Die Blüten von Selenicereus grandiflorus öffnen sich nur eine einzige Nacht im Jahr, verströmen einen intensiven Duft nach Vanille und Orangenblüten und verwelken schon wenige Stunden nach Sonnenaufgang.
Die Art gehört zur Familie der Kakteengewächse (Cactaceae) und stammt ursprünglich aus den Großen Antillen, Mexiko und Mittelamerika. Sie trägt Beinamen wie „Königin der Nacht“, „Vanillekaktus“ oder „nachtblühender Cereus“. Nach der Roten Liste der IUCN gilt sie als nicht gefährdet.
Besonders bemerkenswert ist, dass die echte Art in Kultur äußerst selten ist: Die meisten unter diesem Namen gehandelten Pflanzen gehören tatsächlich zu anderen Arten oder Hybriden, und die Pflanze wird häufig mit der Gattung Epiphyllum verwechselt.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal ist die außergewöhnlich große, nachts blühende Blüte, die 17 bis 22,5 Zentimeter lang und bis zu 38 Zentimeter breit werden kann. Sie verströmt einen an Vanille und Orangenblüten erinnernden Duft.
Die Triebe von Selenicereus grandiflorus sind kletternd, rankend oder ausgebreitet wachsend, verzweigt und bilden mitunter dichte Gewirre. Sie können mehr als 10 Meter lang und 15 bis 25 Millimeter dick werden, bilden Luftwurzeln aus und tragen 7 bis 8 flache Rippen, die durch breite, gerundete Zwischenräume getrennt sind und wellig bis stark knorrig wirken können. Die kleinen Areolen sind weiß bis graulich wollig und tragen 5 bis 18 gelblich-braune bis gelbe Dornen, die im Alter grau werden und schließlich abfallen. Die Epidermis ist bläulich- bis graugrün, oft mit purpurnem Schimmer, und glatt.
Die äußeren Blütenblätter sind 7,5 bis 10 Zentimeter lang, schmal und linealisch zulaufend, hellbraun bis lachsfarben oder rosa-beige, während die kürzeren inneren Blütenblätter weiß und lanzettlich mit spitzem Ende sind. Die zahlreichen Staubblätter sind weiß mit gelblichen Staubbeuteln, der Griffel kann 15 bis 20 Zentimeter lang werden und trägt 7 bis 12 schlanke Narbenlappen.
Die Frucht ist eiförmig, 5 bis 9 Zentimeter lang und 4,5 bis 7 Zentimeter dick, weißlich bis rosa, gelb oder orange gefärbt und trägt Büschel von Dornen und Haaren, die bald abfallen. Innerhalb der Art werden vier Unterarten unterschieden: donkelaarii, grandiflorus, hondurensis und lautneri. Da die Triebform – von leicht wellig bis stark knorrig – selbst innerhalb einzelner Pflanzen stark variiert, etwa auf Jamaika, kommt es in der Kultur häufig zu Verwechslungen mit verwandten Arten der Gattung Selenicereus.
Verbreitung und Lebensraum
Selenicereus grandiflorus ist auf den Großen Antillen heimisch, darunter Kuba, die Kaimaninseln, Puerto Rico, Jamaika, die Dominikanische Republik und Haiti, sowie in Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras, Nicaragua und weiteren Gebieten Mittel- und Südamerikas.
Die Art wächst kletternd auf Bäumen und Felsen, meist in Höhenlagen bis etwa 700 Meter. Als Kletterpflanze ist sie sowohl epiphytisch – auf anderen Pflanzen wachsend – als auch lithophytisch, also auf Felsen siedelnd, anzutreffen.
Besonders auf Jamaika zeigen die Triebe eine hohe Formenvielfalt, von leicht wellig bis stark knorrig, oft sogar innerhalb einer einzigen Pflanze. Diese Variabilität hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass viele nahe verwandte Arten der Gattung Selenicereus eigentlich eher als Unterarten von Selenicereus grandiflorus gelten könnten, da sie sich nur graduell und nicht grundsätzlich unterscheiden.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen
In vielen Kulturen wird die Blüte der Königin der Nacht seit langem verehrt und mit besonderer Symbolik versehen. Im alten Ägypten etwa galt sie als Sinnbild für Wiedergeburt und Auferstehung und wurde mit der Göttin Isis in Verbindung gebracht, die der Überlieferung nach eine mit dieser Blüte geschmückte Krone trug. Der Mythos besagt, dass die Blüte einmal im Jahr für eine einzige Nacht erblühte und mit ihrem starken Duft nachtaktive Geschöpfe anzog.
Als Zierpflanze gilt Selenicereus grandiflorus als schnellwüchsig, benötigt aber zwei bis drei Jahre, bevor sie erstmals blüht. Sie blüht im späten Frühjahr oder frühen Sommer, dabei öffnet sich jede einzelne Blüte nur eine Nacht lang und verwelkt innerhalb weniger Stunden.
Darüber hinaus besitzt die Art bis heute eine kulturelle Bedeutung in weiten Teilen Mittel- und Südamerikas.
Wissenswertes
- Carl Linnaeus beschrieb die Art 1753 unter dem Namen Cactus grandiflorus – zu jener Zeit war sie die großblütigste bekannte Kaktusart. Paradoxerweise wirken ihre Blüten im Vergleich zu manchen anderen Arten der Gattung Selenicereus heute eher moderat.
- Der nachtblühende Cereus eröffnet den vierten und letzten Gesang von Erasmus Darwins Gedicht „The Botanic Garden“ aus dem Jahr 1791 und bildet dort einen Übergang von einem vorangegangenen, von düsteren und bedrohlichen Pflanzen geprägten Gesang.
- Andere Arten der Gattung Selenicereus, etwa Selenicereus undatus und Selenicereus megalanthus, werden wirtschaftlich für ihre Früchte angebaut, die reich an Antioxidantien und Vitaminen sind und in Säften, Marmeladen und Süßwaren verwendet werden.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Magnoliopsida
- Ordnung
- Caryophyllales
- Familie
- Cactaceae
- Gattung
- Selenicereus
- Art
- Selenicereus grandiflorus
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



