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Geweihförmige Holzkeule

Xylaria hypoxylon

Kaum ein heimischer Pilz verändert sein Erscheinungsbild im Jahresverlauf so auffällig wie die Geweihförmige Holzkeule: Im Frühjahr erscheinen ihre Fruchtkörper wie mit weißem Puder bestäubt, später verkohlen sie förmlich zu tiefschwarzen, geweihartigen Gebilden. Zudem gehört Xylaria hypoxylon zu den bioluminszenten Pilzarten – ihr Myzel kann im Dunkeln ein schwaches Glimmen erzeugen.

Die Art gehört zur Familie der Xylariaceae innerhalb der Schlauchpilze (Ascomycota) und wird im Deutschen auch als Geweihförmige Holzkeule bezeichnet. International trägt sie Namen wie candlestick fungus, candlesnuff fungus, carbon antlers oder stag's horn fungus – Bezeichnungen, die alle auf ihre geweih- oder kerzenartige Gestalt anspielen.

Wer im Winter auf morschem Totholz kleine, schwarz-weiße „Geweihe“ entdeckt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit diese Art vor sich. Ihre wandelbare Erscheinung macht sie zu einem der lehrreichsten Beispiele dafür, wie stark sich ein und derselbe Pilz je nach Jahreszeit unterscheiden kann.

Fruchtkörper und Bestimmung

Das verlässlichste Erkennungsmerkmal ist die geweih- oder kerzenartige Form der Fruchtkörper: Sie sind zylindrisch bis abgeflacht, 3 bis 8 Zentimeter hoch und 2 bis 8 Millimeter dick, stehen aufrecht und sind oft gedreht oder gebogen. Meist verzweigen sie sich nur spärlich, wodurch die charakteristische Ähnlichkeit zu einem Hirschgeweih entsteht.

Das Aussehen ändert sich deutlich mit dem Alter. Junge Exemplare, die früh im Jahr – im Frühling – erscheinen, können vollständig mit einem weißlich bis grauen, pudrigen Belag aus asexuellen Sporen (Konidien) überzogen sein. Später im Jahr werden die Fruchtkörper vollständig kohlschwarz und tragen an der Oberfläche winzige, pickelartige Erhebungen, die Perithezien. Diese eingebetteten, kugeligen Strukturen besitzen kleine Öffnungen, die Ostiolen, aus denen die sexuellen Sporen (Ascosporen) freigesetzt werden.

Das Innere des Fruchtkörpers, das Stroma, ist zäh, elastisch und weiß. In den Perithezien liegen die Asci mit etwa 100 × 8 Mikrometer. Die Ascosporen selbst sind nierenförmig, schwarz, glatt und messen 10 bis 14 × 4 bis 6 Mikrometer, während die asexuellen Sporen ellipsoid, glatt und durchsichtig (hyalin) sind.

Mehrere Arten der Gattung Xylaria ähneln der Geweihförmigen Holzkeule, insbesondere Xylaria polymorpha. Diese ist jedoch deutlich dicker gebaut und kaum verzweigt, was eine Unterscheidung im Feld erleichtert.

Verbreitung und Lebensraum

Die Fruchtkörper wachsen typischerweise büschelig auf abgestorbenem Laubholz. Sie erscheinen dort in dichten Gruppen auf morschen Stämmen, Ästen und Stubben.

Neben ihrer Rolle als Holzbewohner kann der Pilz auch eine Wurzelfäule an lebenden Gehölzen wie Weißdorn und Stachelbeere verursachen, was zeigt, dass sie nicht ausschließlich auf bereits totes Holz beschränkt ist.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche Häufung der Fundmeldungen zwischen September und Dezember, mit einem ausgeprägten Höhepunkt im Oktober. In den Sommermonaten Mai bis Juli werden dagegen deutlich weniger Funde gemeldet. Da es sich hierbei um reine Anwesenheitsbeobachtungen handelt, lassen sich daraus keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet ziehen – die Zahlen spiegeln vermutlich vor allem, wann die Fruchtkörper am auffälligsten sichtbar sind.

Karte der dokumentierten Nachweise von Xylaria hypoxylon
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
40.192
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Wissenswertes

  1. Xylaria hypoxylon gehört zu den bioluminszenten Pilzarten, deren Myzel im Dunkeln schwach leuchten kann.
  2. Im englischen Sprachraum trägt die Art gleich mehrere bildhafte Namen: candlestick fungus, candlesnuff fungus, carbon antlers und stag's horn fungus.
  3. Aus einer Kultur der Art (Stamm AT-028) wurden zwei neue Tetralon-Derivate isoliert, chemische Verbindungen, die in wissenschaftlichen Untersuchungen beschrieben wurden.
  4. In mykologischen Studien wurden die Kultureigenschaften von Xylaria hypoxylon mit verwandten Arten wie X. persicaria, X. magnoliae und X. carpophila verglichen, um Unterschiede zwischen den Arten sichtbar zu machen.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Chline River via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Markus Krieger via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by ncb1221 via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Rob Drake via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Sean Hartnett via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Frank Ashwood via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Ondřej Křivan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Cara Ennis via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Noah How via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Lebensraum

Klassifikation

Stamm
Ascomycota
Klasse
Sordariomycetes
Ordnung
Xylariales
Familie
Xylariaceae
Gattung
Xylaria
Art
Xylaria hypoxylon

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract