Die Herbst-Zeitlose öffnet ihre Blüten, lange bevor auch nur ein Blatt zu sehen ist – ein Umstand, der ihr im Volksmund Namen wie „nackte Jungfern“ oder „nackte Damen“ eingebracht hat. Die zart lila bis rosa Blüten stehen im Spätsommer und Herbst einsam und scheinbar blattlos auf der Wiese, während die Laubblätter erst im folgenden Frühjahr erscheinen.
Botanisch gehört die Pflanze zur Familie der Colchicaceae und ist damit, obwohl sie Krokussen sehr ähnlich sieht, nicht mit diesen verwandt, die zu den Schwertliliengewächsen (Iridaceae) zählen. Nach der IUCN gilt sie als nicht gefährdet (Least Concern). Bemerkenswert ist vor allem der Kontrast zwischen ihrer zarten Erscheinung und ihrer Bedeutung als eine der giftigsten heimischen Pflanzen Europas.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal der Herbst-Zeitlosen ist ihre krokusähnliche, einzeln stehende Blüte, die 4 bis 7 cm im Durchmesser misst und aus sechs Blütenblättern (Tepalen) besteht. Im Inneren fallen sechs Staubblätter mit orangefarbenen Staubbeuteln sowie drei weiße Griffel auf – ein Detail, das die Pflanze von echten Krokussen mit ihren nur drei Staubblättern klar unterscheidet.
Die Laubblätter werden bis zu 25 cm lang, erscheinen jedoch erst im Frühjahr nach der Blüte und fehlen zur Blütezeit im Herbst vollständig. Diese zeitliche Trennung von Blüte und Blatt ist charakteristisch für die Art und erklärt zugleich ihren volkstümlichen Namen.
Zum Zeitpunkt der Bestäubung liegt der Fruchtknoten noch unterhalb der Erdoberfläche, geschützt vor Frost und Witterung, und schiebt sich erst später zur Fruchtreife nach oben. Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Bärlauch (Allium ursinum), dessen Blätter den frühjahrsgrünen Blättern der Herbst-Zeitlosen ähneln – eine Verwechslung, die wegen der Giftigkeit der Pflanze ernste Folgen haben kann.
Verbreitung und Lebensraum
Colchicum autumnale ist die einzige Vertreterin ihrer Familie, die in Großbritannien und Irland heimisch ist; dort stehen bedeutende Bestände unter dem Schutz regionaler Wildlife Trusts. Auf dem europäischen Festland reicht ihr Verbreitungsgebiet von Portugal bis in die Ukraine. Eingebürgert kommt sie zudem in Schweden, im europäischen Teil Russlands und in Neuseeland vor.
Als Lebensraum bevorzugt die Art tiefliegende, grasbewachsene Wiesen. Solche extensiv genutzten Feuchtwiesen und Weiden bieten ihr die offenen, wenig gedüngten Standorte, die sie zum Gedeihen braucht.
Monatliche Beobachtungsdaten zeigen die höchsten Meldezahlen im Mai und Juni, mit einem weiteren, kleineren Anstieg im September. Da solche Zähldaten reine Anwesenheitsbeobachtungen sind und weder Häufigkeit noch das vollständige Verbreitungsgebiet widerspiegeln, lassen sie sich nur mit Vorsicht deuten – der Höhepunkt im Frühsommer dürfte eher mit der auffälligen Blattphase als mit der eigentlichen Herbstblüte zusammenhängen.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen
Der botanische Name Colchicum verweist auf Kolchis, eine antike Region im Kaukasus im heutigen Georgien, die in der griechischen Mythologie als Ziel der Argonauten und Heimat der Zauberin Medea gilt. Diese Verbindung ist kein Zufall: Kolchis war in der Antike mit starken Giften assoziiert, und Medea soll der Überlieferung nach Pflanzen wie die Herbst-Zeitlose für ihre tödlichen Tränke verwendet haben.
Wirtschaftlich und medizinisch bedeutsam ist der in den knollenartigen Zwiebeln (Corms) enthaltene Wirkstoff Colchicin. Er wird in vielen Ländern zur Behandlung von Gicht und des familiären Mittelmeerfiebers eingesetzt, hat aber eine sehr geringe therapeutische Breite. In der Pflanzenzüchtung nutzt man Colchicin außerdem, um polyploide Sorten zu erzeugen.
Gleichzeitig ist die gesamte Pflanze durch ihren Colchicingehalt tödlich giftig, wobei die Corms die höchste Konzentration aufweisen. Ihre Blätter werden von Sammlern gelegentlich mit Bärlauch verwechselt, und die Art gilt als besonders gefährlich für Katzen. Der Überlieferung nach soll Benjamin Franklin die Pflanze nach Kolonial-Amerika gebracht haben.
Wissenswertes
- Der Name Colchicum geht auf Kolchis zurück, eine Region im Kaukasus im heutigen Georgien, die in der griechischen Mythologie als Ziel der Argonauten gilt.
- Die Zauberin Medea, Tochter des Königs von Kolchis, soll der Sage nach Pflanzen wie die Herbst-Zeitlose zu tödlichen Giftmischungen verarbeitet haben – überliefert als „das zerstörerische Feuer des Colchicon der Medea“.
- Der Überlieferung zufolge wird die Einführung der Pflanze im kolonialen Amerika oft Benjamin Franklin zugeschrieben.
- Neben Colchicum autumnale wird auch die Hybride C. × agrippinum in gemäßigten Gärten als Zierpflanze kultiviert.
Schutzstatus
- LC
- NT
- VU
- EN
- CR
Nicht gefährdet
Ökologie
Lebensraum
- Grasland
Wuchsform
- Kraut



