Der Wiesen-Bocksbart trägt seinen englischen Beinamen „Jack-go-to-bed-at-noon“ nicht ohne Grund: Seine gelben Blütenköpfe öffnen sich nur in der Morgensonne und schließen sich bereits am Mittag wieder.
Tragopogon pratensis, auf Deutsch Wiesen-Bocksbart genannt, ist eine zweijährige Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie blüht von Juni bis Oktober und ist in weiten Teilen Europas und Nordamerikas verbreitet.
Mit ihren grasähnlichen Blättern, der ungewöhnlichen Blühzeit und der auffälligen Pusteblume ist sie eine der eigenwilligsten Wiesenpflanzen heimischer Fluren.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal des Wiesen-Bocksbarts sind seine grasartigen, schmalen Blätter – unter den dotterblütigen Korbblütlern ist er im Vereinigten Königreich die einzige Art mit solch grasähnlichem Laub. Die Pflanze wird bis zu 76 cm hoch.
Die unteren Blätter sind 10 bis 30 Zentimeter lang, lanzettlich, längs gekielt, grau-grün, spitz zulaufend, unbehaart und mit einem weißen Mittelnerv versehen. Die oberen Blätter sind kürzer und stehen aufrechter.
Die Blütenköpfe erscheinen zwischen Juni und Oktober, sind gelb und 15 bis 25 Millimeter breit. Sie öffnen sich nur in der Morgensonne. Nach der Blüte bilden sich raue, lang geschnäbelte Achänen mit feinen weißen Haaren, die wie ein Spinnennetz verwoben sind und eine kugelige „Pusteblume“ ergeben.
Von der Niedrigen Schwarzwurzel (Scorzonera humilis) unterscheidet sich der Wiesen-Bocksbart durch seine Hüllblätter: Während die Schwarzwurzel kurze, hellgrüne Hüllblätter hat, sind sie beim Wiesen-Bocksbart lang und spitz zulaufend.
Verbreitung und Lebensraum
Der Wiesen-Bocksbart stammt ursprünglich aus Europa bis Zentralasien und in die Türkei, mit einem natürlichen Vorkommen unter anderem in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen, den baltischen Staaten und weiten Teilen Russlands. Er wächst bevorzugt auf Feldern – daher sein Name – und an Straßenrändern.
Außerhalb seines ursprünglichen Verbreitungsgebiets wurde die Art vielerorts eingeführt, darunter in weiten Teilen Nordamerikas von Kanada bis in die USA sowie in Großbritannien. In Nordamerika reicht das Vorkommen von Südontario bis Massachusetts. In Großbritannien ist die Pflanze in fast ganz England sowie an den östlichen und südlichen Rändern Schottlands und im zentralen Irland verbreitet, meidet dort jedoch die Küstengebiete.
Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche Häufung der Meldungen in den Sommermonaten Juni und Juli, was mit der Blütezeit der Pflanze zusammenfällt und somit ihre saisonale Sichtbarkeit widerspiegelt – nicht aber ihre tatsächliche Häufigkeit oder Verbreitung.

Wachstum und Wuchsform
Der Wiesen-Bocksbart ist eine zweijährige Pflanze: Sie entwickelt im ersten Jahr eine Blattrosette und blüht erst im zweiten Jahr, bevor sie abstirbt. Ausgewachsen erreicht sie eine Höhe von bis zu 76 cm.
Ökologie und Wechselbeziehungen
Der Wiesen-Bocksbart wird von einer Vielzahl von Insekten als Blütenbesucher aufgesucht, wobei Hummeln (Bombus) und Schwebfliegen wie Sphaerophoria scripta und Episyrphus balteatus zu den auffälligsten Gästen zählen. Auch verschiedene Wildbienen, darunter Sandbienen der Gattung Andrena sowie Halictus scabiosae, Heriades truncorum und Hylaeus nigritus, besuchen die Blüten – ein Blütenbesuch bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass die Pflanze auch bestäubt wird.
Als Nahrungsquelle dient die Pflanze zahlreichen Vögeln, etwa dem Gimpel (Pyrrhula pyrrhula), dem Birkenzeisig (Acanthis flammea) und der Feldlerche (Alauda arvensis), sowie Insekten wie der Eulenfalterraupe Amphipyra tragopoginis und der Blattlaus Brachycaudus tragopogonis, die auf die Pflanze spezialisiert ist.
Der Wiesen-Bocksbart gedeiht bevorzugt auf offenen, sonnigen Flächen wie Feldern und an Wegrändern, wo er Lebensraum für diese vielfältigen Interaktionen bietet.
Nutzung und Bedeutung für den Menschen
Die Wurzeln des Wiesen-Bocksbarts lassen sich kochen und ähnlich wie Kartoffeln verzehren. Auch die frischen Stängel und Blütenknospen können wie Spargel zubereitet werden, während sich die jungen Blätter roh essen lassen.
Wissenswertes
- Der englische Beiname „Jack-go-to-bed-at-noon“ bezieht sich darauf, dass sich die Blüten bereits zur Mittagszeit wieder schließen.
- Im Englischen trägt die Art auch die Namen „meadow salsify“, „showy goat's-beard“ und „meadow goat's-beard“.
- Die Art ist in Teilen ihres heutigen Verbreitungsgebiets, etwa in weiten Teilen Nordamerikas, nicht heimisch, sondern wurde dort eingeführt.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Wuchsform
- Kraut
Klassifikation
- Stamm
- Tracheophyta
- Klasse
- Magnoliopsida
- Ordnung
- Asterales
- Familie
- Asteraceae
- Gattung
- Tragopogon
- Art
- Tragopogon pratensis
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Plants of the World Online Native range, life form and climate (WCVP)
- GloBI What it eats, what eats it, parasites and pollinators
- trophiCH
- Schwarz et al. 2021
- EuPPollNet



