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Kulturapfel

Malus domestica

Der Apfel, botanisch Malus domestica, ist die am weitesten verbreitete Art seiner Gattung und wird heute weltweit angebaut – dabei stammt sein wilder Vorfahre, Malus sieversii, aus den Gebirgen Zentralasiens und wächst dort noch immer wild.

Über Jahrtausende hinweg hat der Apfel in vielen Kulturen und Religionen eine symbolische Bedeutung erlangt. Wer sich mit seiner Geschichte beschäftigt, entdeckt eine Frucht, deren heutige Vielfalt das Ergebnis jahrtausendealter Zucht und Wanderung entlang alter Handelsrouten ist.

Identifikation und Erscheinungsbild

Das auffälligste Merkmal des Apfelbaums ist seine runde, essbare Frucht, eine sogenannte Sammelbalgfrucht (Pome), die im Inneren meist fünf harte Kammern mit je einem oder zwei Samen enthält. Je nach Sorte variiert der Fruchtdurchmesser stark zwischen 2,5 und 12 cm, wobei die Form von fast rund über länglich bis konisch reichen kann.

Der Baum selbst ist sommergrün und erreicht in Kultur meist 2 bis 4,5 Meter, wild wachsend bis zu 15 Meter, wobei Größe und Kronenform stark von der gewählten Unterlage und dem Schnitt abhängen. Die Rinde des Stammes ist dunkelgrau bis graubraun, junge Zweige sind rötlich bis dunkelbraun und zunächst fein behaart, später kahl.

Die Blätter sind einfach, oval bis eiförmig mit grob gezähntem Rand, oberseits fast kahl und unterseits dicht behaart. Im Frühjahr erscheinen gleichzeitig mit dem Laubaustrieb die Blüten: fünfblättrig, 3 bis 4 cm im Durchmesser, zunächst rosa und beim Aufblühen zu Weiß oder Hellrosa verblassend, in Gruppen von drei bis sieben Blüten angeordnet.

Die reife Fruchtschale zeigt eine Grundfarbe von Gelb, Grün oder Gelbgrün, oft überlagert von Orange-, Rosa-, Rot- oder Braunrottönen, teils mit rauer, brauner Berostung. Das Fruchtfleisch ist meist blassgelblich-weiß, kann aber auch rosa, gelb oder grün gefärbt sein.

Verbreitung und Lebensraum

Der Apfelbaum wird heute in gemäßigten Klimazonen weltweit kultiviert, seinen Ursprung hat er jedoch in den Gebirgen Zentralasiens, insbesondere am Tian-Shan. Die Art hat sich seither durch Anbau in ganz Eurasien und, seit der Kolonialzeit, auch in Nord- und Südamerika verbreitet.

Beobachtungsdaten aus dem Jahresverlauf zeigen eine deutliche Häufung im späten Frühjahr und Sommer, mit einem Höhepunkt zwischen April und Juli – dies spiegelt vermutlich die Blüte- und Wachstumsphase wider, in der der Baum am auffälligsten und am ehesten beobachtbar ist, lässt aber keine Rückschlüsse auf tatsächliche Bestandsgrößen zu.

Karte der dokumentierten Nachweise von Malus domestica
Wo die Art nachgewiesen wurde · GBIF
19.559
JanFebMärAprMaiJunJulAugSepOktNovDez
Monatliche Vorkommenszahlen · GBIF

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Apfelbäume sind selbstinkompatibel und benötigen zur Fruchtbildung Fremdbestäubung durch andere Bäume derselben oder einer eng verwandten Blühgruppe. Honigbienen übernehmen dabei die Hauptrolle als Bestäuber, ergänzt in manchen Obstgärten durch Mauerbienen; Hummelköniginnen kommen zwar vor, sind aber meist zu selten, um eine bedeutende Rolle zu spielen.

Da aus Samen gezogene Apfelbäume ihren Elternpflanzen genetisch kaum ähneln – sie gelten als extreme Heterozygoten – lassen sich sortenreine Bäume nur durch Veredelung, also das Aufpfropfen von Trieben auf eine Unterlage, vermehren. Die Wahl der Unterlage bestimmt dabei nicht nur die Endgröße des Baumes, sondern auch Winterhärte, Krankheitsresistenz und Bodenansprüche; Zwergunterlagen, die bereits seit der Antike in Persien und Kleinasien bekannt waren, erzeugen kleine Bäume, die früher und leichter zu ernten sind.

Neue Sorten entstehen meist zufällig aus Sämlingen oder durch gezielte Kreuzung, gelegentlich auch durch spontane Knospenmutationen an einem einzelnen Zweig. Die Blütezeit der Sorten wird in mehrere Gruppen von A bis H eingeteilt, je nach Zeitpunkt der Hauptblüte zwischen Anfang Mai und Ende Mai in England; nur Sorten aus benachbarten Gruppen können sich gegenseitig bestäuben.

Nutzung und Bedeutung für den Menschen

Der Apfel gilt seit Jahrtausenden als eine der wichtigsten Kulturfrüchte Eurasiens. Seine Domestizierung begann vermutlich vor 4.000 bis 10.000 Jahren an den Hängen des Tian-Shan-Gebirges und verbreitete sich von dort über die Seidenstraße nach Europa, wobei sich die Kulturform durch Einkreuzung mit wilden Wildäpfeln aus Sibirien, dem Kaukasus und Europa weiterentwickelte.

Schon in der römischen Antike war der Anbau von Äpfeln weit verbreitet, und die Veredelungstechnik war bereits bekannt, um besonders geschätzte Sorten zu erhalten. Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere beschrieb im 1. Jahrhundert Methoden zur Lagerung von Äpfeln in gut belüfteten Räumen auf Stroh oder Spreu; im mittelalterlichen Europa trocknete man geschälte und entkernte Äpfel zur längeren Haltbarkeit.

Mit spanischen Siedlern erreichte der Apfel im 16. Jahrhundert den Chiloé-Archipel, mit englischen Kolonisten im 17. Jahrhundert Nordamerika – die einzigen dort ursprünglich heimischen Äpfel waren Wildäpfel. Mitgebrachtes Saatgut verbreitete sich entlang indigener Handelsrouten und auf Kolonialfarmen, sodass ein Katalog aus dem Jahr 1845 bereits 350 als 'beste' geltende Sorten anbot – ein Zeichen für die rasche Sortenvielfalt, die im 19. Jahrhundert in Nordamerika entstand.

Wissenswertes

  1. In China werden sogenannte Chinesische Weichäpfel wie Malus asiatica und Malus prunifolia seit mehr als 2.000 Jahren als Dessertäpfel kultiviert.
  2. Anders als bei vielen anderen domestizierten Früchten ist die wilde Ausgangsform Malus sieversii nur wenig kleiner als der moderne Kulturapfel.
  3. In Norditalien wurden bei Sammardenchia-Cueis Apfelsamen gefunden, die auf die Zeit zwischen 6570 und 5684 vor unserer Zeitrechnung datiert werden – es ist unklar, ob es sich um Wildäpfel oder frühe Kulturformen handelte.
  4. In der griechischen, russischen und nordischen Mythologie galten Äpfel als Symbole für Unsterblichkeit, Wiedergeburt, Liebe und Romantik.

Fotos

Fotos von via iNaturalist, licensed under CC0 1.0., by Sandy Wolkenberg via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Мирослав Соболев via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by Fives via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., by martinarcand1 via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0. und by The Wrong Industry via iNaturalist, licensed under CC BY 4.0., mit Namensnennung bei jedem Bild.

Ökologie und Klassifikation

Wuchsform

  • Baum

Klassifikation

Stamm
Tracheophyta
Klasse
Magnoliopsida
Ordnung
Rosales
Familie
Rosaceae
Gattung
Malus
Art
Malus domestica

Quellen

  1. GBIF Species names and classification
  2. iNaturalist Photos
  3. Wikidata Common names and conservation status
  4. Wikipedia Summary extract