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Ringelnatter

Natrix natrix

Nicht gefährdet

Die Ringelnatter ist eine ungiftige, halbaquatische Natter, die in weiten Teilen Eurasiens vorkommt und sich fast ausschließlich von Amphibien ernährt.

Sie gehört zur Familie der Nattern (Colubridae) und wird von der IUCN als nicht gefährdet eingestuft. Ihre Nähe zu Gewässern, ihre auffällige Zeichnung und ihre Verwicklung in alte Mythen machen sie zu einer der bekanntesten Schlangenarten Europas.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Ringelnatter ist der helle, gelbe bis weiße Halsring direkt hinter dem Kopf, der ihr auch den Namen „Ringelnatter“ gibt. Die Grundfarbe variiert von Dunkelgrün über Braun bis hin zu Grau oder Schwarz, wobei dunklere Tiere häufiger in kälteren Regionen vorkommen – vermutlich, weil dunkle Pigmentierung Wärme besser speichert.

Die Unterseite ist weißlich mit unregelmäßigen schwarzen Flecken, ein nützliches Merkmal zur Unterscheidung von ähnlichen Arten. Die Tiere erreichen eine Länge von einem Meter oder mehr, bei einem Gewicht von rund 0,094 kg.

Junge Ringelnattern schlüpfen mit etwa 18 Zentimetern Länge und tragen bereits die charakteristische Zeichnung ihrer Eltern.

Verbreitung und Lebensraum

Die Ringelnatter ist weit über das europäische Festland verbreitet, von Mittelskandinavien bis Süditalien, und kommt zudem im Nahen Osten und im Nordwesten Afrikas vor. Sie ist eng an Gewässer gebunden und besiedelt Teiche, Seen, Bäche, Sümpfe und Gräben, die sowohl Sonnenplätze zum Aufwärmen als auch Deckung bieten.

Bevorzugt werden jedoch offene Waldränder und Übergangshabitate wie Feldraine und Waldsäume, da diese sowohl Schutz als auch gute Bedingungen zur Temperaturregulierung bieten. Teichufer werden ebenfalls gerne genutzt, was die verbreitete Assoziation der Art mit Wasser erklärt, auch wenn einzelne Tiere nicht während der ganzen Saison Zugang zu Wasser benötigen.

Die monatlichen Beobachtungszahlen zeigen einen deutlichen Anstieg im Frühling mit einem Höhepunkt zwischen April und Juli, was auf eine erhöhte Aktivität und Sichtbarkeit während der wärmeren Jahreszeit hindeutet – diese Zahlen spiegeln aber nur Beobachtungen wider, keine tatsächliche Bestandsgröße.

Im Winter zieht sich die Ringelnatter unter die Erde zurück, wo Temperaturen stabil bleiben und Frost sie nicht erreicht. In Großbritannien werden Tiere, die früher als Unterart N. n. helvetica galten, heute als eigene Art Natrix helvetica betrachtet, sodass dortige Funde von Natrix natrix wahrscheinlich aus verwilderten Gehegetieren stammen.

Karte der dokumentierten Nachweise von Natrix natrix
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
27.868
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Jagd und Ernährung

Die Ringelnatter jagt aktiv, meist entlang der Uferzonen von Gewässern, und verlässt sich dabei auf ihr Sehvermögen sowie den Geruchssinn, den sie über das Jacobsonsche Organ einsetzt. Sie verschlingt ihre Beute lebend, ohne sie vorher durch Umschlingen zu töten.

Auf dem Speiseplan stehen vor allem Amphibien, besonders Erdkröten und Grasfrösche, gelegentlich ergänzt durch Ameisen und Larven. In Gefangenschaft nehmen die Tiere zwar auch von Hand angebotene Regenwürmer an, verweigern jedoch stets bereits totes Beutetier.

Da die Beutetiere häufig groß im Verhältnis zur eigenen Körpergröße sind, kann eine einzige erfolgreiche Jagd den Nahrungsbedarf für längere Zeit decken – oft reichen zwei bis drei größere Mahlzeiten pro Saison aus.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Im Frühjahr erscheinen zuerst die Männchen und verbringen viel Zeit mit Sonnenbaden, um ihre Körpertemperatur und damit den Stoffwechsel zu steigern – vermutlich, um die Spermienproduktion zu maximieren. Die Weibchen folgen bis zu zwei Wochen später, im April oder früher bei günstigen Temperaturen, und die Paarung findet kurz danach statt.

Zwischen Juni und Juli legen die Weibchen 8 bis 40 lederartige Eier, bevorzugt in Bereichen mit verrottender Vegetation wie Komposthaufen. Diese Wärmequellen sind wichtig, denn die Eier benötigen mindestens 21 °C, idealerweise 28 °C bei hoher Luftfeuchtigkeit, um sich erfolgreich zu entwickeln.

Nach etwa zehn Wochen Inkubationszeit schlüpfen die Jungtiere mit rund 18 Zentimetern Länge und sind ab dem ersten Moment vollständig selbstständig, ohne elterliche Fürsorge.

Bestand und ökologische Rolle

Nach der Paarungszeit im Sommer wandern die Ringelnattern oft weit auf der Jagd nach Beute, manchmal mehrere hundert Meter an einem Tag. Da die Beutetiere im Verhältnis groß sind, bewegen sich Tiere nach einer erfolgreichen Mahlzeit kaum noch, sondern verbringen die Zeit mit Sonnenbaden, bis die Verdauung abgeschlossen ist.

Mindestens einmal pro aktiver Saison häuten sich die Tiere. Während dieser sogenannten „Blauphase“ trübt sich die Augenhaut milchig-blau ein, was das Sehvermögen beeinträchtigt; die Tiere sind in dieser Zeit bewegungsunwillig, aber auffällig aggressiver.

Zur Verteidigung setzt die Ringelnatter auf mehrere Strategien: das Absondern einer nach Knoblauch riechenden Flüssigkeit aus den Analdrüsen, Totstellen (Thanatose) mit gleichzeitigem Bluten aus Mund und Nase, sowie aggressives Zischen und Scheinangriffe mit geschlossenem Mund. Zu ihren natürlichen Feinden zählen Krähenvögel, Störche, Eulen, möglicherweise weitere Greifvögel, Füchse und Hauskatzen.

Schutz und Bedrohungen

Die Ringelnatter gilt weltweit als nicht gefährdet, wobei einige Unterarten deutlich bedrohter sind: N. n. cetti von Sardinien und N. n. schweizeri werden als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Zu den natürlichen Bedrohungen zählen Fressfeinde wie Krähenvögel, Störche, Eulen, Füchse und die Hauskatze. In Dänemark stehen alle fünf heimischen Reptilienarten seit 1981 unter gesetzlichem Schutz, was auch die Ringelnatter einschließt.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

In der baltischen Mythologie gilt die Ringelnatter, litauisch žaltys oder lettisch zalktis, als heiliges Tier. Sie wurde oft als Haustier gehalten, lebte unter dem Bett eines verheirateten Paares oder nahe dem Herd und wurde angeblich von Hand gefüttert. Der Glaube, dass das Töten einer Ringelnatter Unglück bringe oder Rache einer verletzten Schlange nach sich ziehe, hielt sich bis ins späte 19. Jahrhundert.

Bekannte literarische Werke wie das litauische Märchen Eglė, die Königin der Schlangen und das lettische Märchen Die Braut der Ringelnatter greifen das Motiv auf, dass Ringelnattern Kronen tragen – eine mögliche Anspielung auf die gelben Nackenflecken der Art – und dass ein Schlangenkönig existiert, der jährlich seine goldene Krone verliert, worum die anderen Schlangen dann kämpfen.

Auch in der Antike hinterließ die Art Spuren: Vergil beschreibt in seinen Georgica (29 v. Chr.) eine große, gefürchtete Schlange in den Sümpfen Kalabriens, die Frösche und Fische fraß – vermutlich eine Ringelnatter. Bis heute gelten Ringelnattern in Lettland und Litauen vielen als Glücksbringer und Symbol für Bildung und Weisheit, etwa auf dem Lielvārde-Gürtel oder in Emblemen von Bildungseinrichtungen.

Wissenswertes

  1. In Südeuropa kann die Ringelnatter Berichten zufolge bis zu 2,0 Meter lang werden – deutlich mehr als die sonst übliche Länge von etwa einem Meter.
  2. Manche Forscher vermuten, dass mythologische Riesenschlangen in alten Erzählungen tatsächlich auf ungewöhnlich große Exemplare der Ringelnatter zurückgehen könnten.
  3. Der Name der Gattung Natrix soll sich an die Medusa aus der griechischen Mythologie anlehnen.

Fotos

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Ökologie und Klassifikation

Ernährung

  • Fleischfresser

Verhalten

  • Räuber
  • Tagaktiv
  • Semiaquatisch

Klassifikation

Stamm
Chordata
Klasse
Squamata
Familie
Colubridae
Gattung
Natrix
Art
Natrix natrix

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
  6. AnAge Longevity