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Gewöhnliche Seidenpflanze

Asclepias syriaca

Blühender Stängel der Gewöhnlichen Seidenpflanze mit rosafarbenen, kugelförmigen Blütendolden und breiten, gegenständigen BlätternFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
GraslandGestörter BodenKraut
Klassifikation
Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Gentianales
Familie
Apocynaceae
Gattung
Asclepias
Art
Asclepias syriaca

Die Gewöhnliche Seidenpflanze ist im englischen Sprachraum auch als common milkweed, butterfly flower, silkweed oder Virginia silkweed bekannt. Ursprünglich stammt sie aus dem südlichen Kanada und dem größten Teil der Vereinigten Staaten östlich der Rocky Mountains, mit Ausnahme der trockeneren Prärieregionen.

Als Vertreterin der Gattung Asclepias, den Seidenpflanzen, gehört sie zur Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae) innerhalb der Bedecktsamer. Sie besiedelt sowohl sandige als auch andere Bodentypen, sofern diese sonnig gelegen sind.

Was die Art besonders macht, zeigt sich vor allem in ihrer engen Verbindung zu zahlreichen Insekten - eine Rolle, die im Folgenden näher beleuchtet wird.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Gewöhnlichen Seidenpflanze ist der weiße Milchsaft, der aus jedem verletzten Pflanzenteil austritt - eine Eigenschaft, die der gesamten Gattung Asclepias ihren Namen gibt. Die Art wächst als klonaler, mehrjähriger Kraut aus kriechenden Wurzeln, sodass sich einzelne Triebe zu ganzen Beständen ausbreiten können.

Typischerweise erreicht die Pflanze eine Höhe von 0,91 bis 1,52 Metern, in Gräben oder Gärten kann sie bis zu 2,4 Meter hoch werden. Die einfachen Blätter stehen gegenständig, gelegentlich auch quirlig, sind breit eiförmig-lanzettlich und 3,8 bis 12,1 Zentimeter breit. Sie besitzen sehr kurze Blattstiele, samtige Blattunterseiten und rötliche Hauptadern; der Blattrand ist meist ganzrandig und leicht gewellt.

Die stark duftenden, nektarreichen Blüten variieren von weiß über rosa bis purpurfarben und stehen in dolentraubigen Blütenständen. Jede einzelne Blüte misst etwa einen Zentimeter im Durchmesser und trägt fünf hornartige Nebenkronen sowie fünf Pollinien. Die Samen tragen lange, weiße, seidige Haare und reifen in großen Balgfrüchten.

Da die Art in hohem Maße selbstinkompatibel ist, bleibt eine Selbstbestäubung selten; in drei untersuchten Beständen setzten fremdbestäubte Blüten im Schnitt nur bei rund 11 Prozent zu Früchten an.

Verbreitung und Lebensraum

Beobachtungsdaten aus dem GBIF-Netzwerk zeigen für die Gewöhnliche Seidenpflanze ein deutliches saisonales Muster: Die Zahl der gemeldeten Fundpunkte steigt von wenigen hundert im Winter auf über 40.000 im Juni und bleibt bis in den August mit rund 25.000 bis 37.000 Meldungen hoch, bevor sie im Herbst wieder stark zurückgeht.

Solche Meldezahlen spiegeln lediglich, wann die Pflanze auffällt und beobachtet wird, nicht ihre tatsächliche Häufigkeit oder ihr vollständiges Verbreitungsgebiet. Der beobachtete Höhepunkt im Früh- bis Hochsommer dürfte vor allem daher rühren, dass die Pflanze in dieser Zeit blüht und dadurch leicht erkennbar wird.

Karte der dokumentierten Nachweise von Asclepias syriaca
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
40.067
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Ökologie und Wechselbeziehungen

Für den Nordosten und Mittleren Westen der Vereinigten Staaten gehört die Gewöhnliche Seidenpflanze zu den wichtigsten Nahrungsquellen für die Raupen des Monarchfalters (Danaus plexippus) und ist eine von nur drei Seidenpflanzenarten, auf die sich die große Ostwanderung der Monarchfalter maßgeblich stützt. Analysen anhand von Cardenolid-Fingerprints ergaben, dass 85 bis 92 Prozent der in Mexiko überwinternden Monarchfalter als Raupen von dieser Art gefressen hatten. Insgesamt nutzen mehr als 450 Insektenarten die Pflanze als Nahrungsquelle, darunter Fliegen, Käfer, Ameisen, Bienen, Wespen und Schmetterlinge.

Zu den Blütenbesuchern zählen die eingeführte Honigbiene (Apis mellifera) und einheimische Hummeln (Bombus spp.). Obwohl Honigbienen im mittelatlantischen Raum der USA als besonders wirksame Bestäuberinnen gelten, besuchen sie häufiger Blüten derselben Pflanze - was angesichts der ausgeprägten Selbstinkompatibilität der Art wenig zur Befruchtung beiträgt. Hummeln, die eher unverwandte Pflanzen anfliegen, erweisen sich deshalb als die eigentlich wichtigeren Bestäuber. Weitere charakteristische Pflanzenbewohner sind der Rote Seidenpflanzenkäfer (Tetraopes tetraophthalmus), die Raupe des Seidenpflanzen-Bärenspinners (Euchaetes egle), die Große und Kleine Seidenpflanzenwanze (Oncopeltus fasciatus und Lygaeus kalmii) sowie die eingeschleppte Oleanderblattlaus (Aphis nerii); zudem sind rund zwei Dutzend Krankheitserreger der Art bekannt, darunter die durch ein zellwandloses Bakterium verursachte Seidenpflanzen-Gelbsucht.

Der großflächige Einsatz herbizidresistenter Nutzpflanzen wie Mais und Soja hat Wildkräuter und damit auch Seidenpflanzen in weiten Teilen der USA drastisch zurückgedrängt; die Geschäftsführerin der National Wildlife Federation nannte 2018 den Rückgang der Seidenpflanzen als einen Grund dafür, dass die Monarchfalter-Population innerhalb von 20 Jahren um 90 Prozent eingebrochen war. Gleichzeitig hat menschliche Besiedlung und Rodung die Art in manchen Regionen begünstigt und ihre Verbreitung sogar ausgeweitet. Inzwischen ist die Gewöhnliche Seidenpflanze in mindestens 23 Ländern außerhalb ihrer ursprünglichen Heimat eingebürgert, unter anderem in weiten Teilen Europas; seit 2017 gilt sie in der Europäischen Union als invasive gebietsfremde Art, deren Einfuhr und Handel verboten sind.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Der Gattungsname Asclepias erinnert an Asklepios, den griechischen Gott der Heilkunst. Diese Verbindung spiegelt eine lange Tradition medizinischer Anwendung mehrerer Seidenpflanzenarten wider: Die Gewöhnliche Seidenpflanze wurde überliefert zur Entfernung von Warzen und bei Lungenerkrankungen eingesetzt, während die verwandte Asclepias tuberosa als sogenannte Pleurisy Root bei Rippenfellentzündungen Verwendung fand.

Junge Triebe, junge Blätter, Blütenknospen und unreife Früchte gelten laut überliefertem Wissen als roh essbar. Ältere, hochgewachsene Pflanzenteile enthalten im Milchsaft dagegen große Mengen herzwirksamer Glykoside (Cardenolide) und sind für Menschen und größere Tiere giftig. Der Autor Euell Gibbons beschrieb die Pflanze 1962 als bitter und giftig und empfahl ein mehrfaches Abkochen der jungen Triebe - vermutlich verwechselte er sie jedoch mit dem ähnlich aussehenden, tatsächlich giftigen Hanf-Hundswürger (Apocynum cannabinum). Manche heutigen Wildpflanzensammler halten die Warnung vor Bitterkeit und Giftigkeit deshalb für einen Irrtum, da die Pflanze roh geschmacksneutral sei.

Wirtschaftlich wurde die Art als mögliche Kautschukquelle aus ihrem Milchsaft und als Faserpflanze untersucht: Sowohl die Bastfaser aus der inneren Rinde als auch die seidig glänzende Samenwolle wurden historisch von indigenen Völkern Nordamerikas zu Schnüren und Textilien verarbeitet. Landwirtschaftliche Studien der USA aus den 1890er- und 1940er-Jahren bescheinigten der Bastfaser ein höheres kommerzielles Potenzial als jeder anderen einheimischen Bastfaserpflanze, mit Erträgen wie Hanf und einer Qualität wie Flachs; die Samenwolle diente zudem als Füllmaterial für Winterjacken und als traditioneller Untergrund zum Aufspannen von Schmetterlingen und anderen Insekten. Wegen ihrer Bedeutung für Monarchfalter wird die Pflanze heute gezielt in Schmetterlingsgärten und sogenannten Monarch-Waystations angepflanzt.

Wissenswertes

  1. Asklepios, der Namensgeber der Gattung Asclepias, hatte in der griechischen Mythologie mehrere Töchter, die einzelne Aspekte der Heilkunst verkörperten - darunter Hygieia (Gesundheit), Iaso, Aceso, Aglaia/Aegle und Panacea, die „Allheilende“.
  2. In den antiken griechischen und später römischen Heilstätten, den Asklepieia, hielt man harmlose Äskulapnattern, die als heilige Tiere des Gottes galten.
  3. Die Heilung in diesen Tempelanlagen lag in den Händen der Asklepiaden, einer Priesterschaft, die ihr Wissen erblich weitergab.

Ökologie

Lebensraum

  • Grasland
  • Gestörter Boden

Wuchsform

  • Kraut

Fotos

15 Fotos
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Blühender Stängel der Gewöhnlichen Seidenpflanze mit rosafarbenen, kugelförmigen Blütendolden und breiten, gegenständigen BlätternFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipedia