Der Semmel-Stoppelpilz (Hydnum repandum) trägt auf der Unterseite seines Hutes dicht stehende, weißliche Stacheln statt Lamellen. Er gehört zur Familie der Hydnaceae und wurde bereits 1753 von Carl von Linné beschrieben. Als Typusart legt er zugleich den Namen seiner Gattung Hydnum fest.
Der Pilz zählt zu den Ständerpilzen (Agaricomycetes) und ist in Europa und Nordamerika heimisch. Die Internationale Union für die Erhaltung der Natur (IUCN) stuft ihn als nicht gefährdet ein. Wer sich für Speisepilze und ihre Verwechslungsarten interessiert, findet hier einen Pilz mit vielen Eigenheiten.
Fruchtkörper und Bestimmung
Das auffälligste Merkmal ist die Hutunterseite, die dicht mit kleinen, schlanken, weißlichen Stacheln von 2 bis 7 Millimetern Länge besetzt ist. Diese Stacheln ziehen sich häufig auch an einer Seite des Stiels herab. Der Hut ist orange, gelb oder gelbbraun gefärbt und erreicht bis zu 17 Zentimeter Breite, Exemplare von 25 Zentimetern wurden ebenfalls dokumentiert. Er ist meist unregelmäßig geformt, oft gewellt am Rand und bei jungen Exemplaren nach innen gerollt. Bei eng stehenden Fruchtkörpern verzerrt sich die Hutform zusätzlich.
Die Oberfläche des Hutes ist meist trocken und glatt, ältere Exemplare können aufreißen. Von oben betrachtet ähneln reife Hüte jenen der Pfifferlinge. Das Fleisch ist dick, weiß, fest und brüchig und verfärbt sich bei Verletzung gelb bis orangebraun. Der Stiel ist meist 3 bis 10 Zentimeter lang und 1 bis 3 Zentimeter dick, weiß oder in der Farbe des Hutes und manchmal außermittig angesetzt. Das Sporenpulver ist blasscreme.
Zwischen Lamellenpilzen und Röhrlingen lässt sich der Pilz leicht übersehen, da Hut und Stiel recht unscheinbar sind und man ihn erst umdrehen muss, um die Stacheln zu sehen. Die reinweiße Varietät Hydnum repandum var. album ist kleiner, mit 2 bis 7 Zentimeter breiten Hüten und 1 bis 3 Zentimeter langen Stielen.
Als Verwechslungsarten in Nordamerika gelten der Weiße Stoppelpilz (Hydnum albidum) und der Riesen-Stoppelpilz (Hydnum albomagnum). Der kleinere Hydnum umbilicatum besitzt einen nabelartig eingesenkten Hut, der oft ein Loch in der Mitte zeigt, während der Hut von Hydnum repandum flach oder leicht eingedellt ist. Unter dem Mikroskop sind seine Sporen größer und länglicher. Die europäische Art Hydnum rufescens bleibt kleiner und hat eine tiefer aprikosen- bis orangefarbene Tönung. Die 2004 aus Deutschland beschriebene Art Hydnum ellipsosporum unterscheidet sich durch längliche Sporen und kleinere Fruchtkörper.
Verbreitung und Lebensraum
Der Semmel-Stoppelpilz ist in Europa weit verbreitet. In mehreren Roten Listen, unter anderem in den Niederlanden, Belgien und Deutschland, wird er als gefährdet (vulnerable) geführt, während Schweden ihn als nicht gefährdet einstuft. In Nordamerika kommt er im Pazifischen Nordwesten und in den Rocky Mountains vor sowie im Osten zusammen mit Eichen. In Kanada fehlt er, dort leben jedoch die verwandten Arten Hydnum washingtonianum und Hydnum subolympicum.
Der Pilz wächst im Boden oder in der Laubstreu, und zwar in Eichenwäldern, wo er mit den Wurzeln der Bäume eine Mykorrhiza bildet. Er findet sich ebenso in Nadel- und Laubwäldern. Die Fruchtkörper stehen einzeln, verstreut oder in Gruppen und können auch Hexenringe bilden.
Die Funde konzentrieren sich deutlich auf den Herbst, wobei der September der Höhepunkt ist. Im Sommer und frühen Herbst tritt der Pilz von Juli bis Oktober am häufigsten auf.

Nutzung und Kulturgeschichte
Der Semmel-Stoppelpilz gilt als guter Speisepilz mit süßlich nussigem Geschmack und knackiger Textur. Manche vergleichen ihn kulinarisch mit dem Pfifferling. Der US-Autor Michael Kuo bewertet ihn als „großartig“ und hebt hervor, dass es keine giftigen Verwechslungsarten gibt. Im Geschmack wird er auch mit der pfeffrigen Note von Brunnenkresse oder Austern verglichen. Exemplare unter Nadelbäumen können dagegen als unangenehm stark schmecken.
In Italien wird der Pilz häufig zusammen mit Pfifferlingen angeboten, in Frankreich gehört er zu den auf Märkten offiziell anerkannten Speisepilzen. In Europa wird er meist unter seinem französischen Namen Pied de Mouton (Hammelfuß) verkauft. Die Art spielt damit im Handel eine Rolle.
Auch das Eichhörnchen nutzt den Pilz als Nahrung. Die Bergform Hydnum repandum f. amarum ist in der Slowakei lokal verbreitet, gilt aber als ungenießbar, weil ihr Fruchtkörper in allen Entwicklungsstadien bitter schmeckt.
Wissenswertes
- Der Pilz trägt in Frankreich und in germanisch geprägten Ländern den Namen Pied de Mouton, was Hammelfuß bedeutet. Seine Verwendung als Nahrungsmittel reicht dort mehrere Jahrhunderte zurück.
- In Ixtlán gehört der Pilz zum traditionellen Pilzwissen der Bevölkerung und zählt dort zu den tief verwurzelten Arten.
- Die Aufnahme in saisonale Mahlzeiten spiegelt die Abhängigkeit vorindustrieller Gesellschaften vom Wald als Nahrungsquelle wider.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Klassifikation
- Stamm
- Basidiomycota
- Klasse
- Agaricomycetes
- Ordnung
- Cantharellales
- Familie
- Hydnaceae
- Gattung
- Hydnum
- Art
- Hydnum repandum
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits



