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Chilenische Araukarie

Araucaria araucana

Hoher, gerader Nadelbaum mit schuppenartigen, dreieckigen Blättern und einer schirmförmigen Krone aus überhängenden, schlangenartigen ZweigenFoto: Sara Navarro, CC BY

Auf einen Blick

Bekannt für
WaldGebirgeBaum
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Pinopsida
Ordnung
Pinales
Familie
Araucariaceae
Gattung
Araucaria
Art
Araucaria araucana

Manche Exemplare der Chilenischen Araukarie überstehen Vulkanausbrüche und Waldbrände, die um sie herum ganze Wälder vernichten – Bäume, die dabei über 1.300 Jahre alt wurden, sind in chilenischen Nationalparks nachweisbar.

Araucaria araucana, bei den Mapuche als Pehuén bekannt und im Deutschen auch Chilenische Araukarie oder Andentanne genannt, ist eine Nadelbaumart aus der Familie der Araucariaceae. Sie erreicht Wuchshöhen von 30 bis 40 Metern bei einem Stammdurchmesser von 1 bis 1,5 Metern und gilt als die frosthärteste Art der Gattung Araucaria. Ihre Heimat sind die Hänge der südlichen Anden in Chile und Argentinien.

Als chilenischer Nationalbaum und heiliger Baum der Mapuche verbindet die Art botanische Besonderheit mit tiefer kultureller Bedeutung – ein Grund, weshalb ihr fortschreitender Rückgang weit über Chile und Argentinien hinaus Beachtung findet.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Chilenischen Araukarie sind ihre dicken, ledrigen, schuppenartigen Blätter: Sie sind dreieckig, 3 bis 4 Zentimeter lang, an der Basis 1 bis 3 Zentimeter breit und tragen scharfe Kanten und Spitzen. Diese Blätter bleiben bis zu 24 Jahre am Baum und bedecken dadurch fast die gesamte Pflanze bis auf die ältesten Äste – nur an ihnen zeigt sich die kahle, graubraune Borke, die bis zu 15 Zentimeter dick werden kann und als Anpassung an Waldbrände gilt.

Die Art ist meist zweihäusig: Männliche und weibliche Zapfen wachsen in der Regel auf getrennten Bäumen, gelegentlich tragen einzelne Exemplare aber beide Zapfenarten zugleich. Die männlichen Pollenzapfen sind länglich und gurkenförmig; sie beginnen mit etwa 4 Zentimetern Länge und wachsen bis zur Pollenfreisetzung auf 8 bis 12 Zentimeter Länge und 5 bis 6 Zentimeter Breite an.

Die weiblichen Samenzapfen sind kugelig, mit 12 bis 20 Zentimetern Durchmesser deutlich größer und enthalten rund 200 Samen. Sie reifen im Herbst, etwa 18 Monate nach der Bestäubung, und zerfallen bei voller Reife, um die 3 bis 4 Zentimeter langen, nussartigen Samen freizusetzen.

Junge Bäume wachsen breit pyramidal bis kegelförmig; erst mit zunehmendem Alter entwickelt sich die charakteristische, schirmartige Kronenform ausgewachsener Exemplare, die den Baum unverwechselbar macht.

Verbreitung und Lebensraum

Die Chilenische Araukarie wächst natürlich an den unteren Hängen der süd-zentralen Anden in Chile und Argentinien, meist in Höhenlagen zwischen 1.000 und 1.700 Metern. In der chilenischen Küstenkordillere reicht ihr Vorkommen bis nach Villa Las Araucarias auf etwa 38,5° südlicher Breite, dort allerdings nur auf rund 640 Metern Höhe.

Sie bevorzugt gut durchlässige, leicht saure, vulkanische Böden, kommt aber grundsätzlich mit fast jedem Bodentyp zurecht, solange dieser nicht staunass ist. Sämlinge sind wenig konkurrenzstark und überleben meist nur in Kronenlücken oder an offenen, freistehenden Standorten; in dichter Vegetation mit der Bambusart Chusquea culeou oder den Südbuchenarten Nothofagus dombeyi und Nothofagus pumilio wird sie häufig verdrängt. Trotzdem bildet sie oft Mischwälder mit der sommergrünen Nothofagus pumilio, wobei die hohen, geraden Stämme der Araukarie über das Kronendach der kleineren Südbuchen hinausragen und der Berglandschaft ein unverwechselbares Bild verleihen.

Monatlich erfasste Beobachtungsdaten zeigen das ganze Jahr über Nachweise der Art, mit einem deutlicheren Anstieg im April; solche Zahlen spiegeln jedoch nur die Häufigkeit dokumentierter Sichtungen wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Araucaria araucana
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
691
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Araucaria araucana ist eine sogenannte Mastbaum-Art: Sie produziert nicht jedes Jahr gleich viele Samen, sondern in unregelmäßigen Abständen besonders reiche Samenjahre. Die weiblichen Zapfen reifen im Herbst, etwa 18 Monate nach der Bestäubung, und zerfallen dann, um ihre bis zu 200 nussartigen Samen freizugeben.

Die Bestäubung erfolgt durch den Wind. Für die Ausbreitung der Samen spielen dagegen Tiere die entscheidende Rolle: Nagetiere sind wichtige Samenverzehrer und -verbreiter, wobei die Langhaar-Grasmaus (Abrothrix longipilis) als bedeutendster tierischer Verbreiter gilt – sie vergräbt ganze Samen an Stellen, die für die Keimung günstig sind, anders als andere samenfressende Tiere.

Auch der Austral-Sittich trägt zur Samenausbreitung bei. Ausgewachsene Bäume überstehen große ökologische Störungen wie Vulkanausbrüche erstaunlich gut; nach solchen Ereignissen tragen die Sittiche dazu bei, Samen weit über das betroffene Gebiet hinaus zu verbreiten und so die Wiederbesiedlung zu ermöglichen.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Für die Mapuche ist die Chilenische Araukarie, von ihnen Pehuén genannt, ein heiliges Wesen und Symbol für Weisheit, Widerstandskraft und tiefe Verbindung zur Natur; ihre Samen, die Piñones, dienten als wichtige Nahrungsquelle. Um den Baum ranken sich Mythen: Einer Überlieferung zufolge bringt es Unglück, spricht man beim Vorbeigehen an ihm, oder man bekomme, wie ein Affe, einen Schwanz – eine Legende, die im Englischen auch zum Namen „monkey-puzzle tree“ beigetragen hat.

Wirtschaftlich wurde das Holz wegen seines langen, geraden Stammes lange Zeit geschätzt und war für seine Haltbarkeit und Fäulnisresistenz bekannt; es diente unter anderem als Material für Bahnschwellen zur Erschließung chilenischer Industriegebiete sowie für Furniere und Sperrholz. Seit die Art 1990 gesetzlich unter Schutz gestellt wurde, wird ihr Holz kaum noch genutzt. Heute ist der internationale Handel mit der Art, einschließlich ihrer Teile und Erzeugnisse, durch Anhang I des CITES-Abkommens streng geregelt; der Handel mit wildentnommenen Exemplaren ist verboten.

Als Gartenbaum ist die Art wegen ihrer ungewöhnlichen, „reptilienartigen“ Äste mit sehr symmetrischem Erscheinungsbild beliebt und wird in gemäßigten, ozeanisch geprägten Klimazonen mit reichlich Niederschlag kultiviert, wobei sie Temperaturen bis etwa −20 °C verträgt. Im 19. Jahrhundert brachte der Pflanzensammler William Lobb tausende Samen aus der Region Araucanía nach England, was zur weiten Verbreitung der Art in europäischen und britischen Gärten führte; in Großbritannien, etwa in den Kyloe Woods in Northumberland, hat sie sich inzwischen selbst ausgesät.

Schutz und Bedrohungen

Der Holzeinschlag war lange die größte Bedrohung für die Chilenische Araukarie, wurde aber 1990 gesetzlich verboten. Seither haben andere Gefahren an Bedeutung gewonnen: Zwischen 2001 und 2002 vernichteten große Waldbrände tausende Hektar Araukarienwald, betroffen waren auch Bereiche in Nationalparks mit über 1.300 Jahre alten Bäumen. Überweidung durch Vieh und die Ausbreitung invasiver Baumarten setzen den Beständen zusätzlich zu.

Eine weitere Gefahr ist die intensive Sammlung der Piñones, der Samen, durch Menschen, die das Aufkommen junger Bäume verhindern kann. Nicht heimische samenfressende Säugetiere schränken die Fortpflanzung der Art teils stark ein, wobei Studien uneinig sind, wie groß ihr Einfluss im Vergleich zu heimischen Samenfressern tatsächlich ist – manche Untersuchungen sehen sogar bei einheimischen Arten die größere Wirkung auf die Samenzerstörung. Auch Weidewirtschaft durch Kleinbauern und größere Holzunternehmen innerhalb des Verbreitungsgebiets beeinträchtigt nachweislich die Verjüngung der Sämlinge.

Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung: Im Rahmen eines Projekts der Global Trees Campaign wurden 2.000 Bäume gepflanzt, von denen nach zehn Jahren noch 90 Prozent am Leben waren.

Wissenswertes

  1. Die Chilenische Araukarie ist der Nationalbaum Chiles und trägt bei den Mapuche den Namen Pehuén.
  2. Einer Legende zufolge bringt es Unglück, beim Vorbeigehen an dem Baum zu sprechen – man riskiere sogar, einen Affenschwanz zu bekommen; daher der englische Name „monkey-puzzle tree“.
  3. Ihre gerösteten Samen, Piñones genannt, ähneln Pinienkernen, sind aber deutlich größer: Exemplare von zwei verschiedenen Bäumen maßen 5 beziehungsweise 3 Zentimeter Länge.

Ökologie

Lebensraum

  • Wald
  • Gebirge

Wuchsform

  • Baum

Fotos

15 Fotos
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Hoher, gerader Nadelbaum mit schuppenartigen, dreieckigen Blättern und einer schirmförmigen Krone aus überhängenden, schlangenartigen ZweigenFoto: Sara Navarro, CC BY

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life