Ramalina sinensis ist auf der Nordhalbkugel weit verbreitet, tritt aber oft nur in kleinen, verstreuten Vorkommen auf.
Die Art ist eine strauchige Flechte aus der Familie der Ramalinaceae. Sie wächst aufrecht und buschig, mit breiten, abgeflachten Ästen, die oben grüner und unten heller sind. Man findet sie in Nordamerika, China und Russland, meist auf der Rinde verschiedener Bäume.
Die Flechte zeigt, wie vielfältig Flechten gebaut sind: Pilz und Grünalge bilden zusammen ein Lager, das im Gelände leicht auffällt. Wer die Gattung Ramalina kennenlernen will, findet hier ein gutes Beispiel.
Fruchtkörper und Bestimmung
Das wichtigste Merkmal ist der zweiseitige Aufbau des Lagers. Die Oberseite ist grün, die Unterseite weißlich und heller. Die abgeflachten, oft handförmig geteilten Lappen sind breit und setzen sich von einem schmalen Haftorgan am Boden ab.
Die Äste sind massiv und nicht hohl. Auf der Unterseite sitzen eingesenkte, netzartige Pseudocyphellen. Apothecien, die Fruchtkörper des Pilzes, entstehen häufig nahe den Astspitzen.
Die Ascosporen sind klein, etwa 5 μm lang und 2,5 μm breit. Sie sind spindelförmig und leicht gebogen.
Verbreitung und Lebensraum
Die Art ist auf der Nordhalbkugel weit verbreitet, besiedelt aber meist nur kleine, verstreute Flächen. In den kanadischen Prärien gilt sie als selten, vor allem auf trockenen, sandigen Standorten.
In Südmanitoba wuchs die Flechte auf Esche, Pappel, Eiche, Fichte und Ahornstrauch, etwa im Sandilands Provincial Forest, im Spruce Woods Provincial Park und im Whiteshell Provincial Park.
Im Südwesten Chinas kommt sie in Sichuan, Tibet und Yunnan vor, wo sie in Bergwäldern auf Rinde wächst, in Höhen von etwa 1.800 bis 4.300 m. Auch in den Gebirgswäldern Nordchinas ist sie verbreitet.
Im russischen Altai-Gebiet zählt sie auf dem Salair-Rücken zu den recht seltenen Arten. Dort wächst sie vor allem in Weidenauwäldern, in Wäldern aus Picea obovata und in Gemeinschaften mit Abies sibirica und Tilia sibirica. Sie besiedelt die Rinde von Espen, Weiden, Linden, Tannen und Fichten meist 1 bis 5 m über dem Boden.

Ökologie und Wechselbeziehungen
Die Flechte bildet Apothecien, besitzt aber keine vegetativen Ausbreitungseinheiten. Sie verbreitet sich daher vor allem über Sporen. Diese müssen später eine passende Grünalge finden, um ein neues Lager aufzubauen. Eine Studie aus dem Jahr 2012 ordnete den Photobionten den Grünalgen der Gattung Trebouxia zu, besonders T. impressa und T. potteri.
Im Qinling-Gebirge in Shaanxi gehört Ramalina sinensis zur Winternahrung des Goldstumpfnasenaffen (Rhinopithecus roxellana). Zusammen mit Flechten der Gattung Parmelia bildete sie dort einen wichtigen Teil der Winterdiet. In dieser Jahreszeit fressen die Affen deutlich mehr Flechten als im Sommer.
Nutzung und Kulturgeschichte
In Yunnan wird Ramalina sinensis von Yi, Dai, Han und anderen lokalen Gemeinschaften als essbare Flechte genutzt. Sie wird auf Märkten verkauft.
Auf den Märkten wurde sie häufig mit Ramalina conduplicans vermischt. Die Händler unterschieden die beiden Arten meist nicht.
Schutz und Bedrohungen
Ein offizieller Gefährdungsstatus wird für diese Art nicht genannt. Ihre Vorkommen sind weit verteilt, aber meist klein und verstreut.
In den kanadischen Prärien gilt die Flechte als selten. Im Altai-Gebiet wird sie auf dem Salair-Rücken als recht selten eingestuft.
Die fehlenden vegetativen Ausbreitungseinheiten können zur lokalen Seltenheit beitragen, etwa in Manitoba. Die Art kommt dort in mehreren Provinzparks und Waldgebieten vor.
Wissenswertes
- Die Art wurde 1902 von Jatta beschrieben. Der Typusfundort liegt in der chinesischen Provinz Fu-Kio, auf Baumstämmen und Sträuchern in niedrigen Hügeln.
- Das Lager ist meist von strohfarbener bis grüner Färbung und bleibt oft unter 6 cm hoch.
- Die Pflanze haftet mit einem schmalen Haftorgan am Untergrund, das Lager selbst steht frei und aufrecht.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Klassifikation
- Stamm
- Ascomycota
- Klasse
- Lecanoromycetes
- Ordnung
- Lecanorales
- Familie
- Ramalinaceae
- Gattung
- Ramalina
- Art
- Ramalina sinensis
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract



