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Carnegiea gigantea

Carnegiea gigantea

Kein belegter Trivialname

LCNicht gefährdet
Ein hoher, säulenförmiger Saguaro-Kaktus mit mehreren nach oben gebogenen Armen in der Wüstenlandschaft Arizonas, mit sichtbaren Dornen und einer grünlichen, gerippten Oberfläche.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
BuschlandGebirgeWüsteSukkulente
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Caryophyllales
Familie
Cactaceae
Gattung
Carnegiea
Art
Carnegiea gigantea

Ein einzelner Saguaro kann über 12 Meter hoch werden, bis zu 78 Arme tragen und dabei 150 bis 200 Jahre alt werden – kaum eine andere Pflanze Nordamerikas prägt eine Landschaft so sehr wie dieser Riesenkaktus.

Carnegiea gigantea, so der wissenschaftliche Name zu Ehren von Andrew Carnegie, ist die einzige Art der monotypischen Gattung Carnegiea und wächst baumartig in der Sonora-Wüste Arizonas, im mexikanischen Bundesstaat Sonora sowie in wenigen Beständen Südkaliforniens. Die IUCN stuft die Art als nicht gefährdet (Least Concern) ein.

1933 wurde bei Tucson der Saguaro-Nationalpark eingerichtet, um diese Pflanze und ihren Lebensraum zu schützen – ein Hinweis darauf, wie eng die kulturelle und ökologische Bedeutung des Saguaros mit dem amerikanischen Südwesten verwoben ist.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist die säulenförmige, stark gerippte Gestalt mit mehreren nach oben gebogenen Armen, von denen ein Exemplar nachweislich 78 besaß. Saguaros erreichen Höhen von 3 bis 16 Metern und einen Durchmesser von bis zu 75 Zentimetern; damit sind sie der größte Kaktus der Vereinigten Staaten. Das größte bekannte lebende Exemplar, registriert im Maricopa County, Arizona, misst 13,8 Meter in der Höhe und hat einen Stammumfang von 3,1 Metern.

Das Wachstum verläuft extrem langsam und hängt stark vom Niederschlag ab: In den trockeneren Regionen Westarizonas wachsen Saguaros nur halb so schnell wie um Tucson. Nach zwei Jahren misst ein Sämling gerade einmal 6,4 Millimeter, und es dauert 20 bis 50 Jahre, bis die Pflanze einen Meter Höhe erreicht.

Die scharfen Dornen werden bis zu 7 Zentimeter lang und wachsen bis zu einem Millimeter pro Tag; im Querschnitt zeigen sie helle und dunkle Bänder, die einzelnen Wachstumstagen entsprechen. Ein Saguaro ohne Arme wird als „Speer“ bezeichnet, während seltene, durch Fasziation verursachte „Kristaten“-Formen mit gewelltem Kammwuchs nur bei etwa einem von 10.000 Exemplaren auftreten – bis 2020 wurden weltweit 2.743 solcher Kristaten dokumentiert.

Im Inneren stützt ein Gerüst aus holzigen „Rippen“ die Pflanze; diese sind ähnlich dicht wie Hartholz und wurden von indigenen Völkern als Baumaterial genutzt. Als Kaktus betreibt der Saguaro CAM-Photosynthese und öffnet seine Spaltöffnungen nur nachts, wodurch er tagsüber kaum Wasser verliert.

Verbreitung und Lebensraum

Der Saguaro ist auf die Sonora-Wüste beschränkt und kommt vor allem im westlichen Sonora (Mexiko) und im westlichen Arizona vor. In Südkalifornien, etwa in den Whipple Mountains und im Imperial County, sind nur rund 30 wildwachsende Exemplare bekannt. Die nördliche Verbreitungsgrenze bilden die Hualapai Mountains in Arizona – damit ist der Saguaro der nördlichste säulenförmige Kaktus Amerikas, denn längere Frostperioden verträgt die Art nicht. In Nevada, New Mexico, Texas, Colorado, Utah oder den Hochwüsten Nordarizonas wurden keine bestätigten Wildvorkommen gefunden.

Die Art besiedelt Höhenlagen von etwa 180 bis 1.500 Metern, wobei die größten Bestandsdichten in den feuchteren östlichen Teilen des Verbreitungsgebiets liegen. Saguaros wachsen auf flachen, grobkörnigen, steinigen Böden, die in 1 bis 3 Metern Tiefe von einer undurchlässigen Caliche-Schicht unterlagert sind, von sanften Schwemmfächern (Bajadas) bis zu steilen, vulkanischen Hanglagen.

Typischer Lebensraum ist die Paloverde-Saguaro- beziehungsweise Paloverde-Bursage-Wüstenbuschvegetation, seltener treten Saguaros auch in Creosotebusch-Gemeinschaften entlang trockener Flussläufe auf. Die Sonora-Wüste erhält 150 bis 400 Millimeter Niederschlag im Jahr, verteilt auf zwei Regenzeiten von Dezember bis Februar und Juli bis August. Begleitarten sind unter anderem der Organ-Pipe-Kaktus, Fasskaktus, Cholla, Ocotillo, Catclaw-Akazie, Ironwood und Jojoba.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen Höhepunkt im Mai mit über 10.000 gemeldeten Sichtungen gegenüber deutlich weniger in den Sommermonaten – dies spiegelt jedoch nur die Beobachtungshäufigkeit wider, nicht die tatsächliche Bestandsdichte oder das vollständige Verbreitungsgebiet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Carnegiea gigantea
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
10.120
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Der Saguaro gilt als Schlüsselart der Sonora-Wüste: In jeder Lebensphase, vom Sämling bis zum abgestorbenen Gerippe, bietet er zahlreichen Tierarten Nahrung, Schutz oder Nistplätze.

Gila-Spechte und Gilaflicker meißeln Nisthöhlen in den Stamm, wobei Flicker ihre Höhlen meist höher am Stamm anlegen als die Spechte. Diese Höhlen werden in Folgejahren von anderen Vögeln wie Elfenkäuzen, Purpurschwalben und Hausgimpeln übernommen; 2020 nistete sogar erstmals seit 1937 wieder ein Weißkopfseeadler in einem Saguaro. Um die Wunde bildet die Pflanze Kallusgewebe, das nach dem Absterben und Verrotten des weichen Fruchtfleisches als sogenannter „Saguaro-Stiefel“ erhalten bleibt und von indigenen Völkern als Aufbewahrungsgefäß genutzt wurde.

Beim Absterben wandeln Saguaros große Mengen an Kohlenstoff aus Kohlendioxid in das Mineral Calciumcarbonat um. Damit überführen sie Kohlenstoff aus dem biologischen in den geologischen Kreislauf – ein terrestrisches Gegenstück zur Kohlenstoffbindung durch Korallen und Muscheln im Meer.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Für die Tohono O’odham, Pima und Seri ist der Saguaro seit Generationen eine zentrale Ressource, deren Teile bis heute fast vollständig genutzt werden. Ab Juni ernten die Tohono O’odham die Früchte mit einem „Kuibit“, einem etwa sechs Meter langen Werkzeug aus gebündelten Saguaro-Rippen. Da das frische Fruchtfleisch nicht lange haltbar ist, wird es stundenlang zu einem dickflüssigen Sirup eingekocht – aus vier Kilogramm Früchten entsteht rund ein Liter Sirup. Am Ende der Ernte wurde traditionell ein Teil des Sirups zu zeremoniellem Wein vergoren, der bei Regenmachertänzen mit Gesang und Geschichten getrunken wurde; der berauschte Zustand galt als heilig, entstehende Träume als bedeutungsvoll.

Die Samen werden zu Mehl vermahlen oder roh gegessen, wobei roh verzehrte Samen kaum verdaulich sind; außerdem wurden sie zu Öl gepresst und in geringem Umfang zum Gerben von Leder verwendet, heute dienen sie vor allem als Hühnerfutter. Die Rippen abgestorbener Pflanzen fanden als Baumaterial, für Zäune und Möbel sowie als Viehfutter Verwendung, und alte, wetterfeste Vogelnester beziehungsweise ausgehöhlte „Saguaro-Stiefel“ dienten als Vorrats- und Wasserbehälter.

Der Saguaro ist tief in Folklore und Religion der Region verwurzelt und wurde 1931 zur Staatsblüte Arizonas erklärt. Als Symbol des amerikanischen Südwestens ziert er zahlreiche Logos und Werbungen – etwa das Etikett der Marke Old El Paso, obwohl in einem Umkreis von rund 400 Kilometern um El Paso, Texas, keine wildwachsenden Saguaros vorkommen. Auch die Fluggesellschaft America West, später US Airways, nutzte den Funkrufnamen „CACTUS“ als Hommage an die Kakteen ihres Sitzes in Phoenix.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN führt den Saguaro als nicht gefährdet (Least Concern), was den Gesamtbestand betrifft, doch die Art steht in Arizona unter striktem gesetzlichem Schutz: Das Beschädigen oder Vandalisieren eines Saguaros ist illegal, und für Bauprojekte, die einen Saguaro betreffen, müssen Sondergenehmigungen zum Umsetzen oder Entfernen der Pflanze eingeholt werden.

Die größte ökologische Bedrohung geht von invasiven Pflanzenarten wie Büffelgras und Saharasenf aus. Büffelgras verdrängt Saguaros im Wasserwettbewerb, wächst extrem dicht und ist hochentzündlich, übersteht Brände dank tiefer Wurzeln jedoch leicht. Während die Feuerwiederkehr in der Sonora-Wüste natürlicherweise bei über 250 Jahren liegt, gedeiht Büffelgras bei Brandintervallen von nur zwei bis drei Jahren – Saguaros sind an solch häufige Feuer nicht angepasst und sterben dabei in großer Zahl ab.

Der Klimawandel verschärft die Lage zusätzlich: Steigende Tages- und Nachttemperaturen verringern die Wassernutzungseffizienz der Pflanzen, zwingen sie zu höherem Wasserverbrauch und erhöhen so das Sterberisiko während Dürreperioden.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Wissenswertes

  1. Einzelne Zellen der Spaltöffnungen und des Marks eines Saguaros können bis zu 150 Jahre lang funktionsfähig bleiben – damit gehören sie zu den langlebigsten Zellen überhaupt.
  2. Das höchste je gemessene Exemplar stand bei Cave Creek, Arizona, war armlos und maß 23,8 Meter, bevor es 1986 von einem Sturm umgeworfen wurde.
  3. Das Wurzelsystem eines Saguaros kann sich bis zu 30 Meter seitlich ausbreiten, während eine Pfahlwurzel bis zu einen Meter tief in den Boden reicht.
  4. Seltene „Kristaten“-Saguaros mit kammartig gewelltem Wuchs treten nur bei etwa einem von 10.000 Exemplaren auf; bis 2020 waren weltweit 2.743 dokumentiert.
  5. Die Dornen wachsen bis zu einem Millimeter pro Tag und zeigen im Querschnitt Wachstumsbänder, aus denen Forscher mittels Isotopenanalyse das Klima vergangener Jahre rekonstruieren können.
  6. Der Gattungsname Carnegiea ehrt den Industriellen Andrew Carnegie.
  7. 2020 nistete erstmals seit 1937 wieder ein Weißkopfseeadler in einem Saguaro.

Ökologie

Lebensraum

  • Buschland
  • Gebirge
  • Wüste

Wuchsform

  • Sukkulente

Fotos

20 Fotos
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Ein hoher, säulenförmiger Saguaro-Kaktus mit mehreren nach oben gebogenen Armen in der Wüstenlandschaft Arizonas, mit sichtbaren Dornen und einer grünlichen, gerippten Oberfläche.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life