Zum Inhalt springen
Zum Artikel springen

Fasan

Phasianus colchicus

Nicht gefährdet

Der Fasan lebt ursprünglich in Asien und Teilen Osteuropas, reicht aber heute weit darüber hinaus. Er gehört zur Familie der Fasanenvögel (Phasianidae) und zählt zu den Hühnervögeln. Der Gattungsname Phasianus stammt vom lateinischen Wort für Fasan, das Artepitheton colchicus bedeutet »aus Kolchis«, einem Land am Schwarzen Meer, wo Europäer die Vögel kennenlernten.

Die Art gilt nach der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet. Ihre Verbreitung ist groß, und sie brütet auch in Gebieten, in denen sie nicht heimisch ist.

Besonders ist die Verwandtschaft: Lange galt der Fasan als eng mit dem Gattung Gallus verwandt, zu der das Bankivahuhn und das Haushuhn gehören. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass beide Gattungen verschiedenen Unterfamilien angehören und sich vor mehr als 20 Millionen Jahren getrennt haben.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das wichtigste Merkmal ist das Gefieder des Männchens: Der Kopf ist flaschengrün, dazu kommen eine kleine Federhaube, zwei Ohrbüschel und ein leuchtend roter Kehllappen. Der Körper ist goldgelb bis kupferrot gebändert, die Flügeldecken sind weiß oder cremefarben, und der lange Schwanz ist braun und schwarz quergebändert.

Adulte Männchen der Nominatform Phasianus colchicus colchicus erreichen eine Länge von 60 bis 89 cm, wovon fast 50 cm auf den Schwanz entfallen. Die Spannweite liegt bei 56 bis 86 cm. Das Körpergewicht schwankt zwischen 0,5 und 3 kg, Männchen wiegen im Durchschnitt etwa 1,2 kg, Weibchen etwa 0,9 kg.

Hennen und Jungvögel sind deutlich unauffälliger. Sie sind matt braun gesprenkelt und messen 50 bis 63 cm, mit einem Schwanz von rund 20 cm. Junge Männchen bekommen ihre auffälligen Federn an Brust, Kopf und Rücken etwa zehn Wochen nach dem Schlüpfen.

Auch Farbvarianten kommen vor. Dunkle, fast schwarze Tiere und cremefarbene oder rehbraune Tiere werden häufig ausgesetzt. Ein Halsring fehlt bei manchen Unterarten, etwa bei P. c. colchicus.

Der Grüne Fasan (P. versicolor) ist sehr ähnlich. Seine Männchen haben einen kürzeren Schwanz und eine einheitlich flaschengrüne Brust und Bauchseite ohne Halsring, und die Hennen sind dunkler mit vielen schwarzen Punkten auf Brust und Bauch. Durch Kreuzungen lässt sich bei gehaltenen Vögeln die Art oft nicht sicher bestimmen.

Verbreitung und Lebensraum

Der Fasan ist ursprünglich in Asien beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet reichte vom östlichen Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer über die Mandschurei, Sibirien, Korea und China bis nach Taiwan. Auch auf dem Balkan und in der Türkei lebte er früher, heute überlebt dort nur noch ein kleiner Rest im Nestos-Gebiet in Griechenland, wo schätzungsweise 100 bis 200 erwachsene Vögel leben.

In Europa, Nordamerika, Japan und Neuseeland ist der Fasan eingebürgert. Auch Hawaii, Chile, Argentinien, Brasilien, Südafrika und Australien gehören zu den Gebieten mit Vorkommen. In der südlichen Hemisphäre sind Einbürgerungen meist gescheitert, außer dort, wo einheimische Hühnervögel selten sind oder fehlen.

Der Fasan besiedelt Grasland, Ackerland, Hecken, Gebüsche, Feuchtgebiete und Waldränder. Er kommt sowohl in trockenen als auch in feuchten Böden vor. Dichte Regenwälder und Hochgebirgswälder meidet er. Die Höhenverbreitung reicht von Meereshöhe bis etwa 3.353 m.

In ausgeräumten Agrarlandschaften kann er sich nicht dauerhaft halten. Ein hoher Anteil an Ackerflächen begünstigt ihn dagegen, solange Hecken, Gebüsche oder Waldstücke die Deckung bieten.

Karte der dokumentierten Nachweise von Phasianus colchicus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
613.214
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Fasanen sind gesellige Vögel. Außerhalb der Brutzeit bilden sie lockere Trupps. Im Herbst versammeln sie sich oft in großen Gruppen, dort, wo Nahrung und Deckung vorhanden sind. Winterschwärme können gemischt oder nur aus einem Geschlecht bestehen und bis zu 50 Vögel umfassen.

Die meiste Zeit verbringen Fasanen am Boden. Sie laufen schnell und bewegen sich mit einem stolzierenden Gang. Beim Fressen halten sie den Schwanz waagerecht, beim Rennen steil in einem Winkel von etwa 45 Grad. Zum Schlafen nutzen sie den Boden ebenso wie Bäume.

Im Flug sind sie kräftig. Sie starten fast senkrecht nach oben, wenn sie aufgescheucht werden, wobei die Flügel laut rauschen. Ihre Reisegeschwindigkeit liegt bei 43 bis 61 km/h, bei Verfolgung erreichen sie bis zu 90 km/h. Kurze Strecken fliegen sie lieber gar nicht, sie laufen meist.

Fasanen sind meist standorttreu, zeigen aber je nach Nahrung und Deckung teils Wanderneigungen. In nördlichen Populationen ziehen die Vögel bei Kälte in mildere Gebiete. Im Frühjahr lösen sich die Trupps allmählich auf, wobei die Männchen zuerst gehen.

Die Reviere der Hähne sind in der Brutzeit größer als im Winter, und die Hennen haben meist größere Reviere als die Männchen. Die Angaben reichen von 0,8 bis 3,2 km². Sie können je nach Wetter, Landnutzung und Bestandsdichte stark schwanken. Zum Staubbaden scharren sich die Vögel Sand und Erde ins Gefieder, was Hautschuppen, Fett und alte Federn entfernt.

Kommunikation

Der auffälligste Laut ist der Ruf der Hähne: ein lautes, durchdringendes, zweisilbiges »korrk-kok« mit einer scharfen, kurzen Betonung auf der letzten Silbe. Die Männchen rufen damit ihr Revier ab, besonders in der Morgen- und Abenddämmerung und während der Paarungszeit. Der Ruf ähnelt dem eines Hahns und ist bis zu etwa 1,6 km weit zu hören.

Bei Gefahr stoßen Fasanen heisere, krächzende Töne aus, die Artgenossen warnen. Beim Auffliegen geben sie oft ein »kok kok kok« von sich. Die Rufe der Hennen sind leiser und seltener zu hören.

Im Brutgeschehen spielen Sichtzeichen eine Rolle. Männchen zeigen Balzverhalten mit gesenktem Kopf, gesenktem Flügel und aufgerichtetem Kehllappen, und sie schlagen mit den Flügeln.

Ernährung und Nahrung

Der Fasan ist ein Allesfresser mit einer sehr breiten Nahrungswahl. Er frisst Getreide, Samen, Triebe und Beeren, dazu Insekten und andere kleine wirbellose Tiere. Die pflanzliche Nahrung umfasst Früchte, Samen, Körner, Beeren und Blätter. Zu den tierischen Beutetieren zählen Schnecken, Regenwürmer, Heuschrecken, Raupen, Larven und Ameiseneier.

An Feldfrüchten nimmt er vor allem Mais, Weizen, Gerste und Lein. Unter den Unkrautsamen spielen Borstenhirse, Ambrosia und Sonnenblumenkerne eine Rolle. Von Obst frisst er Wildweintrauben, Äpfel und Brombeeren.

Gefressen wird meist am Boden im Unterwuchs, wo der Vogel mit dem Schnabel nach Nahrung scharrt. Die Hauptnahrungszeiten sind der frühe Morgen und der Abend. Kleine Wirbeltiere wie Eidechsen, Feldmäuse und kleine Vögel nimmt er gelegentlich ebenfalls auf.

Nestbau und Brut

Fasanenhähne sind polygyn und halten einen Harem aus mehreren Hennen, im Frühjahr sind es zwei bis 18 Tiere. Die Paarungszeit beginnt im März und reicht bis Juni. Die Männchen beanspruchen ihr Revier durch Rufen und Flügelschlagen. Dabei fliegen rivalisierende Hähne aufeinander zu, beißen sich in die Kehllappen oder springen mit den Füßen hoch. Früh im Jahr etablierte Hähne sind meist dominanter.

Hennen wählen vor allem dominante Männchen mit langen Schwanzfedern, langen Federohren und schwarzen Punkten am Kehllappen. Die Helligkeit des Gefieders spielt dagegen keine Rolle. Das Balzverhalten besteht aus einer seitlichen Vorführung: Der Hahn umrundet die Henne langsam im Halbkreis, Kopf tief, Flügel hängend und Kehllappen aufgerichtet. Oft folgt darauf die Paarung.

Die Henne scharrt eine flache Mulde im Boden, gut von Pflanzen verdeckt, und polstert sie mit etwas Pflanzenmaterial aus. Sie legt täglich ein Ei, bis 7 bis 15 Eier zusammenkommen, im Durchschnitt etwa 10. Brüten sich mehrere Hennen in einem Nest, werden die Gelege größer.

Die Henne brütet fast den ganzen Tag und verlässt das Nest nur morgens und abends zum Fressen. Die Brutdauer liegt zwischen 23 und 28 Tagen, im Durchschnitt bei 24 Tagen. Die Küken sind Nestflüchter: Sie sind mit Daunen bedeckt, haben offene Augen und folgen der Mutter sofort zu Nahrung. Nach 12 Tagen können die Jungvögel fliegen und bleiben 70 bis 80 Tage bei der Henne, bevor sie selbstständig werden. Geschlechtsreif werden sie mit etwa einem Jahr.

Bestand und ökologische Rolle

Der Fasan ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets häufig. Vor allem in Großbritannien lebt er in großer Zahl, weil dort jährlich etwa 50 Millionen gezüchtete Vögel im Sommer ausgesetzt werden, die meist in der Jagdsaison geschossen werden. Dadurch schwankt der Bestand im Jahresverlauf stark, von etwa 50 Millionen im Juli auf weniger als 5 Millionen im Juni.

In den Vereinigten Staaten sind die Bestände in den letzten 30 Jahren zurückgegangen, vor allem in Agrarlandschaften. Ursachen sind veränderte Anbaumethoden, Pestizide, die Zerschneidung der Lebensräume und stärkerer Fraßdruck durch Prädatoren.

In der Nahrungskette ist der Fasan Beute größerer Raubtiere und frisst als Insektenjäger Insekten. Er verbreitet Samen durch die Samenfressen. Gleichzeitig kann er seltenen Vogelarten wie dem Präriehuhn und dem Rebhuhn schaden, indem er Gelege parasitiert, Lebensraum konkurrenziert und Krankheiten überträgt.

Schutz und Bedrohungen

Der Fasan gilt nach der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet. Er ist in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets häufig. In den Vereinigten Staaten besitzt er keinen besonderen Schutzstatus, auch nicht nach dem Zugvogelschutzgesetz oder der Artenschutzkonvention CITES.

Die größte Bedrohung für wildlebende Fasane ist der Verlust geeigneter Lebensräume. Ausgeräumte Felder, der Wegfall von Heckenstreifen und Brachen sowie der Verlust von Gras- und Wiesenflächen mindern den Lebensraum. Dazu kommen Pestizide und die Verschiebung der Anbaupflanzen hin zu Kulturen wie Nussbäumen, die für Fasanen schlecht geeignet sind.

Besonders in Agrarlandschaften ist der Rückgang deutlich. Dort fehlen Flächen mit ausdauerndem Gras, in denen die Hennen nisten können, und die Gelege sind dadurch stärker durch Fraßfeinde gefährdet.

Wer den Lebensraum des Fasans erhalten möchte, kann Hecken, Feldraine und ungemähte Randstreifen an Wegen und Feldern stehen lassen. Solche Flächen bieten Nistdeckung im Frühjahr und Schutz im Winter.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Der Fasan ist in Europa vor allem als Federwild bekannt. Sein wichtigster Nutzen für den Menschen ist die Jagd auf Hochwild im Bergland, dem er als Wild dient. Schon im Römischen Reich wurde der Fasan gehalten und gejagt. Der Koch Marcus Gavius Apicius beschrieb im 1. Jahrhundert n. Chr. Rezepte mit Fasanenfleisch, und Columella schrieb im selben Jahrhundert über die Haltung der Vögel.

Die Fasanenzucht ist weit verbreitet und wird häufig intensiv betrieben. Die Vögel werden an Jagdreviere und Gaststätten geliefert, nur wenige gelangen an Privatköchinnen und Privatköche. Diese Praxis hat deutliche nachteilige Folgen für einheimische Arten.

Der Name der Gattung und Art verweist auf den Fluss Phasis, heute Rioni in Georgien. Nach der griechischen Sage sollen die Argonauten dort als Erste Fasanen gesehen haben. Carl von Linné beschrieb die Gattung 1758 in der zehnten Auflage des Systema Naturae.

Wissenswertes

  1. Nach der griechischen Sage sollen die Argonauten die Vögel am Fluss Phasis gesehen haben, nach dem die Gattung benannt ist.
  2. Eine Fasanenhenne bebrütet ihre Eier etwa drei bis vier Wochen lang und verlässt das Nest nur morgens und abends zum Fressen.
  3. In Großbritannien entstand aus Kreuzungen mit dem Grünen Fasan die dunkelflügelige, halslose Form, die heute die meisten britischen Vögel prägt.
  4. Im Jahr 1826 wurde ein Hahn in den Grampian Mountains in Schottland gesichtet, lange nachdem die Art dort erstmals erwähnt worden war.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Alexander Hodgson via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by andygpos via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by olmagon via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Tristan Haab via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Amir via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Riccardo Riva via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Jon Mortin via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by ManOnEarth via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Nigel Bentley via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Priya Sandhu via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Laura Jennings via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Nathan Sarrazin via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Alister Harman via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Jess Hughes via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Anne Thomson via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Territorial
  • Sozial
  • Tagaktiv
  • Zugvogel

Ernährung

  • Allesfresser

Klassifikation

Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Ordnung
Galliformes
Familie
Phasianidae
Gattung
Phasianus
Art
Phasianus colchicus

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
  6. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  7. AnAge Longevity