Im Westkaukasus-Reservat wurden einzelne Exemplare der Nordmann-Tanne mit 78 und sogar 85 Metern Höhe vermessen – damit zählen sie zu den höchsten Bäumen im Kaukasus, in Anatolien, Russland und ganz Europa.
Abies nordmanniana, auch Kaukasus-Tanne genannt, ist ein immergrüner Nadelbaum aus der Familie der Kieferngewächse (Pinaceae). Er stammt aus den Gebirgen südlich und östlich des Schwarzen Meeres, wo er in der Türkei, in Georgien und im russischen Kaukasus wächst. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt die Art als „nicht gefährdet“ (Least Concern).
Weltweit bekannt ist die Nordmann-Tanne vor allem als Weihnachtsbaum, doch ihre eigentliche Heimat sind hochgelegene, niederschlagsreiche Bergwälder – eine Umgebung, die zu ihrem gewaltigen Wuchs beigetragen hat.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Erkennungsmerkmal der Nordmann-Tanne sind ihre flachen, meist stumpfen bis leicht eingekerbten Nadeln mit zwei blau-weißen Wachsstreifen auf der Unterseite, während die Oberseite glänzend dunkelgrün gefärbt ist. Auf kräftig wachsenden Trieben junger Bäume können die Nadelspitzen allerdings auch spitz zulaufen.
Die Nadeln sind 1,8 bis 3,5 Zentimeter lang, etwa 2 Millimeter breit und nur 0,5 Millimeter dick. Als Baum erreicht die Art gewöhnlich Höhen von 55 bis 61 Metern bei einem Stammdurchmesser von bis zu 2 Metern, wobei einzelne Exemplare im Westkaukasus deutlich darüber hinauswachsen.
Die Zapfen sind 10 bis 20 Zentimeter lang und 4 bis 5 Zentimeter breit. Sie bestehen aus etwa 150 bis 200 Schuppen, aus denen jeweils eine hervorstehende Deckschuppe herausragt, und tragen je zwei geflügelte Samen. Anders als bei vielen anderen Koniferen zerfallen die reifen Zapfen direkt am Baum, um die Samen freizusetzen, statt als Ganzes abzufallen.
Verbreitung und Lebensraum
Die Nordmann-Tanne besiedelt die Gebirge südlich und östlich des Schwarzen Meeres, mit natürlichen Vorkommen in der Türkei, in Georgien und im russischen Kaukasus. Sie wächst dort in Höhenlagen zwischen 900 und 2.200 Metern, an Standorten mit über 1.000 Millimetern Jahresniederschlag.
Monatliche Beobachtungsdaten zeigen die höchste Anzahl an Fundmeldungen zwischen Mai und August, mit einem Höhepunkt im Juni und Juli, während die Zahlen im November und Dezember deutlich zurückgehen. Solche Daten spiegeln jedoch nur die Präsenz gemeldeter Beobachtungen wider, nicht die tatsächliche Häufigkeit oder Bestandsgröße der Art, und lassen sich am ehesten als Hinweis auf eine bessere Sichtbarkeit und Zugänglichkeit der Bäume während der wärmeren Jahreszeit deuten.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen
Weltweit gehört die Nordmann-Tanne zu den wichtigsten Weihnachtsbaumarten. Geschätzt wird sie für ihre dichten, dekorativen Zweige sowie für Nadeln, die nicht stechen und auch bei zunehmender Trockenheit des geschnittenen Baumes kaum ausfallen.
Darüber hinaus wird sie als Zierbaum in Parks und großen Gärten gepflanzt. Die Sorte 'Golden Spreader' wurde von der Royal Horticultural Society mit dem Award of Garden Merit ausgezeichnet. In Europa setzt man die Art zudem bei Aufforstungen ein, um den erwarteten Rückgang von Wäldern infolge des Klimawandels abzumildern.
Das Holz der Nordmann-Tanne ist weich und weiß gefärbt und findet allgemein im Bauwesen sowie in der Papierherstellung Verwendung.
Wissenswertes
- In der nordwestlichen Türkei, in den westlichen Pontischen Bergen sowie auf dem Uludağ und angrenzenden Gebirgen südöstlich des Marmarameeres, kommt eine eigenständige Unterart vor, die Türkische Tanne (Abies nordmanniana subsp. equi-trojani).
- Diese Unterart wird von manchen Botanikern als eigene Art betrachtet und dann als Abies bornmuelleriana bezeichnet.
- Neben ihrer Bedeutung als Zier- und Weihnachtsbaum besitzt die Nordmann-Tanne in ihrer kaukasischen Heimat auch eine kulturelle Bedeutung.
Schutzstatus
- LC
- NT
- VU
- EN
- CR
Nicht gefährdet
Ökologie
Lebensraum
- Gebirge
Wuchsform
- Baum



