Kaum eine Libelle Europas lässt sich so leicht erkennen wie Libellula depressa: Der breite, abgeflachte Hinterleib des Männchens überzieht sich im Laufe seines Lebens mit einer auffälligen blauen Bereifung. Diese Art gehört zu den häufigsten Libellen Europas und Zentralasiens und zählt zur Familie der Segellibellen (Libellulidae).
Die Art gilt nach Einschätzung der IUCN als nicht gefährdet. Ihre Fähigkeit, neu entstandene Gewässer als eine der ersten Libellenarten zu besiedeln, macht sie zu einem faszinierenden Pionier unter den Wasserinsekten.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist der breite, stark abgeflachte Hinterleib, der der Art ihren Namen gibt. Mit einer Körperlänge von etwa 39 bis 48 Millimetern und einer Flügelspannweite von rund 70 Millimetern zählt Libellula depressa zu den mittelgroßen Libellen.
Bei beiden Geschlechtern ist der Hinterleib braun mit gelben Flecken an den Seiten gezeichnet. Beim Männchen überdeckt im Laufe der Reifung eine blaue Bereifung diese braune Grundfarbe vollständig. Sowohl Vorder- als auch Hinterflügel besitzen an der Basis einen dunklen Fleck, und beide Geschlechter zeigen breite Schulterstreifen (Antehumeralstreifen).
Die Art gilt als sehr unverwechselbar und lässt sich im Verbreitungsgebiet nicht leicht mit anderen Libellenarten verwechseln.
Verbreitung und Lebensraum
Libellula depressa kommt in Mittel- und Südeuropa, Zentralasien und im Nahen Osten vor. Das Verbreitungsgebiet reicht nördlich durch England und Wales bis nach Südschottland, Südschweden und Südfinnland, zudem besiedelt die Art einige Mittelmeerinseln wie Korsika, Sardinien, Sizilien und Menorca. In Irland und Nordafrika fehlt sie dagegen.
Historisch reichte das Verbreitungsgebiet nicht bis nach Schottland, doch die Art hat dieses Gebiet in den letzten Jahrzehnten neu besiedelt und zeigt sich damit als räumlich sehr anpassungsfähig.
Als Lebensraum bevorzugt sie stehende Gewässer wie Seen und Teiche, sowohl in kahlen, sonnigen Lagen als auch an dicht bewachsenen Teichen. Oft ist sie die erste Libellenart, die neu angelegte Teiche besiedelt. Da die erwachsenen Tiere sehr mobil sind und nach dem Schlüpfen eine Reifephase abseits des Wassers durchlaufen, trifft man sie auch häufig weit entfernt von Gewässern an; zudem gilt die Art als wandernd.
Beobachtungsdaten deuten auf eine deutliche saisonale Präsenz mit einem Schwerpunkt im späten Frühjahr und Frühsommer hin, was sich mit der bekannten Flugzeit der Art deckt.

Verhalten und Lebensweise
Die Flugzeit erstreckt sich von April bis September, mit einem Schwerpunkt in Mai und Juni. Der Flug ist sehr schnell, die Tiere schießen und stürzen dabei dicht über der Wasseroberfläche dahin.
Männchen verteidigen ihr Revier vehement und liefern sich Kämpfe mit rivalisierenden Männchen sowie anderen Libellenarten, denen sie begegnen. Typischerweise kehren sie immer wieder zu einem bevorzugten, sonnigen Sitzplatz zurück, von dem aus sie ihr Territorium überwachen. Dringt ein Weibchen in das Revier ein, ergreift das Männchen es im Flug.
Die Paarung erfolgt im Flug und dauert im Tandem oft weniger als eine Minute. Danach trennt sich das Paar, und das Weibchen sucht eine geeignete Stelle mit offenem Wasser und untergetauchter Vegetation zur Eiablage, wobei es im Schwebeflug die Spitze seines Hinterleibs ins Wasser taucht.
Die Eier schlüpfen nach vier bis fünf Wochen, und die Larven benötigen ein bis zwei Jahre zur Entwicklung. Sie leben eingegraben im Schlamm und Detritus am Gewässergrund, wobei nur Kopf und Augen herausschauen. Nach dem Schlüpfen der erwachsenen Tiere ziehen diese vom Wasser weg und durchlaufen eine Reifephase von 10 bis 14 Tagen.
Wissenswertes
- Der Name der Art bezieht sich auf den charakteristisch breiten, abgeflachten Hinterleib, der bei keiner anderen heimischen Libellenart in dieser Form vorkommt.
- Libellula depressa zählt zu den häufigsten Libellenarten in ganz Europa und Zentralasien.
- Die Art trägt in der wissenschaftlichen Literatur auch die Synonyme Libellula depressa taurica und Libellula sylvia.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Arthropoda
- Klasse
- Insecta
- Ordnung
- Odonata
- Familie
- Libellulidae
- Gattung
- Libellula
- Art
- Libellula depressa
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



