Erst 1994 wurde Wollemia nobilis in einer abgelegenen Sandsteinschlucht im Wollemi-Nationalpark entdeckt – rund 150 Kilometer nordwestlich von Sydney – und gilt seither als eine der bedeutendsten botanischen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts.
Der Nadelbaum gehört zur Klasse der Pinopsida und ist in freier Wildbahn nach der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft. Seine Geschichte als lange verborgene Reliktart aus einer versteckten Regenwaldschlucht macht ihn zu einem der bemerkenswertesten Bäume der Gegenwart.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal von Wollemia nobilis ist seine dunkelbraune, knubbelige Rinde, die oft mit der Konsistenz von Schokoladen-Frühstücksflocken verglichen wird. Der immergrüne Baum erreicht Höhen von 25 bis 40 Metern und wächst meist mehrstämmig, wobei manche Exemplare aus bis zu 100 Stämmen unterschiedlicher Stärke bestehen – vermutlich das Ergebnis alter Stockausschläge.
Die Verzweigung ist ungewöhnlich: Die meisten Seitenzweige verzweigen sich nicht weiter. Nach einigen Jahren enden sie in einem oder mehreren Zapfen und stellen dann ihr Wachstum ein, während aus ruhenden Knospen am Hauptstamm neue Zweige entstehen. Mit zunehmendem Alter richten sich manche Seitenzweige auf und entwickeln sich zu sekundären Stämmen, was die typischen mehrstämmigen Bäume entstehen lässt.
Die Blätter sind flach, linealisch, 3 bis 8 Zentimeter lang und 2 bis 5 Millimeter breit. Sie stehen spiralig am Trieb, wirken aber durch eine Drehung an der Basis wie in zwei oder vier flachen Reihen angeordnet. Junge Blätter sind hellgrün und werden mit der Reife gelblich-grün.
Die weiblichen Zapfen sind grün, 6 bis 12 Zentimeter lang und reifen etwa 18 bis 20 Monate nach der Windbestäubung, bevor sie zerfallen und die kleinen, papierartigen, geflügelten Samen freigeben. Die männlichen Zapfen sind schlanker, rötlich-braun und sitzen tiefer am Baum. Bereits junge Bäume können Zapfen bilden – Exemplare, die 1997 in Kew gepflanzt wurden, trugen 2008 ihre ersten Zapfen.
Verbreitung und Lebensraum
Wollemia nobilis stammt ursprünglich aus einer einzigen, abgelegenen Schluchtenregion im Wollemi-Nationalpark in New South Wales, wo die Bäume in schmalen, steilwandigen Sandsteinschluchten wachsen – einem Rückzugsgebiet des gemäßigten Regenwaldes.
Beobachtungsdaten aus verschiedenen Monaten zeigen einen deutlichen Ausschlag im November, was am ehesten auf saisonale Beobachtungsaktivität und nicht auf tatsächliche Häufigkeitsschwankungen der Art hindeutet.

Wachstum und Wuchsform
Unter guten Bedingungen wächst Wollemia nobilis recht zügig: Ein 2009 in der Finistère-Region in Frankreich gepflanztes Exemplar erreichte im Alter von 14 Jahren, im Jahr 2023, eine Höhe von 8,1 Metern.
Junge Sämlinge wachsen dabei offenbar eher langsam, während ausgewachsene Bäume äußerst langlebig sind – einige der ältesten heute bekannten Individuen werden auf 500 bis 1.000 Jahre geschätzt.
Nutzung und Bedeutung für den Menschen
Seit einem Vermehrungsprogramm, das 2006 begann, sind Exemplare des Wollemi-Baums zunächst in australischen und später in botanischen Gärten weltweit erhältlich. Er gilt als vielversprechender Zierbaum für Gärten, Kübel und Pflanzgefäße und wird in Australien sogar als lebender Weihnachtsbaum vermarktet.
Der Baum erweist sich als deutlich anpassungsfähiger und frostresistenter als sein ursprünglich enges, feucht-subtropisches Verbreitungsgebiet vermuten lässt: Er verträgt Temperaturen zwischen −5 und 45 °C, wobei aus Japan und den USA sogar Überlebenswerte bis −12 °C berichtet wurden. Eine Gruppe von Wollemi-Bäumen im schottischen Inverewe Garden – vermutlich der nördlichste erfolgreiche Standort – überstand im Januar 2010 Temperaturen von −7 °C. Der Baum kommt sowohl mit voller Sonne als auch mit Schatten zurecht und toleriert auch Klimaanlagenluft, wodurch er sich als Zimmerpflanze eignet.
Schutz und Bedrohungen
Wollemia nobilis wird von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft – ein Status, der die extreme Seltenheit der wildwachsenden Population widerspiegelt, die auf eine einzige Schluchtenregion beschränkt ist.
Die größte Bedrohung stellt der Krankheitserreger Phytophthora cinnamomi dar: 2005 wurden wildwachsende Bäume erstmals damit infiziert, vermutlich eingeschleppt durch unbefugte Besucher des bis heute geheim gehaltenen Standorts. Zusätzlich gefährdete die Buschbrandsaison 2019–2020 den einzigen bekannten wilden Bestand; Spezialkräfte der National Parks and Wildlife Service konnten die Bäume mit Unterstützung der Rural Fire Service durch ein Bewässerungssystem und den Einsatz von Löschmitteln retten.
Seit 2005 verfolgt man eine ungewöhnliche Schutzstrategie: Bewurzelte Stecklinge wurden zunächst in botanischen Gärten weltweit gesichert, bevor zehn Jahre später auch kommerzielle Gärtnereien Zugang zu überschüssigen Stecklingen erhielten. Eine Befragung von über 1.500 Hobbygärtnern aus 31 Ländern zeigte, dass sich der Baum in gemäßigtem Klima mit ganzjährig ausreichendem Niederschlag und auf lehmigen, gut durchlässigen Böden gut entwickelt.
Wissenswertes
- Der Gattungsname Wollemia leitet sich vom Aborigine-Wort für den Nationalpark ab, das sinngemäß „schau dich um, halte die Augen offen“ bedeutet.
- Der Artname nobilis gilt als Wortspiel: Er bedeutet „edel“, verweist aber zugleich auf David Noble, den Entdecker des Baumes.
- Der Fundort des Wollemi-Baumes in der Blue Mountains World Heritage Area wurde als erstes offiziell erklärtes „Asset of Intergenerational Significance“ in New South Wales ausgezeichnet – die stärkste rechtliche Schutzstufe für Nationalparks in diesem Bundesstaat.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Wuchsform
- Baum
Klassifikation
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Pinopsida
- Ordnung
- Pinales
- Familie
- Araucariaceae
- Gattung
- Wollemia
- Art
- Wollemia nobilis
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



