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Hornisse

Vespa crabro

Die Europäische Hornisse, Vespa crabro, ist die größte staatenbildende Wespe Europas. In Nordamerika ist sie die einzige echte Hornisse. Dorthin wurde sie ab 1840 aus Europa eingeschleppt und lebt heute dort fest etabliert.

Als Hautflügler gehört sie zu den Faltenwespen und bildet Staaten mit Arbeiterinnen, Königinnen und Männchen. Die Art ist vor allem in Europa und Asien heimisch, wo sie in Wäldern und an Siedlungsrändern vorkommt. Ihre Nester bauen die Tiere aus Pflanzenfasern, die sie mit Speichel verkleben.

Besonders lohnend ist die Art wegen ihrer Staatsorganisation. Bei ihr unterdrücken die Arbeiterinnen die Fortpflanzung anderer Tiere, anstatt dies über Pheromone der Königin zu steuern, wie man früher annahm.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist der braun-gelb gestreifte Hinterleib, der am Ansatz gestielt wirkt. Die Flügel sind rötlich-orange, die Augen sind tief eingebuchtet und haben die Form eines „C“. Am Brustabschnitt und am Hinterleib trägt die Hornisse Haare, sie ist aber weniger behaart als die meisten Bienen.

Die Arbeiterinnen erreichen im Durchschnitt etwa 25 mm Körperlänge. Königinnen werden bis zu 35 mm lang. Die Körpermasse liegt typischerweise bei etwa 478 mg. Weibchen sind im Schnitt größer und schwerer als Männchen.

Die Geschlechter lassen sich auch am Körperbau unterscheiden. Männchen haben sieben Hinterleibssegmente, Weibchen sechs. Die Fühler der Männchen sind etwas länger und bestehen aus 13 Gliedern, bei den Weibchen sind es zwölf. Nur Weibchen besitzen einen Stachel, der aus einem umgebauten Legeapparat hervorgegangen ist. Männchen können nicht stechen.

Gegenüber gewöhnlichen Wespen wie der Gemeinen Wespe ist die Hornisse deutlich größer. Die asiatische Riesenhornisse ist allerdings noch größer.

Verbreitung und Lebensraum

Die Europäische Hornisse stammt aus Eurasien. Ihre ursprünglichen Nester reichten von Japan bis zum Vereinigten Königreich. In Nordamerika wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts eingeführt und hat sich dort inzwischen fest etabliert.

Im Jahr 2010 wurden Tiere bis nach Guatemala im Süden gefunden. Die wenigen Nester dort gelten als junge, versehentliche Einschleppungen.

Die Hornisse nistet in hohlen Bäumen, in Mauerhohlräumen und in Schornsteinen. Sie bevorzugt waldreiche Gebiete, in denen geeignete Nisthöhlen vorhanden sind.

Die Vorkommensbeobachtungen zeigen einen deutlichen Schwerpunkt im Spätsommer, besonders im August und September. Das spiegelt aber vor allem die Aktivität der Tiere wider und sagt nichts über die Häufigkeit der Art aus.

Karte der dokumentierten Nachweise von Vespa crabro
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
71.332
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Hornissen leben in Staaten, deren Mitglieder sich durch Pheromone und Verhaltensweisen verständigen. Kommt es zu einer Gefahr, führen die Tiere außerhalb des Nests einen typischen Alarmtanz auf. Dabei summen sie laut, schießen ins Nest hinein und wieder heraus und greifen den Auslöser an oder nähern sich ihm.

Auslöser dieses Verhaltens ist das Pheromon 2-Methyl-3-buten-2-ol, das in inneren Giftblasen gespeichert und abgegeben wird. Andere Pentenole und Pentanole, die in denselben Blasen enthalten sind, lösen dagegen kein Alarmverhalten aus.

Auf Nahrungssuche wechseln Hornissen im Herbst häufig ihre Strategie. Dann sammeln sie stärker Aas und andere Nahrungsreste, statt nur Beute zu jagen.

Bestand und ökologische Rolle

Hornissen erbeuten zahlreiche Insektenarten, mit denen sie ihre Larven füttern. Viele dieser Insekten gelten als Gartenschädlinge. Auch Westliche Honigbienen stehen auf ihrem Speiseplan, doch gesunde Bienenvölker gefährden die Hornissen in der Regel nicht.

Hornissen können anderen Räubern Beute abnehmen. Beobachtet wurde, wie eine Hornisse in das Netz einer Gelben Gartenkreuzspinne (Argiope aurantia) flog, eine eingesponnene Beute herausschnitt und wegtrug. Die Spinne griff nicht ein. Diese Form des Beuteraubs, bei dem Hornissen anderen Räubern die Beute abnehmen, ist eine Form der Kleptoparasitie.

Auch Nester der Gattung Polistes werden von Hornissen angegriffen.

Schutz und Bedrohungen

Die Europäische Hornisse wird aus Angst vor ihr oft getötet, ihre Nester werden entfernt. Dadurch ist der Bestand vielerorts zurückgegangen. Lokal gilt die Art als gefährdet oder sogar stark bedroht.

In einigen Ländern genießt die Hornisse gesetzlichen Schutz. In Deutschland ist es seit dem 1. Januar 1987 verboten, eine Hornisse zu töten oder ein Nest zu zerstören. Der Verstoß kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 € geahndet werden.

Die höchste bekannte Strafe für das Töten von Wespen in Deutschland lag bei 45 €. Bußgelder werden nach Expertenangaben nur selten verhängt.

Kulturelle Bedeutung

Das Motiv der Hornisse knüpft an Gungnir an, den Speer Odins aus der nordischen Mythologie, der stets sein Ziel trifft. Der Name einer Waffe in einem Videospiel nimmt darauf Bezug.

Imkerinnen und Imker halten in Europa bisweilen Hornissen und ihre Nester in speziellen Kästen an Bäumen. Sie nehmen dafür in Kauf, dass die Tiere gelegentlich eine Biene erbeuten, weil die Hornissen Wachsmotten fernhalten. Hornissen können zudem Zweige ringeln, sodass einzelne Äste absterben.

Die meisten Stiche der Hornisse brauchen keine ärztliche Behandlung. In seltenen Fällen können sie ernst verlaufen. Ein dokumentierter Fall mit Kribbeln an der Einstichstelle, Kopfschmerzen und Atemnot zeigte einen schnellen, unregelmäßigen Herzschlag und eine Blutdruckmessung von 111/63, später bestätigt durch ein EKG als Vorhofflimmern.

Wissenswertes

  1. Das Nestpapier besteht zu 77 Prozent aus Speichel und zu 23 Prozent aus Fasern, was die Nester trocken hält.
  2. Die Zellen der Papierwaben sind etwa 8 bis 9 mm lang und 4 bis 5 mm breit.
  3. Die Hornisse nutzt den umgebenden Boden als Rohstoff, denn Mineralien wie Titan, Eisen und Zirkonium finden sich in den Nestwänden.
  4. Trockenes Nestmaterial wiegt im Schnitt etwa 81 g.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Harrison Cole via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Keith Williams via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Mattis via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Tilgate Zoo via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Hannes Oberreiter via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Maria Aghazarian via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by нина рафаиловна via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Stephan Mende via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Räuber
  • Sozial
  • Aasfresser

Ernährung

  • Insektenfresser

Klassifikation

Stamm
Arthropoda
Klasse
Insecta
Ordnung
Hymenoptera
Familie
Vespidae
Gattung
Vespa
Art
Vespa crabro

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits