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Neunbinden-Gürteltier

Dasypus novemcinctus

Nicht gefährdet

Das Mexikanische Langnasengürteltier Nordamerikas galt früher als Unterart des Neunbinden-Gürteltiers. Heute wird es als eigenständig betrachtet, was die enge Verwandtschaft der beiden Formen unterstreicht.

Das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus) ist ein Säugetier aus der Familie der Gürteltiere (Dasypodidae) und der Ordnung der Gürteltiere (Cingulata). Es stammt aus Südamerika, wo es den größten Teil des Kontinents bewohnt. Die IUCN stuft die Art als nicht gefährdet ein.

Das Neunbinden-Gürteltier ist eine der größten Gürteltierarten. Seine Anpassungsfähigkeit an Wälder, Savannen und vom Menschen veränderte Landschaften macht es zu einem der bekanntesten Vertreter seiner Familie.

Identifikation und Erscheinungsbild

Der Panzer ist das auffälligste Merkmal. Er bedeckt Rücken, Flanken, Kopf, Schwanz und die Außenseiten der Beine, während Bauch und Innenseiten der Beine nur von einer festen Haut und einem Fell aus groben Haaren geschützt sind. Die Zahl der Bänder beträgt meist neun, sie kann jedoch je nach Verbreitungsgebiet variieren.

Das Neunbinden-Gürteltier wiegt meist 2,5 bis 6,5 kg, die größten Exemplare erreichen bis zu 10 kg. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 38 bis 58 cm, der Schwanz misst 26 bis 53 cm. Insgesamt werden 64 bis 107 cm erreicht, die Höhe am Rückenpanzer liegt bei 15 bis 25 cm.

Anders als die südamerikanischen Dreibinden-Gürteltiere kann sich das Neunbinden-Gürteltier nicht zu einer Kugel einrollen. Die Krallen der mittleren Zehen der Vorderfüße sind zum Graben verlängert, jedoch nicht so stark wie beim deutlich größeren Riesengürteltier.

Verbreitung und Lebensraum

Das Neunbinden-Gürteltier ist in weiten Teilen Südamerikas verbreitet. Nur das Gebiet des Guayanaschildes bleibt ausgespart, wo mit Dasypus guianensis eine im Juni 2024 beschriebene Art vorkommt.

Die Art lebt bevorzugt in Wäldern und buschreichen Gebieten der Tropen und gemäßigten Zonen. Auch Grasländer und Savannen mit Gehölzen besiedelt sie, meidet aber offene Flächen, weil sie im Waldstreu nach kleinen Wirbellosen sucht. Weitere Lebensräume sind Trockenwälder, feuchte Wälder, Sekundärwälder, Uferwälder und Kaffeeplantagen.

Trockene Regionen werden gemieden. Wasser spielt eine große Rolle, weshalb das Tier vor allem in Flussnähe und in Gebieten mit mindestens 38 cm Jahresniederschlag vorkommt. Kalte Winter begrenzen die Verbreitung: Wo im Jahr mehr als 24 Frosttage auftreten oder der mittlere Januar unter −2 °C fällt, ist die Art selten. Tiefliegende Gebiete nahe Meereshöhe sind dichter besiedelt.

Die Ausbreitung nach Nordosten in den USA folgt Straßen, Brücken und Bahnlinien. Viele Tiere sterben dort auf Straßen. Die meisten Beobachtungen stammen aus den Monaten November und Dezember.

Karte der dokumentierten Nachweise von Dasypus novemcinctus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
5.645
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Das Neunbinden-Gürteltier lebt einzelgängerisch und ist überwiegend nachtaktiv oder dämmerungsaktiv. Bei kaltem oder bewölktem Wetter sucht es seine Nahrung bereits früher am Tag. Im Norden seines Verbreitungsgebiets ist es im Sommer aktiver. Winterruhe hält es nicht.

Die Tiere graben Baue mit einer Länge von 1 bis 5 m und einer Tiefe von wenigen Zentimetern bis 2 m. Ein Tier kann bis zu 12 Baue nutzen, meist sind es 4 oder 5. Ein Nest kann von Gras und Blättern ausgepolstert sein, Eingänge werden oft mit Pflanzenresten verdeckt. Außerhalb der Paarungszeit teilen sich meist nur Paare oder eine Mutter mit ihren sehr jungen Tieren einen Bau. Bei Kälte kann es vorkommen, dass nicht verwandte erwachsene Tiere gemeinsam ruhen, was vermutlich der Wärmeregulation an den nördlichen Verbreitungsgrenzen dient.

Im Revier hinterlassen die Tiere Markierungen mit Urin, Kot und Sekret aus Drüsen an Augenlidern, Nase und Füßen. Männchen verteidigen Brutreviere, Streitigkeiten entscheiden sie mit Tritten und Verfolgungsjagden. Die Reviere messen 0,63 bis 20,1 Hektar und sind je nach Bodentyp und Wasserverfügbarkeit unterschiedlich groß. Ältere Tiere haben größere Reviere.

Bei Gefahr erstarren die Tiere zunächst. Sie können aber auch senkrecht in die Luft springen oder über kurze Strecken sprinten. Ein Tier, das nicht rechtzeitig in einen Bau flüchten kann, sucht dichtes, dorniges Unterholz. Es kann Flüsse durchqueren, indem es den Darm mit Luft füllt und schwimmt oder über den Grund läuft. Die Atemanhaltezeit beträgt bis zu sechs Minuten.

Zu den natürlichen Feinden gehören Pumas, die vermutlich wichtigste Gefahr, Mähnenwölfe, Jaguare und große Greifvögel. Junge Tiere fallen eher Beutegreifern zum Opfer, weil ihr Panzer weicher ist. Jedes Jahr sterben viele tausend Tiere im Straßenverkehr.

Kommunikation

Der Geruchssinn ist der wichtigste Wahrnehmungskanal. Beim Umherlaufen hält das Tier die Nase knapp über dem Boden und kann Wirbellose bis 20 cm unter der Oberfläche riechen. Zur Nahrungssuche richtet es sich auf den Hinterbeinen auf, stützt sich mit dem Schwanz ab und wittert in die Luft. Der Geruchssinn hilft auch bei der Orientierung und beim Wiedererkennen vertrauter Orte, Duftspuren legen die Tiere jedoch nicht an.

Das Gehör ist gut entwickelt und dient dazu, Feinde zu erkennen. Der Sehsinn ist schwach und nützt nur auf kurze Distanz. Der Tastsinn gilt als schwach ausgeprägt, ebenso der Geschmackssinn, da Gürteltiere weniger Geschmacksknospen besitzen als andere Säugetiere.

Paare verständigen sich in der Paarungszeit mit einem schnalzenden Laut. Ausgeschiedene Pheromone aus den Analdrüsen geben Hinweise auf die Paarungsbereitschaft des Weibchens.

Ernährung und Nahrung

Das Neunbinden-Gürteltier ist ein Generalist und nutzt viele verschiedene Nahrungsquellen. Fast 500 Nahrungsarten gehören zu seinem Speiseplan. Mehr als neunzig Prozent der Nahrung machen tierische Stoffe aus, gemessen am Volumen. Den größten Anteil stellen Larven und ausgewachsene Käfer, daneben stehen Termiten, Ameisen, Tausendfüßer, Hundertfüßer, Heuschrecken, Spinnentiere und Regenwürmer.

Ameisenhaufen werden gezielt aufgesucht. Nach dem Fressen wälzt sich das Tier oft ausgiebig, vermutlich um die Ameisen von seinem Körper zu entfernen. Im Winter, wenn Kriechtiere und Lurche träger sind, stehen auch kleine Reptilien und Amphibien auf dem Speiseplan. Gelegentlich fressen die Tiere Jungtiere von Säugetieren oder Vogeleier. Aas nehmen sie selten auf, wobei sie vor allem die Maden in Kadavern interessieren.

Pflanzliche Nahrung wie Früchte, Samen und Pilze macht weniger als zehn Prozent des Speiseplans aus. Erde, Zweige und Baumrinde finden sich in den Mägen, dürften aber meist versehentlich aufgenommen werden. Große Wirbellose, tierische Nahrung und Pflanzenstoffe kaut das Tier, kleine Beute schluckt es ganz. Die Nahrung sucht es vor allem mit dem Geruchssinn und durchsucht dabei oft flache Baue, in denen sich Wirbellose verfangen haben.

Fortpflanzung und Jungenaufzucht

Die Paarungszeit liegt im Sommer, im Norden etwa von Juni bis Juli, im Süden von November bis Dezember. In dieser Zeit sind Paare auffällig oft gemeinsam unterwegs, obwohl die Tiere sonst einzelgängerisch leben. Das Männchen bleibt dicht bei dem Weibchen, berührt es am Rücken und hält sich mit Schnüffeln und Wachsamkeit in ihrer Nähe. Das Weibchen hebt den Schwanz und entblößt dabei die Geschlechtsorgane. Oft weicht es zurück, bis es paarungsbereit ist. Männchen mit einem exklusiven Revier paaren sich vor allem, wobei sie Rivalen verjagen.

Das Weibchen ovuliert einmal im Jahr. Nach der Befruchtung einer einzigen Eizelle verweilt die Blastozyste rund 14 Wochen im Uterus, bevor sie sich einnistet. In dieser Zeit ernährt sie sich von Sekreten der Gebärmutterschleimhaut. Nach der Einnistung teilt sie sich in vier identische Embryonen, die jeweils eine eigene Fruchtblase haben und an einer gemeinsamen Plazenta hängen. Die Tragzeit beträgt etwa vier Monate, die Geburt erfolgt im zeitigen Frühjahr, wenn Temperaturen steigen und Nahrung reichlich vorhanden ist.

Bei der Geburt wiegt jedes der vier Jungen etwa 85 g. Die Tiere kommen weit entwickelt zur Welt und ähneln den Eltern, sind aber kleiner. Ihre Augen öffnen sich rasch, der Panzer wird aber erst nach einigen Wochen hart. Die Mutter säugt die Jungen etwa zwei bis drei Monate lang, danach werden sie entwöhnt. Die Jungen bleiben im Bau, bis sie Ende des Frühjahrs oder Frühsommers herauskommen, und begleiten die Mutter anschließend bei der Nahrungssuche. Sie können bereits im Sommer nach der Geburt Nachwuchs zeugen, werden aber erst mit ein bis zwei Jahren geschlechtsreif und sind mit drei bis vier Jahren ausgewachsen.

Ein Weibchen kann in seinem Leben bis zu 56 Junge hervorbringen. Die Lebenserwartung liegt bei 12 bis 15 Jahren, das bislang längste bekannte Leben beträgt , meist in Gefangenschaft.

Bestand und ökologische Rolle

Die Bestände sind in den meisten Teilen des Verbreitungsgebiets im Wachstum begriffen. Hohe Vermehrungsraten und die Anpassung an vom Menschen geprägte Landschaften haben zur Ausbreitung beigetragen.

Die Tiere spielen als Räuber von Wirbellosen eine Rolle im Nahrungsnetz. Sie fressen zahlreiche Insekten, darunter Schädlinge in der Landwirtschaft. Ihre Baue dienen anderen Tieren als Unterschlupf. Kleine Vogelarten folgen Gürteltieren bei der Nahrungssuche, weil die Tiere Beute aufscheuchen. Verlassene Baue nutzen Kletternattern, und Aas von Verkehrsopfern wird für einige Vogelarten zur Nahrungsquelle.

Als Wirte beherbergen die Tiere Parasiten und Krankheitserreger, darunter das Bakterium Mycobacterium leprae, den Erreger der Lepra, sowie Zecken der Art Amblyomma auricularium und Pilze wie Paracoccidioides brasiliensis.

Schutz und Bedrohungen

Das Neunbinden-Gürteltier gilt laut IUCN als nicht gefährdet. Hohe Vermehrungsraten und die Ausbreitung in neue Gebiete sorgen dafür, dass die Bestände in den meisten Teilen des Verbreitungsgebiets zunehmen.

Die größte Bedrohung für die Tiere geht vom Straßenverkehr aus. Jedes Jahr sterben viele tausend Tiere auf Straßen, besonders dort, wo sie sich in den USA ausbreiten. Auch Jäger stellen den Tieren nach, da Fleisch und Haut genutzt werden.

In den USA gibt es keinen besonderen Schutzstatus. Die Art ist nicht im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) gelistet. Die Art bleibt im Gebiet vieler Bundesstaaten ohne besonderen Schutz.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Das Neunbinden-Gürteltier spielt in der medizinischen Forschung eine große Rolle, weil es Krankheitserreger beherbergt, die Menschen gefährden. Besonders gut untersucht sind der Pilz Paracoccidioides brasiliensis, der in Brasilien eine verbreitete Pilzerkrankung auslöst, und das Bakterium Mycobacterium leprae, das Lepra verursacht.

Als Schädlingsvertilger hilft das Tier Landwirten, da es zahlreiche Insekten frisst, die Ernten schädigen. Gleichzeitig wird es wegen seines Fleisches und seiner Haut gejagt. Aus der Haut fertigt man verschiedene kleine Zierartikel an.

Wissenswertes

  1. In Texas gilt das Neunbinden-Gürteltier als Symbol der Volkskultur und wird dort als Attraktion geschätzt.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by João Vitor Oliveira de Souza via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Marcello Mastroianni Albuquerque Araújo via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Nicolas Olejnik via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Pedro Henrique Maloso Ramos via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Bruno Henrique Aranda via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Ezequiel Racker via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Carlos Otávio Gussoni via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Nelson Atencio via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Marlos A. Costa via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Nachtaktiv
  • Grabend
  • Einzelgänger
  • Territorial

Ernährung

  • Insektenfresser

Klassifikation

Stamm
Chordata
Klasse
Mammalia
Ordnung
Cingulata
Familie
Dasypodidae
Gattung
Dasypus
Art
Dasypus novemcinctus

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
  6. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  7. AnAge Longevity