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Wiesen-Champignon

Agaricus campestris

Nicht gefährdet

Der Wiesen-Champignon, Agaricus campestris, ist ein weit verbreiteter Lamellenpilz und naher Verwandter des in Supermärkten erhältlichen Zuchtchampignons Agaricus bisporus. Er gehört zur Klasse der Agaricomycetes innerhalb der Basidiomycota und wird von der IUCN als nicht gefährdet eingestuft.

Seine weite Verbreitung auf Weiden und in Grasland macht ihn zu einem der bekanntesten wilden Speisepilze überhaupt – doch gerade diese Vertrautheit birgt auch Risiken, da er mit gefährlichen Giftpilzen verwechselt werden kann.

Fruchtkörper und Bestimmung

Das verlässlichste Bestimmungsmerkmal ist das Verfärbungsverhalten des weißen Fleisches: Es läuft bei Verletzung schmutzig rötlich-braun an, nicht gelb wie bei der giftigen Verwechslungsart Agaricus xanthodermus und ähnlichen Arten. Der Hut ist weiß, kann feine Schüppchen tragen und misst 3 bis 12 Zentimeter im Durchmesser. Zunächst halbkugelig geformt, flacht er mit zunehmendem Alter ab.

Die Lamellen sind jung rosa, werden dann rotbraun und schließlich dunkelbraun – dieselbe Farbe zeigt auch das Sporenpulver. Der Stiel wird 3 bis 10 Zentimeter hoch und 1 bis 2 Zentimeter breit, ist überwiegend weiß und trägt einen einzelnen dünnen Ring. Der Geschmack des weißen Fleisches gilt als mild. Die dickwandigen, dunkelbraunen, elliptischen Sporen messen 5,5 bis 8 Mikrometer mal 4 bis 5 Mikrometer; Cheilozystiden fehlen.

Eine weniger gefährliche, aber häufigere Verwechslung betrifft den Karbolegerling Agaricus xanthodermus, der bei vielen Menschen Magen-Darm-Beschwerden auslöst. Der Anischampignon Agaricus arvensis ist sehr ähnlich und gilt als hervorragender Speisepilz. Mikroskopisch kaum zu unterscheiden ist der Wiesen-Champignon zudem von den essbaren Arten Agaricus andrewii und Agaricus solidipes.

Verbreitung und Lebensraum

Der Wiesen-Champignon wächst auf gedüngten Weiden, Wiesen und anderen grasbewachsenen Flächen, in Afghanistan sogar in der Wüste entlang von Kamelpfaden nach Regen. Waldgebiete meidet er weitgehend. Weltweit erscheint er nach Regenfällen ab dem Spätsommer, oft auf Rasenflächen in Vorstädten – einzeln, in kleinen Gruppen oder in Hexenringen.

Mit dem Rückgang von Pferdefuhrwerken und damit der Zahl weidender Pferde sind die früher verbreiteten, massenhaften Fruchtkörper-„Weißflächen“ seltener geworden. Die Art ist aus Europa, Asien, Nordafrika, Australien, Neuseeland sowie Nord- und Mittelamerika einschließlich Mexiko gemeldet.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche Häufung in den Sommer- und Frühherbstmonaten, mit dem höchsten Auftreten im achten Monat, was auf eine saisonale Fruchtphase in dieser Zeit hindeutet. Solche Zahlen spiegeln jedoch nur gemeldete Fundpunkte wider und erlauben keine Rückschlüsse auf tatsächliche Bestandsgrößen oder das vollständige natürliche Verbreitungsgebiet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Agaricus campestris
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
4.614
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Nutzung und Kulturgeschichte

Der Wiesen-Champignon gilt als essbar und geschätzt, wird aber wegen seiner schnellen Reife und kurzen Haltbarkeit nicht kommerziell angebaut. Seine Fähigkeit, mistreiche Felder schnell zu besiedeln, trug historisch zu frühen Versuchen bei, Pilze künstlich zu kultivieren, was schließlich zur Domestizierung von Agaricus bisporus führte.

In Teilen Schottlands wurden früher Scheiben des Wiesen-Champignons auf Verbrühungen und Brandwunden aufgelegt. Wasserauszüge der Art zeigten in Untersuchungen eine Steigerung der Insulinausschüttung sowie insulinähnliche Wirkungen auf den Glukosestoffwechsel in vitro, wobei der zugrunde liegende Mechanismus unklar blieb. Auch wird an pilzlichen Wundauflagen aus Myzelfäden zur Behandlung von Geschwüren und Druckgeschwüren geforscht.

Wissenswertes

  1. Pilze galten bereits in der Antike als Delikatesse und wurden gezielt in freier Natur gesammelt, wie auch beim Wiesen-Champignon.
  2. Die leichte Besiedelung mistreicher Felder durch diese Art lieferte wichtige Erkenntnisse für die frühen Experimente zur künstlichen Pilzzucht.
  3. Noch heute genießt der Wiesen-Champignon unter Pilzsammlern, Kräuterkundigen und Spitzenköchen einen Ruf als besonders geschätzter Wildspeisepilz.
Nicht gefährdet

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by emmar90 via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Jeff Clark via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Susan Marley via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Helen Bovill via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Cara Ennis via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Jana via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by brettaugust via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by Snap via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Klassifikation

Stamm
Basidiomycota
Klasse
Agaricomycetes
Ordnung
Agaricales
Familie
Agaricaceae
Gattung
Agaricus
Art
Agaricus campestris

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract
  5. Encyclopedia of Life Habitat, diet and behavior traits