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Besenheide

Calluna vulgaris

Niedriger, immergrüner Zwergstrauch mit winzigen schuppenartigen Blättern und dichten Ähren aus kleinen, malvenfarbenen Blüten auf einer offenen Heidefläche.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
FeuchtgebietWaldgebietBuschlandGebirgeStrauch
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Ericales
Familie
Ericaceae
Gattung
Calluna
Art
Calluna vulgaris

Als einzige Art der Gattung Calluna nimmt die Besenheide eine Sonderstellung innerhalb der Heidekrautgewächse (Ericaceae) ein.

Der immergrüne Zwergstrauch wird meist 20 bis 50 Zentimeter hoch, kann in Ausnahmefällen aber auch einen Meter und mehr erreichen. Er wächst weit verbreitet in Europa und Kleinasien auf sauren Böden, sowohl in vollsonnigen als auch mäßig schattigen Lagen.

Wer die violett schimmernden Heidelandschaften Nordeuropas kennt, hat meist unbewusst schon Calluna vulgaris vor Augen – eine Pflanze, die ganze Landschaften prägt und zugleich botanisch wie kulturell von Bedeutung ist.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das zuverlässigste Erkennungsmerkmal sind die winzigen, schuppenartigen Blätter: Sie werden weniger als 2 bis 3 Millimeter lang und stehen in gegenständigen, kreuzweise angeordneten Paaren. Damit unterscheidet sich die Besenheide deutlich von der nah verwandten Erica, deren Blätter größer sind und meist in Quirlen zu dritt oder viert, gelegentlich zu fünft, stehen.

Der Strauch erreicht in der Regel Wuchshöhen bis etwa 60 Zentimeter und bildet einen dichten, verzweigten Wuchs mit immergrünem, drahtigem Aussehen.

Von Juli bis September erscheinen die Blüten in endständigen Trauben mit kelchartigen Tragblättern an der Basis; der Fruchtknoten sitzt oberständig, die Frucht ist eine Kapsel. Wildpflanzen blühen meist mauve-violett, gelegentlich treten aber auch weißblühende Exemplare auf. Ungewöhnlich für die Gattung Erica sind zudem gefüllte Blüten, die bei Calluna vorkommen können.

In den Sprossen finden sich phenolische Verbindungen wie Chlorogensäure und ein bislang eigenständiges phenolisches Glykosid, deren Konzentration im Sommer am höchsten ist. Der Nektar enthält zudem eine Substanz namens Callunen, die den Trypanosomen-Parasiten Crithidia bombi bei Hummeln hemmt, indem sie dessen Begeißelung und damit die Fähigkeit zur Verankerung im Darm der Insekten beeinträchtigt.

Verbreitung und Lebensraum

Calluna vulgaris ist ursprünglich in Europa, auf Island, den Färöer-Inseln und den Azoren beheimatet. Der Strauch wurde zudem in zahlreiche andere Regionen mit passendem Klima eingeführt, darunter Nordamerika, Australien, Neuseeland und die Falklandinseln. Bemerkenswert ist seine Frosthärte: Die Pflanze überlebt starke Kälte und Frost deutlich unter −20 °C.

Sie besiedelt nährstoffarme, saure Böden in offenen Lagen – von trockenen Feldern über nasse Moore bis zu trockenen Heiden und Mooren. Auch Lichtungen in Kiefern-Birken-Wäldern, Eichenwälder und Standorte oberhalb der Baumgrenze gehören zu ihrem Lebensraum.

Als typische Begleitpflanzen in europäischen Heiden gelten unter anderem Waldkiefer (Pinus sylvestris), Fichte (Picea abies), Birken (Betula spp.), Glockenheiden (Erica spp.), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea), Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi), Krähenbeere (Empetrum nigrum), Weiden (Salix spp.), Himbeere (Rubus idaeus), Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum), Adlerfarn (Pteridium aquilinum), Seggen (Carex spp.), Draht-Schmiele (Deschampsia flexuosa), Pfeifengras (Molinia spp.), Rentierflechten (Cladonia spp.) sowie verschiedene Torf- und Widertonmoose.

Die monatlichen Beobachtungszahlen aus GBIF zeigen einen deutlichen Anstieg von Juni bis August mit einem Höhepunkt im Juli – diese Häufung dürfte vor allem mit der auffälligen Blütezeit zusammenhängen. Da es sich um reine Beobachtungsdaten handelt, lassen sich daraus jedoch keine Rückschlüsse auf Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet ziehen.

Karte der dokumentierten Nachweise von Calluna vulgaris
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
212.060
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Für Schafe und Wild ist die Besenheide eine wichtige Nahrungsquelle, besonders im Winter, wenn Schnee die niedrig wachsende übrige Vegetation bedeckt und nur die Sprossspitzen der Heide erreichbar bleiben. Moorschneehühner und Birkhühner fressen die jungen Triebe und Samen der Pflanze.

Der Heidekäfer (Lochmaea suturalis) ernährt sich sowohl als ausgewachsenes Tier als auch als Larve von Calluna vulgaris und kann dabei stellenweise zu massivem Absterben der Bestände führen. Auch die Raupen mehrerer Schmetterlingsarten nutzen die Pflanze als Nahrung, darunter die des Kleinen Nachtpfauenauges (Saturnia pavonia).

In Neuseeland, wo die Art eingeführt wurde, gilt sie inzwischen als invasiv und überwuchert einheimische Pflanzen, etwa im Tongariro-Nationalpark, am Mount Ruapehu und im Wilderness Reserve bei Te Anau. Zur Bekämpfung wurden dort gezielt Heidekäfer ausgesetzt, deren erste Freilandversuche bislang erfolgreich verlaufen sind.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Historisch wurde Besenheide zum Gelbfärben von Wolle und zum Gerben von Leder verwendet. Aus den getrockneten Zweigen band man Besen, eine Praxis, die im Volkslied „Buy Broom Buzzems“ des Newcastler Sängers William Purvis (18. Jahrhundert) festgehalten ist. In Schottland entwickelte sich außerdem eine kleine Schmuckindustrie: Heidestängel werden von der Rinde befreit, gefärbt und mit Harz zu Schmuckstücken verpresst.

Mit Malz vermischt diente Heide im Mittelalter als Bestandteil von Grut, einer Kräutermischung zum Bierbrauen vor der Verbreitung des Hopfens – Thomas Pennant beschrieb 1769 auf der Insel Islay ein Bier aus zwei Teilen junger Heidetriebe und einem Teil Malz. Heidehonig gilt bis heute als besonders geschätztes Produkt aus Heide- und Moorlandschaften; er ist thixotrop, liegt also zunächst gallertartig vor und wird erst durch Rühren dünnflüssig, um danach wieder zu gelieren. Wegen dieser Eigenschaft lässt er sich schwer aus der Wabe extrahieren und wird oft als Wabenhonig verkauft – dabei wurde er vom antiken Arzt Dioskurides einst noch als „mel improbum“, unbekömmlicher Honig, abgetan.

Weißblühende Heide gilt in Schottland traditionell als Glücksbringer; die Sitte, sie als Talisman oder in Brautsträußen zu tragen, geht auf Königin Victoria und deren Aufenthalte auf Balmoral zurück. In der traditionellen österreichischen Volksmedizin wurde das Kraut innerlich als Tee bei Beschwerden der Nieren und Harnwege verwendet. Als kulturelles Symbol ist die violette Heide zudem eng mit Schottland verknüpft, ist eine der beiden Nationalblumen Norwegens – 1976 durch eine Publikumsabstimmung im Radio gewählt – und gilt als Provinzblume der schwedischen Provinz Västergötland.

Wissenswertes

  1. Nach altem schottischem Volksglauben wächst weiße Heide angeblich nur auf den Gräbern von Feen – daher ihr Ruf als Symbol für Glück und sicheren Geleitschutz.
  2. In der irischen Mythologie wird die Besenheide oft mit dem Übernatürlichen und Jenseitigen in Verbindung gebracht.
  3. Die Pflanze vereint auf ungewöhnliche Weise botanische, ökologische und kulturelle Bedeutung – von der Bienenweide über die Heidekäfer-Ökologie bis zur schottischen Symbolik reicht ihr Wirkungskreis weit über eine gewöhnliche Heidepflanze hinaus.

Ökologie

Lebensraum

  • Feuchtgebiet
  • Waldgebiet
  • Buschland
  • Gebirge

Wuchsform

  • Strauch

Fotos

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Niedriger, immergrüner Zwergstrauch mit winzigen schuppenartigen Blättern und dichten Ähren aus kleinen, malvenfarbenen Blüten auf einer offenen Heidefläche.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life