Der Brahma-Kauz gehört zu den wenigen Eulen, die sich an das Leben in Städten angepasst haben. Die kleine Art brütet in den Tropen Asiens, von Nordpakistan bis Südostasien, und ist dort ein häufiger Standvogel.
Als Vogel der Familie der Eulen (Strigidae) bewohnt er offene Lebensräume, darunter Ackerland und menschliche Siedlungen. Auf der Roten Liste der IUCN ist er als nicht gefährdet eingestuft. Sein Verbreitungsgebiet umfasst etwa .
Besonders auffällig ist die große Variation innerhalb der Art, etwa eine Größenabnahme von Nord nach Süd. Zudem bildet Athene brama mit dem sehr ähnlichen Steinkauz (Athene noctua) eine Superspezies.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das wichtigste Merkmal ist die grau-braune, dicht weiß gefleckte Oberseite in Verbindung mit einer weißen, braun gestreiften Unterseite. Dazu kommt ein weißes Nackenband und ein weißer Überaugenstreif.
Mit etwa 21 cm Körperlänge ist der Brahma-Kauz klein und gedrungen. Er wiegt rund .
Der Gesichtsschleier ist hell, die Iris leuchtend gelb. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.
Die nominale Form ist dunkler als die helleren Formen trockener Regionen wie indica.
Verbreitung und Lebensraum
Der Brahma-Kauz lebt in den Tropen Asiens, von Nordpakistan bis Südostasien. Sein Verbreitungsgebiet umfasst etwa .
Er bevorzugt halboffene Landschaften und kommt besonders in Agrarlandschaften und an menschlichen Siedlungen vor. Dort ist er vom Menschen stark beeinflusst.
Beobachtungsdaten zeigen über das Jahr hinweg Nachweise, mit einem deutlichen Schwerpunkt im Januar. Im Sommer sind sie geringer.

Verhalten und Lebensweise
Der Brahma-Kauz ist nachtaktiv, lässt sich aber häufig auch tagsüber sehen. Tagsüber ruht er in Baumhöhlen oder Nischen in Felsen und Gebäuden, oft in kleinen Gruppen.
Wird er an seinem Tagesversteck gestört, nickt er mit dem Kopf und starrt den Eindringling an. Kleine Singvögel, die ihn tagsüber bedrängen, verraten oft seinen Standort.
Die Art gilt als Standvogel und zieht nicht weg. Ihre Hirnstruktur zeigt eine Zirbeldrüse, und ihr Melatoninspiegel unterscheidet sich nur wenig zwischen Tag und Nacht. Bei anderen Eulen wie der Schleiereule ist dieser Unterschied ebenfalls gering.
Aufnahmen
call, nocturnal flight call · India · Ujjal Kishor De · CC BY-SA
call · India · Sudipto Roy · CC BY-SA
Jagd und Ernährung
Der Brahma-Kauz jagt vor allem Insekten und kleine Wirbeltiere. Er erbeutet Mäuse, Eidechsen, Kleinschlangen und Fledermäuse, daneben auch Kröten, Skorpione und Weichtiere.
In Pakistan bestehen seine Beutetiere überwiegend aus Insekten. In der trockenen Region um Jodhpur fängt er vor der Brutzeit mehr Nagetiere, vor allem der Gattung Mus, und meidet andere Nager wie Tatera.
In der Nähe menschlicher Siedlungen ist das Nahrungsangebot an Nagetieren größer, was den Bruterfolg verbessern kann.
Nestbau und Brut
Die Brutzeit liegt zwischen November und April. Das Paar zeigt Balzverhalten mit Schnabelgreifen, gegenseitigem Gefiederputzen und Futterübergaben. Das Weibchen ruft gemeinsam mit dem Männchen, nickt mit dem Kopf und spreizt den Schwanz.
Die Eier werden in Höhlen gelegt, oft in Konkurrenz mit anderen Höhlenbrütern wie Staren, Racken und Sittichen. Auch in senkrechten Erdwänden werden Nisthöhlen angelegt. Das Gelege umfasst meist drei oder vier kugelige, weiße Eier von etwa 30,9 mm Länge und 26,3 mm Breite. Die Bebrütung beginnt mit dem ersten Ei, daher schlüpfen die Küken zu unterschiedlichen Zeiten und sind unterschiedlich groß.
Die Jungen werden zunächst mit Insekten wie Schaben gefüttert, später mit kleinen Wirbeltieren wie Mäusen. Nur ein oder zwei Junge fliegen aus, und sie verlassen das Nest nach etwa einem Monat.
Bestand und ökologische Rolle
Über Bestandsgröße und Trend liegen keine verlässlichen Angaben vor. Der Brahma-Kauz ist in seinem Verbreitungsgebiet als häufig bekannt.
Als Beutegreifer hält er die Bestände von Insekten und Nagetieren in seinem Lebensraum in Schach. Parasiten wie der Einzeller Eimeria atheni, die Milbe Neocheletiella athene und die Federlaus Colpocephalum pectinatum leben auf oder in ihm. Im Darm wurde außerdem der Kratzwurm Apororhynchus chauhani gefunden.
Kulturelle Bedeutung
Der Brahma-Kauz ist den Menschen Südasiens sehr vertraut, vor allem wegen seiner lauten Rufe. Deshalb wurde er mit bösen Vorzeichen in Verbindung gebracht. Diese Vorstellung ist jedoch nur Volksglaube und hat keine wissenschaftliche Grundlage. In der Gegenwart spielt dieser Aberglaube keine Rolle mehr.
Der Artname brama geht auf den französischen Namen Chouette brame zurück und verweist auf die indische Heimat der Eule. Zugleich ist er eine Ehrung für Brahma, den hinduistischen Schöpfergott. Der Gattungsname Athene verweist auf die griechische Göttin der Weisheit, deren heiliger Vogel die Eule war.
In der hinduistischen Mythologie gilt die Eule als Reittier der Göttin Lakshmi. Sie steht dort für Weisheit, Geduld und die Fähigkeit, inneres Wesen zu erkennen.
Wissenswertes
- Im Flug fällt der tief wellenförmige Flugstil dieser kleinen Eule auf.
- Der Brahma-Kauz ruft vor allem in der Morgendämmerung und kurz nach Sonnenuntergang.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Aves
- Ordnung
- Strigiformes
- Familie
- Strigidae
- Gattung
- Athene
- Art
- Athene brama
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- Xeno-canto Audio recordings
- AVONET Bird mass, habitat, migration, diet and range size



