Die Letharia vulpina, im Deutschen als Wolfsflechte bekannt, trägt ihren Namen nicht ohne Grund: Über Jahrhunderte wurde sie als Gift gegen Wölfe und Füchse eingesetzt. Ihr leuchtend gelbgrüner, buschig verzweigter Thallus macht sie zu einer der auffälligsten Flechtenarten überhaupt.
Die Art gehört zur Familie der Parmeliaceae innerhalb der Schlauchpilze (Ascomycota) und wächst auf der Rinde lebender und toter Nadelbäume in Teilen West- und Mitteleuropas sowie im pazifischen Nordwesten und den nördlichen Rocky Mountains Nordamerikas. Bemerkenswert ist ihre doppelte Geschichte: als tödliches Gift für Raubtiere und zugleich als geschätzter Farbstoff in der Textilkunst indigener Völker Nordamerikas.
Fruchtkörper und Bestimmung
Das wichtigste Erkennungsmerkmal der Wolfsflechte ist ihre leuchtend gelbe bis gelbgrüne, chartreusefarbene Färbung, die sie deutlich von anderen Flechten unterscheidet. Bei trockenen Exemplaren verblasst diese Farbe jedoch, was die Bestimmung erschweren kann.
Der Thallus ist fruticose, also strauchig und dicht verzweigt, und erreicht typischerweise einen Durchmesser von 2 bis 7 cm. Auf der Oberfläche der Thalli finden sich häufig zahlreiche Soredien und Isidien, kleine Fortpflanzungsstrukturen, die der ungeschlechtlichen Vermehrung dienen.
Verbreitung und Lebensraum
Die Wolfsflechte wächst in offenen Nadelwäldern in Bergregionen, sowohl auf Rinde als auch auf blankem Holz, oft hoch oben an den Zweigen. Im pazifischen Nordwesten Nordamerikas tritt sie häufig auf und ist besonders auf freigelegten, rindenlosen Ästen reichlich vertreten. In alten, feuchten Wäldern besiedelt sie bevorzugt trockenere Bereiche, was auf eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit hindeutet. Die Art gilt als mäßig empfindlich gegenüber Luftverschmutzung.
In den Rocky Mountains kommt die Gattung Letharia in Ponderosa-Kiefernwäldern am Übergang zwischen Prärie und Wald in eher niedrigen Lagen vor, ebenso in mittel- bis hochgelegenen Douglasien- und Küstenkiefernwäldern. Beobachtungsdaten deuten auf eine ausgeprägte jahreszeitliche Präsenz mit einem Höhepunkt in den Sommermonaten hin, wobei solche Zähldaten nur das Auftreten und nicht die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet widerspiegeln.

Nutzung und Kulturgeschichte
Die Wolfsflechte spielte traditionell eine bedeutende Rolle als Farbstofflieferant. Bei den Tlingit wurde sie als gelber Farbstoff für die gewobenen Chilkat-Decken verwendet, wobei der Farbstoff zugleich als natürliches Insektenmittel für die Wollkleidung diente. Da das natürliche Verbreitungsgebiet der Flechte nicht bis in den Tongass-Wald reicht, muss sie dorthin gehandelt worden sein. Die Klamath-Indianer in Kalifornien tauchten Stachelschweinstacheln in einen chartreusefarbenen Extrakt der Wolfsflechte, um sie gelb zu färben, bevor sie in Korbmuster eingewoben wurden. Auch in der Floristik werden die leuchtend gefärbten Flechtenkörper geschätzt.
Daneben berichten kulturelle Überlieferungen von einer traditionellen medizinischen Nutzung durch indigene Gruppen, etwa gegen Magenbeschwerden und innere Blutungen, wobei dies keine allgemein anerkannte Heilanwendung darstellt.
Wissenswertes
- Der französische Botaniker Auguste-Marie Hue stellte die Art 1899 in die neu geschaffene Gattung Letharia.
- Historisch wurde das Gift manchmal mit gemahlenem Glas vermischt, das den Verdauungstrakt der Tiere verletzen und so die Aufnahme des Giftes ins Blut erleichtern sollte.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Ascomycota
- Klasse
- Lecanoromycetes
- Ordnung
- Lecanorales
- Familie
- Parmeliaceae
- Gattung
- Letharia
- Art
- Letharia vulpina
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits



