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Brillenpinguin

Spheniscus demersus

Vom Aussterben bedroht

Von einst rund vier Millionen Tieren zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Bestand des Brillenpinguins (Spheniscus demersus) auf weniger als 10.000 Brutpaare geschrumpft – ein Rückgang von etwa 95 Prozent seit vorindustrieller Zeit.

Der Brillenpinguin ist der einzige Pinguin, der in der Alten Welt vorkommt, und die einzige Pinguinart, die auf dem afrikanischen Kontinent brütet. Er lebt in Kolonien an der südlichen und südwestlichen Küste Afrikas, zwischen Namibia und der Algoa Bay in Südafrika, und gilt als vom Aussterben bedroht.

Seine unverwechselbare Zeichnung, sein eselartiger Ruf und sein dramatischer Bestandseinbruch machen ihn zu einem der auffälligsten Beispiele für den Wandel mariner Ökosysteme im südlichen Afrika.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal des Brillenpinguins ist das schwarze, hufeisenförmige Band, das sich über die weiße Brust zieht – bei jedem Tier individuell geformt wie ein Fingerabdruck aus schwarzen Punkten. Adulte Vögel werden 60 bis 70 Zentimeter groß und wiegen im Schnitt etwa 3,1 Kilogramm, wobei die Spanne von 2,2 bis 3,5 Kilogramm reicht. Der Schnabel misst zwischen 4,8 und 6,5 Zentimetern.

Die Oberseite ist schwarz und scharf von der weißen Unterseite abgegrenzt – eine Tarnform namens Konterschattierung, die die Tiere im Wasser sowohl von oben als auch von unten schwer erkennbar macht. Über den Augen befinden sich rosa Hautflecken, die als Drüsen zur Kühlung des Blutes dienen: Je wärmer die Temperatur, desto stärker durchblutet und desto rosafarbener werden sie.

Männchen sind etwas größer als Weibchen und besitzen einen längeren Schnabel, doch die Geschlechter unterscheiden sich sonst kaum. Jungvögel tragen noch kein festes Muster: Ihre Oberseite variiert von graublau bis braun, die Unterseite ist einfarbig ohne Punkte oder Band.

Vom nahe verwandten Magellanpinguin, der ein ähnliches Bandmuster trägt, unterscheidet sich der Brillenpinguin durch ein einzelnes Brustband, während der Magellanpinguin ein doppeltes Band an Kehle und Brust zeigt. Wegen seines lauten, eselartigen Rufs wird er auch „Jackass-Pinguin“ genannt.

Verbreitung und Lebensraum

Der Brillenpinguin kommt ausschließlich an der südlichen und südwestlichen Küste Afrikas vor und brütet auf 27 Inseln zwischen Namibia und der Algoa Bay bei Port Elizabeth in Südafrika. Er ist die einzige Pinguinart, die auf dem afrikanischen Kontinent brütet, und gab den sogenannten Pinguininseln ihren Namen.

Die Tiere halten sich meist innerhalb von 40 Kilometern von der Küste auf und kommen zum Brüten, Ausruhen und zur Mauser auf felsige, vorgelagerte Inseln. In den 1980er-Jahren entstanden zwei Festlandkolonien nahe Kapstadt, bei Boulders Beach in Simon's Town und bei Stony Point in Betty's Bay – möglich wurde dies erst durch den Rückgang natürlicher Landprädatoren, wobei die Kolonie in Betty's Bay dennoch von Leoparden angegriffen wurde. Eine weitere Festlandkolonie liegt in Namibia.

Boulders Beach ist heute eine bekannte Touristenattraktion, an der sich die Pinguine bis auf etwa einen Meter nähern lassen. Außerhalb dieses südwestafrikanischen Verbreitungsgebiets sind keine Kolonien bekannt, gelegentlich werden jedoch vor allem juvenile Irrgäste weiter entfernt gesichtet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Spheniscus demersus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
1.726
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Brillenpinguine leben in sozialen, territorialen Kolonien und sind tagaktiv: Sie verbringen die Nacht gemeinsam an Land und den Großteil des Tages mit der Nahrungssuche im Wasser. Auf der Westküste dauert eine typische Futtersuche 30 bis 70 Kilometer, an der Südküste legen die Vögel im Schnitt sogar rund 110 Kilometer pro Ausflug zurück.

Gegenseitiges Putzen, das sogenannte Allopreening, ist im Alltag der Tiere weit verbreitet: Da sie Kopf und Nacken nicht gut selbst erreichen können, übernehmen Partner diese Aufgabe, was zugleich hilft, Parasiten wie Zecken zu entfernen. An warmen Tagen kühlen sich die Pinguine durch Baden nahe der Küste ab, wobei sie sich lebhaft schütteln und mit Schnabel und Füßen putzen.

Gelegentlich kommt es zu Kämpfen, bei denen die Tiere mit den Flügeln schlagen und beißen; dabei wurde beobachtet, wie ein Pinguin einen Rivalen mit dem Schnabel am Rücken packt und gleichzeitig mit den Flügeln auf ihn einschlägt. In freier Wildbahn werden die Vögel etwa 10 bis 25 Jahre alt, in Gefangenschaft bis zu 34 Jahre.

Zu den Hauptfeinden im Wasser zählen Haie und Ohrenrobben, an Land bedrohen Kelpmöwen, Kap-Ginsterkatzen, Mangusten, Karakale sowie verwilderte Hunde und Katzen vor allem Gelege und Küken. Müssen die Pinguine im Freien statt in Bauten brüten, steigt die Sterblichkeit durch Landprädatoren deutlich.

Kommunikation

Der Brillenpinguin verdankt seinen Beinamen „Jackass-Pinguin“ seinem lauten, eselartigen Schrei, mit dem er kommuniziert. Es werden drei Rufarten unterschieden: der Kontaktruf, mit dem das eigene Territorium gegenüber anderen Koloniemitgliedern verteidigt wird, der Balzruf, mit dem Partner angezogen und Bindungen innerhalb der Kolonie gepflegt werden, und ein dritter Ruf, der zwischen Partnern verwendet wird, wenn sich einer an Land und der andere im Wasser befindet.

Neben Lautäußerungen setzen die Tiere visuelle Signale ein, etwa bei Ritualen zur Abgrenzung des Nestbereichs, zur Partner- und Kükenerkennung sowie zur Abwehr von Eindringlingen.

Jagd und Ernährung

Auf der Jagd nach Beute erreichen Brillenpinguine Spitzengeschwindigkeiten von fast 20 Kilometern pro Stunde und verfolgen damit schwarmbildende Fischarten im offenen Wasser. Hauptbeute sind pelagische Schwarmfische wie Sardellen, Sardinen, Bastardmakrelen und Rundheringe, ergänzt durch Tintenfische und Krebstiere.

Wie weit die Tiere für die Nahrungssuche schwimmen müssen, hängt stark von der Region ab: Je nach Verfügbarkeit der Fischschwärme variiert die Entfernung der Futtersuchflüge erheblich zwischen West- und Südküste.

Nestbau und Brut

Brillenpinguine sind monogam und kehren Jahr für Jahr zu denselben Brutplätzen zurück, wo sie sich in großen Kolonien, den sogenannten Rookeries, versammeln. Die Balz verläuft in mehreren Stufen: Zunächst zeigt das Männchen visuelle und akustische Werbeverhalten, etwa Kopfschwenken, um Besitz eines Nestplatzes zu signalisieren und Weibchen anzuziehen. Danach folgt ein Ruf mit gestrecktem Hals zur Bindungsfestigung, zuletzt eine Verbeugung, bei der beide Partner den Kopf zum Nest oder zu den Füßen des anderen senken.

Die Brutzeit ist ausgedehnt, mit einem Höhepunkt von März bis Mai in Südafrika und von November bis Dezember in Namibia. Die Weibchen legen zwei Eier, die drei- bis viermal so groß wie Hühnereier sind, in flache Bauten unter Felsen, im Sand oder unter spärlicher Vegetation. Idealerweise werden sie in Höhlen im Guanoschicht ausgebrütet, die eine gute Temperaturregulierung bietet – durch die menschliche Entnahme von Guano ist diese Nistform an vielen Orten jedoch kaum noch möglich, sodass die Pinguine stattdessen Sandmulden graben oder künstliche Nistkästen nutzen.

Beide Elternteile brüten die Eier etwa 40 Tage lang gemeinsam ab, wobei eine nackte Bauchhautstelle, der Brutfleck, die direkte Wärmeübertragung ermöglicht. Nach dem Schlüpfen füttern die Eltern die Küken rund einen Monat lang durch Regurgitieren, bevor sich die Jungen in Gruppen, sogenannten Krippen, zusammenfinden, während beide Elternteile auf Nahrungssuche gehen. Die Küken werden nach 60 bis 130 Tagen flügge, abhängig von Nahrungsangebot und Umweltbedingungen, und verlassen die Kolonie, sobald sie ihr juveniles Gefieder entwickelt haben.

Bestand und ökologische Rolle

Der Brillenpinguin ist ein Räuber kleiner Schwarmfische wie Sardellen und Sardinen sowie von bis zu 18 Krebstierarten, die zu seiner Beute zählen. Als Wirt sind bei der Art außerdem vier Arten von Blutparasiten nachgewiesen, darunter mehrere Plasmodium-Arten und Leucocytozoon tawaki.

Der Bestand ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts dramatisch eingebrochen: Von schätzungsweise 1,5 Millionen Tieren im Jahr 1910 blieben Ende des 20. Jahrhunderts nur noch etwa 10 Prozent übrig. Im Jahr 2000 lag der Gesamtbestand bei rund 150.000 bis 180.000 Tieren, 2010 nur noch bei etwa 55.000. Die Brutpopulation in Südafrika und Namibia fiel 2019 auf rund 20.850 Paare und sank bis 2023 unter 10.000 Paare.

Schutz und Bedrohungen

Der Brillenpinguin gilt heute als vom Aussterben bedroht, nachdem er zuvor als stark gefährdet eingestuft war. Bei anhaltendem Rückgang, wie er von 2000 bis 2010 zu beobachten war, würde die Art bis 2026 in der Wildnis ausgestorben sein; 2023 wurde vor einem funktionalen Aussterben um das Jahr 2035 gewarnt.

Der anfängliche Rückgang seit Anfang des 20. Jahrhunderts geht auf den kommerziellen Handel mit Eiern und die Störung brütender Vögel zurück. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurden auf Dassen Island Tausende Eier gesammelt und verkauft, teils sogar an französische Köche exportiert – 1953 allein 12.000 Stück. Die gleichzeitige Entnahme von Guano als Dünger zerstörte zudem das natürliche Baumaterial für Bruthöhlen und beschleunigte den Bestandsrückgang zusätzlich.

Heute ist Ölverschmutzung eine der Hauptbedrohungen: Bereits seit den 1930er-Jahren sind Brillenpinguine von Ölunfällen betroffen, etwa 1948 durch den Untergang des Tankers Esso Wheeling, der Tausende Pinguine der Kolonie auf Dyer Island tötete. Im März 2025 einigten sich Behörden und Naturschutzorganisationen in einem gerichtlichen Vergleich auf die Einrichtung größerer, ganzjähriger fischereifreier Zonen um sechs wichtige Brutgebiete.

Vom Aussterben bedroht

Kulturelle Bedeutung

Brillenpinguine lieferten den Menschen lange Zeit Guano, der ausgegraben, verarbeitet und weltweit als Dünger verkauft wurde; auch Pinguinhäute fanden Verwendung als Handschuhe. Seit Guano in der Düngerproduktion verboten wurde, hat diese wirtschaftliche Bedeutung stark abgenommen.

Heute liegt der menschliche Nutzen vor allem im Ökotourismus: An der Kolonie bei False Bay in Simon's Town, wo über 2.000 Tiere leben, können Besucher die Pinguine aus nächster Nähe beobachten. Wegen ihrer moderaten Größe und unkomplizierten Haltungsanforderungen sind Brillenpinguine außerdem die am häufigsten in Zoos gehaltene Pinguinart.

Wissenswertes

  1. Das schwarze Brustband jedes Brillenpinguins ist individuell gemustert – ähnlich einem menschlichen Fingerabdruck.
  2. Der Name „Jackass-Pinguin“ stammt von seinem lauten, eselartigen Bray-Ruf.
  3. Die Art ist die einzige Pinguinart, die auf dem afrikanischen Kontinent brütet, und die einzige, die überhaupt in der Alten Welt vorkommt.

Fotos

Fotos von by Jon Paul Rodríguez via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Cricket Raspet via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by jk6000 via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by chrisdt via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Patrick Jackson via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Räuber
  • Territorial
  • Sozial
  • Tagaktiv

Ernährung

  • Fischfresser

Klassifikation

Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Ordnung
Sphenisciformes
Familie
Spheniscidae
Gattung
Spheniscus
Art
Spheniscus demersus

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
  6. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  7. AnAge Longevity