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Wolfsflechte

Letharia vulpina

Die Letharia vulpina, im Deutschen als Wolfsflechte bekannt, trägt ihren Namen nicht ohne Grund: Über Jahrhunderte wurde sie als Gift gegen Wölfe und Füchse eingesetzt. Ihr leuchtend gelbgrüner, buschig verzweigter Thallus macht sie zu einer der auffälligsten Flechtenarten überhaupt.

Die Art gehört zur Familie der Parmeliaceae innerhalb der Schlauchpilze (Ascomycota) und wächst auf der Rinde lebender und toter Nadelbäume in Teilen West- und Mitteleuropas sowie im pazifischen Nordwesten und den nördlichen Rocky Mountains Nordamerikas. Bemerkenswert ist ihre doppelte Geschichte: als tödliches Gift für Raubtiere und zugleich als geschätzter Farbstoff in der Textilkunst indigener Völker Nordamerikas.

Fruchtkörper und Bestimmung

Das wichtigste Erkennungsmerkmal der Wolfsflechte ist ihre leuchtend gelbe bis gelbgrüne, chartreusefarbene Färbung, die sie deutlich von anderen Flechten unterscheidet. Bei trockenen Exemplaren verblasst diese Farbe jedoch, was die Bestimmung erschweren kann.

Der Thallus ist fruticose, also strauchig und dicht verzweigt, und erreicht typischerweise einen Durchmesser von 2 bis 7 cm. Auf der Oberfläche der Thalli finden sich häufig zahlreiche Soredien und Isidien, kleine Fortpflanzungsstrukturen, die der ungeschlechtlichen Vermehrung dienen.

Verbreitung und Lebensraum

Die Wolfsflechte wächst in offenen Nadelwäldern in Bergregionen, sowohl auf Rinde als auch auf blankem Holz, oft hoch oben an den Zweigen. Im pazifischen Nordwesten Nordamerikas tritt sie häufig auf und ist besonders auf freigelegten, rindenlosen Ästen reichlich vertreten. In alten, feuchten Wäldern besiedelt sie bevorzugt trockenere Bereiche, was auf eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit hindeutet. Die Art gilt als mäßig empfindlich gegenüber Luftverschmutzung.

In den Rocky Mountains kommt die Gattung Letharia in Ponderosa-Kiefernwäldern am Übergang zwischen Prärie und Wald in eher niedrigen Lagen vor, ebenso in mittel- bis hochgelegenen Douglasien- und Küstenkiefernwäldern. Beobachtungsdaten deuten auf eine ausgeprägte jahreszeitliche Präsenz mit einem Höhepunkt in den Sommermonaten hin, wobei solche Zähldaten nur das Auftreten und nicht die tatsächliche Häufigkeit oder das vollständige Verbreitungsgebiet widerspiegeln.

Karte der dokumentierten Nachweise von Letharia vulpina
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
3.733
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Nutzung und Kulturgeschichte

Die Wolfsflechte spielte traditionell eine bedeutende Rolle als Farbstofflieferant. Bei den Tlingit wurde sie als gelber Farbstoff für die gewobenen Chilkat-Decken verwendet, wobei der Farbstoff zugleich als natürliches Insektenmittel für die Wollkleidung diente. Da das natürliche Verbreitungsgebiet der Flechte nicht bis in den Tongass-Wald reicht, muss sie dorthin gehandelt worden sein. Die Klamath-Indianer in Kalifornien tauchten Stachelschweinstacheln in einen chartreusefarbenen Extrakt der Wolfsflechte, um sie gelb zu färben, bevor sie in Korbmuster eingewoben wurden. Auch in der Floristik werden die leuchtend gefärbten Flechtenkörper geschätzt.

Daneben berichten kulturelle Überlieferungen von einer traditionellen medizinischen Nutzung durch indigene Gruppen, etwa gegen Magenbeschwerden und innere Blutungen, wobei dies keine allgemein anerkannte Heilanwendung darstellt.

Wissenswertes

  1. Der französische Botaniker Auguste-Marie Hue stellte die Art 1899 in die neu geschaffene Gattung Letharia.
  2. Historisch wurde das Gift manchmal mit gemahlenem Glas vermischt, das den Verdauungstrakt der Tiere verletzen und so die Aufnahme des Giftes ins Blut erleichtern sollte.

Fotos

Fotos von by Matteo Martini via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Elias via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Daughter Dad via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Therese Phillips via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Syd Cannings via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Gregory Wada via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by StarStats via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Lisa Biasillo via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by carbapple via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Lebensraum

Klassifikation

Stamm
Ascomycota
Klasse
Lecanoromycetes
Ordnung
Lecanorales
Familie
Parmeliaceae
Gattung
Letharia
Art
Letharia vulpina

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits