Der Kleingefleckte Katzenhai (Scyliorhinus canicula) zählt zu den häufigsten Haien im Nordostatlantik und im Mittelmeer.
Er ist ein kleiner Knorpelfisch aus der Familie der Katzenhaie (Scyliorhinidae). Er lebt auf Schelfen und den obersten Hangzonen, von Norwegen und den Britischen Inseln bis Senegal sowie im Mittelmeer. Die längste bekannte Lebensspanne liegt bei , oft bei Tieren in Gefangenschaft.
Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Art als nicht gefährdet. Gerade die Kombination aus großer Häufigkeit und einer Lebensweise am Meeresboden macht sie zu einem guten Beispiel für die Vielfalt der Haie in europäischen Gewässern.
Identifikation und Erscheinungsbild
Das auffälligste Merkmal ist die raue Haut, die sich anfühlt wie Schleifpapier. Der Körper ist schlank, der Kopf stumpf, und die beiden Rückenflossen sitzen weit hinten nahe dem Schwanzansatz. Die Art wird bis etwa 1 m lang.
Die Oberseite ist graubraun und trägt dunkelbraune Flecken, die Unterseite ist hellgrauweiß. Die Nasenöffnungen liegen auf der Unterseite der Schnauze und sind über eine gebogene Rinne mit dem Maul verbunden.
Männchen unterscheiden sich von Weibchen vor allem durch größere Zähne. Männchen aus westafrikanischen Gewässern haben zusätzlich kräftigere, größere und stärker verkalkte Kiefer. Auch zwischen unreifen und adulten Männchen gibt es Unterschiede bei Maul und Zähnen. Diese könnten mit der Ernährung oder mit dem Paarungsverhalten zusammenhängen.
Verbreitung und Lebensraum
Der Kleingefleckte Katzenhai besiedelt die Schelfe und die obersten Hangbereiche des Nordostatlantiks und des Mittelmeers. Sein Verbreitungsgebiet reicht von Norwegen über die Britischen Inseln bis Senegal, zwischen 63° N und 12° N.
Bevorzugt lebt er auf sandigen, kiesigen oder schlammigen Böden. Er kommt von wenigen Metern Wassertiefe bis in etwa 400 m Tiefe vor.
Zeitweise häufen sich die Nachweise im Herbst, mit einem Schwerpunkt im Oktober und November.

Jagd und Ernährung
Der Kleingefleckte Katzenhai ist ein opportunistischer Jäger am Meeresboden. Er sucht und fängt Krebstiere, Weichtiere und Fische, die den Hauptteil seiner Beute stellen. Auch Stachelhäuter, Borstenwürmer, Spritzwürmer und Manteltiere können auf seinem Speiseplan stehen.
Die Beute wechselt mit dem Alter und der Körpergröße. Junge Tiere fressen vor allem kleine Krebstiere, ältere Tiere bevorzugen Einsiedlerkrebse und Weichtiere. Die Nahrungsaufnahme ist im Sommer am stärksten, wenn mehr Beute verfügbar ist. Zwischen Männchen und Weibchen gibt es keine nennenswerten Unterschiede im Fressverhalten.
Jungtiere halten ihre Beute mit den Hautzähnchen nahe dem Schwanz fest. Mit schnellen Bewegungen von Kopf und Kiefern reißen sie bissgerechte Stücke ab.
Fortpflanzung und Lebenszyklus
Der Kleingefleckte Katzenhai legt Eier. Die Eihüllen sind von einer hornigen Kapsel mit langen Haftfäden umgeben. Die Weibchen setzen sie vor allem auf Makroalgen im flachen Küstenwasser ab. Weiter vom Ufer entfernt werden sie an festsitzenden, aufrechten wirbellosen Tieren befestigt.
Eine Eihülle misst meist etwa 4 × 2 cm und überschreitet 6 cm nie. Die Embryonen entwickeln sich je nach Meerestemperatur 5 bis 11 Monate lang. Die Jungtiere schlüpfen mit einer Länge von 9 bis 10 cm.
Die Fortpflanzung kann fast das ganze Jahr über stattfinden, doch es gibt saisonale Muster. An der französischen Mittelmeerküste legen die Weibchen von März bis Juni und im Dezember ab. Rund um Großbritannien erfolgt die Eiablage im Frühjahr, mit einer Pause zwischen August und Oktober. Vor der tunesischen Küste beginnt sie im Frühjahr, erreicht im Sommer ihren Höhepunkt und lässt im Herbst etwas nach.
Männchen werden bei einer Länge von etwa 37,1 bis 48,8 cm geschlechtsreif, Weibchen bei 36,4 bis 46,7 cm.
Schutz und Bedrohungen
Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Kleingefleckte Katzenhai als nicht gefährdet. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der weltweite Bestand deutlich zurückgegangen ist.
Die Art gehört im Nordostatlantik und im Mittelmeer zu den häufigsten Haien. Küstennahe Fischereien fangen sie regelmäßig. Der größte Teil der gefangenen Tiere wird jedoch zurückgeworfen, und rund 98 % überleben das. Lokal kann es in einzelnen Gebieten zu Rückgängen gekommen sein, doch in den meisten Teilen des Verbreitungsgebiets sind die Bestände stabil oder steigen sogar.
Seit 2003 werden jährlich Tiere im Gullmarsfjord in Schweden ausgesetzt, und zwar vom öffentlichen Aquarium Havets Hus in Lysekil. Mehr als 90 Tiere wurden seither freigelassen. Ein Tier wurde zehn Jahre nach dem Aussetzen in Südnorwegen gefunden, was zeigt, dass die Tiere mindestens 14 Jahre alt werden können. Die fortlaufende Kontrolle der Anlandungen und der Rückwürfe bleibt wichtig, um einen künftigen Rückgang zu verhindern.
Wissenswertes
- Linnaeus beschrieb die Art 1758 zunächst als Squalus canicula. Der heute gültige Name Scyliorhinus canicula wurde später festgelegt.
- Der Gattungsname Scyliorhinus stammt aus dem Griechischen: „skylla“ bezeichnet eine Art Hai, „rhinos“ bedeutet Nase.
Fotos
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Ökologie und Klassifikation
Klassifikation
- Stamm
- Chordata
- Klasse
- Elasmobranchii
- Ordnung
- Carcharhiniformes
- Familie
- Scyliorhinidae
- Gattung
- Scyliorhinus
- Art
- Scyliorhinus canicula
Quellen
- GBIF Species names and classification
- iNaturalist Photos
- Wikidata Common names and conservation status
- Wikipedia Summary extract
- AnAge Longevity



