Parmelia squarrosa wurde jahrzehntelang mit einer eng verwandten Art verwechselt – erst molekulargenetische Untersuchungen bewiesen, dass es sich tatsächlich um zwei eigenständige Arten handelt, die sich vor allem in der Struktur ihrer Rhizinen unterscheiden.
Die Art gehört zur Familie Parmeliaceae innerhalb der Ascomycota und ist eine blattartige (foliose) Flechte. Sie kommt in Ostasien, Europa und im östlichen Nordamerika vor und wächst vor allem auf Baumrinde, seltener auf Gestein und nur gelegentlich auf Moos. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung, Häufigkeit und stabilen Bestände wird sie von der Weltnaturschutzunion als nicht gefährdet eingestuft.
Wer sich für Flechten als Umweltindikatoren interessiert, findet in Parmelia squarrosa ein gutes Beispiel dafür, wie eng verwandte Arten erst durch moderne genetische Methoden sauber getrennt werden können.
Fruchtkörper und Bestimmung
Das auffälligste Merkmal von Parmelia squarrosa sind ihre dichten, zylindrischen Isidien, die bis zu 0,5 mm hoch werden und besonders im älteren, zentralen Bereich des Thallus dicht stehen. Der Thallus selbst liegt locker bis eng anliegend auf Baumrinde, seltener auf Fels, und ist grünlich bis weißlich-grau gefärbt. Die Lappen sind 1 bis 5 mm breit und wachsen abspreizend, berührend oder dachziegelartig übereinander.
Die Oberseite ist flach bis grubig vertieft (foveolat) und zeigt sowohl flächige als auch randständige Pseudocyphellen, die oft ein netzartiges Muster bilden. Charakteristisch sind die squarros verzweigten Rhizinen auf der Unterseite, die an den Lapenrändern dagegen einfach bleiben – genau dieses Merkmal unterscheidet die Art von der sehr ähnlichen Parmelia saxatilis.
Pyknidien und Apothecien treten nur selten auf; wenn vorhanden, messen die Ascosporen 13 bis 15 mal 8 bis 9 μm. Chemisch enthält die Flechte Atranorin, Salazinsäure und Consalazinsäure. Bei den üblichen Farbtests reagiert die Rindenschicht K+ (gelb), das Mark K+ (gelb, dann rot), C− und PD+ (orange).
Verbreitung und Lebensraum
Parmelia squarrosa ist vor allem im östlichen Nordamerika verbreitet, insbesondere im Gebiet der Großen Seen und der Appalachen, kommt aber auch im westlichen Nordamerika vor. Ihr Verbreitungsgebiet reicht weiter nach Süden als das der ähnlichen Parmelia saxatilis, bis nach Arkansas, Alabama und South Carolina. In Gebieten wie den Großen Seen über New York und Neuengland bis nach Québec und Neufundland überlappen sich die Vorkommen beider Arten.
In den südlichen Appalachen reicht die Art auch bis in tiefere Hügelregionen hinab, während Parmelia saxatilis und Parmelia sulcata dort auf Hochgebirgshabitate beschränkt bleiben. 1985 wurde die Art erstmals in den westlichen österreichischen Alpen und im südlichen Schweiz auf Gestein nachgewiesen. Zudem ist sie in Ostasien weit verbreitet, mit Nachweisen aus Japan, China, Nord- und Südkorea, dem russischen Fernen Osten und Nepal, wo sie in Höhenlagen zwischen 3.000 und 3.800 m dokumentiert wurde.
Die Flechte wächst bevorzugt in feuchten Wäldern, besonders in Küstennähe, auf einer Vielzahl von Nadel- und Laubbäumen. Die monatlichen Beobachtungszahlen zeigen eine deutliche Häufung in den Sommermonaten, mit einem klaren Höhepunkt im Juli – dies spiegelt jedoch eher die Beobachtungsaktivität als die tatsächliche Häufigkeit der Flechte wider.

Schutz und Bedrohungen
Parmelia squarrosa wurde 2021 für die globale Rote Liste der IUCN bewertet und als nicht gefährdet eingestuft, da die Art häufig, weit verbreitet und in ihrem Bestand stabil ist.
Dennoch zeigt sich die Flechte empfindlich gegenüber Luftverschmutzung. In einer Verpflanzungsstudie in Québec wurden flechtenbewachsene Rindenstücke aus unbelasteten Gebieten in die Nähe einer Kupferschmelze verbracht. Nach vier und zwölf Monaten zeigten sich Farbveränderungen, Ablösungen vom Untergrund, Rissbildung, ein Rückgang der Isidien sowie verringerte Biomasse- und Chlorophyllwerte. Je näher die Verpflanzung an der Schmelze lag, desto stärker fielen diese Veränderungen aus.
Wissenswertes
- Die Art wurde erstmals 1985 in den westlichen österreichischen Alpen und im südlichen Schweiz auf Gestein nachgewiesen, weit entfernt von ihrem Schwerpunkt in Nordamerika.
- In Nepal wurde Parmelia squarrosa in Höhenlagen zwischen 3.000 und 3.800 Metern dokumentiert.
- Die Flechte wächst nicht nur auf Rinde, sondern gelegentlich auch auf totem Holz und sogar auf unspezifischem Gestein wie Steinen und Kieseln.
Fotos
Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Tanner Barnharst via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by alicia penney via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Annie Evankow via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Frédérique via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Eli Talhouk via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Bethany Dennis via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.
Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Ascomycota
- Klasse
- Lecanoromycetes
- Ordnung
- Lecanorales
- Familie
- Parmeliaceae
- Gattung
- Parmelia
- Art
- Parmelia squarrosa
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



