Zum Inhalt springen
Zum Artikel springen

Bitterer Kiefern-Zapfenrübling

Strobilurus tenacellus

Strobilurus tenacellus bildet Strobilurine, chemische Verbindungen, die das Wachstum anderer Pilze unterdrücken – Stoffe, die später zu einer wichtigen Klasse landwirtschaftlicher Fungizide weiterentwickelt wurden.

Der Pilz, auf Deutsch Bitterer Kiefern-Zapfenrübling genannt, gehört zur Familie der Physalacriaceae innerhalb der Ständerpilze. Er wächst auf abgefallenen Zapfen von Kiefern und Fichten in Europa und Asien.

Obwohl die Fruchtkörper winzig und unscheinbar sind, macht diese biochemische Besonderheit den Pilz für Forschung und Landwirtschaft gleichermaßen interessant.

Fruchtkörper und Bestimmung

Das auffälligste Bestimmungsmerkmal ist der dünne, lange Stiel mit einer wurzelartigen Basis, die in das Substrat hineinreicht – eine sogenannte Pseudorrhiza. Der Hut ist zunächst konvex, flacht später ab und behält manchmal ein kleines zentrales Buckelchen oder bildet eine Vertiefung. Er erreicht einen Durchmesser von 5–15 mm, ist hygrophan, das heißt er verändert je nach Feuchtigkeit seine Farbe, und zeigt flache radiale Rillen bis etwa zur Hutmitte. Die Farbe reicht von rötlich bis bräunlich, zur Mitte hin oft heller, und verblasst im trockenen Zustand zu Graustichen.

Die graulich-weißen Lamellen sind frei bis tief ausgebuchtet angewachsen, stehen recht gedrängt mit 20 bis 25 Lamellen und mehreren Reihen kürzerer Lamellulen dazwischen. Der zylindrische Stiel misst 4–7,5 cm in der Länge bei nur 0,5–2 mm Dicke, oben gelbbraun, weiter unten dunkel orangebraun bis rötlichbraun gefärbt. Das Fleisch ist geruchlos und schmeckt meist bitter.

Der Sporenpulver ist weiß, die Sporen sind elliptisch bis tränenförmig. Unter dem Mikroskop fallen scharfe, dünnwandige Zystiden an Stiel, Lamellen und Hut auf, die spindel- bis flaschenförmig mit zugespitzter Spitze sind.

Verbreitung und Lebensraum

Strobilurus tenacellus lebt als saprobischer, holzzersetzender Pilz auf gefallenen, oft teilweise eingegrabenen Zapfen der Waldkiefer (Pinus sylvestris) und der Schwarzkiefer (Pinus nigra), gelegentlich auch auf Fichtenzapfen (Picea). Er wächst einzeln oder in kleinen Gruppen in Nadel- und Mischwäldern.

Die Art ist in Europa und Asien verbreitet, mit Nachweisen unter anderem aus Japan und Jordanien. In Europa erscheinen die Fruchtkörper meist zwischen März und Juni, wobei das Vorkommen insgesamt als gelegentlich gilt.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche Häufung der gemeldeten Funde im Frühjahr, mit einem Schwerpunkt um April und Mai, was zur angegebenen Fruchtzeit passt. Solche Zahlen spiegeln jedoch nur gemeldete Beobachtungen wider und keine tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Strobilurus tenacellus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
1.543
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Nutzung und Kulturgeschichte

Die Fruchtkörper von Strobilurus tenacellus gelten manchmal als essbar, sind jedoch wegen ihrer geringen Größe kulinarisch ohne Bedeutung und werden praktisch nicht gesammelt.

Bedeutender ist die Rolle der Art für die Landwirtschaft: Die vom Pilz gebildeten Strobilurine hemmen das Wachstum anderer Pilze. Abgeleitete Wirkstoffe dieser Verbindungen wurden zu einer wichtigen Klasse landwirtschaftlicher Fungizide entwickelt, die heute breite Anwendung finden.

Wissenswertes

  1. Der Pilz spielt in keiner ethnomykologischen Überlieferung eine Rolle und besitzt keine bekannte Bedeutung in traditioneller Pflanzenheilkunde, Ritualen oder Esstraditionen.
  2. Aus flüssigen Kulturen des Pilzes wurden zwei cyathanartige Diterpenoide isoliert, die im Labor das Wachstum bestimmter Tumorzellen hemmten.
  3. Methanolische Extrakte der Fruchtkörper wurden mit Standardmethoden auf antimikrobielle Wirkung getestet.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Manuela Fiorini via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Michel Langeveld via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Anita Engler via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Umut Nuri Erdoğan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Patrick Bayan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Hayley Fulker via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by victor laborde via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by fabrizio_mariani_montesorbo via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Lebensraum

Klassifikation

Stamm
Basidiomycota
Klasse
Agaricomycetes
Ordnung
Agaricales
Familie
Physalacriaceae
Gattung
Strobilurus
Art
Strobilurus tenacellus

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract