Mit einer Schulterhöhe von bis zu 3,36 m und einem Gewicht von bis zu 6,9 Tonnen ist der Afrikanische Buschelefant (Loxodonta africana) das größte an Land lebende Tier der Erde. Das größte je vermessene Exemplar, ein 1974 in Angola erlegter Bulle, erreichte sogar eine Schulterhöhe von 3,96 m und ein geschätztes Gewicht von 10,4 Tonnen.
Die Art gehört zur Familie der Elefanten (Elephantidae) und lebt in weiten Teilen des südlich der Sahara gelegenen Afrikas, von Savannen über Wälder bis zu Wüstenrändern. Was den Buschelefanten besonders macht, ist nicht nur seine schiere Größe, sondern auch sein komplexes Sozialleben und seine Bedeutung als Ökosystemgestalter, die ihn zu einem der faszinierendsten Landtiere Afrikas machen.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal des Afrikanischen Buschelefanten sind seine riesigen, dreieckigen Ohren, die bis zu 2 m × 1,5 m groß werden können und beim Flattern helfen, Wärme abzugeben. Ausgewachsene Bullen erreichen im Schnitt eine Schulterhöhe von etwa 3,20 m und ein Gewicht von rund 6,0 Tonnen, während Kühe mit durchschnittlich 2,60 m Schulterhöhe und etwa 3,0 Tonnen deutlich kleiner bleiben.
Der Körper ist gekennzeichnet durch einen deutlich konkaven Rücken, eine nach vorn geneigte Hinterhauptsebene und einen langen, greiffähigen Rüssel mit zwei fingerartigen Fortsätzen an der Spitze. Die graue Haut trägt nur spärliche Haare und ist von feinen Rissen durchzogen, die zur Wärmeregulation beitragen, indem sie Wasser speichern.
Beide Geschlechter tragen gebogene, nach vorn gerichtete Stoßzähne aus verlängerten Schneidezähnen, die ihr Leben lang weiterwachsen. Bei Bullen wachsen diese deutlich schneller: Im Alter von 60 Jahren wiegen sie im Schnitt 109 kg, bei Kühen dagegen nur etwa 17,7 kg. Elefanten erreichen ihre maximale Körpergröße erst mit dem Verschluss der Wachstumsfugen, bei Bullen mit etwa 40, bei Kühen mit etwa 25 Jahren.
Ein Stoßzahnbruch, der im Freiland häufig vorkommt, führt meist zu schweren Infektionen, da das empfindliche Pulpagewebe freiliegt.
Verbreitung und Lebensraum
Der Afrikanische Buschelefant kommt in weiten Teilen des südlich der Sahara gelegenen Afrikas vor, unter anderem in Uganda, Kenia, Tansania, Botswana, Simbabwe, Namibia, Sambia, Angola, Malawi, Mali, Ruanda, Mosambik und Südafrika. Er bewohnt ein breites Spektrum an Lebensräumen: subtropische und gemäßigte Wälder, trockene und saisonal überflutete Graslandschaften, Waldgebiete, Feuchtgebiete und landwirtschaftliche Flächen, von Meereshöhe bis in Berglagen. In Mali und Namibia besiedelt er sogar Wüsten- und Halbwüstenregionen.
Die Bestandsentwicklung ist regional sehr unterschiedlich. Im Kruger-Nationalpark wuchs die Population zwischen 2003 und 2015 jährlich um 4,2 %, mit geschätzten mindestens 17.000 Tieren in der Umgebung des Parks. Botswana beherbergt mit rund 130.000 Tieren mehr Buschelefanten als jedes andere Land. In Ostafrika hingegen leben schätzungsweise 137.000 Elefanten, wobei die Population zwischen 2006 und 2013 durch starke Wilderei um 62 % zurückging. In Äthiopien sank der Bestand von 6.000–10.000 Tieren in den 1970er-Jahren auf nur noch 1.900–2.151 Individuen im Jahr 2015.
In West- und Zentralafrika sind die Bestände durch Lebensraumverlust und Fragmentierung infolge des raschen Bevölkerungswachstums bedroht; die Elefanten leben dort meist in isolierten, meist schrumpfenden Restgruppen. Landwirtschaftliche Erschließung, Bergbau und Abholzung zerschneiden ihre Lebensräume und erleichtern Wilderern zugleich den Zugang zu den Tieren.

Verhalten und Lebensweise
Afrikanische Buschelefanten sind meist langsame Tiere mit einer üblichen Gehgeschwindigkeit von etwa 6 km/h, können bei Bedarf aber bis zu 24 km/h schnell laufen. Im Schnitt legen sie rund 10 km pro Tag zurück, wobei die Strecke stark von der Verfügbarkeit von Nahrung abhängt – bei knappen Ressourcen können es bis zu 40 km täglich werden. Früher, bevor sie auf Schutzgebiete beschränkt wurden, wanderten sie saisonal über hunderte Kilometer zwischen verschiedenen Höhenlagen.
Die Grundlage der Elefantengesellschaft bildet die Familiengruppe aus mehreren erwachsenen Kühen, ihren Töchtern und noch nicht geschlechtsreifen Söhnen, angeführt von einer Matriarchin. Solche Gruppen umfassen meist 6 bis 70 Mitglieder und kooperieren bei der Futter- und Wassersuche, der Verteidigung und der gemeinsamen Aufzucht des Nachwuchses. Junge Bullen verlassen die Familiengruppe im Alter von etwa 10 bis 19 Jahren und leben danach allein oder in lockeren Männergruppen.
Ein zentrales Verhaltensmerkmal älterer Bullen ist die sogenannte Musth, eine Phase erhöhter Aggressivität und Fortpflanzungsbereitschaft, die mit Schwellung der Schläfendrüsen und Sekretaustritt einhergeht. Bei älteren Bullen dauert die Musth 2 bis 5 Monate jährlich und tritt vor allem während und nach der Regenzeit auf, wenn Kühe empfängnisbereit sind.
Kommunikation
Afrikanische Buschelefanten verständigen sich vor allem akustisch, wobei viele ihrer Rufe mit rund 20 Hz für Menschen kaum hörbar sind. Ihr Lautrepertoire reicht von Grollen und Trompeten über Schnauben, Brüllen und Bellen bis zu Grunzen; solche tieffrequenten Grolllaute können über 2 km weit wahrgenommen werden und dienen der Verständigung über weite Distanzen, etwa zur Anlockung von Paarungspartnern oder zur Abschreckung von Rivalen.
Visuell kommunizieren die Tiere über Rüssel- und Ohrbewegungen, während taktile Signale vor allem zwischen Mutter und Kalb sowie bei der Paarungswerbung eine Rolle spielen – etwa wenn ein rangniedrigeres Tier bei der Begrüßung die Rüsselspitze ins Maul eines ranghöheren Tieres steckt. Trompeten, Brüllen oder Knurren signalisieren Aggression, während ein leises Zwitschern Unterwerfung oder Einschüchterung ausdrückt.
Chemische Kommunikation erfolgt durch Duftmarkierungen: Paarungsbereite Bullen markieren Bäume und Sträucher mit ihren Stoßzähnen oder durch Sekretabsonderung, um ihre Anwesenheit im Revier anzuzeigen.
Ernährung und Nahrung
Afrikanische Buschelefanten sind Pflanzenfresser, die sich von Laub, Früchten, Kräutern, Gräsern und Holz einschließlich Wurzeln, Zweigen und Rinde ernähren. Um an Rinde oder Wurzeln zu gelangen, stürzen sie mitunter ganze Bäume um. Ihren Rüssel nutzen sie dabei als Werkzeug, um Wasser aufzunehmen und in den Mund zu befördern; täglich benötigen sie etwa 190 Liter Wasser.
Sie fressen den ganzen Tag über opportunistisch und gelten sowohl als Weidegänger als auch als Blattfresser. Welche Strategie überwiegt, hängt von Jahreszeit und Standort ab: Während der Regenzeit wählen sie wählerischer aus und bevorzugen Gräser, während sie in der Trockenzeit bei knapperem Nahrungsangebot deutlich flexibler werden.
In beiden Jahreszeiten bevorzugen sie jedoch stets Futterquellen mit hohem Nährwert.
Fortpflanzung und Jungenaufzucht
Die Paarung Afrikanischer Buschelefanten findet vor allem in der Regenzeit statt, wenn Bullen in Musth weite Strecken zurücklegen, um paarungsbereite Kühe anhand ihrer tieffrequenten Rufe und Urinspuren aufzuspüren. Während der Balz nähert sich der Bulle der Kuh, streichelt sie mit dem Rüssel und verfolgt sie, falls sie zurückweicht; schließlich lassen sich beide Tiere gegenseitig mit dem Rüssel berühren, bevor die Kuh sich dem Bullen hingibt. Kühe sind während der Östrusphase promiskuitiv und können sich mit mehreren Bullen paaren.
Nach der Paarung folgt eine Tragzeit von rund 22 Monaten, die von Umweltbedingungen beeinflusst werden kann. Meist wird nur ein Kalb geboren, das bei der Geburt zwischen 90 und 120 kg wiegt, im Schnitt etwa 100 kg. Zwillinge sind selten. Kühe gebären im Schnitt alle 3,9 bis 4,7 Jahre, wobei dieser Abstand je nach Region und Jagddruck stark schwankt – in Gebieten mit starker Bejagung wurde ein Geburtsintervall von nur 2,9 bis 3,8 Jahren beobachtet, in ruhigeren Gebieten wie dem Amboseli-Nationalpark dagegen bis zu 5 Jahre.
Kälber sind in den ersten vier Monaten vollständig von der Muttermilch abhängig, saugen aber gelegentlich bis zum dritten Lebensjahr weiter. Die vollständige Unabhängigkeit erreichen sie erst mit etwa acht Jahren. Bis dahin lernen sie von der gesamten Herde, wie sie ihren Rüssel einsetzen, Nahrung suchen und Hindernisse überwinden. Weibchen werden mit etwa 11 Jahren geschlechtsreif, Männchen deutlich später, mit rund 20 Jahren.
Bestand und ökologische Rolle
Der Afrikanische Buschelefant gilt als Schlüsselart und Landschaftsgestalter: Schon in geringer Zahl verändert er durch das Umstoßen und Beschädigen von Bäumen die Struktur der Vegetation nachhaltig und schafft so vielfältigere Lebensräume, von denen etwa Reptilien und Amphibien profitieren.
Erwachsene Elefanten gelten als nahezu unangreifbar für Raubtiere, doch Kälber unter zwei Jahren werden gelegentlich von Löwen oder Tüpfelhyänen erbeutet. Im Chobe-Nationalpark in Botswana griffen Löwen während einer Dürre zwischen 1993 und 1996 sogar 74 Elefanten an, darunter auch ältere Tiere. Die Art dient zudem zahlreichen Parasiten als Wirt, etwa Zecken, Egeln, Rundwürmern und Dasselfliegen, während Kuhreiher in einer für beide Seiten vorteilhaften Beziehung Hautparasiten von den Elefanten absammeln.
Krankheiten wie Anthrax fordern ebenfalls Opfer, besonders am Ende der Trockenzeit. Im Jahr 2019 starben dadurch über 100 Elefanten in Botswana, und zwischen April und Juni 2020 verendeten im Okavango-Delta über 400 Tiere nach dem Verzehr von durch Cyanobakterien vergiftetem Wasser.
Schutz und Bedrohungen
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Afrikanischen Buschelefanten als „gefährdet“ (Vulnerable) ein. Das Washingtoner Artenschutzabkommen CITES listet die Art je nach Land unterschiedlich: In Botswana, Namibia, Südafrika und Simbabwe gilt Anhang II, in allen anderen Ländern der strengere Anhang I, der jeglichen internationalen Handel verbietet.
Die größte Bedrohung ist Lebensraumverlust durch die Umwandlung natürlicher Flächen in Weideland, Plantagen und Siedlungsgebiete, was zunehmend zu Konflikten zwischen Mensch und Elefant führt. Wilderei bleibt ebenfalls gravierend: Zwischen 2003 und 2015 wurden in 29 Ländern 14.606 illegal getötete Buschelefanten gemeldet. Wilderer zielen vor allem auf Bullen wegen ihrer Stoßzähne, was zu einer verzerrten Geschlechterverteilung führt. Trotz eines internationalen Elfenbeinhandelsverbots seit 1989 verdoppelte sich der illegale Handel zwischen 2007 und 2014. Intensive Wilderei hat zudem zu einer genetischen Selektion geführt: In stark bejagten Gebieten wie dem Gorongosa-Nationalpark in Mosambik werden zunehmend Weibchen ohne Stoßzähne geboren.
Etwa 70 % des heutigen Verbreitungsgebiets liegen außerhalb geschützter Zonen, wodurch die Bedrohung anhält. Manche lokalen Bestände wachsen inzwischen jedoch so stark, dass Verhütungsprogramme oder Umsiedlungen notwendig wurden, um Lebensräume zu entlasten.
Kulturelle Bedeutung
Seit der Antike spielt der Elefant in der afrikanischen Kultur eine bedeutende Rolle, vor allem wegen seiner wertvollen Elfenbeinstoßzähne. Bei den Maasai in Kenia gilt der Elefant, dort Arkanjowe genannt, als menschenähnliches Wesen; einer Maasai-Legende zufolge verwandelte sich einst eine Frau, die sich vor ihrer Hochzeit umdrehte, in einen Elefanten.
Schon in der Altsteinzeit hielten prähistorische Menschen Nordafrikas Elefanten in Felskunst fest, etwa in der libyschen Tadrart Acacus, einem UNESCO-Weltkulturerbe, wo eine Felsgravur aus der Zeit von 12.000 bis 8.000 v. Chr. das Tier mit bemerkenswertem Realismus zeigt. Auch die San-Buschleute im südafrikanischen Cederberg-Gebiet schufen zwischen 3550 und 3070 v. Chr. Elefantendarstellungen, die auf ein tiefes Verständnis der sozialen Strukturen dieser Tiere hindeuten.
Wirtschaftlich wurden und werden Elefanten für Elfenbein, Fleisch, Haut und andere Körperteile genutzt – ihre Ohren etwa zu Leder verarbeitet, ihre Füße zu Möbeln. Angesichts des Gefährdungsstatus der Art lässt sich diese Nutzung heute jedoch kaum mehr rechtfertigen.
Wissenswertes
- Elefanten und der Asiatische Elefant zählen zu den wenigen Tieren mit einem außergewöhnlich großen und komplexen Neocortex, einem Merkmal, das sie mit Menschen, Menschenaffen und einigen Delfinarten teilen.
- Die ersten Backenzähne eines jungen Elefanten sind nur etwa 2 cm breit und 4 cm lang, während die letzten Backenzähne im hohen Alter bis zu 9,4 cm breit und 31 cm lang werden.
- Nach einer Geburt verscharrt die Mutter die Plazenta innerhalb von etwa 100 Minuten sorgfältig mit Erde.
Fotos
Fotos von by Patrick Jackson via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Cullen Hanks via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Cael Marquard via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Alan Manson via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.
Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Verhalten
- Aggressiv
- Sozial
- Tagaktiv
- Zugvogel
Ernährung
- Pflanzenfresser
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Mammalia
- Ordnung
- Proboscidea
- Familie
- Elephantidae
- Gattung
- Loxodonta
- Art
- Loxodonta africana
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
- AnAge Longevity



