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Panama-Stummelfußfrosch

Atelopus zeteki

CRVom Aussterben bedroht
Kleiner goldgelber Frosch mit schwarzen Flecken auf Rücken und Beinen, der auf einem moosbewachsenen Stein am Rand eines Gebirgsbaches sitzt.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

Auf einen Blick

Bekannt für
WaldGebirgeSüßwasserEinzelgängerTerritorialTagaktiv
Klassifikation
Stamm
Chordata
Klasse
Amphibia
Ordnung
Anura
Familie
Bufonidae
Gattung
Atelopus
Art
Atelopus zeteki

Der Panama-Stummelfußfrosch wurde zuletzt 2006 in freier Wildbahn gefilmt, für die BBC-Serie Life in Cold Blood – seither gilt er möglicherweise seit 2007 als in der Natur ausgestorben, obwohl die IUCN ihn offiziell noch als vom Aussterben bedroht einstuft.

Trotz seines Namens ist Atelopus zeteki keine Kröte im engeren deutschen Wortsinn, sondern eine echte Kröte der Familie Bufonidae, die in den bachdurchzogenen Nebelwäldern der Cordillera im westlichen Zentralpanama beheimatet ist. Heute existieren die letzten gesicherten Bestände praktisch nur noch in Zuchtprogrammen außerhalb ihres natürlichen Lebensraums.

Seine leuchtende Farbe, seine Rolle als Nationalsymbol und die dramatische Geschichte seines fast vollständigen Verschwindens machen ihn zu einem der bekanntesten Fallbeispiele für das weltweite Amphibiensterben.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal ist die leuchtend gelbgrüne bis goldgelbe Haut, die bei vielen Tieren von schwarzen Flecken auf Rücken und Beinen durchbrochen wird – eine Warnfärbung, die auf die Toxizität der Haut hinweist. Ursprünglich wurde die Art als Unterart von Atelopus varius beschrieben, gilt inzwischen aber als eigenständige Art.

Weibchen sind deutlich größer als Männchen: Sie erreichen 45 bis 63 mm Körperlänge und wiegen 4 bis 15 g, während Männchen nur 35 bis 48 mm lang werden und 3 bis 12 g wiegen. Dieser Größenunterschied zwischen den Geschlechtern ist bei der Paarung deutlich sichtbar, wenn ein Männchen sich am Rücken eines Weibchens festklammert.

Da Atelopus zeteki zur Familie der Bufonidae gehört, handelt es sich trotz der gebräuchlichen Bezeichnung „Frosch“ tatsächlich um eine echte Kröte mit der für Stummelfußkröten typischen gedrungenen Körperform und den kurzen, kräftigen Gliedmaßen.

Verbreitung und Lebensraum

Atelopus zeteki ist endemisch in Panama und kommt ausschließlich an den Osthängen der Tabasará-Bergkette in den Provinzen Coclé und Panamá vor, wo die Tiere entlang schnell fließender Gebirgsbäche in Nebelwäldern leben. Früher reichte das Verbreitungsgebiet weiter östlich bis zur Stadt El Copé in der westlichen Provinz Coclé, doch diese Population brach 2004 durch die Pilzkrankheit Chytridiomykose rapide zusammen.

Jährlich geht weiterer Lebensraum durch kleine Landwirtschaftsbetriebe, kommerzialisierte Agrarflächen, Holzwirtschaft, Viehweiden, Industrieausbau und Immobilienentwicklung verloren. Heute werden Tiere in mehr als 50 Institutionen in Nordamerika und Panama in Zuchtprogrammen gehalten, weil in der Wildnis keine gesicherten Populationen mehr bekannt sind.

GBIF-Beobachtungsdaten zeigen ein klares saisonales Muster mit einem deutlichen Höhepunkt im Januar (188 Meldungen) und einem kleineren zweiten Anstieg im Dezember (40 Meldungen), während in den übrigen Monaten nur einzelne bis wenige Dutzend Meldungen vorliegen. Solche Zahlen spiegeln lediglich, wann Beobachter aktiv waren, und lassen keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Bestandsgröße oder das vollständige Verbreitungsgebiet zu.

Karte der dokumentierten Nachweise von Atelopus zeteki
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
188
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Verhalten und Lebensweise

Charakteristisch ist ein ausgeprägtes Territorialverhalten: Die Tiere bleiben meist ihr Leben lang an derselben Stelle am Bach und reagieren sofort, wenn ein anderes Männchen in ihr Revier eindringt. Obwohl der Art das Trommelfell fehlt – sie gehört zu den „ohrlosen“ Froscharten – kann sie trotzdem die Richtung von Lauten bestimmen, was unter Amphibien ohne Trommelfell bemerkenswert ist.

Zur Kommunikation nutzt Atelopus zeteki neben Kehllauten auch eine Art Semaphorik: Die Tiere winken mit den Vorderbeinen, um Rivalen zu warnen oder für die Balz zu werben. Begegnen sich zwei Männchen, kann dieses Winken in offen aggressives Verhalten übergehen, begleitet von pulsierenden Rufen, mit denen ein Tier seine Position im Konflikt behauptet.

Gegenüber Fressfeinden setzt die Kröte auf eine deutliche visuelle Warnung: Sie hebt und winkt mit dem Fuß, um die eigene, giftige Färbung hervorzuheben, und steigert diese Signale in Frequenz und Lautstärke, wenn der Angreifer nicht abzieht. Dieser Schutz ist jedoch nicht absolut – die Nattern-Art Erythrolamprus epinephalus kann das Gift der Kröte offenbar verstoffwechseln und ist damit einer der wenigen Fressfeinde, die sich davon nicht abhalten lassen.

Bei Tag halten sich erwachsene Männchen am Boden in Bachnähe auf, ziehen sich in der Nacht aber auf Bäume zurück. Dieses nächtliche Klettern gibt ihnen Vorteile beim Hören und Fühlen von sich nähernden Fressfeinden, da eine rein visuelle Fluchtstrategie im Dunkeln nicht funktioniert.

Bestand und ökologische Rolle

Unter idealen Bedingungen kann Atelopus zeteki bis zu 12 Jahre alt werden. Eine ökologisch bemerkenswerte Anpassung ist die halb-visuelle Kommunikation per Handwinken, die sich wahrscheinlich als Reaktion auf den Lärm der schnell fließenden Bäche entwickelt hat, in denen die Art lebt – akustische Rufe allein reichen dort offenbar nicht aus.

Die Geschlechter nutzen den Lebensraum unterschiedlich: Männchen bleiben ganzjährig in Bachnähe, wo auch die Fortpflanzung stattfindet, während sich Weibchen außerhalb der Paarungszeit in den umgebenden Wald zurückziehen. Diese räumliche Trennung prägt, wie die Art ihren begrenzten Lebensraum entlang der Bachläufe aufteilt.

Die Entwicklung verläuft über vier Stadien – Larve, Jungtier, Subadult und Adult – die eng an das Bachökosystem gebunden sind. Die Kaulquappen ernähren sich sechs bis sieben Monate lang von Algen in Flachwasserzonen unterhalb kleiner Wasserfälle und tragen damit zur Algenregulierung in ihrem Lebensraum bei, bevor sie sich zu jungen Kröten umwandeln.

Schutz und Bedrohungen

Die IUCN listet Atelopus zeteki als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered); vieles deutet jedoch darauf hin, dass die Art in der Wildnis bereits seit 2007 verschwunden ist. Der Rückgang begann in den späten 1990er-Jahren in den Hochlandwäldern und führte zu einer wissenschaftlichen Rettungsaktion, die bis heute andauert.

Die größte Bedrohung ist die Pilzkrankheit Chytridiomykose, die 2006 die Region El Valle erreichte; bislang gibt es kein wirksames Mittel, um sie in der Wildnis zu verhindern oder einzudämmen, und ein Versuch mit dem Bakterium Janthinobacterium lividum schlug fehl, weil die Haut der Art dafür ungeeignet war. Kühlere Bedingungen scheinen die Pilzausbreitung zu begünstigen, während trockene Bedingungen die Lebenserwartung infizierter Tiere im Schnitt um 25 Tage verlängern. Hinzu kommen Lebensraumverlust durch Landwirtschaft und Verstädterung, Umweltverschmutzung sowie Bedrohung durch Heimtierhandel und Aquakultur.

Mehrere Institutionen haben Erhaltungszuchtprogramme aufgebaut: Der San Diego Zoo hält seit 2003 Tiere und hat inzwischen über 500 Individuen in Gefangenschaft gezüchtet, will sie aber erst freilassen, wenn die Pilzkrankheit kein Problem mehr darstellt. In Panama selbst gründete der Houston Zoo 2005 das El Valle Amphibian Conservation Center (EVACC), nachdem die Amphibian Recovery Conservation Coalition ab 2004 Tiere zum Schutz in die USA gebracht hatte. Das Projekt „Project Golden Frog“ bündelt wissenschaftliche, pädagogische und zoologische Institutionen in Panama und den USA.

Schutzstatus

  1. LC
  2. NT
  3. VU
  4. EN
  5. CR

Vom Aussterben bedroht

Kulturelle Bedeutung

Der Panama-Stummelfußfrosch ist ein echtes nationales Symbol Panamas und taucht in Kunst, Volksglauben und Alltagskultur auf. Der Glaube, dass ein sterbendes Tier zu Gold wird und Glück bringt, geht auf präkolumbische Goldschmuckstücke und Tonfiguren (Huacas) zurück, die schon damals die Form der Kröte nachbildeten.

2010 erklärte die panamaische Regierung den 14. August offiziell zum „Nationalen Goldfrosch-Tag“, der jährlich mit einer Parade in den Straßen von El Valle de Antón sowie einer Ausstellung im El Nispero Zoo gefeiert wird. Das Bild der Kröte erscheint zudem auf staatlichen Lottoscheinen.

Über die panamaische Kultur hinaus wird das Hautgift der Art seit Jahrhunderten von indigenen Völkern der panamaischen Wälder als Pfeilgift verwendet, und Harlekinkröten allgemein sind in Teilen Mittel- und Südamerikas mit Regen, Fruchtbarkeit und anderen Naturaspekten verknüpft.

Wissenswertes

  1. Die Kaulquappen sind „gastromyzophor“: Mit ihrem abgeflachten, saugnapfartigen Bauch klammern sie sich an glatte Steine in ruhigen Wasserbecken innerhalb schnell fließender Bäche.
  2. Larven sind zunächst dunkelbraun bis schwarz mit goldenen Flecken; bei der Metamorphose färben sich diese Flecken grün und passen sich damit dem moosbewachsenen Bachgestein an.
  3. Subadulte Tiere sind erst etwa 28 mm lang und wiegen rund 1,1 g, bevor sie ihre volle Größe als erwachsene Kröte erreichen.
  4. Die Entwicklung vom Ei zum ausgewachsenen Tier verläuft über vier klar getrennte Stadien: Larve, Jungtier, Subadult und Adult, die jeweils an unterschiedliche Bereiche des Bachlebensraums gebunden sind.

Ökologie

Lebensraum

  • Wald
  • Gebirge
  • Süßwasser

Verhalten

  • Einzelgänger
  • Territorial
  • Tagaktiv
  • Semiaquatisch

Fotos

20 Fotos
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Kleiner goldgelber Frosch mit schwarzen Flecken auf Rücken und Beinen, der auf einem moosbewachsenen Stein am Rand eines Gebirgsbaches sitzt.Foto: via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., CC0

QuellenGBIFiNaturalistWikidataWikipedia