Der Atlantische Lachs (Salmo salar) kann bis zu schwer werden und bis zu alt werden. Er ist die größte Art der Gattung Salmo und gehört zur Familie der Lachsfische (Salmonidae).
Die Art lebt im nördlichen Atlantik und in den Flüssen, die in diesen Ozean münden. Die meisten Bestände sind anadrom: Die Jungfische schlüpfen im Süßwasser, wandern als Junglachse ins Meer und kehren als erwachsene Tiere flussaufwärts zurück, um zu laichen. Nach der Roten Liste der IUCN gilt der Atlantische Lachs als potenziell gefährdet.
Wer die Wanderung verstehen will, findet hier die Lebensstationen von der Eiablage im Kies bis zur Rückkehr in den Heimatfluss.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das wichtigste Merkmal erwachsener Lachse sind die schwarzen Flecken, die vor allem oberhalb der Seitenlinie sitzen. Die Schwanzflosse ist meist ungefleckt. Der Körper ist spindelförmig, das Gebiss kräftig, und alle Flossen außer der Fettflosse sind schwarz gesäumt.
Nach zwei Jahren im Meer messen die Fische meist 71 bis 76 Zentimeter und wiegen 3,6 bis 5,4 Kilogramm. Tiere, die vier oder mehr Winter im Meer verbringen, sowie Wiederlaicher können deutlich größer werden. Der schwerste dokumentierte Lachs wog 49,44 Kilogramm; er wurde 1960 im Ästuar des Flusses Hope in Schottland gefangen. Der längste bekannte Lachs maß 160,65 Zentimeter und wurde 1925 in Norwegen gefangen.
Junge Lachse im Süßwasser sehen anders aus als Erwachsene. Sie tragen blaue und rote Punkte an den Flanken. Mit der Geschlechtsreife nimmt der Körper einen silbrig-blauen Glanz an. Zur Laichzeit zeigen die Männchen einen leichten grünen oder roten Schimmer.
Verbreitung und Lebensraum
Der Atlantische Lachs ist ein anadromer Wanderfisch. Er verbringt die ersten zwei oder drei Lebensjahre im Süßwasser, bevor er ins Meer zieht. Für die frühe Entwicklung sind relativ große, kühle Flüsse mit ausgedehnten Kiesgründen und Oberläufen wichtig.
Die Junglachse ziehen ein oder zwei Jahre im Meer umher und kehren dann in den Süßwasserbereich zurück. Die meisten Tiere finden in den Fluss zurück, in dem sie geschlüpft sind. Im Meer bevorzugen die Fische Wassertemperaturen von 4 bis 12 °C. Kurzzeitig überleben sie Temperaturen von -0,7 °C bis 27,8 °C.
Das natürliche Verbreitungsgebiet umfasst Flüsse in Westeuropa, von Nordportugal über Norwegen, Island und Grönland bis zur Pechora in Russland. In Europa reicht das Vorkommen bis nach Nordspanien. Seit 2002 hat sich die Art auch auf Spitzbergen ausgebreitet, was auf die Erwärmung des Klimas zurückgeführt wird. In Nordamerika reicht das Verbreitungsgebiet von Connecticut bis ins nördliche Labrador und in die kanadische Arktis.
Beobachtungen von Vorkommen häufen sich im September. Die Art ist empfindlich gegenüber Veränderungen der Wassertemperatur und des Süßwasserlebensraums.

Verhalten und Lebensweise
Junge Lachse schwimmen in Schwärmen. Im Meer halten sich Fische aus vielen verschiedenen Flüssen über weite Teile ihres Lebens in denselben Gebieten auf. Auch beim Verlassen der Flussmündung bilden sie oft Schwärme.
Die Sinne der Tiere sind gut entwickelt. Lachse riechen, hören und schmecken hervorragend. Über Seitenlinien spüren sie Wellen am Körper und erkennen so Gefahren. Die Jungfische prägen sich beim Abwandern die Gerüche ihres Heimatbachs ein. Als Erwachsene nutzen sie diesen Geruch, um zu ihrem Geburtsfluss zurückzufinden. Wie die Orientierung genau funktioniert, ist nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden auch Sonne, Sterne und das Geschmacksbild des Wassers.
Kleine Jungfische und Parr gelten als Reviertiere, doch dafür gibt es keine eindeutigen Belege. Sie können einander gelegentlich angreifen, und die soziale Rangordnung ist unklar. Erwachsene Atlantische Lachse sind deutlich aggressiver als andere Lachsarten und greifen häufiger andere Fische an.
Kommunikation
Der Atlantische Lachs nutzt vor allem chemische Signale. Die Jungfische prägen sich den Geruch ihres Heimatbachs ein, und die Rückkehrer folgen später genau dieser Duftspur. Dass der Geruch des Muttergewässers die Rückkehr lenkt, gilt als wahrscheinlich, ist aber nicht abschließend belegt.
Daneben spielen Sinneseindrücke eine Rolle, die außen auf dem Körper wahrgenommen werden. Über Wellen und Druck an der Seitenlinie erkennen die Fische Bewegungen in ihrer Umgebung. Auch Gehör und Geschmack helfen beim Finden von Nahrung und beim Erkennen von Gefahr.
Sichtbare Signale sind vor allem bei der Fortpflanzung wichtig. Männchen verändern vor der Laichzeit Kopfform und Färbung, und das beeinflusst das Verhalten der Tiere während der Partnerwahl.
Jagd und Ernährung
Schon nach dem Schlüpfen werden die Lachse zu aktiven Jägern, die sich in der Strömung auf Beute stürzen. Die Jungfische in den Bächen fressen vor allem Larven von Wasserinsekten, etwa von Kriebelmücken, Steinfliegen, Köcherfliegen und Zuckmücken. Im Spätsommer gewinnen Landinsekten an Bedeutung.
Im Meer erbeuten die Lachse Plankton wie Leuchtkrebse, die für noch kleine Lachse besonders wichtig sind. Daneben fressen sie Flohkrebse und Zehnfußkrebse. Größere Lachse jagen Fische, darunter Heringsartige, Stinte, Lodden und kleine Kabeljaue.
Vor dem Laichen stellen die Tiere die Nahrungsaufnahme ein. Nach der Rückkehr ins Süßwasser fressen sie nicht mehr, auch dann nicht, wenn ihnen künstliche Fliegen angeboten werden.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
Der Atlantische Lachs laicht im Oktober und November, der Höhepunkt liegt meist Ende Oktober. Vor der Laichzeit verlängert sich der Kopf der Männchen, und an der Spitze des Unterkiefers bildet sich ein ausgeprägter Haken, der Laichhaken. Die Männchen werben um die Weibchen und vertreiben andere Männchen aus dem Revier.
Das Weibchen wählt einen Platz mit Kiesgrund, meist eine Stromschnelle oberhalb eines Beckens. Auf der Seite liegend schlägt es mit Schwanzflosse und Schwanzstiel kräftig und wirbelt so eine Laichgrube aus. Nach Fertigstellung legen sich Männchen und Weibchen nebeneinander, Eier und Samen werden abgegeben und befruchtet. Ein Weibchen legt 700 bis 800 Eier pro Pfund (etwa 454 Gramm) Körpergewicht ab. Die großen, blassorangefarbenen Eier haften kurz klebrig. Anschließend deckt das Weibchen sie mit Kies zu, in einer Tiefe von etwa 12,7 bis 25,4 Zentimetern. Danach baut es die nächste Grube, und dieser Vorgang wiederholt sich, bis das Laichen abgeschlossen ist.
Nach dem Laichen sterben manche Lachse, viele überleben jedoch und laichen ein zweites Mal. Nur wenige laichen drei- oder mehrmals. Im April schlüpfen die Larven, bleiben aber bis zum Verbrauch des Dottersacks im Kies. Im Mai oder Juni des folgenden Jahres kommen sie heraus. Die Brütlinge bleiben zunächst in schnell fließendem Wasser, bis sie etwa 65 Millimeter lang sind. Danach heißen sie Parr und wachsen langsam. Bei einer Länge von 12 bis 15 Zentimetern werden sie zu Junglachsen, die ins Meer ziehen. Dort wachsen sie schnell. Manche kehren nach einem Jahr im Meer zurück, andere bleiben zwei Jahre.
Bestand und ökologische Rolle
Die meisten Atlantischen Lachse wachsen im Meer heran, wo sie den größten Teil ihrer Nahrung aufnehmen. Zum Laichen kehren sie in ihre Heimatbäche zurück. Die Süßwasserphase dauert je nach Fluss zwei bis acht Jahre. Im Süden vor dem Ärmelkanal ziehen die Jungtiere nach einem Jahr ab, weiter nördlich in Schottland oft erst nach mehr als vier Jahren. Im Norden Quebecs wurden Junglachse mit bis zu acht Jahren gefunden.
In den frühen Lebensstadien sind die Jungtiere stark durch Fraßfeinde bedroht. Fast 40 Prozent werden allein von Forellen gefressen. Auch andere Fische und Vögel erbeuten Lachse. Ab einem Gewicht von etwa 250 Gramm sind die Tiere vor den meisten Vögeln und Fischen sicher, Seehunde und Kegelrobben fressen jedoch weiterhin Lachse. Der Anteil der Tiere, die dieses Stadium erreichen, wird auf 14 bis 53 Prozent geschätzt.
Nach dem Rückzug von Bibern aus vielen Flüssen gingen auch die Wanderfischbestände zurück. Biberdämme können die Wanderung der Erwachsenen bei niedrigem Wasserstand behindern. In einer norwegischen Untersuchung aus dem Jahr 2003 blieben Lachse und Meerforellen im Numedalslågen-Fluss und 51 Nebenflüssen von Bibern unbeeinträchtigt.
Schutz und Bedrohungen
Nach der IUCN gilt der Atlantische Lachs als potenziell gefährdet. Regional wird die europäische Population als gefährdet eingestuft. Lokale Bewertungen zeigen Rückgänge in Teilen des natürlichen Verbreitungsgebiets. Die Bestände entlang der Küste von Maine und in der inneren Bay of Fundy gelten nach dem US-Artenschutzgesetz beziehungsweise dem kanadischen Species at Risk Act als gefährdet.
Die wichtigsten Bedrohungen sind Überfischung und Veränderungen des Lebensraums. Der Lake Ontario verlor seine Lachse bereits im 18. und 19. Jahrhundert durch Abholzung, Bodenerosion sowie Dämme und Mühlen. Bis 1896 galt die Art dort als ausgerottet. Seit den 1950er Jahren fingen Fischer im Meer um Grönland und die Färöer mit Treibnetzen. Zwischen 1979 und 1990 sanken die Fangzahlen von vier Millionen auf 700.000. Um 1990 verdoppelte sich die Sterblichkeit auf See im westlichen Atlantik, Flüsse an der Küste von Maine, im Süden New Brunswicks und auf dem Festland von Nova Scotia verloren ihre Wanderfische fast vollständig. Auch Aquakulturen belasten die Bestände, denn entflohene Zuchtlachse vermischen sich mit Wildlachsen. Zudem wurden Krankheitserreger von Zuchtlachsen auf Wildfische übertragen.
Es gibt auch Erholung. Im Penobscot River in Maine kehrten 2011 mehr als 3.100 Lachse zurück, die meisten seit 1986. Seit 2006 besetzt das kanadische Programm Atlantic Salmon Restoration Program den Ontariosee mit Jungtieren, bislang mehr als 6.000.000 Stück.
Kulturelle Bedeutung
In Irland gilt der Atlantische Lachs als der bedeutendste Fisch der Mythologie. Der irische Name An Bradán Feasa bedeutet „der Lachs des Wissens“. Die Art wurde mit Stärke, Weisheit und Spiritualität verbunden.
Bei vielen indigenen Völkern der Nordwestküste Nordamerikas hat der Lachs einen heiligen Status. Er gilt zudem als beliebtes Motiv in der Wellness-Werbung und in geschlechtsneutral gestalteten Kinderzimmern.
Als Speisefisch ist der Atlantische Lachs begehrt. Sportangler schätzen ihn besonders. Heute stammt fast der gesamte Handelsfisch aus Aquakulturen, etwa in Norwegen, Chile, Kanada und Großbritannien.
Wissenswertes
- Carl von Linné ordnete den Lachs 1739 unter dem wissenschaftlichen Namen Salmo salar ein.
- Der schwedisch-englische Schriftsteller Henry Williamson hat dem Lachs einen Roman gewidmet, „Salar the Salmon“.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Lebensraum
Ernährung
- Fleischfresser
Verhalten
- Räuber
- Aggressiv
- Sozial
- Zugvogel
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Ordnung
- Salmoniformes
- Familie
- Salmonidae
- Gattung
- Salmo
- Art
- Salmo salar
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Animal Diversity Web Animal habitat, behavior and diet
- AnAge Longevity



