Jahrzehntelang galt der Europäische Laubfrosch als eine einzige, von Frankreich bis Japan verbreitete Art. Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass mehrere dieser Populationen eigenständige Arten sind, sodass Hyla arborea im engeren Sinne heute nur noch das Gebiet von Frankreich bis Polen und Griechenland umfasst.
Der kleine, schlanke Frosch lebt in feuchten Lebensräumen quer durch weite Teile Europas und gilt nach der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern), auch wenn die Bestände insgesamt rückläufig sind.
Besonders bemerkenswert sind seine wechselnde Hautfarbe, seine kletternden Zehen und sein lautes Rufen vor Regenschauern, das ihm früher den Ruf eines lebenden Wetterfroschs einbrachte.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal des Europäischen Laubfroschs sind die Haftscheiben an den Zehenspitzen, mit denen er an Bäumen und Hecken emporklettert. Zusammen mit einem dunkelbraunen seitlichen Streifen, der sich vom Auge bis zur Leiste zieht und die grüne Rückenhaut von der helleren Bauchseite trennt, lässt sich die Art gut erkennen.
Männchen erreichen eine Körperlänge von 32 bis 43 mm, Weibchen werden mit 40 bis 50 mm etwas größer. Der Körper ist schlank, die Hinterbeine sind deutlich länger und kräftiger als die Vorderbeine und ermöglichen weite Sprünge. Die Rückenhaut ist glatt und kann je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Stimmung des Tieres von leuchtendem Grün über Grau bis hin zu Braun oder Gelb wechseln, während die Bauchhaut körnig und weißlich gefärbt ist.
Der Kopf ist rundlich, die Schnauze fällt steil ab, die Pupille ist horizontal-oval geformt und das Trommelfell ist deutlich sichtbar. Männchen und Weibchen unterscheiden sich an der Kehle: Weibchen haben eine weiße Kehle, während Männchen eine goldbraune Kehle mit einem großen, gefalteten Schallblasensack besitzen, den sie beim Rufen aufblasen.
Verbreitung und Lebensraum
Hyla arborea ist in weiten Teilen Europas verbreitet, von Frankreich über Mitteleuropa bis nach Polen und Griechenland, und kommt darüber hinaus in zahlreichen weiteren Ländern des erweiterten Artenkomplexes vor, etwa in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Beneluxstaaten, auf dem Balkan sowie in Teilen Osteuropas und Kleinasiens. In Großbritannien wurde die Art einst eingeführt, gilt dort inzwischen aber als ausgestorben.
Als Lebensraum nutzt der Laubfrosch Sumpfgebiete, feuchte Wiesen, Röhrichte, Parks, Gärten, Weinberge, Obstgärten, Bach- und Seeufer sowie feuchte oder auch trockene Wälder. Dichte, dunkle Wälder meidet er dagegen, und da er kurze Trockenperioden verträgt, findet man ihn gelegentlich sogar in eher trockenen Habitaten.
Monatliche Beobachtungsdaten zeigen ein sehr ausgeprägtes saisonales Muster: Die Meldungen steigen von wenigen Hundert im Winter auf einen deutlichen Höhepunkt im Mai mit fast 48.000 Beobachtungen und bleiben bis in den Spätsommer hoch, bevor sie im Herbst und Winter wieder stark abfallen. Solche Zahlen spiegeln vor allem die Aktivität und Rufzeit während der Fortpflanzungssaison wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße.

Verhalten und Lebensweise
Rufaktivität und Wetterfühligkeit prägen das Verhalten des Europäischen Laubfroschs so stark, dass er historisch als lebender Regenmesser genutzt wurde: Tiere in Glasgefäßen begannen bei aufziehendem Regen zu rufen, was Menschen als frühe Form eines Wetterfroschs diente.
Seine Hautfarbe wechselt je nach Temperatur, Luftfeuchtigkeit und offenbar auch Stimmung zwischen kräftigem Grün, Oliv, Grau, Braun und Gelb – eine Anpassung, die Tarnung in unterschiedlichen Vegetationsstrukturen ermöglicht.
Bei der Jagd nutzt der Frosch seine kräftigen Hinterbeine, um mit weiten Sprüngen auch schnell fliegende Insekten aus der Luft zu erbeuten; Spinnen, Fliegen, Käfer, Schmetterlinge und glatte Raupen machen einen Großteil seiner Beute aus.
Zur Überwinterung zieht er sich in Mauerspalten, Kellerräume, unter Steine, Vegetationspolster oder vergraben in Laub- und Misthaufen zurück, wo er vor Frost geschützt ist.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
Die Paarungszeit des Europäischen Laubfroschs erstreckt sich von Ende März bis Juni und findet in stehenden Gewässern wie Seen, Teichen, Sümpfen, Stauseen und manchmal sogar in Pfützen statt. Nach einem Frühlingsregen rufen die Männchen von niedriger Vegetation oder aus flachem Wasser, um Weibchen anzulocken, und wechseln dabei mitunter auch innerhalb einer Saison den Laichteich.
Ein Weibchen legt etwa 800 bis 1.000 Eier in walnussgroßen Laichballen ab; die einzelnen Eier haben nur rund 1,5 mm Durchmesser. Nach 10 bis 14 Tagen schlüpfen die Larven, und nach etwa drei Monaten Entwicklung im Wasser durchlaufen die Kaulquappen die Metamorphose zum fertigen Frosch, was meist zwischen Ende Juli und Anfang August seinen Höhepunkt erreicht.
In freier Wildbahn können Europäische Laubfrösche bis zu 15 Jahre alt werden, wobei einzelne Individuen offenbar sogar bis zu 22 Jahre erreichen können.
Schutz und Bedrohungen
Die IUCN listet Hyla arborea als nicht gefährdet (Least Concern), begründet vor allem mit der weiten Verbreitung und der vermutlich großen Gesamtpopulation. Gleichzeitig stuft die IUCN den Bestandstrend als rückläufig ein, was zeigt, dass der Status „ungefährdet“ nicht mit stabilen Beständen gleichzusetzen ist.
Die größten Bedrohungen sind Fragmentierung und Zerstörung von Lebensräumen sowie die Verschmutzung von Feuchtgebieten. Hinzu kommen die Bejagung durch Fische – vor allem eingesetzte Forellen, die in Teichen zu deutlichen Bestandsrückgängen führen –, der Fang für den Heimtierhandel und der Klimawandel. Als weitere mögliche Ursachen für den Rückgang gelten erhöhte UVB-Strahlung sowie lokale und weiträumig wirkende Pestizide, Düngemittel und andere Schadstoffe.
Seit den 1980er-Jahren haben Renaturierungsmaßnahmen erfolgreich zur Erholung von Populationen beigetragen. Dazu zählen die Anlage neuer Laichgewässer, die Schaffung von Lebensraumkorridoren zwischen Laichplätzen und gezielte Wiederansiedlungen, die etwa in Schweden, Lettland und Dänemark Erfolge zeigten. Der Schutz bestehender Lebensräume gilt dabei als die wichtigste Einzelmaßnahme.
Schutzstatus
- LC
- NT
- VU
- EN
- CR
Nicht gefährdet
Kulturelle Bedeutung
Der Gattungsname Hyla stammt vom griechischen Wort „hyle“ für „Wald“ oder „Gehölz“ ab und verweist damit auf den Lebensraum der Tiere in Bäumen und Sträuchern.
Zugleich leitet sich der Name von Hylas ab, einem jungen Begleiter des Herakles in der griechischen Mythologie, der für seine Schönheit bekannt war und der Erzählung nach beim Wasserholen spurlos verschwand. Über diese Herkunft ist der Name des Frosches eng mit Vorstellungen von Wald, Natur und jugendlicher Schönheit verknüpft.
Wissenswertes
- Der Gattungsname Hyla verweist über die Sagenfigur Hylas und das griechische Wort für „Wald“ zugleich auf Mythologie und Lebensraum der Art.
- Stammbaumanalysen stellen Hyla arborea zusammen mit Hyla annectans und Hyla savignyi in eine eurasische Gruppe, die als Schwestergruppe zu den elf nordamerikanischen Hyla-Arten sowie zur asiatischen Hyla japonica gilt.
- Obwohl bei Laubfröschen meist die Wahl der Weibchen im Fokus der Forschung steht, gibt es Hinweise auf Konkurrenz zwischen Männchen innerhalb der Gattung Hyla, die ebenfalls über den Fortpflanzungserfolg mitentscheiden kann.
- Während die meisten Tiere nach etwa 15 Jahren sterben, gibt es Berichte über einzelne Individuen, die bis zu 22 Jahre alt wurden.
Ökologie
Lebensraum
- Feuchtgebiet
- Wald
- Süßwasser
- Grasland
Verhalten
- Räuber
- Winterschlaf haltend
- Baumbewohnend
Ernährung
- Insektenfresser



