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Gelber Frauenschuh

Cypripedium calceolus

LCNicht gefährdet
Ein Gelber Frauenschuh mit leuchtend gelber, pantoffelförmiger Blütenlippe und rotbraun getönten, gedrehten Kelch- und Kronblättern zwischen breiten, ovalen, parallel geaderten BlätternFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
Kraut
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Liliopsida
Ordnung
Asparagales
Familie
Orchidaceae
Gattung
Cypripedium
Art
Cypripedium calceolus

Mit Blüten von bis zu neun Zentimetern Breite trägt der Gelbe Frauenschuh (Cypripedium calceolus) die größten Blüten aller europäischen Orchideenarten. Die Art ist zugleich die namensgebende Typusart der Gattung Cypripedium, zu der weltweit rund 50 Frauenschuh-Orchideen zählen.

Der Gelbe Frauenschuh ist eine ausdauernde Orchidee aus der Familie Orchidaceae und wächst in lichten, meist kalkreichen Wäldern von Spanien bis zum Pazifik – über nahezu ganz Europa, Russland, Nordostchina, die Mongolei, Korea und die japanische Insel Rebun. Weltweit gilt die Art laut IUCN als nicht gefährdet (Least Concern), doch in vielen europäischen Ländern ist sie selten geworden und steht unter gesetzlichem Schutz.

Ihre auffällige Blütenform, die enge Bindung an bestimmte Bestäuber und Bodenpilze sowie ihre wechselhafte Geschichte zwischen Ausrottung und gezielter Wiederansiedlung machen den Gelben Frauenschuh zu einer der am intensivsten erforschten und geschützten Orchideen Europas.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist die leuchtend gelbe, pantoffelförmige Lippe (Labellum) mit roten Punkten im Inneren – der Blütenbauplan, der der Gattung Cypripedium ihren Namen gab. Die Pflanze wird bis zu 60 cm hoch, ihre Blüten erreichen eine Breite von bis zu 9 cm und zählen damit zu den größten aller europäischen Orchideenblüten.

Jeder Trieb trägt bis zu vier ovale, parallelnervige Laubblätter von bis zu 18 cm Länge und 9 cm Breite sowie meist ein bis zwei Blüten. Die langen, oft gedrehten Kelch- und Kronblätter variieren in der Farbe von Rotbraun bis Schwarz, selten auch Grün, und bilden einen kontrastreichen Rahmen um die gelbe Lippe.

Vor der Blüte lässt sich die Art anhand der Größe und Breite ihrer ovaten Blätter von anderen Orchideen unterscheiden. Verwechslungsgefahr besteht mit Allium ursinum, Convallaria majalis und mehreren Epipactis-Arten. Besonders häufig wird sie im vegetativen Zustand mit Veratrum album verwechselt: Der Gelbe Frauenschuh besitzt zwei gegenständige Blattreihen (distichische Phyllotaxis) mit gefurchten, den Stängel umschließenden Blattbasen, während Veratrum album eine spiralige Anordnung mit drei Blattreihen und einem deutlich sichtbaren, freistehenden Stängel zwischen den Blättern zeigt.

Die Art ist ausdauernd und breitet sich über horizontale Rhizome vegetativ aus. In Nordamerika kommen mehrere nah verwandte Cypripedium-Arten vor, die dem Gelben Frauenschuh stark ähneln.

Verbreitung und Lebensraum

Der Gelbe Frauenschuh besitzt ein weites Verbreitungsgebiet, das von Spanien im Westen über nahezu ganz Europa bis zum Pazifik reicht. Dazu zählen europäisches Russland, Sibirien und der russische Fernost, die nordostchinesischen Provinzen Heilongjiang, Jilin, Liaoning und Nei Mongol, die Mongolei, Korea sowie die japanische Insel Rebun.

Die Art bevorzugt lichte Wälder auf feuchten, kalkhaltigen Böden. Im kontinentalen Europa wächst sie zudem in verrottetem Humus halbschattiger Kalkwälder. In Großbritannien besiedelt sie Kalkmagerrasen sowie offenes Gebüsch und Wald mit mittlerer Beweidungsintensität. Sie steigt bis in Höhenlagen von 2.100 Metern auf.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen einen deutlichen Höhepunkt im Juni, gefolgt von Mai und Juli – ein Muster, das vermutlich die Blütezeit widerspiegelt, in der die Pflanze am auffälligsten und am leichtesten zu entdecken ist. Solche Meldezahlen belegen jedoch nur die Anwesenheit von Beobachtern und keine Bestandsgröße oder das vollständige natürliche Verbreitungsgebiet.

Der Bestand ist in weiten Teilen Europas deutlich zurückgegangen, weshalb die Art in mehreren Ländern gesetzlich geschützt ist.

Karte der dokumentierten Nachweise von Cypripedium calceolus
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
33.908
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Der Gelbe Frauenschuh wächst häufig in Beständen von Haseln. Bestäubt wird die Blüte von mindestens sieben Sandbienen-Arten der Gattungen Andrena und Colletes sowie mindestens zwei Furchenbienen-Arten der Gattung Lasioglossum.

Die Pflanze ist stark anfällig für Fraßschäden durch Schnecken, die junge Triebe und Blätter erheblich schädigen können.

Wie viele Orchideen ist der Gelbe Frauenschuh auf eine enge Partnerschaft mit Mykorrhizapilzen angewiesen, vor allem aus der Familie Tulasnellaceae. Diese Pilzpartner ermöglichen der Pflanze die Aufnahme von Nährstoffen aus dem Boden; als weitere mögliche Partner werden Pilze der Gattungen Alternaria, Ceratorhiza, Chaetomium, Cylindrocarpon, Epicoccum, Epulorhiza, Moniliopsis, Phoma und Rhizoctonia genannt.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Seit dem 18. Jahrhundert wird der Gelbe Frauenschuh wegen seiner ungewöhnlichen Blütenform bewundert und in Waldgärten sowie naturnahen Anlagen als Zierpflanze auf gut durchlässigen, kalkhaltigen Böden im Schatten kultiviert.

Die Art erscheint auf Briefmarken zahlreicher Länder, darunter Österreich, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Ungarn, Italien, Norwegen, Russland, Schweden und das Vereinigte Königreich. Die norwegische Gemeinde Snåsa führt die Blüte in ihrem Wappen.

In der russischen Volksüberlieferung, etwa in Pavel Melnikows Werk „In den Wäldern“, trägt die Pflanze Namen wie „Adams Kopf“ oder „Kuckucksschuhe“; einer Wahrsagerin zufolge sollte sie gegen jede Krankheit helfen und böse Geister vertreiben – ein Glaube aus der traditionellen Kräutermedizin und Folklore, nicht durch heutiges Wissen belegt.

Schutz und Bedrohungen

Weltweit gilt der Gelbe Frauenschuh laut IUCN als nicht gefährdet (Least Concern). Dieser globale Status verschleiert jedoch deutliche regionale Unterschiede: In Polen und Österreich ist die Art verbreitet, in Griechenland dagegen bereits ausgestorben, und in Ländern wie dem Vereinigten Königreich und Dänemark ist sie selten geworden und steht unter strengem gesetzlichem Schutz.

Am eindrücklichsten zeigt sich der Rückgang in Großbritannien: Einst war die Art in den Kalkgebieten der Yorkshire Dales in Nordengland verbreitet, doch bis zum Ende des 20. Jahrhunderts schrumpfte der Bestand auf eine einzige bekannte Pflanze an einem geheim gehaltenen Standort. Als Hauptursachen gelten das Ausgraben durch Gärtner und Botaniker, der großflächige Verlust des Lebensraums durch Waldrodung in den Kalklandschaften sowie eine anschließende Schafbeweidung, die den letzten Rückgang vermutlich beschleunigte.

Seit 1975 ist die Art im Vereinigten Königreich durch den Conservation of Wild Creatures and Wild Plants Act gesetzlich geschützt. Ein Wiederansiedlungsprogramm führte bis 2003 zu mehreren hundert Pflanzen, und im Juni 2024 wurde erstmals seit 1930 wieder ein Exemplar entdeckt, das ohne menschliche Hilfe von selbst gekeimt war. In der Schweiz gelang mithilfe des niederländischen Züchters Anthura und der Schweizerischen Orchideen-Stiftung die Wiederansiedlung an mehreren Standorten: Aus Samen der Schweizer Population wurden rund 3.000 keimfähige Pflanzen gezogen, deren geheim gehaltene Standorte regelmäßig überwacht werden.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Wissenswertes

  1. Die Chromosomenzahl wird sowohl mit 2n=20 als auch mit 2n=22 angegeben.
  2. In der russischen Folklore trägt die Pflanze Namen wie „Adams Kopf“ oder „Kuckucksschuhe“.
  3. Der Gelbe Frauenschuh schmückt die Briefmarken zahlreicher Länder von Österreich bis Uganda.
  4. Die norwegische Gemeinde Snåsa führt die Blüte in ihrem Gemeindewappen.
  5. Im Juni 2024 wurde in Großbritannien erstmals seit 1930 wieder eine Pflanze gefunden, die ganz ohne menschliche Hilfe von selbst gekeimt war.

Ökologie

Wuchsform

  • Kraut

Fotos

17 Fotos
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Ein Gelber Frauenschuh mit leuchtend gelber, pantoffelförmiger Blütenlippe und rotbraun getönten, gedrehten Kelch- und Kronblättern zwischen breiten, ovalen, parallel geaderten BlätternFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaEncyclopedia of Life