Das Östliche Graue Riesenkänguru ist das zweitschwerste lebende Beuteltier und Landsäugetier Australiens. Ein großes Männchen kann bis zu 69 kg wiegen und über 2 m lang werden.
Macropus giganteus gehört zu den Kängurus innerhalb der Familie der Kängurus (Macropodidae). Die Art lebt im östlichen Drittel Australiens und ist mit mehreren Millionen Tieren verbreitet. Die IUCN stuft sie als nicht gefährdet ein.
Sie gehört zu den bekanntesten Tieren des Kontinents. Wer ihre Anpassungsfähigkeit an Weideland und Siedlungsräume verstehen will, findet hier das Wesentliche.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das Östliche Graue Riesenkänguru erkennt man am weichen grauen Fell. Die Tiere sind in feuchteren, fruchtbareren Gebieten häufiger als das Rote Riesenkänguru.
Adulte Männchen wiegen meist etwa 50 bis 66 kg, Weibchen meist 17 bis 40 kg. Das Körpergewicht eines großen Männchens erreicht als Durchschnittswert in den Angaben nicht, die größten dokumentierten Tiere waren jedoch deutlich schwerer. Der kräftige Schwanz ist bei ausgewachsenen Männchen über 1 m lang.
Vom Roten Riesenkänguru unterscheidet es sich durch das Gesicht. Das Rote hat schwarz-weiße Zeichnungen neben der Schnauze und an den Gesichtsseiten, das Östliche Graue nicht. Seine Augen wirken groß und weit geöffnet.
Vom nahe verwandten Westlichen Grauen Riesenkänguru ist es in Überlappungsgebieten schwer zu unterscheiden. Die Fellfarbe des Östlichen Grauen ist hellgrau bis gräulich braun, der Bauch silbrig oder cremefarben und fast weiß. Das Westliche Graue ist dunkler, staubig braun mit mehr Kontrast am Kopf.
Verbreitung und Lebensraum
Das Östliche Graue Riesenkänguru lebt in einer breiten Palette von Lebensräumen, von offenen Wäldern bis zu Grasland. Auch Bergregionen mit ausgedehnter Waldbedeckung gehören dazu. Die Lebensräume liegen meist in Gebieten mit hohen Niederschlägen, die Art kommt aber auch in halbariden Regionen vor.
Im Südosten und Osten Australiens ist es das Känguru, das am häufigsten zu sehen ist. Viele Menschen leben in den großen Städten der Südküste und Ostküste, und in deren Umland finden sich kleine Reste buschiger Naturflächen, in denen die Tiere leicht zu finden sind.
Die Art bevorzugt offenes Grasland mit Buschstreifen, die Schatten am Tag bieten. Sie lebt außerdem in Küstengebieten, Wäldern, subtropischen Wäldern, Bergwäldern und im Inland in Buschlandschaften.
Beobachtungen verteilen sich über das ganze Jahr, mit einem deutlichen Anstieg im Frühjahr und Frühsommer.

Verhalten und Lebensweise
Das Östliche Graue Riesenkänguru ist überwiegend nachtaktiv und dämmerungsaktiv. Am frühen Morgen und in der Abenddämmerung sieht man es am häufigsten. Tagsüber ruhen die Tiere im Schutz der Bäume und fressen dort, bevor sie am Abend auf die Grasflächen ziehen.
Die Tiere leben in kleinen, offenen Gruppen, die im Durchschnitt aus drei Tieren bestehen. Die Gruppen setzen sich aus einem dominanten Männchen, etwa zwei bis drei Weibchen mit Jungtieren und etwa zwei bis drei jungen Männchen zusammen. Kleinere Gruppen schließen sich zum Grasen in bevorzugten Futtergebieten zusammen, und am Mittag ruhen oft große Gruppen beieinander. Dominante Tiere haben Zugang zu besseren Futterquellen und zu schattigen Plätzen.
Die Fortbewegung erfolgt durch Hüpfen, bei jedem Sprung werden meist etwa 9 m überbrückt. Die Beine sind so gebaut, dass der Energieaufwand bei höherer Geschwindigkeit sinkt. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 64 km/h angegeben, gemessen an einem großen Weibchen.
Das Östliche Graue Riesenkänguru hat ein kleines Streifgebiet. Es umfasst im Mittel etwa 42,9 ha, ist also deutlich kleiner als das des Westlichen Grauen. Die Dichte der Tiere und die Verfügbarkeit erneuerbarer Ressourcen bestimmen vermutlich die Größe des Gebiets.
Tiere reagieren auf Fressfeinde mit erhöhter Wachsamkeit. Weibchen mit Jungtieren, Tiere am Gruppenrand und Tiere weit weg von Deckung sind besonders aufmerksam. Größere Gruppen verringern die Wachsamkeit des Einzelnen nicht deutlich, doch der Anteil der Tiere am Rand nimmt mit der Gruppengröße ab.
Kommunikation
Weibchen und Männchen verständigen sich mit ihren Jungtieren und untereinander durch klackende Laute. Bei Alarm stoßen sie ein gutturales Husten aus. Dieses Husten ist auch zu hören, wenn Männchen sich warnen, kämpfen oder ihre Rangordnung zeigen.
Bei Gefahr trommeln alle Grauen Riesenkängurus mit den Hinterbeinen auf den Boden. Das Stampfen zusammen mit dem gutturalen Laut trägt über große Entfernungen. Die Tiere nutzen dabei akustische, taktile und visuelle Signale.
Ernährung und Nahrung
Das Östliche Graue Riesenkänguru ist ein Pflanzenfresser, der eine breite Palette an Blattnahrung nutzt, von Gräsern bis zu Kräutern. Die Hauptnahrung sind jedoch Gräser, die auf den Ebenen wachsen, die die Tiere meist bewohnen.
Im Vergleich zu anderen Arten wie dem Roten Riesenkänguru nehmen Östliche Graue Riesenkängurus weniger Sträucher auf. Ihr Speiseplan umfasst überwiegend Gras und Kräuter.
In Gefangenschaft fressen die Tiere auch Früchte. In freier Natur gehören Früchte nicht zur üblichen Nahrung.
Fortpflanzung und Jungenaufzucht
Männchen kämpfen um die Rangordnung, und das dominante Männchen paart sich am ehesten mit einem brünstigen Weibchen. Wenn ein Weibchen in die Brunst kommt, nähert sich das Männchen, beschnüffelt Körperstellen einschließlich des Beutels und des Urogenitalbereichs und stößt klackende Laute aus. Nach der Paarung bewacht das Männchen das Weibchen vor anderen Männchen. Der gesamte Ablauf von der Werbung bis zum Ende der Bewachung dauert etwa eine Stunde.
Die Art ist saisonal aktiv und bringt meist im Frühjahr und Frühsommer Junge zur Welt. Die Tragzeit liegt zwischen 34,8 und 38 Tagen, im Mittel bei etwa 36 Tagen. Ein Wurf besteht in der Regel aus einem Jungtier, selten aus zwei. Die Geschlechtsreife tritt bei Männchen mit etwa 20 Monaten ein, bei Weibchen mit etwa 17 Monaten.
Das Weibchen kann die Entwicklung eines Embryos anhalten, bis das vorherige Jungtier den Beutel verlässt. Diese Keimruhe tritt bei Trockenheit und in Gebieten mit schlechter Nahrung auf. Das Jungtier verbleibt im Durchschnitt 11 Monate im Beutel, wird aber insgesamt etwa 9,5 Monate gesäugt, und die Mutter versorgt es noch bis zur Selbstständigkeit mit etwa 11 Monaten nach dem Verlassen des Beutels. Die Milch passt sich dem Bedarf des Jungtiers an. Weibchen mit halbselbständigen Jungtieren halten sich meist von großen Gruppen fern.
Bestand und ökologische Rolle
Die Art ist in Australien häufig. Die Bestände sind nach Angaben aus dem Jahr 2010 auf 11,4 Millionen Tiere geschätzt worden.
Als Weidetiere halten die Grauen Riesenkängurus das Wachstum von Gras und anderen Pflanzen in Schach. Ohne Begrenzung würde dies zu Bodenaustrocknung führen. Ihre Zahl ist jedoch nicht groß genug, um eine ernsthafte ökologische Gefahr darzustellen.
Schutz und Bedrohungen
Die IUCN stuft das Östliche Graue Riesenkänguru als nicht gefährdet ein. Es gibt in Australien und den angrenzenden Gebieten fast zwei Millionen Tiere, eine unmittelbare Aussterbegefahr besteht nicht.
In den späten 1990er-Jahren kam es vor allem in Tasmanien zu einem starken Rückgang. Die Art steht heute unter gesetzlichem Schutz der australischen Regierung, und der größte Teil ihres Verbreitungsgebiets liegt auf Privatland. Dadurch konnte sich der Bestand erholen.
Die Zahl der jährlich getöteten Tiere wird von der australischen Regierung streng überwacht und reguliert. Die Jagd erfolgt im Rahmen einer Quote, und es gibt eine große Kängurunutzung in Australien. In manchen Gebieten führt die hohe Zahl der Tiere zu Überweidung, weshalb einzelne Bestände dort gezielt reduziert wurden.
Konflikte mit der Landwirtschaft entstehen, weil die Tiere fruchtbare Gebiete nutzen, die heute Ackerflächen oder eingeführte Weidegräser tragen.
Kulturelle Bedeutung
Die Ureinwohner Australiens jagen das Känguru seit Jahrtausenden wegen Fleisch und Fell. Für viele Aborigines-Kulturen ist das Känguru ein bedeutendes Symbol und hat als Totemtier große kulturelle und spirituelle Bedeutung. Viele dieser Bedeutungen werden innerhalb der Gemeinschaften bewahrt und nicht öffentlich gemacht.
Auch die europäischen Siedler jagten die Tiere als Nahrung. Heute ist die Kängurujagd in Australien ein großer Wirtschaftszweig, dessen jährliche Abschussmenge auf einer staatlichen Quote beruht.
Fleisch und Körperteile der Tiere gelten als wertvolle Rohstoffe.
Wissenswertes
- Der wissenschaftliche Gattungsname Macropus stammt aus dem Griechischen und bedeutet „langer Fuß“. Er beschreibt die verlängerten Hinterbeine der Tiere.
- Die Art gehört zu den wenigen Pflanzenfressern, die Gift in manchen australischen Pflanzen tolerieren, obwohl sie diesen in ihrem Lebensraum kaum begegnen.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Verhalten
- Nachtaktiv
- Sozial
- Dämmerungsaktiv
Lebensraum
Ernährung
- Pflanzenfresser
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Mammalia
- Ordnung
- Diprotodontia
- Familie
- Macropodidae
- Gattung
- Macropus
- Art
- Macropus giganteus
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
- AnAge Longevity



