Der Pilz verrät sich oft schon durch seinen Geruch: Die Fruchtkörper riechen nach Mandeln oder Marzipan. Sein Stielfuß ist bauchig in der Mitte und läuft nach unten wurzelartig zu, daher stammt der Artname radicosum.
Hebeloma radicosum ist ein Blätterpilz aus der Familie der Hymenogastraceae in der Ordnung der Agaricales. Er kommt in Japan, Europa und Nordamerika vor. Seine Fruchtkörper wachsen auf dem Boden, oft verstreut oder in kleinen Gruppen.
Wer den Pilz bestimmen will, achtet auf die Kombination aus Mandelgeruch, dem wurzelartig verjüngten Stiel und dem klebrigen Hut.
Fruchtkörper und Bestimmung
Der Hut ist anfangs gewölbt und flacht mit dem Alter ab. Er misst 5 bis 10 cm im Durchmesser. Frische Hüte sind klebrig, und ihre Farbe reicht von gelblich braun über goldbraun bis ocker oder blassem Zimt. Zum Rand hin ist der Hut heller. Junge Hutränder sind nach innen eingerollt und tragen oft hängende Reste des Velums.
Die Lamellen sind ausgebuchtet bis fast frei am Stiel angewachsen. Ihre Schneiden sind im Alter gezähnt oder gefranst. Anfangs weiß, wechseln sie mit der Sporenreife von Ocker nach rötlich braun. Der Sporenabwurf ist rostbraun bis zimtbraun. Die Sporen sind mandelförmig, warzig und messen 8 bis 10 mal 5 bis 6 µm.
Der Stiel wird 7,5 bis 18 cm lang und 1,3 bis 2,5 cm dick. Er ist in der Mitte meist verdickt und an beiden Enden verjüngt, unten wurzelartig. Der Stielfuß ist mit blassbraunen Fasern und wattigen Schüppchen bedeckt, die auf cremefarbenem Grund sitzen. Der Stiel ist fest und massiv, und im oberen Teil trägt er einen Ring. Das Fleisch schmeckt mild und riecht nach Mandeln oder Marzipan. Für den Geruch sind mehrere aromatische Verbindungen verantwortlich, darunter Benzaldehyd und Phenylessigsäure.
Ähnlich sieht Hebeloma radicosoides aus, eine Art aus Japan, die am gelberen Hut und am fehlenden Geruch zu unterscheiden ist. Nach Harnstoffgaben im Boden fruchtet nur Hebeloma radicosoides, nicht Hebeloma radicosum. Eine weitere Verwechslungsart ist Hypholoma radicosum. Sie hat ebenfalls einen wurzelnden Stiel, ist aber schlanker und riecht stark nach Iodoform.
Verbreitung und Lebensraum
Der Pilz ist in Japan, Europa und Nordamerika nachgewiesen. Seine Fruchtkörper wachsen auf dem Boden, verstreut oder in Gruppen, auf Erde und Grasflächen.
In Siedlungsgebieten findet man ihn auch an Sträuchern und Hecken. Der Pilz nutzt damit sowohl offene Grasflächen als auch Gehölzränder in bewohnten Gebieten.
Die Beobachtungen konzentrieren sich deutlich auf den Herbst, vor allem auf die Monate September und Oktober.

Ökologie und Wechselbeziehungen
Hebeloma radicosum ist ein Ammoniakpilz. Er wächst an Stellen, an denen Ammoniak im Boden anfällt, vor allem an den Latrinen von Maulwürfen, Waldmäusen und Spitzmäusen. Die Art wurde deshalb auch genutzt, um das Nistverhalten von Maulwürfen zu untersuchen.
In Japan wurde beobachtet, dass Männchen der Fliegengattung Suillia auf den Fruchtkörpern ruhen. Sie verteidigen dort ihr Revier gegen Artgenossen, während sie auf paarungsbereite Weibchen warten.
Nutzung und Kulturgeschichte
Der Pilz hat keine Bedeutung als Speisepilz. Er gilt als giftig und verursacht Magen-Darm-Beschwerden.
Kulturell spielt der Pilz kaum eine symbolische oder heilkundliche Rolle. Er taucht gelegentlich auf europäischen mykologischen Festen oder Exkursionen als Art von besonderem Interesse auf.
Wissenswertes
- Im Labor lassen sich die Fruchtkörper in Reinkultur ziehen. Sie wachsen negativ gravitropisch, also vom Erdmittelpunkt weg, und nicht phototropisch.
- Licht ist für die Bildung der Anlagen nicht nötig, wohl aber für deren Differenzierung und Reife. Die Empfindlichkeit gegenüber Schwerkraft und Licht hängt vermutlich damit zusammen, dass der Pilz tief im Boden Anlagen bildet und die Fruchtkörper oberirdisch entwickelt.
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Basidiomycota
- Klasse
- Agaricomycetes
- Ordnung
- Agaricales
- Familie
- Hymenogastraceae
- Gattung
- Hebeloma
- Art
- Hebeloma radicosum
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



