Die Samen des Breitblättrigen Knabenkrauts enthalten kein Nährgewebe für den Embryo – ohne eine Infektion durch einen Wurzelpilz kann die Pflanze überhaupt nicht keimen.
Dactylorhiza majalis, das Breitblättrige Knabenkraut, ist eine terrestrische Orchidee, die in weiten Teilen Eurasiens vorkommt. Sie zählt zu den anpassungsfähigeren heimischen Orchideen und ist deshalb vielerorts noch vergleichsweise häufig anzutreffen, obwohl viele verwandte Arten feuchter Standorte stark zurückgegangen sind.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal ist der dicht gedrängte, zunächst kegelförmige und bei Vollblüte deutlich zylindrische Blütenstand, der etwa 5 bis 15 cm lang wird und sieben bis fünfzig purpurrote, selten hellrosa oder weiße Blüten trägt.
Die Pflanze erreicht im Durchschnitt eine Höhe von 15 bis 40 cm, kann jedoch bis zu 60 cm hoch werden. Am hohlen Stängel sitzen vier bis zehn gefleckte, purpur- oder dunkelrot gezeichnete Blätter, die eiförmig bis lanzettlich geformt sind und zur Spitze hin kleiner und schmaler werden. Die Tragblätter sind etwa so lang wie die Blüte und verdecken diese vor dem Aufblühen.
Die äußeren seitlichen Blütenhüllblätter stehen schräg bis senkrecht aufrecht und sind 7 bis 12 Millimeter lang; zusammen mit den inneren Blütenhüllblättern bilden sie einen helmartigen Aufbau. Die dreilappige Lippe ist 5 bis 10 Millimeter lang und 7 bis 14 Millimeter breit, ihre Form und Zeichnung – aus Linien, Streifen oder Punkten im helleren Mittelfeld – sind sehr variabel. Der leicht nach unten gebogene Sporn ist etwas kürzer als der Fruchtknoten.
Die Knolle ist handförmig geteilt und unregelmäßig geformt, ein weiteres Erkennungsmerkmal gegenüber ähnlichen Knabenkraut-Arten.
Verbreitung und Lebensraum
Dactylorhiza majalis ist in weiten Teilen Europas und Nord- bis Zentralasiens verbreitet, von Spanien und Irland bis nach Sibirien und Kasachstan. Die Art bevorzugt feuchte Standorte und tritt in gemäßigtem Klima auf.
In Deutschland ist das Breitblättrige Knabenkraut zwar weit verbreitet, weist aber zahlreiche Verbreitungslücken auf; besonders im Westen und Norden des Landes ist sie vielerorts bereits ausgestorben. In der Schweiz ist sie ebenfalls recht verbreitet, mit einer deutlichen Lücke südlich der Aare zwischen Aarau und dem Neuenburgersee.
Die Art wurde zudem nach Neufundland und Ontario eingeführt, wo sie außerhalb ihres natürlichen Areals vorkommt.
Beobachtungsdaten deuten auf eine ausgeprägte Häufung der Nachweise in den Frühsommermonaten hin, was mit der Blütezeit der Pflanze zusammenfällt, lässt jedoch keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Bestandsgröße zu.

Wachstum und Wuchsform
Das Breitblättrige Knabenkraut ist ein knolliger Geophyt: Es überdauert ungünstige Jahreszeiten mit einer unterirdischen, handförmig geteilten Knolle und treibt jedes Jahr aus dieser neu aus.
Ökologie und Wechselbeziehungen
Das Breitblättrige Knabenkraut wächst bevorzugt in feuchten bis nassen Wiesen und Mooren, wo es Teil der dortigen Pflanzengemeinschaften ist. Verschiedene Vogelarten wurden als Fressfeinde verzeichnet, darunter Finken wie der Bluthänfling und der Grünfink, Feldlerchen, Steinhühner sowie Wasservögel wie Stockente und Graugans – die Pflanze oder ihre Samen dienen also einer breiten Palette von Vogelarten als Nahrung.
Daneben wurde die Hefeart Pichia fermentans als Parasit verzeichnet.
Schutz und Bedrohungen
Obwohl das Breitblättrige Knabenkraut in manchen Regionen noch recht häufig vorkommt, steht es wie alle heimischen Orchideen unter Schutz. Seit längerer Zeit gehen die Bestände jedoch zurück, vor allem durch den Eintrag von Stickstoff aus Düngemitteln, die Austrocknung der Lebensräume sowie die intensive Umwandlung von Feuchtwiesen in Weideland.
Im Vergleich zu anderen heimischen Orchideen, etwa dem Fleischfarbenen Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), reagiert das Breitblättrige Knabenkraut weniger empfindlich auf Veränderungen seines Lebensraums. Es ist meist die letzte heimische Orchidee, die aus einem gestörten Lebensraum verschwindet – diese Toleranz erklärt, warum die Art noch relativ verbreitet ist.
Wissenswertes
- Das Breitblättrige Knabenkraut zählt meist zu den letzten heimischen Orchideen, die aus einem sich verändernden Lebensraum verschwinden.
- Die Art reicht in ihrer Verbreitung von Spanien und Irland im Westen bis nach Sibirien und Kasachstan im Osten.
- Außerhalb ihres natürlichen Areals wurde sie auch in Neufundland und Ontario nachgewiesen.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Wuchsform
- Kraut
Klassifikation
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Liliopsida
- Ordnung
- Asparagales
- Familie
- Orchidaceae
- Gattung
- Dactylorhiza
- Art
- Dactylorhiza majalis
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Plants of the World Online Native range, life form and climate (WCVP)
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- trophiCH
- Wardeh et al. 2015 (EID2)



