel unterhalb des Sporangiums an, während die Spore reift und der darunterliegende Hyphenabschnitt weiterwächst. Im letzten Stadium platzt die Vesikel und schleudert das Sporangium fort.
Unter dem Elektronenmikroskop zeigt sich, dass die Oberfläche des Sporangiums mit Kristallen zweier unterschiedlicher Größen bedeckt ist. Die größeren Kristalle umschließen Dornen mit einer zentralen Pore, eine Struktur, die vermutlich mit der Haftung an Vegetation oder mit dem Ablösemechanismus zusammenhängt.
Auffällig ist außerdem, dass der Pilz normalerweise unterhalb der Oberfläche wächst, da eine Empfindlichkeit gegenüber Sauerstoff das radiale Wachstum der Hyphen hemmt.
Verbreitung und Lebensraum
Beobachtungsdaten zu Pilobolus crystallinus zeigen ein saisonal schwankendes Muster mit einem deutlichen Anstieg der Fundmeldungen in den Spätsommermonaten, besonders auffällig im September. Von einem niedrigeren Niveau in den Wintermonaten steigen die Meldungen ab dem Frühjahr allmählich an und erreichen ihren Höhepunkt, bevor sie zum Jahresende wieder abklingen.
Da es sich hierbei um reine Präsenzbeobachtungen handelt, lassen sich daraus keine Aussagen über Häufigkeit, Bestandsgröße oder die vollständige natürliche Verbreitung ableiten. Die Daten deuten jedoch vorsichtig auf eine bevorzugte Sichtbarkeit oder Fruchtkörperbildung im Spätsommer und Frühherbst hin, was mit den Wachstumsbedingungen auf Dung in dieser Jahreszeit zusammenhängen könnte.

Wissenswertes
- Der Name „Dungkanone“ bezieht sich direkt auf die Fähigkeit des Pilzes, sein Sporangium wie aus einem Geschütz abzuschießen, um es an Vegetation zu heften.
- Die Sporenpakete werden gezielt so platziert, dass weidende Tiere sie mit der Nahrung aufnehmen – ein cleverer Trick, der den Lebenszyklus des Pilzes über den Verdauungstrakt der Tiere fortsetzt.
- Interessanterweise trägt auch eine bekannte amerikanische Tanzkompanie, die 1971 am Dartmouth College gegründet wurde, den Namen „Pilobolus“ – inspiriert von der athletischen, kraftvollen Bewegung dieses winzigen Pilzes.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Mucoromycota
- Klasse
- Mucoromycetes
- Ordnung
- Mucorales
- Familie
- Pilobolaceae
- Gattung
- Pilobolus
- Art
- Pilobolus crystallinus
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



