Die Tomate ist eine Beere, die botanisch als Frucht gilt, weltweit aber wie ein Gemüse zubereitet und gegessen wird. Sie gehört zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae), zu der auch Tabak, Kartoffel und Chili zählen. Ursprünglich stammt sie aus dem westlichen Südamerika; domestiziert wurde sie vermutlich dort, in Mexiko oder Mittelamerika.
Heute ist die Tomate eine der bekanntesten Nutzpflanzen überhaupt, mit Tausenden Sorten, die sich in Größe, Farbe und Geschmack stark unterscheiden.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal der Tomate ist ihr rankender, halb liegender Wuchs: Die Pflanze kann bis zu 3 Meter lang werden, während Buschsorten meist nicht höher als 100 cm bleiben. Als zarte mehrjährige Pflanze wird sie meist einjährig kultiviert und wächst in verzweigten Stängeln mit einer wachsenden Triebspitze, die nach Beschnitt oder Blüte durch Seitentriebe ersetzt wird.
Stängel und Blätter sind dicht mit feinen Härchen besetzt, die bei Bodenkontakt Wurzeln bilden können. Die Blätter werden 10 bis 25 cm lang, sind unpaarig gefiedert mit fünf bis neun gezähnten Fiederblättchen von bis zu 8 cm Länge.
Die zwittrigen, gelben Blüten sind 1 bis 2 cm breit, besitzen fünf spitze Kronblattlappen und stehen in Gruppen von drei bis zwölf zusammen. Ihre Staubblätter sind zu einer Säule um den Griffel verwachsen, was eine Selbstbestäubung ermöglicht – allerdings gelingt diese ohne Hilfe von Wind oder Bestäubern oft nur unzureichend, wie sich in Gewächshäusern zeigt, wo künstliche Bestäubung notwendig ist.
Die Frucht enthält je nach Sorte unterschiedlich viele Kammern: kleinere Sorten haben nur zwei, kugelförmige drei bis fünf, Fleischtomaten viele kleine und Eiertomaten sehr wenige winzige Kammern. Der rote Farbstoff Lycopin färbt reife Früchte, wobei gelbe Sorten mehr Delta-Carotin und Lutein, orangefarbene mehr Beta-Carotin und Prolycopin enthalten.
Verbreitung und Lebensraum
Nach der spanischen Eroberung Tenochtitlans im Jahr 1521 gelangte die Tomate im Rahmen des Kolumbianischen Austauschs nach Europa und wurde bereits in den 1540er Jahren im mediterranen Klima erfolgreich angebaut. Die früheste europäische Erwähnung findet sich 1544 in einem Kräuterbuch von Pietro Andrea Mattioli, der die Frucht als eine Art Aubergine beschrieb.
In Spanien war die Tomate bereits im frühen 17. Jahrhundert als Nahrungsmittel verbreitet. Von den spanischen Kolonien in der Karibik aus gelangte sie schließlich über die Philippinen nach Südostasien und in weitere Teile Asiens.
Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche saisonale Häufung der Nachweise in den Sommer- und Frühherbstmonaten, mit einem Höhepunkt zwischen Juli und September – dies spiegelt vermutlich vor allem die Fruchtreife und damit verbundene Sichtbarkeit wider, nicht die tatsächliche Verbreitung oder Häufigkeit der Pflanze.

Fortpflanzung und Lebenszyklus
Moderne Gartentomaten schmecken oft weniger intensiv als ältere Sorten, was auf eine Zuchtentscheidung zurückgeht: Mitte des 20. Jahrhunderts wurde eine mutierte Genvariante entdeckt, die Früchte gleichmäßig rot reifen lässt, ohne den typischen grünen Ring am Stielansatz unreifer Sorten. Diese sogenannte "u"-Mutation führte jedoch dazu, dass die Früchte während der Reifung 10 bis 15 Prozent weniger Zucker bilden, da sie schwächere Chloroplasten mit geringerer Photosyntheseleistung besitzen.
Während der Reifung wandeln sich die Chloroplasten der Frucht in chlorophyllfreie Chromoplasten um, die Carotinoide wie Lycopin und Beta-Carotin bilden – jene Stoffe, die Geschmack und Nährwert der reifen Tomate prägen. Bei der ursprünglichen "U"-Variante bleiben dafür oft grüne Schultern nahe dem Stielansatz zurück, teils sogar mit Rissen, verursacht durch oxidativen Stress bei starker Sonneneinstrahlung.
Züchter greifen heute vermehrt auf wilde Tomatenarten zurück, um Eigenschaften wie höheren Fruchtfestanteil oder Resistenz gegen Krankheiten wie die durch Alternaria solani verursachte Dürrefleckenkrankheit einzukreuzen. Allerdings kann die Selektion auf ein Merkmal wie Krankheitsresistenz andere erwünschte Eigenschaften wie den Fruchtertrag beeinträchtigen.
Nutzung und Bedeutung für den Menschen
Die Tomate wird weltweit in Tausenden Sorten angebaut, wobei die Produktion in Gewächshäusern stetig zunimmt, um auch außerhalb der Feldsaison frische Früchte anbieten zu können. Für Transport und Lagerung werden Tomaten häufig unreif geerntet und später mit dem Pflanzenhormon Ethylen nachgereift, während bei industrieller Verarbeitung, etwa für die Konservenherstellung, ganze Ranken maschinell geerntet werden. Im Jahr 2023 lag die weltweite Produktion bei 192 Millionen Tonnen, angeführt von China mit 36 Prozent, gefolgt von Indien, der Türkei und den USA.
Kulinarisch ist die Tomate aus der mediterranen Küche kaum wegzudenken, etwa als Grundlage für Pizza und Pastasaucen, im spanischen Gazpacho oder im katalanischen pa amb tomàquet. In der Küche des Nahen Ostens ist sie allgegenwärtig, ob frisch in Salaten wie dem arabischen oder israelischen Salat oder gegrillt zu Kebab. Auch in die indische Küche fand die Tomate nach ihrer Einführung durch Europäer Eingang, etwa im kaschmirischen Rogan Josh oder in der britischen Variante Tikka Masala mit Tomaten-Sahne-Sauce.
Die Tomate hat auch kulturelle Bedeutung erlangt: In Buñol, Spanien, findet jährlich La Tomatina statt, eine Tomatenschlacht, bei der 2007 rund 40.000 Menschen 115.000 kg Tomaten aufeinander warfen. In den USA erklärten mehrere Bundesstaaten die Tomate zur offiziellen Staatsfrucht oder zum Staatsgemüse, und 1887 musste in den USA sogar ein Gericht klären, ob die Tomate zollrechtlich als Gemüse oder Frucht gilt.
Wissenswertes
- Der Name Solanum lycopersicum wurde im 18. Jahrhundert von Carl Linnaeus vergeben, um die Pflanze über Sprachgrenzen hinweg eindeutig zu benennen.
- Der Gattungsname Solanum geht auf den antiken römischen Namen für die Tollkirsche zurück, während lycopersicum sich aus dem griechischen λύκος ("Wolf") und dem lateinischen persicus ("persisch") zusammensetzt.
- Wegen ihrer Zugehörigkeit zu den Nachtschattengewächsen wurde die Tomate bei ihrer Einführung in Europa zunächst misstrauisch beäugt, da diese Pflanzenfamilie auch giftige Arten umfasst.
- Eine riesige Tomatenpflanze im Walt Disney World Resort in Florida lieferte einst eine Ernte von über 32.000 Tomaten mit einem Gesamtgewicht von 522 kg.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Wuchsform
- Kletterpflanze
Klassifikation
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Magnoliopsida
- Ordnung
- Solanales
- Familie
- Solanaceae
- Gattung
- Solanum
- Art
- Solanum lycopersicum
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



