Das rote Gefieder der Männchen stammt aus der Nahrung. Wie bei allen Vögeln entstehen Rot- und Orangetöne auch hier erst durch das, was sie fressen.
Der Sommertangare (Piranga rubra) ist ein mittelgroßer Singvogel aus Nordamerika und Mittelamerika. Früher rechnete man ihn den Tangaren (Thraupidae) zu, heute wird er mit seiner Gattung der Familie der Kardinäle (Cardinalidae) zugeordnet. Die IUCN stuft die Art als nicht gefährdet ein. Die längste bekannte Lebensdauer beträgt bis zu , oft in Gefangenschaft.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das erwachsene Männchen erkennt man am rosaroten Gefieder. Es hat einen kräftigen, spitzen Schnabel und ist mit 17 cm Länge mittelgroß. Die Flügelspanne liegt bei 28 bis 30 cm, das Gewicht im Mittel bei 30,1 g.
Weibchen sind auf der Oberseite olivfarben und auf der Unterseite orangefarben. Flügel und Schwanz sind olivbraun.
Ähnlich sieht eine andere Tangare-Art aus, die jedoch einen dunklen Schnabel trägt.
Verbreitung und Lebensraum
Der Sommertangare bewohnt die Baumkronen und Ränder von Laub- und Mischwäldern. Im Osten seines Verbreitungsgebiets nutzt er im Sommer lichte Eichen- und Hartholzwälder. Im Westen lebt er in Auenwäldern mit Pappeln und Weiden. Außerdem findet man ihn in Obstgärten, Parks und an Straßenbäumen.
Das Verbreitungsgebiet umfasst rund . Die Brut findet im Süden der USA und im nördlichen Mexiko statt, im Osten reicht sie bis Iowa und New Jersey. Den Winter verbringt die Art in Mexiko, Mittelamerika und im nördlichen Südamerika. In Panama überwintert sie bis in Höhen von 1.800 m.
Im Winter nutzt er offene Wälder, dichtes Sekundärgehölz, Galeriewälder sowie Parks und Gärten in Städten. In Mexiko bewohnt er feuchte immergrüne Wälder und tropische Trockenwälder.
Im April und Mai ist die Art in ihren Gebieten besonders häufig zu beobachten. In Westeuropa taucht sie nur äußerst selten als Irrgast auf.

Verhalten und Lebensweise
Außerhalb der Brut- und Zugzeit lebt der Sommertangare meist einzeln. Die Paare verbergen sich häufig in den Wipfeln der höchsten Bäume und bekommen Menschen deshalb selten zu sehen. Im Winter verteidigt er ein Revier, schließt sich aber oft gemischten Schwärmen aus anderen Tangaren und Waldsängern an.
Der Zug findet überwiegend nachts statt, wie viele Kollisionen mit Fernsehtürmen zeigen. Ziehende Trupps können bis zu 30 Vögel umfassen. Der Flug ist schnell und geradlinig. Auf einer Sitzwarte verharrt der Vogel oft reglos und startet dann in plötzlichen Sprüngen. Tagsüber schläft er nur kurz, meist ruht er nachts.
Die Männchen verteidigen im Frühjahr Nistplatz und Nahrungsrevier. Nach der Ankunft jagen sich Rivalen in heftigen Flugverfolgungen, dabei kommt es gelegentlich zum Körperkontakt. Ein Revier ist im Mittel 90.000 bis 110.000 m² groß. Die Vögel putzen sich häufig und sonnen sich ab und zu.
Kommunikation
Der Gesang der Männchen klingt melodisch und wohlklingend, anders als die summenden Strophen anderer Tangaren. Er ähnelt dem Gesang der Wanderdrossel, ist aber eintöniger und besteht oft nur aus drei oder vier verschiedenen Einheiten. Im Vergleich zum Gesang der Scharlachtangare ist er klarer und weniger nasal.
Zu Beginn der Brutzeit singen die Männchen einander an den Grenzen ihrer Reviere zu. Wer den Gesang eines Eindringlings hört, sucht ihn auf und verfolgt ihn. Auch Weibchen singen manchmal, allerdings mit einer verwaschenen Version des Männchen-Gesangs.
Beide Geschlechter rufen mit einem lauten, klickenden Ruf, der in verschiedenen Situationen zu hören ist. Bei der Balz jagt das Männchen das Weibchen mit Gesang und Flugverfolgungen.
Jagd und Ernährung
Der Sommertangare jagt überwiegend Insekten im Kronendach. Er sitzt hoch in den Bäumen und fängt Bienen und Wespen oft im Flug. Seltener nimmt er Beute vom Boden auf. Gefangene Insekten bringt er zurück auf eine Sitzwarte und schlägt sie so lange dagegen, bis sie sterben. Wespen streift er vor dem Verzehr am Ast ab, damit Stachel und andere unverdauliche Teile entfernt werden.
Die wichtigsten Beutetiere sind Bienen und Wespen. Er greift Wespennester so lange an, bis die Wespen sie verlassen, und frisst dann die Larven. Außerdem erbeutet er Käfer, Libellen, Ameisen, Raupen, Heuschrecken, Zikaden, Rüsselkäfer und Spinnen.
Im Spätsommer während der Brut, auf dem Zug und im Winterquartier ergänzt er seinen Speiseplan durch Früchte wie Brombeeren, Maulbeeren, Bananen und Zitrusfrüchte. Gelegentlich erbeutet er auch Schnecken und Nacktschnecken.
Einmal versuchte ein Vogel an einem Zugrastplatz in Mississippi, eine Grüne Anolis-Echse zu fressen.
Nestbau und Brut
Die Männchen treffen vor den Weibchen im Brutgebiet ein und singen dabei ausgiebig. Die Balz beginnt mit plötzlichen, energischen Verfolgungsflügen des Männchens hinter dem Weibchen. Es präsentiert sich auch, indem es Futter trägt und vor dem Weibchen hüpft. Die Paare bilden sich nach der Ankunft und trennen sich, wenn die Jungen spät im Sommer ausfliegen.
Der Nestbau beginnt zwei bis vier Wochen nach der Ankunft im Frühjahr. Das Nest steht meist auf einem waagerechten Ast 2,5 bis 10,5 m über dem Boden. Das Weibchen baut es allein, das Männchen begleitet es bei der Suche nach Standort und Material. Es besteht aus trockenen Pflanzenteilen und ist innen mit feinen Gräsern ausgepolstert. Im Osten des Verbreitungsgebiets sind die Nester locker und zerzaust, im Westen stabil und sorgfältig gebaut.
Nach Fertigstellung des Nestes legt das Weibchen meist drei bis vier glatte, leicht glänzende Eier in blasser blauer oder grüner Farbe mit rötlichbraunen Flecken. Nur das Weibchen brütet, und zwar 12 bis 13 Tage lang. Das Männchen füttert es in manchen Paaren. Nach dem Schlüpfen füttern beide Eltern die Jungen, bis diese nach 8 bis 10 Tagen das Nest verlassen. Die Altvögel versorgen die Ausgeflogenen noch 2 bis 4 Wochen lang.
Bestand und ökologische Rolle
Der Sommertangare verzehrt in großer Zahl Insekten, darunter Bienen und Wespen, und beeinflusst so die Bestände dieser Tiere. Zugleich verbreitet er Samen von den Pflanzen, deren Früchte er frisst.
Als Beute spielt er für Räuber nur eine untergeordnete Rolle. Gelegentlich fällt er einer Schlangenart, Pantherophis spiloides, zum Opfer. Auf dem Vogel leben äußere Parasiten, eine Federlaus (Philopterus subflavescens) und zwei Milbenarten (Trombicula irritans und Sternostoma pirangae). Innere Parasiten sind vor allem Saugwürmer der Gattung Mesocoelium.
Schutz und Bedrohungen
Die IUCN stuft den Sommertangare als nicht gefährdet ein. Der Brutbestand im nordamerikanischen Raum ist seit Langem weitgehend stabil. In den USA genießt die Art Schutz nach dem Zugvogelschutzgesetz, nicht aber nach dem Gesetz über gefährdete Arten.
Die größte menschliche Bedrohung ist vermutlich die Zerstörung der Brutgebiete. Ebenfalls erheblich ist die Sterblichkeit durch Zusammenstöße mit Fernsehtürmen während nächtlicher Zugflüge.
Zwei Unterarten werden unterschieden: P. r. cooperi im Westen und P. r. rubra im Osten.
Kulturelle Bedeutung
Der Sommertangare frisst Insekten, die manche Menschen als Schädlinge betrachten, etwa Bienen und Wespen. Damit kann er zur Kontrolle dieser Populationen beitragen.
Wissenswertes
- Die Gattung Piranga führte der französische Ornithologe Louis Pierre Vieillot im Jahr 1808 ein, und der Sommertangare ist deren Typusart.
- Der Sommertangare hat zwei anerkannte Unterarten, die sich geografisch im Westen und Osten des Verbreitungsgebiets unterscheiden.
- Männchen können Weibchen mit einem Gesang locken, der anders klingt als die Strophen anderer Tangaren.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Passeriformes
- Familie
- Cardinalidae
- Gattung
- Piranga
- Art
- Piranga rubra
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
- Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
- AnAge Longevity
- AVONET Bird mass, habitat, migration, diet and range size
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- SquamataBase
- HWML Parasite Collection



