In der Mythologie der Māori gilt der Neuseelandfächerschwanz als Botschafter, der den Tod in die Welt brachte – eine Rolle, die ihm wegen seines auffälligen, nervösen Verhaltens zugeschrieben wurde.
Der Rhipidura fuliginosa ist ein kleiner, insektenfressender Singvogel aus der Familie der Rhipiduridae und die einzige Fächerschwanzart in Neuseeland. Er kommt in vier Unterarten vor: R. f. fuliginosa auf der Südinsel, R. f. placabilis auf der Nordinsel, R. f. penita auf den Chatham-Inseln sowie die bereits ausgestorbene R. f. cervina, die einst auf Lord Howe Island lebte. Nach Einschätzung der IUCN gilt die Art als nicht gefährdet.
Bekannt ist der Vogel unter seinen Māori-Namen pīwakawaka, tīwakawaka oder piwaiwaka, auf den Chatham-Inseln auch als tchitake. Seine Verwandtschaft zum australischen Graufächerschwanz wird diskutiert, da deutliche Unterschiede im Ruf heute meist für eine eigenständige Art sprechen.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal ist der fächerförmig gespreizte Schwanz, der etwa die Hälfte der Gesamtlänge von 16 Zentimetern ausmacht und bei dem die äußeren Federn hell, die mittleren dunkel gefärbt sind. Mit einem Gewicht von nur etwa 7,5 Gramm ist die Art sehr leicht.
Die Oberseite ist mittel- bis dunkelgrau oder graubraun, die Unterseite gelblich bis orange gefärbt. Eine dunkle Querbinde verläuft über die Brust unterhalb der weißen Kehle, über dem Auge sitzen weiße Markierungen. Je nach Unterart sind die äußeren Schwanzfedern weiß gerändert oder vollständig weiß.
Eine seltene dunkle Morphe, bekannt als „schwarzer Fächerschwanz“, kommt bei etwa 4 % der Vögel auf der Südinsel und bei weniger als 1 % auf der Nordinsel vor; auf den Chatham-Inseln fehlt sie völlig. Diese dunkle Form zeigt keine weißen Flächen außer einem weißen Fleck hinter dem Auge. Jungvögel ähneln den Altvögeln, wirken aber brauner mit undeutlicheren Körperzeichnungen.
Im Jahr 2017 wurde in Northland ein vollständig weißer Fächerschwanz fotografiert, der nach Expertenmeinung nicht albinotisch, sondern leuzistisch ist.
Verbreitung und Lebensraum
Der Neuseelandfächerschwanz besiedelt ein Verbreitungsgebiet von rund 267.000 Quadratkilometern und ist in Neuseeland weit verbreitet. Er bevorzugt halboffene Lebensräume und ist vor allem in Wäldern anzutreffen.
Als Standvogel unternimmt die Art keine größeren Wanderungen, sondern bleibt das ganze Jahr über in ihrem Gebiet. Die monatlichen Beobachtungszahlen schwanken über das Jahr nur leicht, mit etwas höheren Werten im April und in den späteren Monaten, was eine ganzjährige Präsenz nahelegt, ohne dass sich daraus Rückschlüsse auf die tatsächliche Bestandsgröße ziehen lassen.

Verhalten und Lebensweise
Kaum ein anderer Vogel wirkt so ständig in Bewegung: Der Neuseelandfächerschwanz hüpft tagsüber unablässig von Ast zu Ast, gelegentlich auch am Boden, immer auf der Suche nach fliegenden Insekten. Dieses rastlose Verhalten hat sogar dazu geführt, dass besonders zappelige Menschen scherzhaft mit dem „Schwanz eines Fächerschwanzes“ verglichen werden.
Die Vögel sind wenig scheu und nähern sich Menschen oft bis auf wenige Meter, besonders in Wäldern und Vorstadtgärten. Dabei nutzen sie aus, dass menschliche Aktivitäten wie Gehen oder Graben Insekten aufschrecken, die sie dann im Flug erbeuten.
Bei kalten Temperaturen rücken die Vögel in Gruppen eng zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Ihr Ruf ist ein metallisch klingendes „cheek“, das entweder einzeln oder, häufiger, als rasches Schnattern wiederholt wird.
Nestbau und Brut
Die Brutzeit variiert je nach Region: Auf der Nordinsel brüten die Vögel von August bis März, auf der Südinsel von September bis Januar und auf den Chatham-Inseln von Oktober bis Januar. In der Regel werden zwei oder mehr Bruten pro Saison aufgezogen.
Beide Partner bauen gemeinsam ein kompaktes, becherförmiges Nest, meist in Astgabeln von Bäumen, aus Moos, Rinde und Fasern, oft mit Spinnenweben verfestigt. Das Gelege besteht üblicherweise aus drei bis vier cremefarbenen, grau-braun gefleckten Eiern. Die Brutzeit dauert etwa zwei Wochen, wobei sich beide Elternteile das Brüten und Füttern teilen.
Oft beginnt der Nestbau für die zweite Brut schon, während die Jungen der ersten Brut noch gefüttert werden. Junge Männchen können bereits zwei Monate nach dem Ausfliegen mit eigenem Brüten beginnen. Die Nester werden gelegentlich von den beiden in Neuseeland vorkommenden Kuckucksarten parasitiert.
Bei einer Untersuchung von 81 überwachten Nestversuchen im städtischen Wellington führten etwa 45 % erfolgreich zu flüggen Jungvögeln; jedes vierte Nest wurde aufgegeben oder verlassen, und etwas mehr als jedes vierte fiel einem Prädator zum Opfer. Nester auf dünnen Zweigen entgingen der Prädation durch Schiffsratten eher als solche auf dicken Zweigen.
Kulturelle Bedeutung
In der Mythologie der Māori gilt der pīwakawaka als Bote, der Nachrichten über den Tod von den Göttern zu den Menschen bringt. Der Legende nach versuchte der Halbgott Māui, durch den Leib der Todesgöttin Hine-nui-te-pō zu kriechen, um Unsterblichkeit zu erlangen; eine Gruppe von Fächerschwänzen, die ihn dabei belachte, weckte die schlafende Göttin, die Māui daraufhin tötete.
In der Māori-Kultur symbolisiert der pīwakawaka wegen seiner wendigen Bewegungen im Wald Anpassungsfähigkeit, Energie und Beharrlichkeit. Der Vogel taucht auch in Sprichwörtern (whakataukī) auf, etwa „Me ko Piwaiwaka koe!“, das verwendet wird, um jemanden zurechtzuweisen, der Geheimnisse ausplaudert – ein Bezug auf die mythologische Rolle des Vogels als indiskreter Beobachter.
Tiwakawaka ist außerdem der Name eines der ersten Māori-Siedler, die nach Neuseeland kamen.
Wissenswertes
- Der Legende der Māori zufolge wurde der pīwakawaka von Māui gequetscht, weil er sich weigerte, das Versteck seiner Vorfahrin Mahuika, der Feuergöttin, zu verraten – daraus sollen seine hervorstehenden Augen und sein unruhiger Flug stammen.
- Der Name Tiwakawaka wurde auch einem der ersten Māori-Siedler in Neuseeland gegeben.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Passeriformes
- Familie
- Rhipiduridae
- Gattung
- Rhipidura
- Art
- Rhipidura fuliginosa
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- AVONET Bird mass, habitat, migration, diet and range size
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- Wardeh et al. 2015 (EID2)



