Kaum ein Pilz sieht so fremdartig aus wie der Tintenfischpilz (Clathrus archeri): Aus einem weißen, eiförmigen Gebilde brechen plötzlich vier bis sechs rötliche, armähnliche Fortsätze hervor, die sich sternförmig ausbreiten und an die Tentakel eines Kraken erinnern. Im reifen Zustand verströmt der Pilz einen Geruch nach verwesendem Fleisch, der gezielt Fliegen und andere Insekten anlockt.
Der Pilz gehört zur Familie der Phallaceae innerhalb der Basidiomyceten und wurde erstmals 1859 anhand eines Fundes aus Tasmanien beschrieben; seinen heutigen wissenschaftlichen Namen erhielt er erst 1980. Ursprünglich vermutet man seine Heimat in Australien, Neuseeland oder Afrika, doch mittlerweile ist er auch in Europa und Nordamerika anzutreffen.
Besonders spannend macht den Tintenfischpilz sein doppeltes Erscheinungsbild: die unauffällige „Ei
Fruchtkörper und Bestimmung
Das auffälligste Merkmal des Tintenfischpilzes ist seine zweistufige Entwicklung: Zunächst bildet sich ein weißes, kugelig bis eiförmiges Gebilde von 3 bis 4 Zentimetern Höhe, an dessen Basis feine, fadenartige Myzelstränge sitzen. Aus diesem „Ei
Verbreitung und Lebensraum
Die ursprüngliche Heimat des Tintenfischpilzes gilt als umstritten. Pietras et al. (2021) sowie Johnson & Jürgens (2010) führen Australien, Neuseeland und Afrika als natives Verbreitungsgebiet auf. Der neuseeländische Mykologe Jerry Cooper vertritt dagegen die Ansicht, dass die Art aus Australien nach Neuseeland eingeschleppt wurde und in beiden Ländern in den 1930er-Jahren als selten galt; er hält es sogar für möglich, dass weder Australien noch Neuseeland das eigentliche Ursprungsgebiet darstellen.
Seit dem frühen 20. Jahrhundert breitet sich die Art auch in Europa aus. Die ersten Nachweise stammen von 1914 aus Großbritannien und Frankreich; vermutlich wurde der Pilz über australische Wollimporte oder mit Nachschub für den Ersten Weltkrieg eingeschleppt. Von Frankreich aus verbreitete er sich zunächst nach Belgien, später nach Österreich, Deutschland, in die Schweiz und nach Italien. Weitere Nachweise liegen unter anderem aus Bosnien und Herzegowina, Tschechien, Kroatien, Polen, Slowenien, Rumänien und der Ukraine vor, außerdem aus Südamerika und Madagaskar. Aufgrund dieser Ausbreitung wird die Art nach der Definition der IUCN als potenziell invasiv eingestuft.
Als Zersetzer besiedelt der Tintenfischpilz verschiedene Bodentypen, bevorzugt jedoch feuchte, saure Böden und meidet kalkhaltige Standorte. In Australien und Neuseeland wächst er häufig auf morschem Holz von Eukalyptus- und Nothofagus-Bäumen, in Europa dagegen oft in Gärten, Parks und auf Rindenmulch, wohin er wahrscheinlich mit transportiertem Holzhackschnitzeln verschleppt wurde.
Monatliche Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen Anstieg der Fundmeldungen von wenigen Hundert im Winter auf über 4.000 im Oktober, bevor die Zahlen zum Jahresende wieder abfallen. Dieses Muster spricht für eine ausgeprägte herbstliche Fruchtsaison, wobei solche Meldezahlen lediglich Anwesenheitsnachweise sind und weder auf die tatsächliche Häufigkeit noch auf das vollständige Verbreitungsgebiet der Art schließen lassen.

Ökologie und Wechselbeziehungen
Der Tintenfischpilz lebt als Saprotroph und zersetzt totes organisches Material im Boden, in Mulch und in Waldstreu. Damit trägt er zum Abbau von Falllaub, Ästen und Holzresten bei und setzt darin gebundene Nährstoffe wieder frei.
Seine Fortpflanzung ist eng an Insekten gekoppelt: Der intensive Aasgeruch der reifen Fruchtkörper lockt vor allem Fliegen aus den Familien Calliphoridae, Muscidae und Sarcophagidae an. Diese fressen die dunkle, sporenhaltige Gleba von den Armen und scheiden die Sporen später an anderen Orten wieder aus, wodurch sich der Pilz ausbreitet. Diese Form der Bestäubung durch geruchsbasierte Täuschung ähnelt der Strategie mancher aasriechender Blüten.
Durch seine Vorliebe für Mulch, Holzhackschnitzel und Gartenerde findet der Pilz auch in menschlich geprägten Lebensräumen wie Parks und Gärten günstige Bedingungen, was seine Ausbreitung über weite Strecken begünstigt hat.
Nutzung und Kulturgeschichte
Über eine gezielte kulturelle oder rituelle Nutzung des Tintenfischpilzes gibt es keine gesicherten Belege. In vielen Volksüberlieferungen wurden übelriechende Pilze generell gemieden oder als Vorzeichen von Verwesung und Unglück gedeutet – ein Bild, das zur unheimlichen Erscheinung von Clathrus archeri passt.
Diese Deutung spiegelt sich auch in gebräuchlichen Namen wider: In Großbritannien und weiten Teilen Europas wird die Art „Teufelsfinger
Wissenswertes
- Der Gattungsname Clathrus stammt vom lateinischen Wort für „Gitter
Ökologie
Lebensraum
- Wald
- Waldgebiet
- Urban
- Gestörter Boden



