Zum Inhalt springen
Zum Artikel springen

Amerikanische Kastanie

Castanea dentata

Vom Aussterben bedroht

Die Amerikanische Kastanie (Castanea dentata) war einst einer der häufigsten Bäume der Wälder im Osten Nordamerikas, und ein Pilz hat sie fast vollständig verdrängt. Sie ist ein großer, schnell wachsender Laubbaum aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Art wächst im Osten Nordamerikas, wo sie in den Appalachen und in der Eichen-Kastanien-Waldregion im mittleren und südlichen Verbreitungsgebiet oft die vorherrschende Baumart war.

Als Art der Gattung Castanea trägt der Baum stachelige Fruchtbecher mit essbaren Nüssen. Die Weltgeschichte dieser Art ist eng mit dem Waldbau und der Holznutzung in Nordamerika verbunden. Heute gilt die Amerikanische Kastanie nach der Roten Liste der IUCN als vom Aussterben bedroht.

Wer die Geschichte dieses Baums liest, erkennt, wie stark eine eingeschleppte Krankheit ganze Waldgesellschaften verändern kann.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das wichtigste Merkmal ist der lange, schmale Blattrand mit großen, weit auseinanderstehenden Sägezähnen, der dem Artnamen dentata („gezähnt“) zugrunde liegt. Die Blätter werden 14 bis 20 cm lang und 7 bis 10 cm breit und sind damit etwas kürzer und breiter als die der Europäischen Edelkastanie.

Ein Baum dieser Art kann beeindruckend groß werden. Ein Exemplar im US-Bundesstaat Maine erreichte 35 m Höhe. Vor dem Ausbruch des Pilzes wurden als Höchstwerte etwa 30 m Höhe und 4,0 m Durchmesser angegeben. Die Amerikanische Kastanie ist deutlich größer als die nah verwandte Allegheny-Kastanie (Castanea pumila).

Die Zweigspitzen sind kahl, während die der Europäischen Edelkastanie behaart sind. Die Art unterscheidet sich außerdem von anderen Kastanien durch die Länge des Blattstiels, die Größe der Nüsse und die Anzahl der Nüsse je Fruchtbecher. Typisch sind drei Nüsse in einem stacheligen, grünen Becher, dessen Innenseite mit einem tabakbraunen, samtigen Filz ausgekleidet ist. Die Allegheny-Kastanie bildet dagegen nur eine Nuss je Becher.

Verbreitung und Lebensraum

Die Amerikanische Kastanie war im östlichen Nordamerika weit verbreitet, besonders in den Appalachen. Dort bildete sie zusammen mit Eichen die sogenannte Eichen-Kastanien-Waldregion, die im mittleren und südlichen Teil des Verbreitungsgebiets lag.

Heute sind große Bäume östlich des Mississippi selten. Sie finden sich nur noch vereinzelt in Gebieten, die vom Pilz verschont blieben. Im Westen der USA, etwa im Mediterranklima der Pazifikküste, ist der Pilz weniger verbreitet. Dort stehen in Sherwood im US-Bundesstaat Oregon große gepflanzte Bäume. Die Art gedeiht auch weiter nördlich, etwa bei Revelstoke in British Columbia.

Die Art wurde im 19. Jahrhundert von Siedlern gezielt in den Westen gebracht, weil die dortigen Lebensbedingungen zusagten. In Florida und Illinois gilt die Art als ausgerottet.

Beobachtungen deuten darauf hin, dass Funde vor allem im späten Frühjahr und Frühsommer gemeldet werden.

Karte der dokumentierten Nachweise von Castanea dentata
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
4.180
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Vor dem Ausbruch der Kastanienkrankheit war die Amerikanische Kastanie ein prägender Baum des östlichen Laubwaldes. Eichen wurden vom Pilz als Wirt genutzt, ohne selbst Schaden zu nehmen, während die Kastanien in ihrer Nähe innerhalb von etwa einem Jahr abstarben.

Der Rückgang des Baums traf zahlreiche Insektenarten, die auf ihn angewiesen waren. Von rund 60 Arten, die sich von der Amerikanischen Kastanie ernähren, sind sieben vollständig auf sie als Nahrungsquelle angewiesen. Einige davon, etwa die Amerikanische Kastanienmotte, sind heute ausgestorben oder stark zurückgegangen.

Die Bestände von Eichhörnchen und anderen Tieren, die von den Nüssen lebten, litten ebenfalls unter dem Verlust der Bäume.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Das Holz der Amerikanischen Kastanie war für Bauern und Handwerker sehr wertvoll. Es ist gerade gemasert, fest und lässt sich gut sägen und spalten. Außerdem wächst der Baum schneller als Eichen, was ihn für die Holzwirtschaft attraktiv machte.

Dank des hohen Gerbstoffgehalts war das Holz besonders widerstandsfähig gegen Fäulnis. Es wurde für Möbel, Spaltholzzäune, Dachschindeln, Hausbau, Fußböden, Pfähle, Sperrholz, Papierzellstoff und Telefonmasten verwendet. Aus der Rinde gewann man Gerbstoffe für die Lederherstellung. Heute werden größere Stämme kaum noch geschnitten, doch alte Scheunen liefern noch Holz für Möbel und andere Gegenstände.

Die Nüsse sind essbar. Als Kulturgut erscheint der Baum in der amerikanischen Literatur. Washington Irving verlegte 1819 die Erzählung „Die Sage von der schläfrigen Schlucht“ in einen Hain aus Eichen und Kastanien, und Nathaniel Hawthorne nutzte 1851 ein Kastaniensammeln als Rahmenhandlung seiner Sammlung griechischer Mythen.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN stuft die Amerikanische Kastanie als vom Aussterben bedroht ein. Die Art gilt in vielen Gebieten als funktional ausgestorben, obwohl ihre Wurzelsysteme im Boden weiterleben.

Die größte Bedrohung ist der Kastanienrindenpilz (Cryphonectria parasitica), ein Schadpilz aus Asien. Er verbreitet sich über die Luft und tötete in wenigen Jahrzehnten mehr als drei Milliarden Bäume. Austriebe aus den Stümpfen erreichen meist nur etwa 6 m Höhe, bevor sie erneut befallen werden. Auch die frühe Holzernte, bei der möglicherweise widerstandsfähige Bäume gefällt wurden, verschärfte die Lage. Die verbliebenen Bestände sind zudem voneinander isoliert, was die genetische Vielfalt verringert.

Natürliche Resistenz ist selten, doch einzelne Bäume haben eine geringe Widerstandskraft gezeigt. Die Forschung sucht nach Wegen, diese Eigenschaft weiterzugeben.

Vom Aussterben bedroht

Wissenswertes

  1. Ein Bericht aus dem Jahr 1888 bezeichnete die Amerikanische Kastanie als „von höherer Qualität als jede in Europa“ gefundene Frucht.
  2. Die Europäische Edelkastanie wurde 1773 von Thomas Jefferson in die Vereinigten Staaten eingeführt, und sie wurde später zur wichtigsten Quelle für Kastanien im Handel.
  3. Im Holz des Baums bildete sich eine Sorte, das „wurmige“ Holz, das besonders bei Möbelbauern als rustikal und modisch gilt.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Jim Arrigoni via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Heather Mazzaccaro via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Nick Kleinschmidt via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Lebensraum

Wuchsform

  • Baum

Klassifikation

Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Fagales
Familie
Fagaceae
Gattung
Castanea
Art
Castanea dentata

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract