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Aga-Kröte

Rhinella marina

LCNicht gefährdet
Große, warzige Kröte mit graubraunem bis olivfarbenem Körper, großen ovalen Ohrdrüsen hinter den Augen, goldener Iris und cremefarbener, dunkel gefleckter BauchseiteFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Messwerte

Gewicht
0,105–0,105 kg
Lebensdauer
≤ 24,8 Jahre
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Amphibia
Ordnung
Anura
Familie
Bufonidae
Gattung
Rhinella
Art
Rhinella marina

Kaum eine andere Amphibienart hat die Tierwelt eines ganzen Kontinents so nachhaltig verändert wie Rhinella marina: Nachdem 1935 nur 102 Exemplare zur Bekämpfung von Zuckerrohrschädlingen nach Australien gebracht wurden, breiteten sich ihre Nachkommen unkontrolliert aus und machten die Art zu einer der am weitesten verbreiteten invasiven Arten der Welt.

Die Aga-Kröte (Rhinella marina) ist eine großwüchsige, bodenlebende Krötenart aus der Familie der Bufonidae. Ursprünglich stammt sie aus Süd- und dem mittelamerikanischen Festland, wurde aber auf zahlreiche Inseln im Pazifik und in der Karibik sowie im Norden Australiens eingeführt. Die IUCN stuft sie als nicht gefährdet ein.

Ihre Geschichte macht die Aga-Kröte zu einem der am gründlichsten untersuchten Beispiele dafür, wie eine gut gemeinte biologische Schädlingsbekämpfung außer Kontrolle geraten kann – mit Folgen, die bis heute die Ökosysteme ganzer Regionen prägen.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal der Aga-Kröte sind die großen, ovalen Ohrdrüsen (Parotoiden) hinter jedem Auge, ergänzt durch deutliche Knochenleisten, die von den Augen über die Schnauze verlaufen. Diese Drüsen produzieren bei Bedrohung ein giftiges, weißliches Sekret und sind das zuverlässigste Erkennungsmerkmal der Art.

Mit einer typischen Körperlänge von 10 bis 15 Zentimetern und einem dokumentierten Maximum von 24 Zentimetern zählt Rhinella marina zu den größten Krötenarten überhaupt; ausgewachsene Tiere können bis zu 105 Gramm wiegen. Weibchen werden deutlich größer als Männchen. Kröten in Gebieten mit geringerer Populationsdichte erreichen tendenziell größere Körpermaße.

Die Haut ist trocken und warzig, die Färbung variiert zwischen grau, gelblich, rotbraun und olivbraun mit unterschiedlicher Musterung. Die Bauchseite ist cremefarben und kann schwarze oder braune Flecken tragen. Die Pupillen sind horizontal ausgerichtet, die Iris golden. An der Zehenbasis findet sich eine fleischige Schwimmhaut, während die Finger frei von Häuten bleiben.

Jungtiere besitzen eine glatte, dunkle Haut, manchmal mit rötlichem Schimmer, und noch keine ausgeprägten Parotoiddrüsen, weshalb sie weniger giftig sind als Adulttiere. Die Kaulquappen sind klein, einheitlich schwarz, leben am Gewässerboden, bilden Schwärme und erreichen eine Länge von 10 bis 25 Millimetern.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprünglich reicht das Verbreitungsgebiet der Aga-Kröte vom Rio-Grande-Tal in Süd-Texas über Mittelamerika bis in den zentralen Amazonas und den Südosten Perus, einschließlich einiger Inseln vor Venezuela wie Trinidad und Tobago. In diesem nativen Gebiet besiedelt sie sowohl tropische als auch semiaride Lebensräume, bevorzugt jedoch bewaldete Gebiete mit halbständigen Gewässern in der Nähe.

Bemerkenswert ist, dass die Siedlungsdichte im nativen Verbreitungsgebiet mit rund 20 adulten Tieren pro 100 Meter Uferlinie nur 1 bis 2 Prozent der Dichte erreicht, die in eingeführten Populationen wie in Australien gemessen wird.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert wurde die Art wiederholt zur biologischen Schädlingsbekämpfung verschleppt: nach Martinique und Barbados vor den 1840er Jahren, 1844 nach Jamaika, Anfang des 20. Jahrhunderts nach Puerto Rico. Nach dem dortigen Erfolg gegen Käferplagen folgten in den 1930er Jahren Einführungen in weiten Teilen des Pazifiks, darunter Hawaii und die Philippinen, und schließlich 1935 Australien. Heute existieren zudem etablierte Populationen in Florida, Papua-Neuguinea, auf japanischen Inseln wie Ishigaki sowie den Ogasawara- und Daitō-Inseln, in Taiwan, auf den meisten Karibikinseln und auf Fidschi sowie zahlreichen weiteren Pazifikinseln.

Monatliche Beobachtungsdaten zeigen die höchste Zahl gemeldeter Sichtungen im August, mit erhöhten Werten von Mai bis September – ein Hinweis auf verstärkte Aktivität oder Sichtbarkeit während der wärmeren, feuchteren Monate. Diese Zahlen spiegeln jedoch lediglich Beobachtungshäufigkeiten wider, nicht die tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet.

Karte der dokumentierten Nachweise von Rhinella marina
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
10.558
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Die Aga-Kröte ist überwiegend nachtaktiv und bewegt sich in kurzen, schnellen Sprüngen fort, wobei sie zwischen den Hüpfern eine aufrechte Sitzhaltung einnimmt. Tagsüber sowie während kalter oder trockener Perioden verharrt sie regungslos in flachen, selbst gegrabenen Mulden unter Bodenbedeckung. Die Art lebt überwiegend solitär und zeigt eine deutliche Vorliebe für vom Menschen veränderte Lebensräume wie Gärten und Entwässerungsgräben.

Bei Bedrohung sondert sie aus den Parotoiddrüsen und weiteren Hautdrüsen ein zähflüssiges, weißes Sekret ab, das herzwirksame Substanzen namens Bufotoxine enthält.

Die Art toleriert Temperaturen zwischen etwa 10 und 42 °C und kann ihre Kältetoleranz innerhalb weniger Stunden nach Kontakt mit niedrigen Temperaturen physiologisch anpassen; nördlichere Populationen in den USA sind dabei besser kälteangepasst als südlichere. Diese Anpassungsfähigkeit hat maßgeblich zur erfolgreichen Ausbreitung der Art in klimatisch unterschiedlichen Regionen der Welt beigetragen.

In den ungewöhnlich dichten australischen Populationen hat sich das Verhalten der Kaulquappen messbar verändert: Sie zeigen eine etwa 30-fach höhere Neigung, ältere Artgenossen zu kannibalisieren, und setzen dies auch 2,6-mal häufiger tatsächlich um als Kaulquappen im südamerikanischen Ursprungsgebiet. Zudem verkürzen sie ihre Larvenphase, wenn ältere Kaulquappen anwesend sind – eine rasche evolutionäre Reaktion auf den Konkurrenzdruck in den eingeführten Beständen.

Kommunikation

Männchen versammeln sich an ruhigen oder langsam fließenden Gewässern und locken dort in lautstarken Chören Weibchen an – akustische Signale sind der zentrale Kommunikationskanal während der Paarungszeit. Ergänzend spielen taktile und chemische Signale eine Rolle, etwa bei der Orientierung und beim direkten Kontakt zwischen Individuen.

Jagd und Ernährung

Die Aga-Kröte jagt überwiegend nachts und durchstreift dabei sowohl reife Wälder als auch Straßenränder auf der Suche nach Beute, die sie als Lauerjäger im Vorbeikommen erfasst.

In Südflorida ernährt sie sich hauptsächlich von Ameisen, Käfern und Ohrwürmern und ist damit vor allem ein Insektenfresser. In Mageninhalten wurden darüber hinaus Libellen, Heuschrecken, Wanzen, Krebstiere, Schnecken sowie Pflanzenmaterial nachgewiesen.

Als besonders anpassungsfähiger Fresser verschmäht die Art selbst Hunde- und Katzenfutter nicht, wenn es in ihrer Umgebung verfügbar ist – ein Zeichen dafür, wie konsequent sie in menschlich geprägten Lebensräumen praktisch jede erreichbare Nahrungsquelle nutzt.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Aga-Kröten sind polygynandrisch: Männchen versammeln sich in stehenden oder langsam fließenden Gewässern und rufen, um Weibchen anzulocken. Nicht selten befruchten mehrere Männchen die Eier eines einzelnen Weibchens, während besonders erfolgreiche Männchen sich innerhalb einer Saison mit mehreren Weibchen paaren.

Ab einem Alter von etwa zwei Jahren legen Weibchen ihre Eier in langen, gallertartigen Schnüren ab, die an Steinen, Treibgut oder aufragender Vegetation befestigt werden; eine einzelne Eiablage kann mehr als 30.000 schwarze, membranumhüllte Eier von 1,7 bis 2,0 Millimetern Durchmesser umfassen. In tropischen Teilen des Ursprungsgebiets erfolgt die Fortpflanzung nahezu ganzjährig, in subtropischen Regionen dagegen saisonal, zu Beginn der Regenzeit.

Die Eier schlüpfen je nach Temperatur innerhalb von 2 bis 7 Tagen, in Extremfällen bereits nach 14 Stunden oder erst nach fast einer Woche. Aus den schwarzen, kurzschwänzigen Kaulquappen entwickeln sich innerhalb von 12 bis 60 Tagen, typischerweise vier Wochen, fertige Jungtiere von etwa 10 bis 11 Millimetern Länge, die danach rasch wachsen.

Nach der Befruchtung erfolgt keinerlei elterliche Fürsorge. Die Sterblichkeit in den ersten Lebensmonaten ist enorm: Nur etwa 0,5 Prozent der Jungtiere erreichen das Erwachsenenalter, unter anderem weil sie zwischen Metamorphose und Subadultstadium die schützende Toxizität der Larven verlieren, bevor die Parotoiddrüsen voll ausgebildet sind. Als iteropare Art pflanzt sich die Aga-Kröte über mehrere Jahre hinweg jährlich fort; in freier Wildbahn wurden Tiere mit einem Alter von nahezu 25 Jahren dokumentiert.

Bestand und ökologische Rolle

Im nativen Verbreitungsgebiet zählen unter anderem der Breitschnauzenkaiman, die Bänderkatzenaugennatter, Aale und verschiedene Killifisch-Arten sowie Kugelameisen zu den natürlichen Fressfeinden der Aga-Kröte und ihrer Kaulquappen.

In eingeführten Gebieten haben mehrere Arten Strategien entwickelt, um trotz der Toxizität von der Kröte zu profitieren. Besonders bemerkenswert ist die australische Wasserratte Rakali: Sie lernte innerhalb von nur zwei Jahren, gezielt die größten Kröten auszuwählen, sie umzudrehen, die giftige Gallenblase zu entfernen und mit chirurgischer Präzision nur Herz und Oberschenkelmuskulatur zu fressen. Auch Krähen und Milane drehen Kröten um und fressen ausschließlich ungiftige Organe, während Ameisenarten wie die Meat Ants gegen das Toxin immun sind und die Kröten direkt angreifen können, sobald diese in ihrer typischen Abwehrhaltung verharren.

Opossum-Arten der Gattung Didelphis sowie Sägeschildkröten können die Kröten offenbar ohne Schaden verzehren. Durch ihre Toxizität und ihre schiere Zahl beeinflusst die Aga-Kröte in eingeführten Ökosystemen sowohl das Nahrungsnetz als auch das Verhalten heimischer Prädatoren, die sich erst über Generationen an die neue Beute anpassen müssen.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN stuft die Aga-Kröte als nicht gefährdet (Least Concern) ein – in ihrem nativen Verbreitungsgebiet ist die Art häufig und gilt nicht als schutzbedürftig; auch nach US-amerikanischem Recht und im CITES-Abkommen genießt sie keinen besonderen Schutzstatus.

Die eigentliche Problematik liegt nicht in einer Gefährdung der Art selbst, sondern in ihrer Rolle als eine der weltweit am häufigsten eingeführten Arten: Sie zählt zu den 100 am weitesten verbreiteten invasiven Arten überhaupt. In allen Regionen außerhalb ihres Ursprungsgebiets – etwa in Australien, Florida oder auf zahlreichen Pazifikinseln – gilt sie als Schädling und ist Ziel gezielter Bekämpfungsprogramme.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Nicht gefährdet

Kulturelle Bedeutung

Für die Olmeken galt die Kröte als heiliges Wesen, das durch sein doppeltes Leben im Wasser und an Land ein Symbol für Dualität darstellte; manche Forscher vermuten zudem eine Nutzung ihrer Gifte als Entheogen in rituellem Kontext.

Im südamerikanischen Ursprungsgebiet „molken“ die Embera-Wounaan die Kröten traditionell, um aus dem gewonnenen Gift Pfeilgift herzustellen. In Teilen Perus wird die Kröte nach sorgfältiger Entfernung von Haut und Parotoiddrüsen auch als Nahrungsquelle gejagt und verzehrt.

In jüngerer Zeit fanden die Gifte der Aga-Kröte vielfältige Anwendung: Bufotenin diente in Japan als vermeintliches Aphrodisiakum und Mittel gegen Haarausfall, in China wurde es genutzt, um bei Herzoperationen die Herzfrequenz zu senken, und aktuelle Forschung untersucht mögliche Anwendungen gegen Prostatakrebs. Von Mitte des 20. Jahrhunderts an dienten die Tiere zudem rund zwei Jahrzehnte lang als Standardmethode für Schwangerschaftstests, da sich nach Injektion von Frauenurin Spermien im Urin männlicher Kröten nachweisen ließen; ihre Haut wird außerdem zu Leder und Souvenirs verarbeitet.

Wissenswertes

  1. Der wissenschaftliche Name Rhinella marina legt eine Verbindung zum Meer nahe, doch die Art lebt nicht im Salzwasser – ihre Kaulquappen tolerieren im Freiland dennoch Salzgehalte von bis zu 27,5 Promille.
  2. In freier Wildbahn wird die Aga-Kröte meist 10 bis 15 Jahre alt, ein Tier in menschlicher Obhut soll jedoch nachweislich 35 Jahre erreicht haben.
  3. Aufgrund ihrer weiten Verbreitung und ökologischen Auswirkungen zählt die Aga-Kröte zu den am besten erforschten eingeführten Tierarten überhaupt.
  4. Eine einzelne Laichschnur einer Aga-Kröte kann bis zu 20 Meter lang werden.
  5. Bei der ursprünglichen Ansiedlung in Australien wurden bis März 1937 bereits über 62.000 Jungkröten in freier Natur ausgesetzt.
  6. Gegen die eigentlich bekämpften Zuckerrohrkäfer erwies sich die Kröte als weitgehend wirkungslos, da die Käfer meist an den Spitzen der Pflanzen leben, die von der schlecht kletternden Kröte kaum erreicht werden.

Ökologie

Lebensraum

  • Feuchtgebiet
  • Wald
  • Waldgebiet
  • Grasland

Verhalten

  • Nachtaktiv
  • Räuber
  • Einzelgänger
  • Winterschlaf haltend

Ernährung

  • Insektenfresser

Fotos

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Große, warzige Kröte mit graubraunem bis olivfarbenem Körper, großen ovalen Ohrdrüsen hinter den Augen, goldener Iris und cremefarbener, dunkel gefleckter BauchseiteFoto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipediaAnimal Diversity WebAnAge