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Karpfen

Cyprinus carpio

Nicht gefährdet

Der Karpfen ist einer der bekanntesten Süßwasserfische der Erde. Er lebt in eutrophen Gewässern, also nährstoffreichen Seen und großen Flüssen in Europa und Asien. Dort kommt er in weiten Teilen seines natürlichen Lebensraums vor.

Die IUCN stuft die Art global als Least Concern ein, also als nicht gefährdet. Gleichzeitig hat der Mensch den Karpfen auf fast allen Kontinenten ausgesetzt. Dort verändert er Gewässer teilweise tiefgreifend.

Wer sich mit dem Karpfen beschäftigt, sieht ein Tier, das als Nutzfisch, Zierfisch und Plage gleichermaßen gilt. Gerade diese Spannung macht ihn lesenswert.

Identifikation und Erscheinungsbild

Der Karpfen ist an seinem gedrungenen, seitlich leicht abgeflachten Körper und den großen Schuppen gut zu erkennen. Er hat einen langen Rückenflossenansatz und vier Barteln am Maul, die ihn von vielen anderen Karpfenfischen unterscheiden. Wildformen sind meist oliv bis bronzefarben.

Ausgewachsene Tiere können ein Gewicht von erreichen. Das Höchstalter der Art liegt bei , wobei dies die längste bekannte Lebensdauer ist und nicht das typische Alter.

Die Körperform ist an das Leben am Gewässergrund angepasst. Das Maul ist vorstülpbar, damit der Fisch Nahrung aus dem Schlamm saugen kann.

Verbreitung und Lebensraum

Der Karpfen besiedelt große und kleine, natürliche und künstliche Gewässer. Dazu gehören Stauseen, Teiche und langsam oder schneller fließende Bäche. Er bevorzugt große, langsam fließende oder stehende Gewässer mit weichem, pflanzenreichem Schlamm.

Die Art lebt in gemäßigten Klimazonen in Süßwasser oder leicht brackigem Wasser. Der pH-Wert liegt zwischen 6,5 und 9,0, der Salzgehalt bei bis zu 0,5 Prozent. Die Wassertemperatur reicht von 3 bis 35 °C, ideal sind 23 bis 30 °C. Das Laichen beginnt bei 17 bis 18 °C. Der Karpfen übersteht den Winter auch in einem zugefrorenen Teich, solange unter dem Eis noch offenes Wasser bleibt.

Der Karpfen wurde in etwa 59 Länder und die meisten Kontinente eingeführt. In Australien kam er vor über 150 Jahren, wurde aber erst in den 1960er-Jahren nach dem Entkommen des Stamms „Boolarra“ zum Problem. Seitdem hat er sich in allen australischen Bundesstaaten und Territorien außer dem Northern Territory etabliert.

Forscher zeigten 2020, dass ein kleiner Anteil der befruchteten Karpfeneier von Wasservögeln gefressen wird, den Verdauungstrakt übersteht und nach dem Ausscheiden schlüpft. Dies könnte eine bislang kaum beachtete Ausbreitungsweg für invasive Karpfenfische sein.

In Beobachtungen zeigt sich eine deutliche Saisonalität. Die meisten Nachweise fallen auf die Monate Mai bis August, mit einem Höhepunkt im Juni.

Karte der dokumentierten Nachweise von Cyprinus carpio
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
33.752
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Karpfen leben meist in kleinen Schwärmen, die oft aus fünf oder mehr Tieren bestehen. Größere Exemplare führen dagegen häufig ein Einzelleben. Die Art ist damit sozial, aber nicht zwingend auf Gruppen angewiesen.

Der Fisch hält sich vor allem am Gewässergrund auf. Dort sucht er in den Sedimenten nach Nahrung und wirbelt dabei den Schlamm auf. Diese Lebensweise prägt auch die Umgebung, in der er lebt.

Karpfen sind sehr widerstandsfähig gegenüber schlechter Wasserqualität. Bei niedrigem Sauerstoffgehalt schnappen sie an der Wasseroberfläche nach Luft. Dadurch überleben sie in Gewässern, in denen viele andere Fische ersticken würden.

Im Winter bleiben Karpfen in tieferen Bereichen aktiv, solange die Gewässer nicht vollständig durchfrieren.

Kommunikation

Karpfen nehmen ihre Umwelt vor allem über Tastsinn und Chemorezeption wahr. Über den Tastsinn erkennen sie Gegenstände und Bodenbeschaffenheit, während chemische Reize Nahrung und Artgenossen anzeigen. Visuelle oder akustische Signale spielen eine untergeordnete Rolle.

Die chemische Wahrnehmung hilft dem Karpfen, Nahrung in trübem Wasser zu finden. Gerade am schlammigen Gewässergrund ist dieser Sinn wichtig.

Ernährung und Nahrung

Der Karpfen ist ein wählerischer Bodenbewohner, der sich vor allem von Wirbellosen aus dem Sediment ernährt. Er gehört zu den Allesfressern, bei denen tierische und pflanzliche Nahrung gleichermaßen eine Rolle spielt. Die Tiere nehmen Schlamm ins Maul, stoßen ihn wieder aus und behalten nur die passenden Bissen.

Junge Karpfen fressen zuerst Zooplankton, vor allem Rädertierchen, Ruderfußkrebse und Algen. Später kommen Zuckmückenlarven, Köcherfliegenlarven, Weichtiere und Krebstiere hinzu. Erwachsene Tiere fressen zusätzlich Insekten, Ringelwürmer, Fischeier und Pflanzenteile wie Knollen und Samen.

In flachen Gewässern sind die Fraßspuren des Karpfens gut sichtbar. Sie zeigen sich als Vertiefungen im Sediment, die sogenannten Fraßgalerien.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Karpfen sind eierlegende Fische. Die Männchen befruchten die Eier außen, nachdem die Weibchen sie abgegeben haben. Die Laichzeit liegt im Frühjahr und Frühsommer, in tropischen Gebieten kann das ganze Jahr über gelaicht werden.

Zum Laichen sammeln sich die Tiere in flachen Uferzonen mit dichtem Pflanzenbewuchs. Das Weibchen verteilt die Eier aktiv über die Wasserpflanzen, an denen sie haften bleiben. Ein durchschnittliches Weibchen von etwa 45 cm kann 300.000 Eier produzieren, in manchen Schätzungen bis zu einer Million in einer Laichsaison. Ein Weibchen kann im Frühjahr auch mehrmals laichen, wenn die Wassertemperatur und der Regen steigen.

Die Entwicklung der Eier hängt von der Wassertemperatur ab. Bei 25 bis 32 °C schlüpfen die Larven nach etwa drei Tagen. Die Larven sind 5 bis 5,5 mm lang. Sobald der Dottersack nach etwa 8 mm verschwunden ist, beginnen sie aktiv zu fressen.

Männchen werden im Alter von 3 bis 5 Jahren geschlechtsreif, Weibchen mit 4 bis 5 Jahren. Die Eltern kümmern sich nicht um die Brut.

Bestand und ökologische Rolle

Der Karpfen ist durch seine Ernährungsweise ein wichtiger Akteur in seinem Lebensraum. Beim Wühlen im Bodengrund reißt er Wasserpflanzen aus und frisst Knollen und junge Triebe. Dadurch nimmt die Menge an Unterwasserpflanzen deutlich ab.

Die Bodenaufwirbelung erhöht die Trübung des Wassers und schränkt das Sonnenlicht für Pflanzen ein. Gleichzeitig gibt der Karpfen Nährstoffe aus dem Sediment über seine Ausscheidungen ins Wasser ab. Dadurch fördert er das Algenwachstum und verschlechtert die Wasserqualität. Er wird deshalb in vielen Gebieten als Plage betrachtet.

Domestizierung und Geschichte mit dem Menschen

Der Karpfen ist in weiten Teilen der Welt ein bedeutender Speisefisch. Ausnahmen sind Australien und Nordamerika, wo er als wenig schmackhaft gilt. Die weltweiten Fangmengen übersteigen jährlich 200.000 Tonnen.

Die farbenprächtigen Varianten, die Koi, werden in Gefangenschaft gezüchtet. Sie werden als Zierfische für Gartenteiche verkauft. Dieser Handel gehört zu den positiven Einflüssen der Art auf den Menschen.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN stuft den Karpfen global als Least Concern ein, also als nicht gefährdet. Er ist in weiten Teilen der Welt verbreitet. Der Schutzstatus in den USA und in Michigan ist ebenfalls unbedenklich, und die Art unterliegt keinem Artenschutzabkommen.

Die größte Bedrohung für andere Arten geht von der Ausbreitung des Karpfens aus. In Australien vernichtet er Unterwasserpflanzen und gefährdet damit Lebensräume und Fischbestände. Auch Wasservögel wie die Kanvasrücken leiden unter den Veränderungen.

Zur Eindämmung wurden verschiedene Maßnahmen diskutiert. Ein Vorschlag sieht vor, den Karpfen mit dem Koi-Herpesvirus zu bekämpfen, dessen Sterblichkeit hoch ist. Die Sicherheit für andere Arten und die Wirksamkeit dieses Ansatzes sind jedoch umstritten. Die CSIRO hat zudem untersucht, ob genetisch veränderte Karpfen nur männliche Nachkommen hervorbringen könnten.

Im Utahsee soll die Population um 75 Prozent verringert werden, indem Millionen Fische mit Netzen gefangen und verwertet werden.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Die Koi, eine auffällig gefärbte Zuchtform des Karpfens, sind in Ostasien seit über zweitausend Jahren eng mit der Kultur verbunden. Sie gelten als Symbol für Schönheit und Beständigkeit. Die Farbenvielfalt der Koi wird in Kunst und Literatur Ostasiens aufgegriffen.

Die Mythologie und Geschichte des Karpfens in Ostasien sind Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Dabei werden kulturelle und biologische Aspekte der Färbung untersucht.

Wissenswertes

Der Karpfen hat der Familie der Karpfenfische, den Cyprinidae, ihren Namen gegeben.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Emily Nyenyedzi Davies via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Peter Crowcroft via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Codrin Bucur via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Carson Dudley via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Juan Rodríguez via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Iván Cumpián via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Xthnob via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by evgeniq_benihanov via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Evan via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Eddie via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Cricket Raspet via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Grabend
  • Einzelgänger
  • Aquatisch
  • Sozial

Ernährung

  • Allesfresser

Klassifikation

Stamm
Chordata
Ordnung
Cypriniformes
Familie
Cyprinidae
Gattung
Cyprinus
Art
Cyprinus carpio

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  6. AnAge Longevity