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Wanderdrossel

Turdus migratorius

Nicht gefährdet

Die Wanderdrossel (Turdus migratorius) gehört zu den bekanntesten Singvögeln Nordamerikas, obwohl sie mit dem Rotkehlchen Europas nicht eng verwandt ist. Der Name stammt von der rotorangefarbenen Brust, die an das europäische Rotkehlchen erinnert. Die Art gehört zur Gattung der echten Drosseln und zur Familie der Drosselvögel.

Sie brütet fast überall in Nordamerika, von Alaska und Kanada bis in den Norden Floridas und nach Mexiko. Die meisten Vögel ziehen im Winter vom südlichen Kanada bis nach Zentralmexiko, und andere bleiben an der pazifischen Küste. Mit einem Gewicht von etwa ist sie ein mittelgroßer Singvogel. Sie kann bis zu alt werden. Die Art gilt als nicht gefährdet.

Wer die Wanderdrossel beobachtet, erlebt einen Vogel, der eng mit menschlichen Siedlungen lebt und zugleich ein weitreichender Zugvogel ist. Ihr Frühlingsgesang prägt in vielen Regionen das Bild des beginnenden Jahres.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die rotorangefarbene Brust des erwachsenen Vogels, die je nach Tier von tiefem Rotbraun bis Pfirsichorange reicht. Der Kopf ist bei Männchen oft schwarz bis grau, mit weißen Augenringen und weißen Überaugenstreifen. Die Kehle ist weiß mit schwarzen Strichen, und Bauch sowie untere Schwanzdecken sind weiß. Der Rücken ist braun.

Die Wanderdrossel ist etwa 23 bis 28 cm lang, und ihre Flügelspannweite beträgt 31 bis 41 cm. Männchen wiegen 72 bis 94 g, Weibchen 59 bis 91 g. Der Schnabel ist überwiegend gelb mit einer dunklen Spitze, die im Winter größer wird. Die Beine und Füße sind braun.

Die Geschlechter sehen sich ähnlich, doch Weibchen wirken matter. Ihr Kopf ist bräunlich, die Oberseite ist brauner, und die Unterseite ist blasser. Nicht jedes Tier lässt sich allein am Gefieder eindeutig bestimmen.

Jungvögel sind blasser als erwachsene Männchen und haben dunkle Flecken auf der Brust sowie weißliche Flügeldecken. Vögel im ersten Lebensjahr ähneln den Adulten, wirken aber matter. Männchen im ersten Jahr erinnern an adulte Weibchen, und einige behalten einzelne Jugendfedern an den Flügeln.

Verbreitung und Lebensraum

Die Wanderdrossel besiedelt vor allem Wälder, Gärten, Obstgärten, Rasenflächen und Felder. Zur Nahrungssuche bevorzugt sie offene Flächen mit kurzem Gras. Zum Brüten und Übernachten braucht sie Bäume und Sträucher, möglichst mit Wald in der Nähe. Vororte und landwirtschaftlich genutzte Flächen bieten diese Strukturen oft, weshalb die Art häufig in der Nähe des Menschen lebt.

Im Brutgebiet lebt sie in Wäldern und offeneren Agrar- und Stadtlandschaften. Im tiefen Süden der Vereinigten Staaten brütet sie seltener, und dort bevorzugt sie große Schattenbäume auf Rasenflächen. Der Winterlebensraum ähnelt dem Brutlebensraum, enthält aber mehr offene Flächen.

Die Wanderstrecken sind je nach Herkunft sehr unterschiedlich. Vögel aus Alaska legen über die Jahreszeiten bis zu 3,5-mal so weite Strecken zurück wie Vögel aus Massachusetts. Die meisten Tiere ziehen im Spätsommer nach Süden und kehren im Februar und März zurück, wobei die genauen Termine mit Breitengrad und Klima schwanken.

In Westeuropa ist die Art ein seltener Irrgast, meist in Großbritannien. Gelegentlich wurde sie auch in Grönland, Schweden, Jamaika, auf Hispaniola, in Puerto Rico und in Belize beobachtet. Die Wanderdrossel ist außerdem Überträgerin des West-Nil-Virus, das von Stechmücken der Gattung Culex verbreitet wird.

Karte der dokumentierten Nachweise von Turdus migratorius
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
5.835.175
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Die Wanderdrossel ist überwiegend tagaktiv. Außerhalb der Brutzeit lebt sie gesellig, besonders im Winter, wenn sich viele Tiere in großen Gruppen sammeln. Am Abend bilden sie große Schwärme, die in abgelegenen Sümpfen oder dichtem Gestrüpp in Bäumen übernachten. Tagsüber teilen sich diese Schwärme in kleinere Trupps auf, die Früchte und Beeren fressen.

Im Sommer verteidigen die Männchen ein Brutrevier und zeigen sich deutlich weniger gesellig. Die Jungvögel bleiben in den ersten vier Monaten in der Nähe ihres Nestes. Danach schließen sie sich zu gemischten Gruppen aus verschiedenen Altersklassen zusammen, wenn es Zeit ist, in die Winterquartiere aufzubrechen.

Fast alle Populationen sind Zugvögel. Die Tiere ziehen im Herbst nach Süden, und zwar meist bis zum Ende des Augusts. Im Frühjahr kehren sie zurück, wobei sie der Temperaturlinie von 3 °C folgen, nach Norden im Frühling und nach Süden im Herbst.

Die Wanderdrossel nutzt ihre Umgebung geschickt. Sie sucht Nahrung auf Rasenflächen und Feldern, wo sie Würmer und Insekten vom Boden aufliest.

Kommunikation

Der Gesang des Männchens ist vielfältig und beinahe ununterbrochen zu hören. Er besteht aus einzelnen Einheiten, die oft wiederholt und mit kurzen Pausen zu Ketten zusammengefügt werden. Das Lied ist ein fröhlicher Gesang, der von Region zu Region leicht abweicht und je nach Tageszeit einen anderen Stil zeigt.

Die Singzeit reicht von Ende Februar oder Anfang März bis Ende Juli oder Anfang August. Einige Vögel, besonders im Osten, singen bis in den September oder noch später. Oft gehören sie zu den ersten Singvögeln am Morgen, schon vor der Morgendämmerung, und singen bis in den Abend. Meist singen sie von einem hohen Platz in einem Baum. Der Gesang der Unterart Turdus migratorius confinis aus der Region San Lucas ist schwächer als der der östlichen Unterart und enthält keine klar abgegrenzten Töne.

Neben dem Gesang nutzt die Art verschiedene Rufe. Sie warnen vor einem sich nähernden Bodenräuber oder zeigen an, dass Nest oder Artgenossen direkt bedroht sind. Auch während der Brutzeit, wenn die Vögel vor allem konkurrieren und ihr Revier verteidigen, schließen sie sich zusammen, um Feinde zu vertreiben. Junge Vögel betteln kurz nach dem Schlüpfen mit Piepsen um Futter. Erwachsene warnen mit Rufen wie Tschak oder Gack vor Feinden.

Ernährung und Nahrung

Die Wanderdrossel frisst sowohl Früchte und Beeren als auch Tiere. Wildwachsende und kultivierte Früchte stehen auf dem Speiseplan, daneben Regenwürmer und Insekten wie Käferlarven, Raupen und Heuschrecken. Sie nutzt jeweils das Futter, das am leichtesten erreichbar ist.

Grob gesagt besteht die Nahrung zu etwa 40 Prozent aus wirbellosen Tieren und zu etwa 60 Prozent aus Früchten und Beeren. Wirbellose Tiere sind vor allem in der Brutzeit wichtig, wenn Jungvögel auf Eiweiß angewiesen sind.

Im Winter verlagert sich der Speiseplan stärker auf Früchte, die in den Schwärmen gesucht werden. Sie fressen auch Eier von anderen Vögeln, was sich im Speiseplan als tierische Nahrung niederschlägt.

Nestbau und Brut

Die Brutzeit beginnt bald nach der Rückkehr in das Sommerquartier. Die Wanderdrossel gehört zu den ersten nordamerikanischen Vögeln, die Eier legen. Sie zieht meist zwei bis drei Bruten im Jahr auf, und die Brutzeit reicht von April bis Juli. Weibchen und Männchen bilden während der Brutzeit und bei der Aufzucht der Jungen ein Paar.

Das Nest baut das Weibchen allein. Es steht meist 1,5 bis 4,5 m über dem Boden, in einem dichten Busch oder in einer Gabelung zwischen Ästen. Das Gerüst besteht aus langen groben Grashalmen, Zweigen, Papier und Federn. Innen wird es mit angefeuchtetem Lehm ausgestrichen und mit feinem Gras oder anderem weichen Material gepolstert. Für jede Brut wird ein neues Nest gebaut. In nördlichen Regionen steht das Nest der ersten Brut oft in einem immergrünen Baum oder Strauch, spätere Bruten stehen in Laubbäumen. Die Art nistet gern nahe bei menschlichen Siedlungen.

Ein Gelege besteht aus drei bis fünf türkisblauen Eiern, die das Weibchen allein bebrütet. Nach 14 Tagen schlüpfen die Küken. Sie sind nesthocker, nackt und haben in den ersten Tagen geschlossene Augen. Etwa zwei Wochen später verlassen sie das Nest. Alle Küken einer Brut verlassen das Nest innerhalb von zwei Tagen.

Die Küken werden mit Regenwürmern, Insekten und Beeren gefüttert. Kot entfernen die Altvögel aus dem Nest. Nach dem Ausfliegen folgen die Jungvögel den Eltern noch einige Zeit und betteln um Futter. Etwa zwei Wochen nach dem Ausfliegen können sie längere Strecken fliegen. Ihre Geschlechtsreife erreichen sie nach einem Jahr. Nur etwa ein Viertel der Jungvögel überlebt das erste Lebensjahr.

Bestand und ökologische Rolle

Die Wanderdrossel ist sehr zahlreich. Ihr Bestand wird auf etwa 370 Millionen Individuen geschätzt, und ihr Verbreitungsgebiet ist mit rund 16.000.000 km² sehr groß. Der Bestand gilt als stabil. Die westliche Unterart im mittleren Kalifornien breitet sich nach derzeitigem Kenntnisstand weiter aus.

In Ökosystemen spielt die Art eine wichtige Rolle. Viele Raubtiere ernähren sich von ihr, weil sie so zahlreich vorkommt. Gleichzeitig hält sie Insektenbestände in Grenzen und verbreitet Samen der Früchte, die sie frisst.

Schutz und Bedrohungen

Die Wanderdrossel gilt als nicht gefährdet. Sie profitiert davon, dass sie sich gut an die vom Menschen veränderte Landschaft anpassen kann. Früher wurde sie in einigen Südstaaten der Vereinigten Staaten als Fleischlieferant gejagt, und ihr Fleisch galt dort als Delikatesse. Heute steht sie unter dem Schutz des Zugvogelschutzgesetzes der Vereinigten Staaten, das in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet gilt.

Zu den Feinden gehören vor allem Greifvögel. Eier und Jungvögel fallen Eichhörnchen, Schlangen und einigen Vögeln zum Opfer. Erwachsene Tiere werden vor allem von Habichten, Katzen und größeren Schlangen erbeutet. Waschbären plündern oft Nester, und kleine, wendige Raubtiere wie Marder und Wiesel jagen erwachsene Vögel. Die größte Bedrohung durch Beutegreifer geht wahrscheinlich von Greifvögeln aus, von denen 28 Arten Wanderdrosseln jagen. Erwachsene Vögel sind während der Brut am verwundbarsten, während Schwärme auf der Nahrungssuche wachsam sind.

Der Kuhstärling legt seine Eier nicht in Nester der Wanderdrossel, weil diese die fremden Eier abweist. Ein Parasitenbefall mit Würmern der Gattung Syngamus ist aber verbreitet. Bei 105 untersuchten Jungvögeln waren 77,1 Prozent mit inneren Parasiten befallen.

Die Art ist durch den Klimawandel und Extremwetter bedroht. Trotzdem ist sie insgesamt nicht gefährdet.

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Die Wanderdrossel hat einen festen Platz in der Kultur der Menschen. Sie ist der Staatsvogel von Connecticut, Michigan und Wisconsin. Im Volksglauben Nordamerikas gilt sie als Symbol für den Frühling und für gute Vorzeichen. Der Vogel hat auch eine Rolle in der Mythologie der Ureinwohner: Die Tlingit im Nordwesten des Kontinents sahen ihn als Kulturheld, den der Rabe erschuf, um die Menschen mit seinem Gesang zu erfreuen.

Weitere Spuren finden sich in Liedern, Gedichten und Medien. Ein bekanntes amerikanisches Lied ist „When the Red, Red Robin“ von Harry M. Woods. Emily Dickinson schrieb ein Gedicht über den ersten Vogel des Frühlings, und die Comicfigur Robin wurde nach einem Motiv von Robin Hood benannt. Der Farbton „Robin Egg Blue“ ist nach der Eierfarbe des Vogels benannt.

Der Vogel wurde auch auf Geld abgebildet. Eine kanadische Banknote zu zwei Dollar aus der Serie der Vogelarten von 1986 zeigte ihn, wurde aber später zurückgezogen. Außerdem hat die Art in der Schädlingsbekämpfung eine Bedeutung, weil sie Käfer und andere Insekten frisst, die Ernte und Gärten schädigen können.

Wissenswertes

  1. Der Name Turdus ist das lateinische Wort für Drossel, während migratorius „wandernd“ oder „ziehend“ bedeutet.
  2. Die Gattung Turdus umfasst heute etwa 80 Arten.

Fotos

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Ökologie und Klassifikation

Verhalten

  • Territorial
  • Sozial
  • Tagaktiv
  • Zugvogel

Ernährung

  • Allesfresser

Klassifikation

Stamm
Chordata
Klasse
Aves
Ordnung
Passeriformes
Familie
Turdidae
Gattung
Turdus
Art
Turdus migratorius

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits
  6. Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
  7. AnAge Longevity