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Bombus affinis

Bombus affinis

Kein belegter Trivialname

CRVom Aussterben bedroht
Eine Rostfleckige Hummel (Bombus affinis) mit schwarz-gelbem Pelz, die auf einer Blüte sitzt und einen rostroten Fleck auf dem zweiten Hinterleibssegment zeigt.Foto: Michelle Orcutt, CC BY

Auf einen Blick

Bekannt für
FeuchtgebietWaldWinterschlaf haltendTerritorialGraslandUrban
Klassifikation
Stamm
Arthropoda
Klasse
Insecta
Ordnung
Hymenoptera
Familie
Apidae
Gattung
Bombus
Art
Bombus affinis

Bombus affinis war die erste Bienenart, die in den kontinentalen USA offiziell auf die Liste bedrohter Arten gesetzt wurde – ein Ereignis, das am 10. Januar 2017 eintrat und die dramatische Lage vieler nordamerikanischer Hummelarten schlagartig ins öffentliche Bewusstsein rückte.

Die Rostfleckige Hummel gehört zur Familie der Apidae innerhalb der Hautflügler (Hymenoptera) und ist im östlichen Nordamerika beheimatet, von Ontario und Quebec über den oberen Mittleren Westen und Nordosten der USA bis nach Georgia und in die Dakotas. Die IUCN führt sie als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered).

Noch bis in die 1980er-Jahre zählte sie im Süden Ontarios zu den häufigsten Hummelarten überhaupt. Ihr rasanter Niedergang seither macht sie zu einem der eindrücklichsten Beispiele dafür, wie schnell ein einst gewöhnliches Insekt an den Rand des Verschwindens geraten kann.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das verlässlichste Erkennungsmerkmal ist ein rostroter Haarfleck auf der Basishälfte des zweiten Hinterleibssegments – allerdings nur bei Arbeiterinnen und Männchen. Königinnen tragen diesen Fleck nicht, was die Bestimmung zusätzlich erschwert.

Zwischen den Kasten bestehen deutliche Größenunterschiede. Königinnen erreichen etwa 20 bis 22 mm Länge und 9 bis 11 mm Breite, Arbeiterinnen sind mit 10 bis 16 mm Länge und 6 bis 9 mm Breite deutlich kleiner. Männchen liegen mit 13 bis 17,5 mm dazwischen.

Kopf, ein Großteil der Beine und die Unterseite des Hinterleibs sind bei Königinnen und Arbeiterinnen schwarz behaart, ebenso der größte Teil des Abdomens mit Ausnahme der beiden Basalsegmente. Arbeiterinnen zeigen zusätzlich eine gelb-schwarze Mischbehaarung an der Flügelbasis, die eine deutliche „V“-Form bildet. Männchen unterscheiden sich weiter durch blasse, cremefarbene Haare auf dem Kopfscheitel, schwarze Streifen quer über einem sonst gelben Abdomen und mitunter blassgelbe statt kräftig gelbe Hinterleibsbehaarung.

Alle Kasten besitzen einen auffällig kürzeren Rüssel als jede andere Hummelart. Wegen ihrer Körpergröße und des pelzigen Aussehens wird Bombus affinis häufig mit Bombus citrinus, Bombus griseocollis, Bombus perplexus und Bombus vagans verwechselt.

Verbreitung und Lebensraum

Das historische Verbreitungsgebiet reicht durch den Osten und den oberen Mittleren Westen der USA, nördlich bis Ontario und Quebec in Kanada, südlich bis Georgia und westlich bis in die Dakotas. Die Art nutzt dabei ein breites Spektrum an Lebensräumen: Mischfarmland, Sanddünen, Sümpfe, Wälder sowie städtische und vorstädtische Flächen.

Entscheidend ist, dass drei unterschiedliche Habitattypen – Nahrungssuche, Nestbau und Überwinterung – in geografischer Nähe zueinander liegen müssen, was die Art besonders anfällig für Habitatverlust macht. Nester liegen meist unterirdisch in verlassenen Bauen von Nagetieren wie Streifenhörnchen oder Mäusen, oft bis zu 1,2 Meter tief im Boden, mit selbst gegrabenen Ein- und Ausgängen von 2 bis 6 cm Durchmesser. Überwinternde Königinnen suchen dagegen flache Erdlöcher, Laubhaufen oder morsches Holz in Waldrandlagen auf. Die Art wurde in Höhenlagen bis 1600 Meter nachgewiesen.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen eine klare Saisonalität: Meldungen sind von November bis März nahezu bei null, steigen im April und Mai deutlich an und erreichen ihren Höhepunkt zwischen Juli und September, mit dem stärksten Wert im August. Das deckt sich mit der aktiven Flugsaison von etwa April bis Oktober; diese Zahlen spiegeln jedoch nur Beobachtungshäufigkeit, nicht die tatsächliche Bestandsgröße.

Der Rückgang ist regional dramatisch: Im Süden Ontarios, wo die Art bis in die 1980er-Jahre häufig war, gelang die letzte gesicherte Sichtung 2009 im Pinery Provincial Park. Erhebungen zwischen 2001 und 2008 fanden verbliebene Populationen nur noch in Illinois, Iowa, Maryland und im südlichen Ontario. Ein bekanntes Habitat, die Bell Bowl Prairie in Illinois, wurde im März 2023 teilweise für den Ausbau des Chicago Rockford International Airport zerstört.

Karte der dokumentierten Nachweise von Bombus affinis
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
5.755
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Bombus affinis lebt eusozial in Kolonien mit einer eierlegenden Königin, zahlreichen Arbeiterinnen sowie später im Jahr schlüpfenden Männchen und Jungköniginnen. Wächst eine Kolonie stark an, beginnen Arbeiterinnen mit der Königin um Fortpflanzungsrechte zu konkurrieren – teils schon einen Monat nach Koloniegründung, wobei aggressive Auseinandersetzungen selten, aber dokumentiert sind.

Die Aktivität wird stark von der Lufttemperatur bestimmt. Die Tiere sind vom 15. März bis 10. Oktober aktiv, in kälteren Regionen oberhalb 42° nördlicher Breite verkürzt sich diese Saison auf etwa 10. April bis 10. Oktober. Dank ihres dichten, pelzigen Körpers vertragen sie kühlere Temperaturen als viele andere Bestäuber und bleiben noch bei Werten ab 4 °C in der Dämmerung aktiv, meiden aber Regen, Nebel und Frost.

Arbeiterinnen legen im Durchschnitt ein Aktionsgebiet von etwa 1 km² rund um das Nest zurück, einzelne Kolonien wurden jedoch mit Reichweiten von bis zu 10 km² dokumentiert. Wie groß dieses Gebiet ausfällt, hängt stark von der Blütenvielfalt und der Landnutzung in der Umgebung ab.

Gegenüber Menschen gelten Rostfleckige Hummeln als auffallend friedfertig und weniger aggressiv als Honigbienen, Wespen oder Ameisen. Sie verteidigen ausschließlich das unmittelbare Nestumfeld und nur dann, wenn sie durch Raubtiere oder Störungen provoziert werden.

Kommunikation

Chemische Signale spielen die zentrale Rolle im Sozialleben der Art. Männchen markieren feste Flugrouten mit eigenen Pheromonen und suchen wiederholt auffällige Landmarken – sogenannte „Buzzing Places“ wie große Bäume oder Steine – auf, an denen Jungköniginnen warten und ihrerseits Lockstoffe aus Mandibeldrüsen absondern. Innerhalb der Kolonie signalisieren unfruchtbare Arbeiterinnen ihre Unfruchtbarkeit chemisch, während Königinnen Substanzen ausschütten, die bei hoher Konzentration die Fruchtbarkeit der Arbeiterinnen unterdrücken.

Das Sehvermögen beruht auf fünf Augen: zwei großen Komplexaugen mit jeweils rund 6.000 Einzelfacetten und drei einfachen Punktaugen (Ocelli). Die Facettenaugen nehmen Blau-, Grün- und UV-Wellenlängen wahr, jedoch kein Rot – deshalb werden blaue und violette Blüten bevorzugt angeflogen. Manche Blüten nutzen UV-reflektierende Muster als „Nektarleitlinien“, die Bienen gezielt zu Staubblättern und Narbe führen.

Zusätzlich nehmen feine, fadenförmige Härchen auf Kopf und Fühlern elektrische Felder wahr, die entstehen, wenn die im Flug positiv aufgeladenen Tiere sich negativ geladenen, geerdeten Objekten nähern – erkennbar sind so sogar Form und Größe unbewegter Gegenstände. Über die Johnston-Organe in den Fühlern registrieren die Bienen außerdem Luftschwingungen und Vibrationen.

Ernährung und Fressverhalten

Wegen ihres nur 5 bis 6 mm kurzen Rüssels ist Bombus affinis auf flache, offene Blüten angewiesen und kann den Nektar tief röhrenförmiger Blüten nicht erreichen. Innerhalb dieser Einschränkung ist die Art aber ein ausgesprochener Generalist, der sowohl heimische als auch eingeführte Pflanzenarten gleichermaßen anfliegt.

Zu den genutzten Pflanzen zählen Virginische Lungenkraut (Mertensia virginica), Akeleien (Aquilegia), Indianernesseln (Monarda), Nachtschattengewächse (Solanum), Duftnesseln (Agastache), Seidenpflanzen (Asclepias), Steinklee (Melilotus), Saudistel (Sonchus), Mädchenaugen (Coreopsis), Herzblumen (Dicentra), Sonnenblumen (Helianthus), Weiden (Salix) sowie Korbblütler und Hülsenfrüchtler.

Als Bestäuberin ist die Art auch für den Menschen wirtschaftlich bedeutsam: Sie besucht Tomaten, Johannis- und Stachelbeeren, Preisel- und Blaubeeren, Paprika, Steinobst und Kürbisgewächse. Nektar liefert Kohlenhydrate, Pollen dagegen die Fette, Proteine, Sterole und weitere organische Verbindungen, die für Hormonhaushalt, Kommunikation und Krankheitsabwehr nötig sind – Kolonien passen ihre Pollenauswahl gezielt an das gerade benötigte Protein-Fett-Verhältnis an.

Die Nahrungssuche folgt dem Lebenszyklus der Kolonie: Im Frühjahr sammeln Jungköniginnen zunächst allein in einem Radius von etwa 1 km um das künftige Nest, meist an frühen Waldblühern. Sobald Arbeiterinnen schlüpfen, versorgen diese die ganze Kolonie, während später ausfliegende Männchen nur noch für sich selbst sammeln. Die Sammelsaison reicht von April bis September, wobei die Tiere auch bei kühlen Temperaturen und schwachem Licht in der Dämmerung aktiv bleiben.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Bombus affinis ist einjährig, semelpar und monogam: Königinnen sind von Spätherbst bis Frühjahr solitär, gründen im Frühjahr eine neue Kolonie und bleiben bis zum Ende der Saison die einzige eierlegende Individuen – bis Arbeiterinnen und schließlich Männchen und Jungköniginnen schlüpfen.

Die eigentliche Paarungszeit liegt zwischen Ende Juli und Oktober. Männchen und frisch geschlüpfte Jungköniginnen verlassen ihre Kolonien, um sich mit Partnern aus fremden Nestern zu verpaaren; einem Balztanz folgt ein Begattungsflug. Danach speichern die Jungköniginnen das Sperma in einer Spermatheka und gehen in Diapause, während die Männchen bald darauf sterben.

Im Frühjahr legt die überwinterte Königin ihre erste Brut fertilisierter Eier in wachsgebaute Zellen von rund 1 cm Durchmesser. Die Larven schlüpfen nach etwa zwei Tagen, werden zwei Wochen lang mit Pollen und Nektar versorgt und verpuppen sich anschließend für weitere zwei Wochen; die Gesamtentwicklung von Ei zu Adulttier dauert je nach Nesttemperatur vier bis sechs Wochen, ideal sind 29 bis 32 °C. Pro Saison legt eine Königin durchschnittlich 500 Eier, mit einer Spannweite von 50 bis 1000.

Die Königin versorgt allein rund fünf Wochen lang ihre erste Brut, danach übernehmen die geschlüpften Arbeiterinnen Fütterung und Nestpflege der folgenden Bruten. Männchen leisten über die Paarung hinaus keinerlei elterliche Fürsorge.

Bestand und ökologische Rolle

Als Bestäuberin verbindet Bombus affinis zahlreiche Pflanzenarten mit ihren Fortpflanzungspartnern, gleichzeitig ist sie selbst Beute für Räuber wie Krabbenspinnen (Misumena vatia) und Bienenwölfe der Gattung Philanthus. Der Bestandseinbruch von über 92 Prozent zwischen den 1990er- und den 2010er-Jahren bedeutet, dass diese ökologischen Verbindungen in weiten Teilen des früheren Verbreitungsgebiets bereits verloren gegangen sind.

Eine zusätzliche ökologische Beziehung besteht zur Kuckuckshummel Bombus bohemicus, einem obligaten Brutparasiten. Die Weibchen dieser Art spüren fremde Nester wahrscheinlich über Duftstoffe auf, ohne sie je berührt zu haben, dringen ein, töten mitunter die Wirtskönigin und lassen ihre eigene Brut von den Arbeiterinnen von Bombus affinis aufziehen. Größere Nester mit mehr verteidigenden Arbeiterinnen werden dabei seltener befallen als kleine Kolonien.

Bombus affinis ist nicht wehrlos: Wirtskolonien reagieren mitunter mit dem Fressen fremder Eier, dem Auswerfen von Parasitenlarven oder direkten Angriffen auf eindringende Kuckuckshummel-Königinnen, die dabei getötet werden können.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN führt Bombus affinis als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered), in den USA gilt sie bundesweit und im Bundesstaat Michigan als „Endangered“; einen besonderen CITES-Schutzstatus besitzt sie nicht.

Die größte Bedrohung ist der Verlust und die Zerschneidung von Lebensraum durch Verstädterung: Je mehr versiegelte Flächen und Gebäude in einem Gebiet entstehen, desto geringer wird die Nestdichte. Landwirtschaftliche Nutzung verschärft das Problem zusätzlich – Weidevieh verdichtet den Boden und zertrampelt Nistplätze, Monokulturen bieten keine durchgehende Blütenversorgung von Frühjahr bis Herbst, und Pestizide vergiften Tiere direkt bei der Nahrungssuche oder über verseuchtes Grund- und Regenwasser. Der Klimawandel verstärkt diese Effekte durch häufigere Dürren, Überflutungen – die unterirdische Nester ersaufen lassen können – und verschobene Frosttermine, die den Beginn oder das Ende der Winterruhe der Königinnen aus dem Takt bringen.

Zwischen den 1990er- und 2010er-Jahren ist die Abundanz um 92,54 Prozent eingebrochen; die Art gilt inzwischen als Kandidatin für eine Hochstufung auf internationaler und nationaler Ebene. In Ontario läuft rund um den Pinery Provincial Park ein gezieltes Wiederherstellungsprogramm für Habitat und Population.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Vom Aussterben bedroht

Kulturelle Bedeutung

Wirtschaftlich ist Bombus affinis durch ihre Bestäubungsleistung bedeutsam: Rund 12 Prozent ihrer Pollen- und Nektaraufnahme stammen allein aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae), daneben bestäubt sie zahlreiche kommerziell angebaute Kulturen wie Tomaten, Johannis- und Stachelbeeren, Preisel- und Blaubeeren, Paprika, Steinobst und Kürbisgewächse und wirkt sich damit positiv auf lokale Erträge aus.

Über ihre wirtschaftliche Rolle hinaus ist die Art zu einem Symbol geworden: Als am 10. Januar 2017 die US-Bundesbehörde für Fisch und Wildtiere sie auf die Liste bedrohter Arten setzte, wurde sie zur ersten Bienenart überhaupt, die in den kontinentalen USA diesen Status erhielt – ein Ereignis, das seither häufig als Beispiel für den weltweiten Rückgang von Bestäubern angeführt wird.

Wissenswertes

  1. Ein Nest von Bombus affinis wurde einmal in einem draußen zurückgelassenen, ausrangierten Sessel entdeckt.
  2. Die Art wurde in Höhenlagen von bis zu 1600 Metern nachgewiesen, obwohl sie meist in tieferen Lagen vorkommt.
  3. Feine Härchen an Kopf und Fühlern registrieren elektrische Felder bei Frequenzen von nur 3,8 kHz und ermöglichen so, Form und Größe von Objekten ohne Berührung zu erkennen.
  4. Die Tiere besitzen fünf Augen: zwei große Komplexaugen mit jeweils rund 6.000 Einzelfacetten und drei zusätzliche Punktaugen.
  5. Stirbt die Königin unerwartet, beginnen Arbeiterinnen selbst Eier zu legen – da sie sich nie verpaart haben, entstehen daraus jedoch ausschließlich Männchen.
  6. Eine Königin lebt im Schnitt nur etwa 77 Tage.

Ökologie

Lebensraum

  • Feuchtgebiet
  • Wald
  • Grasland
  • Urban

Verhalten

  • Winterschlaf haltend
  • Territorial
  • Sozial
  • Tagaktiv

Ernährung

  • Nektarfresser

Fotos

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Eine Rostfleckige Hummel (Bombus affinis) mit schwarz-gelbem Pelz, die auf einer Blüte sitzt und einen rostroten Fleck auf dem zweiten Hinterleibssegment zeigt.Foto: Michelle Orcutt, CC BY

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