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Vielgestaltige Holzkeule

Xylaria polymorpha

Mit ihren schwarzen, fingerartigen Fruchtkörpern, die aus morschem Holz emporragen, gehört die Xylaria polymorpha zu den auffälligsten Erscheinungen im Wald. Ihr deutscher Name, Vielgestaltige Holzkeule, verweist ebenso wie die englische Bezeichnung „dead man's fingers“ auf dieses morbide Erscheinungsbild.

Die Art ist ein saprobiontischer Pilz, der auf allen sechs bewohnten Kontinenten vorkommt. Sie lebt vom Abbau von totem Holz und ist damit ein fester Bestandteil von Wäldern und Wäldchen weltweit. Wer einmal auf die schwarzen „Finger“ an einem morschen Baumstumpf achtet, wird sie danach immer wiedererkennen.

Fruchtkörper und Bestimmung

Das zuverlässigste Erkennungsmerkmal der Xylaria polymorpha ist ihre Wuchsform: Die Fruchtkörper, sogenannte Stromata, wachsen aufrecht, keulenförmig oder riemenartig und werden im reifen Zustand etwa 3 bis 10 Zentimeter hoch. Oft treten mehrere einzelne „Finger“ nebeneinander auf, manchmal verwachsen sie jedoch auch miteinander zu unregelmäßigen Klumpen.

Äußerlich sind die Stromata schwarz bis braun gefärbt, gelegentlich mit einem bläulichen oder grünlichen Schimmer. Im Inneren ist das Fleisch weiß und von einer dunkel gepunkteten Randzone umgeben. Diese Punkte sind die Öffnungen winziger Strukturen, der sogenannten Perithecien, in denen die Schläuche mit den Ascosporen heranreifen. Der Sporenausstoß erfolgt über die Öffnung der Perithecien nach außen und kann sich über mehrere Monate hinziehen.

Der Sporenabdruck der Art ist schwarz. Im Frühjahr überzieht sich die Oberfläche zudem oft mit einer weißen bis bläulichen Schicht ungeschlechtlicher Sporen, den Konidien, die dem sonst dunklen Fruchtkörper ein völlig anderes Aussehen verleihen können.

Verbreitung und Lebensraum

Xylaria polymorpha ist auf allen sechs bewohnten Kontinenten verbreitet und zählt damit zu den weltweit vorkommenden Pilzarten. Sie besiedelt vor allem Wälder und Waldränder, wo sie an den Basen verrottender oder verletzter Baumstümpfe sowie auf morschem Totholz wächst.

Darüber hinaus wurde sie auch auf anderen organischen Substraten wie holzigen Hülsenfrüchten, Blattstielen und krautigen Stängeln nachgewiesen, was ihre Anpassungsfähigkeit als Zersetzer verschiedenster pflanzlicher Materialien zeigt.

Beobachtungsdaten deuten auf eine saisonale Häufung der Funde in den Sommer- und Frühherbstmonaten hin, mit einem deutlichen Anstieg etwa zwischen Juni und Oktober. Solche Zahlen spiegeln jedoch lediglich die Häufigkeit gemeldeter Beobachtungen wider, nicht die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet der Art.

Karte der dokumentierten Nachweise von Xylaria polymorpha
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
5.561
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Nutzung und Kulturgeschichte

Kulturell ist die Vielgestaltige Holzkeule vor allem durch ihren makaberen Beinamen bekannt: Wegen der Ähnlichkeit ihrer aufrechten, keulenförmigen Fruchtkörper mit schwarzen, skelettartigen menschlichen Fingern, die aus verrottendem Holz oder Erde ragen, trägt sie im Englischen den Namen „dead man's fingers“.

Dieses eindrückliche Bild hat dazu geführt, dass die Art in der modernen Populärkultur als Symbol des Makabren wahrgenommen wird. In Halloween-Themen und Horrordarstellungen taucht sie immer wieder als unheimlicher, gleichsam untoter Pilz auf, was ihren kulturellen Reiz als Vorbote von Tod und Verfall verstärkt.

Wissenswertes

  1. Der englische Name „dead man's fingers“ beschreibt die verblüffende Ähnlichkeit der Fruchtkörper mit verkohlten, abgestorbenen menschlichen Fingern.
  2. In alten Überlieferungen wurde der Pilz mit Hexerei und Übernatürlichem in Verbindung gebracht – man glaubte, er könne Geister herbeirufen und Wünsche erfüllen, weshalb er in manchen Erzählungen sogar als Zauberstab von Hexen auftaucht.
  3. Ihre Fruchtkörper erinnern optisch auch an verbranntes Holz, was zusätzlich zu ihrem düsteren Erscheinungsbild beiträgt.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Kevin via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Shaldon Wildlife Trust via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Ben Machado via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Michele Wiseman via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by atchalmers via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Ondřej Křivan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Alexander Diaz via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Lebensraum

Klassifikation

Stamm
Ascomycota
Klasse
Sordariomycetes
Ordnung
Xylariales
Familie
Xylariaceae
Gattung
Xylaria
Art
Xylaria polymorpha

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract