Der Dach-Pippau stammt ursprünglich aus Sibirien und wurde erst 1890 nach Kanada eingeführt – heute gilt er dort und in weiten Teilen Nordamerikas als invasive Art.
Crepis tectorum, auch Dach-Pippau genannt, ist eine ein- bis zweijährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie wird zwischen 30 und 100 Zentimetern hoch und wächst ursprünglich in weiten Teilen Europas sowie Nord- und Zentralasiens.
Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, sich rasch in neuen Lebensräumen auszubreiten und dort ganze Flächen zu dominieren – ein Verhalten, das sie zu einem interessanten Beispiel für pflanzliche Invasionsbiologie macht.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal des Dach-Pippaus sind seine gelben, dandelionähnlichen Blütenköpfe, die bei genauerem Hinsehen aus vielen einzelnen Zungenblüten bestehen – zwischen 30 und 70 pro Blütenkopf. Jede Pflanze trägt mehrere solcher Blütenköpfe an einem einzigen, meist verzweigten und kahlen Stängel.
Die Pflanze erreicht etwa 0,91 Meter Höhe. Die Blätter sind spitz, gelappt und 10 bis 15 Zentimeter lang bei einer Breite von bis zu 4 Zentimetern; sie stehen wechselständig am Stängel. Der Stängel kann einen milchig-weißen Milchsaft enthalten.
In der Jungpflanzenphase bildet der Dach-Pippau eine Blattrosette und ähnelt dann oberflächlich dem Löwenzahn. Unterscheiden lässt er sich durch Zähne am Blattrand, die auf der Blattunterseite nach unten zeigen. Die Keimblätter sind oval, die ersten echten Laubblätter dagegen länglicher und gestielt.
Nach der Blütezeit, die von Juni bis September reicht, entwickelt die Pflanze einen weißen, flaumigen Fruchtstand. Die Früchte sind zylindrische, dunkelbraune bis purpurfarbene Achänen, die mit einem Haarschopf (Pappus) ausgestattet sind und durch den Wind verbreitet werden.
Verbreitung und Lebensraum
Der Dach-Pippau stammt ursprünglich aus weiten Teilen Europas sowie dem nördlichen und zentralen Asien, darunter Russland, Kasachstan, die Mongolei und Teile Chinas wie Innere Mongolei, Heilongjiang und Xinjiang. Das natürliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich über ein gemäßigtes Klima von Europa bis in den russischen Fernen Osten und Nordchina.
Inzwischen hat sich die Art in weiten Teilen Kanadas, in Grönland und im Norden der Vereinigten Staaten, einschließlich Alaskas, eingebürgert. Besonders häufig kommt sie in der Parklandzone von Alberta, Saskatchewan und Manitoba vor. Dort besiedelt sie Ödland, konventionell und reduziert bearbeitete Äcker, Futter- und Heuwiesen sowie Straßenränder.
Die Pflanze bevorzugt nährstoffreiche, lehmig-tonige Böden, gedeiht aber auch auf trockenen, grobkörnigen Substraten sowie auf kalkhaltigen wie kalkfreien Böden. Die Samen keimen bei Temperaturen zwischen 2 und 4 Grad Celsius und bevorzugt in einer Tiefe von 3 bis 4 Zentimetern.
Die monatlichen Beobachtungshäufigkeiten zeigen einen deutlichen Schwerpunkt in den Sommermonaten, mit den höchsten Werten etwa von Juni bis Juli, was auf eine saisonale Hauptwachstumsphase hindeutet – diese Zahlen spiegeln jedoch nur erfasste Beobachtungen wider, nicht die tatsächliche Häufigkeit oder Verbreitung der Art.

Wachstum und Wuchsform
Der Dach-Pippau ist eine einjährige Pflanze. Er durchläuft seinen gesamten Lebenszyklus – von der Keimung über die Rosettenbildung, das Stängelwachstum bis zur Blüte und Samenreife – innerhalb einer einzigen Vegetationsperiode.
Ökologie und Wechselbeziehungen
Als Blütenbesucher des Dach-Pippaus sind vor allem Bienen dokumentiert, insbesondere Hummeln sowie verschiedene Sandbienen-Arten, daneben auch Schwebfliegen. Ein Blütenbesuch belegt dabei nicht zwingend eine erfolgreiche Bestäubung.
Als Nahrungsquelle dient die Pflanze unter anderem Heuschrecken und Grashüpfern sowie verschiedenen Blattlausarten, die sich von ihrem Pflanzensaft ernähren. Auch Hausschafe wurden als Fresser verzeichnet.
Ökologisch tritt der Dach-Pippau vor allem als konkurrenzstarke, teils dominierende Pflanze in Erscheinung: In Gebieten außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets kann sie ganze Flächen besiedeln und dabei andere Pflanzenarten sowie die Bodenqualität der Umgebung beeinträchtigen, wenn sie nicht durch menschliche Eingriffe kontrolliert wird.
Nutzung und Bedeutung für den Menschen
Zur Nutzung durch den Menschen liegen nur vereinzelte Hinweise vor: Crepis tectorum wird in verschiedenen botanischen und medizinischen Quellen erwähnt, unter anderem im Zusammenhang mit moderner Medizin, Ayurveda sowie lokalen Volksheilkundetraditionen.
Wissenswertes
- Der Dach-Pippau wurde erst 1890 nach Kanada eingeführt und hat sich seither über weite Teile des Landes sowie den Norden der USA ausgebreitet.
- Obwohl seine Blütenköpfe wie einzelne Blüten wirken, bestehen sie tatsächlich aus vielen einzelnen Zungenblüten.
- Die Pflanze lässt sich von Hand entfernen, wird aber wegen ihrer Ausbreitungsfreudigkeit häufig chemisch bekämpft.
Fotos
Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Полина Полежанкина via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Robyn Perkins via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Matt Berger via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.
Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Wuchsform
- Kraut
Klassifikation
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Magnoliopsida
- Ordnung
- Asterales
- Familie
- Asteraceae
- Gattung
- Crepis
- Art
- Crepis tectorum
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Plants of the World Online Native range, life form and climate (WCVP)
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- trophiCH
- Schwarz et al. 2021
- EuPPollNet



