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Ostamerikanischer Hundszahn

Erythronium americanum

In einer Kolonie des Ostamerikanischen Hundszahns trägt oft nur eine von zweihundert Pflanzen überhaupt eine Blüte – der Rest bleibt Jahr für Jahr einblättrig und blühlos.

Erythronium americanum ist eine mehrjährige, koloniebildende Frühlingsblume, die in Wäldern des östlichen Nordamerikas heimisch ist. Der deutsche wie der englische Name beziehen sich auf die graugrünen, braun oder grau gesprenkelten Blätter, die an die Zeichnung von Bachforellen erinnern sollen.

Innerhalb ihres Verbreitungsgebiets gilt die Art als sehr häufig und weit verbreitet, besonders im Osten Nordamerikas. Bemerkenswert ist vor allem ihr zeitlich eng getakteter Lebenszyklus: Als sogenannter Frühlingsgeophyt nutzt sie das kurze Zeitfenster vor dem Laubaustrieb der Bäume, um Licht und Nährstoffe zu sammeln.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist die einzelne, nickende Blüte mit sechs zurückgebogenen, gelben, lanzettlichen Blütenhüllblättern, die zusammen 20 bis 33 mm lang sind und aus drei Kronblättern sowie drei kronblattartigen Kelchblättern bestehen.

Blühende Pflanzen tragen zwei grundständige Blätter, während nicht blühende Exemplare nur ein einziges Blatt ausbilden. Die Blätter werden 8 bis 23 cm lang, sind elliptisch bis lanzettlich geformt, ganzrandig und oft grau bis purpurn gefleckt.

Die Blüten öffnen sich nur bei Tageslicht und schließen sich nachts. Geblüht wird früh im Frühjahr, noch bevor die Bäume darüber ihr Laub entfalten, sodass die Pflanze ungehinderten Zugang zu Sonnenlicht erhält.

Verbreitung und Lebensraum

Erythronium americanum ist im östlichen Nordamerika heimisch, von Kanada bis in den Südosten der Vereinigten Staaten, und besiedelt dort laubwaldgeprägte Lebensräume. Zum nativen Verbreitungsgebiet zählen Provinzen wie Québec, Ontario und Neufundland ebenso wie zahlreiche US-Bundesstaaten von Maine bis Georgia und Alabama sowie westwärts bis Wisconsin, Iowa und Missouri. Das Klima in diesem Gebiet ist durchweg gemäßigt.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche saisonale Häufung der Fundmeldungen in den Monaten März und April, was auf die kurze Blütezeit der Pflanze als Frühlingsgeophyt hindeutet und keine Aussage über die tatsächliche Verbreitung oder Bestandsgröße erlaubt.

Karte der dokumentierten Nachweise von Erythronium americanum
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
38.681
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Wachstum und Wuchsform

Erythronium americanum wächst als knollenbildender Zwiebelgeophyt, der seine Speicherorgane unterirdisch überdauert und jedes Frühjahr neu austreibt. Diese Wuchsform erlaubt es der Pflanze, die kurze Vegetationsperiode vor dem Laubaustrieb der Bäume effizient zu nutzen und danach oberirdisch wieder einzuziehen.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Die sexuelle Fortpflanzung verläuft bei dieser Art wenig effektiv: Nur etwa 10 % der bestäubten Blüten entwickeln tatsächlich Samen. Die Frucht ist eine 12 bis 15 mm lange Kapsel, die vom Blütenstiel über dem Boden gehalten wird. Die Samen tragen ein Elaiosom, ein nährstoffreiches Anhängsel, das Ameisen anlockt. Diese verbreiten die Samen und mindern gleichzeitig den Fraßdruck durch Samenfresser – ein Prozess, der als Myrmekochorie bezeichnet wird.

Die Pflanze wächst aus einer 15 bis 28 mm großen, ovalen unterirdischen Knolle, die meist in den oberen 11 cm des Bodens liegt, gelegentlich aber bis zu 30 cm tief reicht. Diese Knollen liegen damit deutlich tiefer als bei vielen anderen Liliengewächsen und bestehen überwiegend aus stärkereichem Speichergewebe, umhüllt von der papierartigen Hülle des Vorjahresstängels.

Viel wichtiger als die Samenbildung ist die ungeschlechtliche Vermehrung über sogenannte „Dropper“: fleischige, röhrenförmige Ausläufer, die vom Mutterkorm zur Oberfläche wachsen, sich dann wieder tief in den Boden bohren und dort eine neue Tochterknolle bilden, während die Verbindung zur Mutterpflanze abstirbt. Auf diese Weise entstehen Kolonien, von denen manche auf ein Alter von bis zu 300 Jahren datiert wurden.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Erythronium americanum, im Deutschen als Ostamerikanischer Hundszahn bezeichnet, trägt diesen Namen seit langem im allgemeinen Sprachgebrauch.

Wissenswertes

  1. Erythronium americanum bildet keine kontraktilen Wurzeln aus, wie sie etwa bei Tulpen vorkommen, sondern nutzt stattdessen ausschließlich die beschriebenen „Dropper“ zur Vermehrung.
  2. Mehrere indigene Völker Nordamerikas nutzten Teile der Pflanze traditionell zu medizinischen Zwecken, und sie findet sich bis heute in Literatur und Folklore wieder.

Fotos

Fotos von by JSReiff via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Patrick Jackson via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Richard Littauer via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Alex Novarro via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Nick Kleinschmidt via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Jensyn Scott via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Sheila Collins Bourgoin via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Loïc Mathieu via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Cy Stavros via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Robert Stegmann via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Lebensraum

Wuchsform

  • Kraut

Klassifikation

Stamm
Tracheophyta
Klasse
Liliopsida
Ordnung
Liliales
Familie
Liliaceae
Gattung
Erythronium
Art
Erythronium americanum

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Plants of the World Online Native range, life form and climate (WCVP)