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Acker-Schmalwand

Arabidopsis thaliana

Kleine einjährige Pflanze mit grundständiger Blattrosette aus grünen, leicht behaarten Blättern und einem dünnen Blütenstiel mit winzigen weißen Blüten und schmalen, aufrechten Samenschoten.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
GebirgeSüßwasserGraslandGestörter BodenKraut
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Brassicales
Familie
Brassicaceae
Gattung
Arabidopsis
Art
Arabidopsis thaliana

Die Acker-Schmalwand, im Englischen unter den Namen thale cress, mouse-ear cress oder schlicht arabidopsis geführt, wächst meist unbeachtet an Straßenrändern und auf Ödland – und gilt dort schlicht als Unkraut.

Botanisch gehört sie zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae) innerhalb der Ordnung Brassicales. Ihre ursprüngliche Heimat erstreckt sich über weite Teile Eurasiens und Afrikas, von dort aus hat sie sich mittlerweile in gestörten Lebensräumen rund um den Globus etabliert.

So unauffällig sie wirkt, so eng ist sie mit gestörten, offenen Böden verbunden – ein Hinweis auf eine Lebensweise, die im Rest dieses Porträts genauer beleuchtet wird.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Acker-Schmalwand ist ihre bodenständige Blattrosette, aus der ein dünner, meist unverzweigter Blütenstiel aufsteigt. Die einjährige, selten zweijährige Pflanze erreicht üblicherweise eine Höhe von 20 bis 25 Zentimetern.

Die grundständigen Rosettenblätter sind grün bis leicht violett gefärbt, 1,5 bis 5 Zentimeter lang und 2 bis 10 Millimeter breit, mit ganzem bis grob gesägtem Blattrand. Am Stängel sitzen dagegen kleinere, ungestielte Blätter mit meist glattem Rand. Alle Blätter tragen feine, einzellige Härchen, sogenannte Trichome.

Die Blüten sind winzig – nur etwa 3 Millimeter im Durchmesser – und stehen in einer doldenartigen Traube (Corymbus) mit dem für Kreuzblütengewächse typischen Blütenbauplan. Aus ihnen entwickeln sich schmale Schoten, sogenannte Siliquae, von 5 bis 20 Millimetern Länge, die jeweils 20 bis 30 Samen enthalten.

Die Wurzel besteht aus einer einfachen, senkrecht wachsenden Hauptwurzel, an der sich später feinere Seitenwurzeln bilden. Diese Wurzeln gehen Beziehungen mit Bakterien der Rhizosphäre ein, etwa mit Bacillus megaterium.

Verbreitung und Lebensraum

Die Acker-Schmalwand besiedelt ein breites Spektrum offener, meist gestörter Standorte: Ebenen, Berghänge, Flussufer und Straßenränder, von Meereshöhe bis in etwa 2000 Meter Höhe.

Ihr natürliches Verbreitungsgebiet reicht weitgehend zusammenhängend vom Mittelmeerraum bis nach Skandinavien und von Spanien bis Griechenland; es umfasst Europa, Asien und Teile Afrikas, wo sie auch in tropischen Hochgebirgs-Lebensräumen vorkommt, möglicherweise auch im südlichen Afrika. Seit dem 17. Jahrhundert wurde sie zudem weltweit eingeführt und ist heute unter anderem in Nordamerika eingebürgert.

Die Art besiedelt bevorzugt felsige, sandige und kalkhaltige Böden und tritt häufig als Pionierpflanze auf frisch gestörtem Boden auf – etwa auf Ackerflächen, entlang von Bahnlinien oder auf Brachland. Trotz dieser Häufigkeit gilt sie wegen ihrer geringen Konkurrenzkraft und geringen Größe nicht als problematisches Unkraut.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche jahreszeitliche Häufung der Fundmeldungen im Frühjahr, mit einem Höhepunkt in den Monaten April und Mai. Da solche Meldungen lediglich das Auftreten und nicht die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet widerspiegeln, deuten sie vor allem auf die Frühjahrsaktivität der Pflanze hin, passend zu ihrem kurzen Lebenszyklus.

Karte der dokumentierten Nachweise von Arabidopsis thaliana
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
58.427
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Wachstum und Wuchsform

Die Acker-Schmalwand ist ein typischer Frühlingsflüchter: Sie kann ihren gesamten Lebenszyklus von der Keimung bis zur reifen Samenbildung innerhalb von etwa sechs Wochen abschließen. Der zentrale, blütentragende Stängel bildet sich bereits nach rund drei Wochen.

Trotz ihrer geringen Größe produziert eine einzelne Pflanze mehrere tausend Samen. Diese Kombination aus kurzer Generationszeit, kleinem Wuchs und hoher Samenzahl macht die Art zu einem der wichtigsten genetischen Modellorganismen überhaupt; sie lässt sich problemlos in Petrischalen, Töpfen oder Hydrokultur unter Kunstlicht oder im Gewächshaus anziehen.

Gerade weil ihre Blatt- und Blütenentwicklung vergleichsweise einfach und gut untersuchbar ist, diente die Acker-Schmalwand als Grundlage für grundlegende Erkenntnisse zur Blattbildung und zur Organentwicklung von Blüten – etwa zur Unterdrückung bestimmter Gene in der Blattanlage, die das Wachstum des Blattprimordiums einleitet. Zudem sind junge Keimlinge und ihre Wurzeln weitgehend durchsichtig, was sie ideal für die Beobachtung unter dem Mikroskop macht.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Die Acker-Schmalwand befruchtet sich überwiegend selbst: Die Rate der Fremdbestäubung liegt bei geschätzt unter 0,3 Prozent.

Genomweite Analysen des Kopplungsungleichgewichts deuten darauf hin, dass sich diese Selbstbestäubung vor etwa einer Million Jahren oder mehr entwickelt hat. Obwohl Selbstbefruchtung kaum genetische Vielfalt erzeugt, könnte sie einen anderen Vorteil bieten: Die bei der Meiose ablaufenden Prozesse ermöglichen eine rekombinative Reparatur von DNA-Schäden bei der Bildung der Keimzellen in jeder Generation – ein Vorteil, der ausreichen könnte, um dieses Verhalten über lange Zeiträume zu erhalten.

Mechanistisch geschieht die Selbstbestäubung durch sogenannte Präanthese-Autogamie: Die Befruchtung findet größtenteils bereits statt, bevor sich die Blüte überhaupt öffnet.

Ökologie und Wechselbeziehungen

Die Acker-Schmalwand tritt mit einer Vielzahl von Krankheitserregern in Wechselwirkung – Bakterien, Pilzen, Eipilzen, Viren und Fadenwürmern – und ist dadurch zu einem zentralen Modell für die Erforschung pflanzlicher Krankheitsresistenz geworden. Die meisten Pflanzen sind gegenüber den meisten Erregern resistent, weil sie diese durch sogenannte Nichtwirt-Resistenz gar nicht erst als Wirt zulassen; am Beispiel des Echten Mehltaus der Gräser, Blumeria graminis, konnten so die dafür verantwortlichen Gene identifiziert werden.

Bei einem ersten Erregerkontakt löst die Pflanze eine sogenannte PAMP-getriggerte Immunantwort aus: Spezialisierte Rezeptoren an der Zelloberfläche erkennen dabei charakteristische Muster der Erreger. Der am besten untersuchte dieser Rezeptoren, FLS2, erkennt das bakterielle Flagellin, während ein zweiter Rezeptor, EFR, das bakterielle Protein EF-Tu wahrnimmt. Beide lösen über eine gemeinsame Signalkaskade Abwehrreaktionen wie die Bildung von Callose oder einen oxidativen Ausbruch in der Zelle aus.

Eine stärkere, gezieltere Abwehr leistet die sogenannte Effektor-getriggerte Immunität, bei der pflanzliche Resistenzgene direkt oder indirekt Effektorproteine der Erreger erkennen. Über diese Mechanismen hat die Acker-Schmalwand grundlegend zum Verständnis beigetragen, wie Pflanzen sich generell gegen Krankheitserreger verteidigen.

Wissenswertes

  1. Die gängige Labormethode zur genetischen Transformation, der sogenannte floral dip, funktioniert denkbar einfach: Blütenknospen werden lediglich in eine Lösung aus Agrobacterium tumefaciens und einem Detergens getaucht – eine aufwendige Gewebekultur ist dafür nicht nötig.
  2. Die erste bildliche Darstellung der Art stammt aus einem alten Kräuterbuch, in dem sie unter dem Namen Pilosella siliquata abgebildet ist – benannt nach dem Botaniker Thal.
  3. Carl von Linné beschrieb die Pflanze 1753 anhand dieser Abbildung als Arabis thaliana; erst etwa ein Jahrhundert später wurde sie der Gattung Arabidopsis zugeordnet.

Ökologie

Lebensraum

  • Gebirge
  • Süßwasser
  • Grasland
  • Gestörter Boden

Wuchsform

  • Kraut

Fotos

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Kleine einjährige Pflanze mit grundständiger Blattrosette aus grünen, leicht behaarten Blättern und einem dünnen Blütenstiel mit winzigen weißen Blüten und schmalen, aufrechten Samenschoten.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life