Männliche Ohrenlerchen tragen im Sommer auffällige schwarze Federbüschel am Kopf, die wie kleine Hörner aussehen – ein Merkmal, dem die Art ihren englischen Namen "horned lark" verdankt. In Europa dagegen heißt sie "shore lark", weil sie dort im Winter oft an Küstenstreifen zu beobachten ist.
Die Ohrenlerche gehört zur Familie der Lerchen (Alaudidae) und besiedelt offene Landschaften auf der gesamten Nordhalbkugel, von der Arktis bis in die Berge Südosteuropas. Die Art gilt nach der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet. Bemerkenswert ist ihr riesiges Verbreitungsgebiet von rund sowie ihr eindrucksvoller Singflug, mit dem die Männchen ihr Revier markieren.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal der Ohrenlerche ist ihre schwarz-gelbe Gesichtszeichnung, die sie von den meisten anderen Lerchenarten deutlich unterscheidet. Der Körper ist oberseits braun-grau, die Unterseite hell gefärbt. Bis auf die mittleren Federn ist der Schwanz überwiegend schwarz, was besonders im Flug im Kontrast zum helleren Körper auffällt.
Mit einer Länge von 16 bis 20 Zentimetern, einem Gewicht von etwa (28 bis 48 Gramm) und einer Flügelspannweite von 30 bis 34 Zentimetern ist sie ein kleiner, bodenbewohnender Singvogel. Im Sommer entwickeln die Männchen schwarze "Hörnchen" aus Federn am Kopf, die der Art ihren Namen geben.
In Nordamerika gibt es zahlreiche Unterarten, die sich vor allem durch die Gesichtszeichnung und die Rückenfärbung der Männchen im Sommerkleid unterscheiden. Die südeuropäische Gebirgsunterart E. a. penicillata ist oberseits grauer gefärbt, und das sonst gelbe Gesichtsmuster erscheint bei ihr weiß.
Der Gesang ist hochfrequent, zirpend bis klingelnd und eher leise – ein Merkmal, das beim Erkennen hilft, auch wenn der Vogel selbst am Boden schwer zu entdecken ist.
Verbreitung und Lebensraum
Die Ohrenlerche besiedelt eines der größten Verbreitungsgebiete aller Lerchenarten, das sich über rund erstreckt. Sie brütet von der Arktis Nordamerikas südwärts bis zum Isthmus von Tehuantepec, im nördlichen Europa und Asien sowie in den Gebirgen Südosteuropas. Eine isolierte Population lebt zudem auf einem Hochplateau in Kolumbien.
Bevorzugter Lebensraum sind weite, offene Flächen ohne größere Hindernisse wie Bäume – etwa Äcker, Prärien, trockene Tundra und Grasland. In Nordamerika, wo keine anderen Lerchenarten konkurrieren, besiedelt sie zusätzlich Ackerland, Wüsten, Golfplätze und sogar Flughäfen. In Eurasien brütet sie oberhalb der Baumgrenze in Gebirgen und im hohen Norden.
Südliche Populationen sind meist standorttreu, nördliche dagegen ziehen im Winter weiter nach Süden. In weiten Teilen Europas erscheint die Art dann vor allem an Wattflächen und Küstenstreifen, was ihr dort den Namen "shore lark" eingebracht hat; im Vereinigten Königreich ist sie als Wintergast an den Küsten und im östlichen England zu beobachten.

Verhalten und Lebensweise
Die Ohrenlerche lebt teils gesellig in Trupps, teils einzelgängerisch – Schwarmverhalten tritt vor allem bei Populationen auf, die in Küstennähe überwintern. Die meisten Bestände sind Zugvögel und fliegen für einige Wintermonate nach Süden, manche Populationen bleiben jedoch ganzjährig an ihrem Standort.
Besonders auffällig ist der "Singflug" der Männchen, mit dem sie Weibchen anlocken und ihr Revier verteidigen: Der Vogel steigt rasch bis zu mehreren hundert Fuß Höhe auf, kreist dabei singend und stürzt sich anschließend mit angelegten Flügeln im Sturzflug zu Boden, bevor er kurz vor der Landung die Flügel öffnet und sanft aufsetzt.
Bei der Nahrungssuche am Boden hüpft die Ohrenlerche nicht, sondern geht oder läuft. Außerhalb der Brutzeit sucht sie meist gemeinsam mit anderen Artgenossen nach Futter, während der Brutzeit verteidigen die Männchen ihr Revier aktiv gegenüber anderen Männchen.
Kommunikation
Der Gesang der Ohrenlerche ist unregelmäßig und hochfrequent, mit einem klingelnden, raschen Triller, der wie "tsip, tsip, tsee, didididi" klingt. Er wird sowohl am Boden als auch im Flug in allen Höhen vorgetragen, besonders eindrucksvoll während des Singflugs der Männchen.
Der Gesang dient mehreren Zwecken zugleich: der Revierverteidigung, der Anlockung von Weibchen und der allgemeinen Verständigung innerhalb des Schwarms. Neben akustischen Signalen spielen auch visuelle, taktile und chemische Reize eine Rolle in der Wahrnehmung der Art.
Aufnahmen
flight call · France · Sonothèque ADVL · Public domain
Ernährung und Nahrung
Die Ohrenlerche ist Allesfresserin und sucht ihre Nahrung am Boden gehend, nicht im Flug. Außerhalb der Brutzeit durchstreift sie das offene Gelände meist gemeinsam mit anderen Artgenossen aus ihrem Schwarm.
Zu ihrer tierischen Nahrung zählen Insekten und andere Gliederfüßer wie Spinnen, Ameisen, Heuschrecken und Wespen sowie Schnecken. Pflanzlich ernährt sie sich von Früchten, Beeren und Samen verschiedener Pflanzen, darunter Buchweiz und Wasserpfeffer.
Diese Mischung aus tierischer und pflanzlicher Kost erlaubt es der Art, in sehr unterschiedlichen offenen Lebensräumen zu bestehen, von landwirtschaftlichen Flächen bis zu kargem Tundraboden.
Nestbau und Brut
Zur Balz führt das Männchen einen auffälligen Singflug vor: Es steigt rasch auf, kreist mehrere Minuten singend in der Luft und stürzt sich anschließend mit geschlossenen Flügeln im Sturzflug herab, bevor es kurz vor dem Boden die Flügel öffnet und sanft landet. Die Ohrenlerche lebt in monogamen Paarbindungen.
Die Brut beginnt oft schon sehr früh im Frühjahr, die meisten Vögel starten jedoch im Juni. Das Weibchen wählt den Neststandort allein aus und verbringt zwei bis vier Tage mit dessen Vorbereitung. Das Nest beginnt als flache Mulde im Boden, die das Weibchen mit trockenem Gras, Pflanzendaunen und Halmen auspolstert; häufig liegt es in der Nähe von Steinen oder unter kleinen Pflanzen in offenem, sandigem Gelände. Auffällig ist eine Reihe kleiner Kieselsteine, die wie eine Türschwelle an einer Seite des Nests angeordnet werden.
Das Weibchen legt drei bis vier glänzende Eier, die von grau bis grünlich-weiß mit hellbraunen Flecken gefärbt sind. Die Bebrütung dauert zehn bis vierzehn Tage, die Jungen verlassen das Nest bereits neun bis zwölf Tage nach dem Schlupf, noch bevor sie flugfähig sind. Beide Elternteile füttern und verteidigen die Küken, und auch nach dem Ausfliegen werden die Jungvögel noch einige Zeit weiter versorgt. In wärmeren Regionen können erfolgreiche Paare zwei bis drei Bruten pro Jahr großziehen.
Bestand und ökologische Rolle
Die Ohrenlerche spielt in ihrem Ökosystem eine Rolle sowohl als Nahrungsquelle für zahlreiche Räuber als auch als Konsument von Insekten und Pflanzen. Zu ihren Fressfeinden zählen unter anderem Greifvögel wie der Rauhfußbussard, Rabenvögel wie Kolkrabe und Rabenkrähe sowie Säugetiere wie Wildkatze, Goldschakal und Wolf.
Eine besondere ökologische Beziehung besteht zu parasitischen Kuhstärlingen: Diese legen ihre Eier in Nester der Ohrenlerche, und die deutlich größeren Kuhstärling-Küken verdrängen die eigenen Jungen der Ohrenlerche beim Betteln um Futter, was deren Überlebenschancen verringert.
Zudem beeinflusst die Art durch ihre Nahrungssuche die Insekten- und Pflanzenbestände ihres Lebensraums.
Schutz und Bedrohungen
Die Ohrenlerche gilt laut IUCN als nicht gefährdet und steht weder auf der Liste bedrohter Arten des US Endangered Species Act noch im CITES-Abkommen. In den USA ist sie jedoch durch den Migratory Bird Treaty Act geschützt.
Trotz dieses Status zeigen die Bestände laut dem nordamerikanischen Brutvogelmonitoring einen rückläufigen Trend; 2016 wurde die Art im Partners in Flight Landbird Conservation Plan als "Common Bird in Steep Decline" eingestuft. Haupttreiber des Rückgangs sind der Verlust offener Prärien und Grasländer durch landwirtschaftliche Umwandlung, der Einsatz von Pestiziden, die Wiederaufforstung zuvor offener Flächen, Urbanisierung sowie Kollisionen an Windparks und Flughäfen. 2013 wurde die Unterart streaked horned lark in den USA als bedroht nach dem Endangered Species Act eingestuft.
Menschen spielen eine doppelte Rolle: Einerseits zerstört die Erschließung von Land Lebensraum, andererseits schaffen große Weide- und Ackerflächen Bedingungen, in denen die Art gut gedeiht. Der Erhalt offener Landschaften ist für das Überleben und den Bruterfolg dieser Lerche entscheidend.
Kulturelle Bedeutung
Als Insektenfresserin trägt die Ohrenlerche zur Kontrolle von Insektenpopulationen bei und hat damit einen positiven Nutzen für den Menschen.
Wissenswertes
- Beim Singflug kann das Männchen bis zu mehreren hundert Fuß über dem Boden kreisen, bevor es im Sturzflug mit angelegten Flügeln zu Boden stürzt.
- Das Nest der Ohrenlerche trägt oft eine kleine Reihe von Kieselsteinen wie eine Türschwelle an einer Seite – vermutlich um die ausgehobene Erde zu verdecken und das Nest zu tarnen.
- Anders als die meisten Lerchenarten hüpft die Ohrenlerche beim Laufen nicht, sondern geht oder rennt.
- Eine isolierte Population lebt auf einem Hochplateau in Kolumbien, weit entfernt vom übrigen Verbreitungsgebiet der Art.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Verhalten
- Einzelgänger
- Territorial
- Sozial
- Zugvogel
Ernährung
- Allesfresser
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Passeriformes
- Familie
- Alaudidae
- Gattung
- Eremophila
- Art
- Eremophila alpestris
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Xeno-canto Audio recordings
- Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
- AnAge Longevity
- AVONET Bird mass, habitat, migration, diet and range size
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- trophiCH
- HWML Parasite Collection
- TETRA-EU



