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Holzapfel

Malus sylvestris

Datenlage unzureichend

Der wissenschaftliche Name Malus sylvestris bedeutet „Waldapfel“ und verweist direkt auf seinen bevorzugten Lebensraum. Der Holzapfel, auch Europäischer Wildapfel genannt, ist eine Art der Gattung Malus und in weiten Teilen Westeurasiens heimisch.

Sein Erhaltungszustand gilt laut IUCN als „Data Deficient“, also unzureichend erforscht. Gerade weil er heute selten geworden ist und mit dem Kulturapfel oft verwechselt wird, lohnt sich ein genauerer Blick auf diesen unscheinbaren, aber geschichtsträchtigen Baum.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das zuverlässigste Erkennungsmerkmal liegt in den Blüten: Nur bei einem kahlen Kelch, kahler Blattmittelrippe und kahlen Blattadern auf der Blattunterseite sowie einer höchstens spärlich behaarten Blattoberfläche kann man von einem reinrassigen Holzapfel ausgehen. Die Behaarung des Kelchs gilt dabei als wichtigstes Merkmal, da Hybriden mit dem Kulturapfel selbst bei kahlen Blättern stets einen behaarten Kelch aufweisen.

Der Holzapfel ist ein sommergrüner, kleiner bis mittelgroßer Baum, der auch als mehrstämmiger Strauch wachsen kann. Er wird bis zu 14 Meter hoch, erreicht Stammdurchmesser von meist 23 bis 45 Zentimetern und kann 80 bis 100 Jahre alt werden. Die Rinde ist hellbraun und blättert schuppig ab, die Äste sind dornig, besonders nach Rückschnitt oder Verbiss durch Weidetiere.

Die zwittrigen Blüten erscheinen von Mai bis Juni, kurz vor dem Weißdorn, mit weißen oder rosafarbenen Kronblättern und werden von Insekten bestäubt. Die kleinen, apfelförmigen Früchte reifen im Herbst, fallen dann zu Boden und liegen meist unter 3 Zentimetern Durchmesser.

Von Kulturäpfeln und deren Hybriden unterscheidet sich der Holzapfel durch eine dicht verzweigte Krone, während Kulturäpfel eine lockerere Krone mit weniger, gerader wachsenden Ästen zeigen. Die Blätter sind kleiner, steifer, glänzender und auf der Unterseite oft ganz kahl.

Verbreitung und Lebensraum

Der Holzapfel ist in weiten Teilen Europas verbreitet, mit Ausnahme des äußersten Nordens und Südens, und kommt außerdem in Anatolien und im südlichen Kaukasus vor. Er wächst meist verstreut, als Einzelbaum oder in kleinen Gruppen, nie in dichten Beständen.

Aufgrund seiner schwachen Konkurrenzkraft und seines hohen Lichtbedarfs findet man ihn vor allem dort, wo der Konkurrenzdruck geringer ist: an feuchten Waldrändern, in Hutewäldern, in Feldhecken oder an extremen Grenzstandorten. Auf den Britischen Inseln kommt er in ganz Irland, England und Wales vor, in Schottland seltener, dort vor allem in Wäldern und Weidewäldern.

Beobachtungsdaten zeigen eine deutliche saisonale Häufung der Nachweise in den Monaten Mai bis August, was auf eine bessere Sichtbarkeit während der Blüte und Belaubung hindeuten könnte, nicht auf eine tatsächliche Bestandsgröße.

Karte der dokumentierten Nachweise von Malus sylvestris
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
15.506
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

In der irischen Mythologie gilt der Apfel als Symbol für Heilung, Erneuerung und Fruchtbarkeit, wobei er besonders mit der Anderswelt in Verbindung gebracht wird. Auch der altenglische Neun-Kräuter-Segen, eine Heilbeschwörung aus dem 10. Jahrhundert im Lacnunga-Manuskript, nennt den Holzapfel unter neun heiligen Pflanzen, die gegen Gifte und Krankheiten wirken sollten.

In der griechischen Mythologie schenkte die Erdgöttin Gaia der Himmelskönigin Hera einen Apfel, und in der römischen Kultur stand der Apfel, dessen lateinischer Name Malus lautet, häufig symbolisch für Liebe, Schönheit, Fruchtbarkeit und mitunter auch Zwietracht, wie im Urteil des Paris mit dem goldenen Apfel der Zwietracht.

Schutz und Bedrohungen

Der IUCN stuft den Holzapfel als „Data Deficient“ ein, was bedeutet, dass die Datenlage für eine sichere Einschätzung des Erhaltungszustands nicht ausreicht. Dennoch gilt die Art in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets als bedroht und selten.

Die größte Gefahr liegt in der genetischen Vermischung mit dem Kulturapfel, gefolgt vom Ausbleiben natürlicher Verjüngung und moderner Forstwirtschaft, die geschlossene Kronendächer statt der früher üblichen Niederwaldbewirtschaftung fördert. Der Holzapfel ist in vielen Merkmalen an Beweidung und die Anwesenheit großer Pflanzenfresser angepasst und entsprechend stark von ihnen abhängig, etwa bei der Samenverbreitung durch Rinder und Pferde.

Mit dem Aussterben von Wildpferden und Auerochsen sowie dem Beinahe-Aussterben des Europäischen Bisons hat Nutzvieh deren Rolle übernommen. Seit der Abschaffung traditioneller Weidewirtschaft auf Gemeindeland ab dem 16. Jahrhundert und der Verlagerung der Tierhaltung in intensive Betriebe fehlen diese großen Pflanzenfresser jedoch zunehmend in der Landschaft, was zusammen mit dem Verlust halboffener Lebensräume die Verjüngung des Holzapfels erschwert.

Datenlage unzureichend

Wissenswertes

  1. In Großbritannien stehen 93 Insektenarten mit dem Holzapfel in Verbindung, darunter der Weißdornspinner (Scythropia crataegella), dessen Larven sich von seinen Blättern ernähren.
  2. In einer Studie aus Mols in Dänemark stellte sich heraus, dass Rinder den größten Anteil an der Samenverbreitung des Holzapfels hatten, gefolgt von Pferden – trotz der Anwesenheit von Wildtieren.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Sandy Wolkenberg via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Мирослав Соболев via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Fives via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by martinarcand1 via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by The Wrong Industry via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Klassifikation

Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Rosales
Familie
Rosaceae
Gattung
Malus
Art
Malus sylvestris

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract