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Edelkastanie

Castanea sativa

LCNicht gefährdet
Ein hoher, sommergrüner Baum mit gefurchter, netzartiger Rinde, länglich-lanzettlichen gezähnten Blättern und stacheligen, kastanienbraunen FruchthüllenFoto: petitcrabe, CC BY

Auf einen Blick

Bekannt für
WaldGebirgeBaum
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Fagales
Familie
Fagaceae
Gattung
Castanea
Art
Castanea sativa

Manche Exemplare der Edelkastanie erreichen Stammdurchmesser von über 4 Metern – ein historisch verzeichneter Baum auf Sizilien, die sogenannte „Hundred Horse Chestnut“, soll sogar 18 Meter im Durchmesser gemessen haben, wenngleich er sich oberirdisch in mehrere Stämme aufgespalten hat.

Die Castanea sativa, auf Deutsch Edelkastanie, Marone oder Esskastanie genannt, ist ein sommergrüner Laubbaum aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae) und gehört zur Ordnung Fagales. Sie gilt nach der Roten Liste der IUCN als „nicht gefährdet“ (Least Concern).

Ihre Kombination aus enormer Langlebigkeit, wirtschaftlicher Bedeutung als Holz- und Fruchtlieferant und ihrer jahrtausendealten Geschichte in Europa macht sie zu einem der bemerkenswertesten Bäume des Kontinents.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Edelkastanie ist ihre netzartige, tief gefurchte Borke, die in spiraligen Rissen am Stamm emporläuft. Ausgewachsene Bäume erreichen Höhen von 20 bis 35 Metern, der meist gerade Stamm kann einen Durchmesser von 2 Metern erreichen, in Ausnahmefällen sogar über 4 Meter.

Die länglich-lanzettlichen Blätter sind grob gezähnt, 15 bis 32 Zentimeter lang und 5 bis 10 Zentimeter breit. Männliche und weibliche Blüten sitzen gemeinsam an aufrechten, 10 bis 20 Zentimeter langen Kätzchen: männliche Blüten im oberen, weibliche im unteren Bereich. Sie erscheinen in der Nordhalbkugel von Ende Juni bis Juli. 

Bis zum Herbst entwickeln sich aus den weiblichen Blüten stachelige Fruchthüllen (Cupulen), die im Oktober abfallen und jeweils 3 bis 7 bräunliche Nüsse enthalten. Diese dornige Hülle schützt die Samen vor Fressfeinden. Die Edelkastanie ist selbstinkompatibel, sodass Fremdbestäubung notwendig ist; manche Sorten bilden nur einen großen Samen pro Cupula, andere bis zu drei. Die Nuss selbst besteht aus einer glänzend braunen Außenschale und einer inneren, am Fruchtfleisch anhaftenden Haut, die das cremeweiße, essbare Innere umschließt.

Verbreitung und Lebensraum

Die Edelkastanie stammt ursprünglich aus Südeuropa und Anatolien und ist heute im gesamten Mittelmeerraum verbreitet, von der Kaspischen See bis zum Atlantik. Vermutlich überlebte die Art die letzte Eiszeit in mehreren Rückzugsgebieten Südeuropas, darunter an der Südküste des Schwarzen Meeres mit einem Schwerpunkt am Südhang des Kaukasus sowie im nordwestlichen Syrien, möglicherweise bis in den Libanon reichend.

Heute ist die Art in weiten Teilen Europas verbreitet: Im Jahr 2004 wuchs sie auf 2,25 Millionen Hektar Wald, davon 1,78 Millionen Hektar überwiegend zur Holznutzung und 430.000 Hektar zur Fruchtproduktion. In manchen europäischen Ländern wie der Slowakei oder den Niederlanden wurde sie erst kürzlich eingeführt.

Der Baum benötigt ein mildes Klima und ausreichende Feuchtigkeit für gutes Wachstum und eine ertragreiche Nussernte. Der Jahreszuwachs, nicht aber der übrige Baum, reagiert empfindlich auf späte Frühjahrs- und frühe Herbstfröste; zudem verträgt die Art keinen kalkhaltigen Boden. Unter Waldbedingungen toleriert sie mäßigen Schatten gut.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche saisonale Häufung von Mai bis August mit einem Höhepunkt im Juni, während Winterbeobachtungen deutlich seltener sind. Da es sich dabei lediglich um Anwesenheitsnachweise handelt, lässt dies keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Bestandsgröße zu, sondern spiegelt am ehesten die Jahreszeit der Beobachtungsaktivität wider.

Karte der dokumentierten Nachweise von Castanea sativa
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
41.308
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Die Blätter der Edelkastanie dienen zahlreichen Insekten als Nahrung, darunter Schmetterlingsraupen wie die des Sackträgers Coleophora anatipennella sowie dem aus Nordamerika eingeschleppten Rosenkäfer Macrodactylus subspinosus.

Zwei Pilzkrankheiten bedrohen den Baum besonders: der Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica) und die Tintenkrankheit, verursacht durch Phytophthora cambivora und P. cinnamomi. Im 20. Jahrhundert vernichtete der Rindenkrebs sowohl in Nordamerika als auch in Südeuropa große Teile der Kastanienbestände. Durch biologische Bekämpfung ist die Art heute nicht mehr akut durch diese Krankheit gefährdet und erholt sich wieder. Die Tintenkrankheit befällt vor allem Bäume auf feuchten Böden: Das Pilzmyzel dringt in die Wurzeln ein und lässt die Blätter welken, ausbleibende Fruchtbildung führt zum Absterben der Krone. Namensgebend sind die schwarzen Ausscheidungen am Stammfuß befallener Bäume; inzwischen gibt es widerstandsfähige Sorten.

Eine weitere schwer zu bekämpfende Bedrohung ist die aus Asien nach Südeuropa eingeschleppte Gallwespe Dryocosmus kuriphilus.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Pollendaten deuten darauf hin, dass sich die Edelkastanie durch menschliches Wirken erstmals um 2100 bis 2050 v. Chr. in Anatolien, im Nordosten Griechenlands und im Südosten Bulgariens ausbreitete – zunächst offenbar als vergleichsweise unbedeutende, ungleichmäßig verteilte Kulturpflanze. Die ältesten Holzkohlefunde stammen erst aus der Zeit um 850 bis 950 v. Chr. Eine verlässlichere Quelle liefert die griechische Literatur, insbesondere Theophrasts „Historia plantarum“ aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., der vor allem die Nutzung des Holzes als Bau- und Brennmaterial beschreibt und die Frucht nur einmal erwähnt – als nahrhaft, aber schwer verdaulich. Mehrere griechische Autoren berichten zudem von einer medizinischen Anwendung gegen Verletzungen der Lippen und der Speiseröhre.

Vermutlich brachten griechische Kolonisten den Baum auf die italienische Halbinsel, worauf auch genetische Ähnlichkeiten zwischen italienischen und westanatolischen Bäumen hindeuten. Bis zum Ende der vorchristlichen Zeit blieb die Nutzung in Italien jedoch begrenzt; verkohlte Kastanien wurden in einer römischen Villa bei Torre Annunziata nahe Neapel gefunden, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. zerstört wurde. Die römische Oberschicht schätzte die Frucht offenbar wenig, doch ab etwa 100 bis 600 n. Chr. gewann das Holz zunehmend Bedeutung für Pfähle, Stützkonstruktionen und den Brückenbau, was zu einer langsamen Verbreitung der Kultivierung führte.

Im frühen Mittelalter setzte sich die Nutzung in Westeuropa breiter durch und blühte im Spätmittelalter regelrecht auf – im langobardischen Recht des 7. Jahrhunderts stand auf das Fällen einer fremden Kastanie sogar eine Geldstrafe von einem Solidus. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ging die Kultivierung durch Landflucht, den Rückgang der Kastanie als Grundnahrungsmittel sowie durch Rindenkrebs und Tintenkrankheit stark zurück. Heute erlebt der Anbau, unterstützt durch hochwertige Kastanienprodukte und veränderte Bedürfnisse einer urbanen Gesellschaft, eine Wiederbelebung. Traditionell werden dabei unter anderem Niederwaldsysteme zur reinen Holzgewinnung genutzt.

Wissenswertes

  1. Der wissenschaftliche Name Castanea soll von der Stadt Castanis (auch Castonis) in Thessalien, Griechenland, abgeleitet sein, wo der Baum einst zahlreich für seine Nüsse angebaut wurde.
  2. Die alten Griechen widmeten die Edelkastanie dem Gott Zeus.
  3. Der Artzusatz sativa stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „kultiviert“ oder „angebaut“.
  4. Ein früher englischer Name des Baumes lautete „Chesten-nut“, aus dem sich das heutige „Chestnut“ entwickelte.
  5. Die Edelkastanie gehört zur selben Familie wie Eichen und Buchen.
  6. Manche Quellen geben eine maximale Lebensdauer von bis zu 700 Jahren an, während andere von 500 bis 600 Jahren in der Natur und über 1.000 Jahren in Kultur sprechen – die genaue Obergrenze bleibt unsicher.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Ökologie

Lebensraum

  • Wald
  • Gebirge

Wuchsform

  • Baum

Fotos

20 Fotos
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Ein hoher, sommergrüner Baum mit gefurchter, netzartiger Rinde, länglich-lanzettlichen gezähnten Blättern und stacheligen, kastanienbraunen FruchthüllenFoto: petitcrabe, CC BY

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipedia